Versöhnung via Feldaltar – ein offener Brief an Wolfgang Huber

Marcus Große / Potsdam

OFFENER BRIEF

AN HERRN WOLFGANG HUBER

POTSDAM, 9.JULI 2011

Wolfgang Huber bekleidete bis November 2009 das Amt des Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. 

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Werter Herr Huber,

NEIN!, es gibt kein bedingungsloses, blökendes Folgen den Hirten, und NEIN!, es gibt auch keinen Fraktionszwang des Glaubens. NEIN!, das alles gibt es nicht mehr. Als kritischer Christ bin ich schockiert über ihren Einsatz für den Wiederaufbau der Garnisonkiche zu Potsdam im Namen des Herrn.

Ich bin fassungslos, dass Sie den Gott der Liebe – meinen Gott, unseren Gott – vor den Karren einer so düsteren, vergangenheitsverliebten Idee spannen. Was bewegt Sie, für die Errichtung eines Baus einzutreten, der in seiner Grundintention und seinem Gebrauch aufs wortwörtlichste mit jenem soldatischen Geiste verwoben ist, der seit Jahrhunderten und fortlaufend die Menschheit sich Schreckliches antun lässt?

2011 und Deutschland führt wieder Krieg. Gerade weil die Einsätze der Bundeswehr in Potsdam zusammenlaufen – vom Einsatzführungskommando in Geltow koordiniert – und weil im Krieg Menschen sterben, muss die evangelische Kirche sich bekennen und positionieren. Die Befürwortung des Wiederaufbaus der Garnisonkirche sehe ich als Verrat am Evangelium.

Herr Huber, die Botschaft Jesus Christi kennt weder Waffen noch Helme, weder Rangabzeichen noch militärische Traditionen. Ich habe Sie erlebt bei der Eröffnung der temporären Kapelle an der Garnisonkirche am 25. Juni 2011. Eine Offenbarung. Sie sprachen von einem ehemaligen Feldaltar aus. Ein Feldaltar aber – und da kann er voll historischer Patina sein wie er will – ist und bleibt ein Kriegsmöbel. Die Befürworter des Wiederaufbaus haben sich Versöhnung auf die Fahne geschrieben, aber nie erklärt, wer sich denn nun in diesem millionenteuren Bau versöhnen soll. Sie aber haben es gesagt: Es sollen sein die Menschen mit Gott. Herr Huber, das aber ist die Einladung und Geste einer jeden unserer Kirchen. Ihnen dürfte es bekannt sein, dass wir vor der schier unlösbaren Aufgabe stehen, unsere wunderschönen Brandenburger Feldstein-Dorfkirchen zu erhalten. Jene Felder aber, auf denen diese Gemäuer gesammelt, sind die Felder der Ernte, des Friedens und des Lebens.

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