Die gute Absicht – der falsche Ort.

Nach dem erfolgreichen Start der Protestaktion ERST FRAGEN, DANN BAUEN! fiel vor allem eines auf: Die Gemeinschaft der Eröffnungsbesucher der Ausstellung, sicher durchweg Förderer des Nachbauprojektes, trennte sich bereits beim erstmaligen Kontakt mit den offenen Fragen der Potsdamer Bürger in zwei Grüppchen.

Fragen die spalten. (Bildrechte: HH)

Ablage 4Z

Die einen sahen eine bunte, offene, in jeder Hinsicht heterogene Truppe von Fragestellern, fühlten sich gestört in ihrem feierlichen Vorhaben dem Überkommenen, Vergangenen zu alter Wirkungskraft zu verhelfen und schubladierten die Protestierenden pauschal in das Fach 4Z. Zu viel Zeit zum Zanken hätten wir, nicht zu würdígen wüssten wir ewigen Nörgler die Bemühungen der Fassadenwiederhersteller. Ende der Auseinandersetzung.

Die angenehme Überraschung

Jedoch das zweite Grupetto unter den Neubaubefürwortern sah eine bunte, offene, in jeder Hinsicht heterogene Truppe von Fragestellern und interessierte sich für die Gründe, die wohl gegen das Projekt sprechen sollten. Es blieben Menschen vor unseren Fragen stehen, lasen, dachten und diskutierten. Es schienen Unterstützer zu sein, die ihren Willen zur Wiederauferstehung der Garnisonkirche nicht mit der Schönheit der Höhendominante und der Glorie des Militärschmuckes begründen, sondern mit dem Ruf nach Versöhnung und Gedenken.

Wir fragen uns: Wird Gruppe B von Gruppe A hinters Licht geführt? Wieviel Versöhnung und Gedenken werden in der Garnisonkirche 2017 stecken?

So hoch der Turm der Kirche auch sein wird: Der Versöhnungsgedanke kommt außer Sichtweite.

Hinweis A

2002 sagte der Vorsitzende der Deutsch-Englischen Gemeinschaft Hermann Freiherr von Richthofen zu dem Vorhaben der Evangelischen Kirche, das Nagelkreuz von Coventry an Stelle des Preußenadlers auf der Spitze des Garnisonkirchturms zu montieren: „Dies wäre ein sichtbarer Ausdruck für Versöhnung und Verständigung, würde der europäischen Geschichte Potsdams sinnvoll Rechnung tragen“.  (Quelle) 2011 erklärte Johann-Peter Bauer, Kapitän z.S. a.D. und Ministerialdirigent a.D dieses Versöhnungszeichen für ad acta gelegt. Die Turmspitze werde originalgetreu nachgebaut. „Das Nagelkreuz wird vor der Kirche stehen“. (Quelle)  Preußenadler und Insignien werden über Potsdam glänzen und doch ist es nicht dieser doppeldeutige Akt, der deutlich vom falschen Weg der Garnisonkirche erzählt. Es ist die Tatsache, dass die Versöhnung nicht an erster Stelle des Neubaus steht, dass Hülle vor Inhalt kommt, dass Kunst vor Kultur kommt und Geschichte vor Gegenwart.

Hinweis B

Seit der vergangenen Woche liegt die Detailplanung der Neubauwilligen für die Garnisonkirche vor. Beeindruckend ist jedes Detail erfasst, jeder Meter nun faktensicher errechnet. Jede Türklinke gezählt und kalkuliert. – Doch wo ist die ausformulierte, zugesicherte, kalkulierte Planung für das ehemalige Versöhnungszentrum der Garnisonkirche, welches bereits zu einem Ort der Versöhnung herabgestuft wurde? Wie kann der inhaltliche Kern des Bauprojektes bisher nur aus Idee und Wort bestehen, wo doch bereits Flammenvasen aus 22m Höhe hergestellt werden? – Liegt es daran, dass dem Garnisonkirchenneubau sein Kern abhanden kommt? Die Versöhnung nie der Kern war?

Es ist sicher nicht so, dass die Sorgen der durch Versöhnung motivierten Bauförderer  zu den Hauptaufgaben der Bürgerinitiative gehören. Doch erscheint seit der Konfrontation mit den offenen Fragen Potsdams das Deckmäntelchen der Versöhnung zu dünn, zu zart, zu kurz für 88 Meter barocke Turmhöhe mit Preußenadler.

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