epd-Artikel unter der Lupe

Evangelischer Pressedienst, Landesdienst Ost, 19.01.2013

Weiter Kritik an Wiederaufbau der Garnisonkirche

Potsdam (epd). Kurz vor dem 80. Jahrestag der Machtergreifung der Nazis vom 30. Januar 1933 haben Gegner des Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche erneut ein Aus für das Millionen-Projekt gefordert. Die Stadt müsse den Jahrestag und die laufende Debatte über die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft des früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Anlass nehmen, um aus der Garnisonkirchen-Stiftung auszutreten, erklärte die Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ am Mittwoch. Hindenburg hatte Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt.

Die evangelische Kirche „täte ebenfalls gut daran, sich an ihr soziales Gewissen zu erinnern und ihre Gelder für bedürftige Menschen oder vom Verfall bedrohte Dorfkirchen zu verwenden“, so die Bürgerinitiative weiter. Prestigeprojekte wie die „Rekonstruktion eines Kirchengebäudes, das von keiner Gemeinde akut benötigt wird“, nützten nur dem Ansehen ihrer Initiatoren. Die Einwohner Potsdams benötigten keine „weiteren musealen Prunkbauten“ in der Innenstadt, sondern „lebendige Orte des kulturellen Austausches“.

Der Wiederaufbau der 1968 in der DDR als Kriegsruine abgerissenen Garnisonkirche wird seit den 90er Jahren geplant. 2005 wurde der Grundstein gelegt, im November 2012 wurde der Bauantrag bei der Stadtverwaltung eingereicht. Das rund 100 Millionen Euro teure Bauprojekt soll aus Spenden finanziert werden. Zunächst soll bis zum 500. Reformationsjubiläum 2017 für rund 40 Millionen Euro der Turm der einstigen Barockkirche nachgebaut werden. Der Wiederaufbau ist nach Stiftungsangaben das derzeit größte Kirchbauprojekt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Das Vorhaben ist aus verschiedenen Gründen umstritten, unter anderem weil die evangelische Garnisonkirche am sogenannten „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933 von den Nazis zur Inszenierung der Reichstagseröffnung genutzt wurde, während zahlreiche sozialdemokratische und kommunistische Abgeordnete bereits auf der Flucht oder verhaftet waren. Befürworter argumentieren mit der Bedeutung des Bauwerks für das Stadtbild und sehen die Kirche auch als Ort des Widerstands gegen Hitler, weil mehrere an dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 beteiligte Offiziere Gemeindemitglieder waren.
Quelle

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Kommentar Potsdam Ohne Garnisonkirche

der jüngste epd-Artikel ist wirklich dreist und fällt hinter den aktuellen Informationsstand vollkommen zurück:

1. Förderverein und Stiftung haben längst erklärt, dass der geplante Wiederauf-/Neubau zu einem Drittel aus öffentlichen Geldern finanziert werden soll, notfalls aus Bundesmitteln, wie Altbischof Huber in seinem Interview vom 22.12.2012 angekündigt/-droht hat.

2. den Widerstand des 20.Juli 1944 durch den Wiederaufbau dieser Militärkirche zu ehren, ist, wie der Direktor des Zeithistorischen Instituts, Prof. Martin Sabrow bemerkte, „ein untauglicher Versuch der Reinigung durch Gegengift“ und kommt einer Geschichtsklitterung gleich, die verschweigt, dass dieselben Generäle, die spät, sehr spät zum Widerstand fanden, am Tag von Potsdam, dem 21.3.33, vor Hitler paradierten.

3. unterschlagen die Befürworter wieder und wieder, wie jetzt auch in diesem Artikel, dass die zentrale Funktion dieser Kirche die Segnung von preußiscghen und deutschen Kriegen war, sie also wie keine andere für die unselige Ehe von Thron und Altar steht und aus dieser Tradition heraus haben die Nationalkonservativen es nicht nur zugelassen, sondern auch bergüßt, dass das Dritte Reich seinen evangelischen kirchlichen Segen gleich zu Beginn in eben diesem unseligen Gebäude bekam.

4. Last but not least: die vom Förderverein reklamierte Potsdamer Bürgerbewegung für den Wiederaufbau gibt es nicht. Die Wiederaufbaubefürworter sind eine kleine bürgerlich,großbürgerlich bis adlige Minderheit, größtenteils aus dem Westen der Republik zugezogen, die sich Potsdam wieder friederizianisch erträumt und erbauen will. Das wird die Mehrheit der säkular und fortschrittlich gesonnenen PotsdamerInnen und BundesbürgerInnen und ChrisInnen zu verhindern wissen!

Und mit 100 Millionen € könnte man wahrhaftig was Vernünftigeres anfangen!! – daran seien alle Menschen, nicht zuzletzt, die sich auf’s christlich soziale Gewissen berufen, erinnert!
Anselm Weidner

Anselm Weidner

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