Tausche Straßenumbau gegen Kirchenfinanzierungskonzept! – „Die Andere“ stellt Antrag in SVV

Die Erkenntnisse der letzten Wochen über das dürftige Fianzierungskonzept, die Positionen der evangelischen Kirche und des Landesdenkmalamtes gegen eine Bezuschussung des Nachbaus der Garnisonkirche aus kirchlichen oder öffentlichen Mitteln, werden nun stadtpolitisch verwendet.

Die Fraktion Die Andere des Stadtparlamentes Potsdam stellte am 16.02.12 den
folgenden Antrag:

Quelle: A 12 140 VerschiebRueckbauBreiteStr

Antrag Drucksache 12/SVV/0140 b 

Beschlussvorschlag:
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
Der geplante Umbau der Breiten Straße wird solange ausgesetzt, bis ein tragfähiges Finanzierungskonzept für den Wiederaufbau der Garnisonkirche durch die Stiftung Garnisonkirche vorgelegt, geprüft und verbürgt ist, welches den Wiederaufbau innerhalb einer üblichen Bauzeit von maximal zwei Jahren sicherstellt.

Begründung:
Im Rahmen der aktuellen Planung zum Aufbau der Garnisonkirche soll der Verkehrsraum in der Breiten Straße zurückgebaut werden, da der ehemalige Standort des Kirchturmes in den heutigen Straßenraum hineinragt (siehe Ds 11/SVV/0820). Das Land Brandenburg hat bekannt gegeben, dass es keine Steuermittel für den Neubau der Kirche bereitstellen wird. Die Landeshauptstadt Potsdam darf laut geltender Beschlusslage ebenfalls keine Mittel zur Verfügung stellen. Selbst die Evangelische Landeskirche schließt Zuschüsse für den
Neubau aus. Der oberste Denkmalschützer des Landes Brandenburg, Landeskonservator Karg forderte kürzlich in einem Presseinterview, dass die Sicherung von Originalen mit authentischer Bausubstanz Vorrang gegenüber der Rekonstruktion nicht mehr vorhandener Gebäude haben muss. Gegen die Verwendung von Mitteln aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO-Mittel) gibt es starken Protest aus den Opferverbänden, die diese Mittel für die maroden Gedenkorte der NS-Verfolgung wie z.B. das Vernichtungslager Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen verwenden wollen. Bislang hat die Fördergesellschaft unseres Wissens noch nicht einmal 5% der Mittel durch Spenden eingeworben, die allein für die bauliche Errichtung des Turmes veranschlagt werden. Dabei ist angesichts der Tatsache, dass das alte Fundament sich als nicht mehr nutzbar erwiesen hat und angesichts der zu erwartenden Preissteigerungen in den nächsten Jahren eher mit einer deutlich höheren Bausumme als den bisher angenommenen 45 Mio € zu rechnen.
Die Landeshauptstadt Potsdam läuft Gefahr durch die Verengung der Breiten Straße in finanzielle Vorleistung für ein Projekt zu treten, dessen Realisierung nie in weiterer Ferne lag als heute, weil die entstehenden Kosten schneller wachsen als der Spendenstand. Der Baubeigeordnete Klipp wies darauf hin, dass die im Haushalt eingestellten Mittel für bauliche Investitionen in das bestehende Straßennetz schon jetzt über eine Mio € unter dem tatsächlich nötigen Bedarf liegen. Daher sollten die knappen Ressourcen nicht in den Umbau intakter Straßen,
sondern in dringend benötigte Sanierungsmaßnahmen gesteckt werden.


2 Gedanken zu “Tausche Straßenumbau gegen Kirchenfinanzierungskonzept! – „Die Andere“ stellt Antrag in SVV

  1. Cornel schreibt:

    Ich verfolge seit längerem die Diskussion um den Wiederaufbau der Garnisonskirche..und..gestatten Sie mir die freimütige Bemerkung..selten habe ich einen größen Unsinn gelesen als hier!
    Befürworter des Wiederaufbaus müssen auf dieser Seite fürchten, als Revanchisten, Militaristen und Ewig-Gestrige diskriminiert zu werden.
    Warum wird von Ihnen die bloße Wiederherstellung eines Baudenkmals derart politisiert?Brauchen Sie irgendwelche Feindbilder oder was?

    Ich bekomme viel Besuch aus dem Ausland, mit denen ich regelmäßig auch nach Potsdam fahre, man sieht sich Sanssouci an, die Innenstadt, kehrt mind. zweimal am Tag in Restaurants ein, verzehrt in der Potsdamer Gastronomie und läßt nicht schlecht Geld in Ihrer Stadt.
    Glaubt irgendjemand, dass Besucher (und Touristen allgemein) nach Potsdam kommen, um sich solch wundervolle Gebäude wie Ihr grottenhäßliches Rechenzentrum anzusehen oder die Neubaugebiete? Doch wohl nicht im ernst!

    Ich komme eigentlich aus FFM…jedem, der zeitgenössische Architektur gaaaanz toll findet, empfehle ich einmal abends, nach Geschäftsschluß, über die Zeil zu schlendern…die ist gähnend leer und die einzigen, die sich da noch um die Uhrzeit rumtreiben, sind Drogendealer.

    Man kann sich über Geschmack streiten..nicht alles muss allen gefallen….aber ich fänds toll, wenn keine Pseudoargumente (s.o.) mehr gebetsmühlenartig wiederholt würden..sondern wirklich konstruktive Gedanken geäußert würden, was denn alternativ von Ihrer Seite aus vorgebracht werden könnte, um Ihre Stadt voranzubringen…denn wenn Sie Projekten wie dem Wiederaufbau der Garnisonskirche eine Absage erteilen..und anderen architektonischen Leitbauten in Ihrer Stadt, die immerhin Touristen anlocken…dann müssen Sie sich ehrlich bessere Argumente einfallen lassen! Alles andere ödet nur an und ist..mit Verlaub, einfach nen bißchen dümmlich!

    • ohne Garnisonkirche schreibt:

      Sehr geehrter Herr Cornel,

      die Bürgerinitiative gestattet nicht nur kritische Kommentare wie den ihren, wir suchen und erarbeiten diesen kritischen Austausch zum Neubauprojekt Garnisonkirche. Zuvor hatte sich schlichtweg ein freudiges Schweigen über die Fragen des Projektes gelegt.
      Befürworter des Aufbaues müssen sich nicht fürchten, sie müssen jedoch damit rechnen hinterfragt zu werden in ihrem Förderanliegen. Denn mag ein Bau kunsthistorisch und ästhetisch noch so wertvoll sein, er ist von seiner Geschichte nicht zu trennen. Es ist nicht möglich, die Fassade der Garnisonkirche zu errichten, ohne die Geschichte, die sie belastet, zu erzählen. Also: Entweder greifen sie gedanklich zu kurz oder sie bagatellisieren bewusst, wenn Sie von einer bloßen Wiederherstellung eines Baudenkmales sprechen. Solange die Befürworter des Baues entpolitisierend agieren, müssen wir Kritiker auf die politische und historische Dimension des Nachbaus hinweisen.

      Zu ihrem Kritikpunkt Tourismus: Wie absolut hätten sie denn gerne die Konfrontation? Touristen vs. Stadtbewohner? Das ist Unsinn. Wir halten viel von einer differenzierten Betrachtung des Potsdamer Stadtbildes. Potsdams Neubauten gehören in die Stadtgeschichte, zugleich wird Potsdam seit 20 Jahren renoviert und umgebaut – mit Erfolg, es ist sehenswert. Es gilt abzuwägen wie hoch der Lebenswert Potsdams ist und für welche Einkommensschicht. Der strukturelle Rückbau des Stadtzentrums auf frühneuzeitliche Strukturen wird herzerwärmend gut aussehen, wird sich jedoch auch auf die Sozialstruktur auswirken (Verdrängung durch Mietpreiserhöhung).
      Die Garnisonkirche stellen wir nicht in bauliche Konkurrenz zum bestehenden Rechenzentrum, wir stellen sie in rechnerische Konkurrenz zur städtischen Kasse, die so leer ist, dass Stadtwerke verkauft werden sollen! Wir stellen sie in rechnerische Konkurrenz zu hunderten verfallenden Dorfkirchen in Brandenburg. Jede für sich mit einer kleinen lebendigen Gemeinde, jede für sich ein bauliches Denkmal. Jeder dieser Orte benötigt touristische Einnahmen, nicht jeder dieser Orte verfügt über ein Sanssouci, ein Holländerviertel, eine Innenstadt als Einkaufsmeile. – Wer also das Tourismusargument für die Garnisonkirche verwendet, verliert den Maßstab oder hat nur dies eine Argument.

      Zu Ihrem Vorwurf der Pseudoargumente und Alternativlosigkeit:
      Unser produktiver Beitrag zur Debatte ist die Debatte! Weder Politik noch Medien haben diese in Potsdam offen geführt. Wir fragen nach der Bedeutung von Versöhnung für den Nachbau. Wir fragen nach der Finanzierung des Nachbaus, der doch zu 100 Prozent spendenfinanziert sein sollte und in der nun jeder DRITTE Euro aus öffentlichen Geldern kommen soll. Wir hinterfragen die Verwendung von Gedenkstättengeldern für den Neubau einer Kirche, wo doch zeitgleich in Sachsenhausen exakt diese Gelder fehlen. Das ist nicht pseudo, das ist wichtig.

      Haben sie denn argumentativ mehr Pfeile im Köcher als den des Tourismus? Liegt Potsdam ohne Besuchermagnet Garnisonkirche brach? Ist die Antwort der Kirche auf ihre historische Verantwortung die touristische Vermarktung? Was legitimiert die Kirche so alternativlos in Form und Funktion in der Gegenwart?

      Wir hoffen auf eine gar nicht öde und nicht im Ansatz dümmliche Antwort. Bis dahin, grüßend: Ihre BI.

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