Die Grenzen der Physik oder Kirchturm im Weg.

von Henri Herborn

Vorfahrt für Kirchtürme und andere schöne Scheinbauten heißt es in Potsdam. Seit Jahren behindert ein dreist auf den Gehweg gebautes Kirchenportal die Fußgänger vor dem Rechenzentrum. Doch der geplante Turm des Kirchnachbaus wird alle Verkehrsteilnehmer einander noch näher bringen. Jedoch nicht mit den Bordmitteln der Religion, sondern durch Missachtung der Physik. (Zugegeben: Zwischen beidem gibt es eine historische Nähe.) Wo ein Körper ist, kann kein Zweiter sein, schrieb Archimedes und so kann kein fließender Verkehr, kein sicheres Miteinander sein, wo ein massiger Turm von fremder Hand in eine Stadt gewürgt wird.

Der Turm des Garnisonkirchennachbaus soll mit über 7 Metern auf Geh- und Radweg, sowie auf dem ersten Fahrstreifen der Breiten Straße stehen.   (Quelle: BPlan 1 der Stadt Potsdam 20120) Macht nichts, dachten die preußischen Raumeroberer, dass sind nur unterlegene Verkehrsteilnehmer und Rechtsabbieger. Dem schloss sich die Stadt Potsdam an, fasste den Verkehrsbereich der Fußgänger und Radfahrer auf einer Breite von nur 1,60m vor dem Turmgebäude zusammen. (Quelle: Protokollantwort aus SVV Potsdam)

Ganz nach dem Vorbild des geteilten Verkehrsraumes vor dem Mercure-Hotel. Dort tanzen und schleichen Fußgänger und Radfahrer auf gemeinsamen Wegen umeinander, der schlanke Landtag verleibte sich die getrennten und damit sicheren Wege ein. Jedoch: Mitteschön! Bitteschön!

So werden auch vor dem Kirchturm Radfahrer tagtäglich neu aushandeln dürfen, wo und wie sie Fußgänger umfahren oder um-fahren. Wie gut, dass der Stadt Potsdam noch niemand von ihrem 2008 erstellten Radnutzungskonzept berichtet hat (Quelle: Seite 16 des Radverkehrskonzept der Stadt Potsdam).

Sie würde das Zweifeln lernen müssen, steht doch dort, dass keine Straße in Potsdam von Radfahrern so frequentiert wird, wie die Breite Straße und sich der Bau von Nadelöhren auf Verkehrshauptschlagadern qua Menschenverstand verbietet.

Die scharfen Rechner unter Ihnen werden bereits 7m Turm und 1,6m Geh-/Radweg addiert haben und sich fragen: Wo bitte soll sich der alltägliche dreispurige Stau der Automobilisten in Zukunft ergießen?

Dazu zwei Antworten:

1.     Herzlichen Glückwunsch zu dieser Frage, Sie dürften zu den Ersten gehören, die sie stellten. Weder im Rathaus noch unter dem blendenden Geiste der Nachbauwilligen war man zu solch Logik Willens.

2.      Wir wissen es auch nicht und verweisen abermals auf Archimedes.

Ein Gedanke zu “Die Grenzen der Physik oder Kirchturm im Weg.

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