Hoher Besuch aus England

Die Potsdamer Lokalpresse berichtet über den Besuch des Dekans der Kathedrale von Coventry, John Witcombe in der temporären Kapelle der Garnisonkirche.

PNN 15.02.13, „Chance zur Versöhnung

MAZ 16.02.13, „Dekan von Coventry ermutigt Potsdam zu Garnisonkirchen-Bau

Hier einige Reaktionen unserer BI Mitglieder erschinen auf unserer Facebook-Seite:

Garnisonkirche: Aufbauen und Umdeuten. (MAZ, 16./17.2.2013, S. 14)

Dazu einige Thesen:
Geschichte ist unteilbar. Jedes Volk muss mit seiner ganzen Geschichte leben, ob es ihm passt oder nicht. Man kann Geschichte auch nicht umdeuten, denn was geschehen ist, ist wahr (auch im philosophischen Sinne).
Aber man kann natürlich eines tun: Man kann, je nach politischer Verfasstheit, bestimmte Traditionslinien aus der Geschichte hervorheben – so geschehen in den beiden deutschen Staaten nach 1945.
Was die Garnisonkirche betrifft, bleibt die Tatsache, dass der „Tag von Potsdam“ gewollt oder ungewollt sehr genau in die Traditionslinie dieser Kirche passt. Die Versöhnung, der Schulterschluss, zwischen dem deutschen Faschismus und dem militaristischen Preußentum in seiner reaktionärsten Ausprägung hätten sich an keinem anderen Ort symbolhafter abspielen können als eben an dieser Stätte. Ebenso der Schulterschluss mit den Monarchisten. Es war schließlich die H o f- und Garnisonkirche der Hohenzollern.
Wenn man die Geschichte schon nicht umdeuten kann, könnte man ja wenigstens versuchen, eine andere Traditionslinie der Kirche zu konstruieren. Wo aber sind in der Geschichte der Garnisonkirche die Ansätze dafür? Wenn es welche gibt – und das wird immer wieder einmal anhand er Offiziere des 20. Juli behauptet -, so sind sie viel zu schwach, um daraus eine antimilitaristische, fortschrittlich oder wie auch immer sonst geartete positive Tradition zu begründen.
Alle Versuche, das barocke Bauwerk von seiner reaktionären Tradition zu trennen oder eine positive Tradition hineinzudeuten, sind und bleiben demagogisch. (jg)

Rüdiger Seyffer schreibt:

Geschichte ist Vergangenheit und kann somit nicht mehr geändert werden sie kann jedoch interpretiert oder verdrängt werden.
Da gebe ich Jacob recht
Der Dekan der Kathedrale von Coventry in England Reverend Witcombe, sagte in Potsdam zu diesem Thema;.“„Wenn wir die Geschichte aus Scham vergraben, dann vergiftet sie die Erde. Wir brauchen einen Raum, in dem die Geschichten erzählt werden können“, Da gebe ich ihm recht, bloss muss dieser Raum nicht zwangsläufig ein belasteter Ort sein, wenn dieser Ort denn erst wieder geschaffen werden muss.
Dazu gäbe es Alternativen.
Priester David Potter, Beauftragter für Versöhnung des Bistums Coventry sagte “ Ignorieren oder Verschweigen ist keine Geschichtsarbeit Wenn man selbst keine Verantwortung übernimmt, werden es andere tun.“ Da spricht er mir aus dem Herzen.
Wo und wie wird hier, von FWG und SGP, Geschichte aufgearbeitet?
Im Rahmen der Versöhnung-Routine der Nagelkreuz-Gemeinden finden in der provisorischen Kapelle , in der Breiten Str. regelmäßig Gebete zum Andenken statt, Pfarrerin Juliane Rumpel spricht dazu einmal im Monat das Coventry-Gebet. Wow gewaltig. Bitte nicht falsch verstehen das ist richtig aber Angesichts der Geschichte der GK eben „Gewaltig“
Weiterhin wird der Tag von Potsdam ausgeblendet und fälschlich behauptet, dieser Tag sei in seiner Bedeutung längst wiederlegt.
Burckhart Franck zu den Gästen aus Coventry;“ Unsere ursprüngliche Idee eines internationalen Versöhnungszentrums stellte sich als zu ambitioniert dar“, Er sagte, dass man sich in Potsdam zunächst auf das eigene Erinnern, Gedenken und Versöhnen konzentrieren wolle.
Coventrys Dompropst nannte das einen wichtigen Schritt. „Aber genauso wichtig ist es, im gegenseitigen Austausch Unterschiede und Gemeinsamkeiten deutlich zu machen“, sagte er.
Das war eine diplomatisch verpackte Ohrfeige.
Beim Versöhnungszentrum hätte niemand verlangt das dieses in Palästina Frieden stiftet .Aber eine Zusammenarbeit mit der Potsdamer Universität und der Fach Hochschule Potsdam hätte hier durchaus zu Ergebnissen führen können Die Rolle der GK als Militärkirche hätte man hier zusammen mit anderen ehemaligen Militärkirchen aufarbeiten können. Statt dessen der Verweis auf den Christlichen Versöhnungsgedanken . Die Umsetzung dieses Versöhnungsgedanken ist eine Pflichtaufgabe jeder christlichen Kirche und hat nichts mit Geschichtsaufarbeitung zu tun.

An meiner Haltung zum Nachbau der GK hat sich nichts geändert.

R.S.

 

 

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