Baugenehmigung: Bericht oder Feature im PR-Stil

Die Baugenehmigung für die Kopie der Garnisonkirche ist erteilt wurden, wie diese Woche auf einer Pressekonferenz vor geladenen Journalistinnen verkündet wurde. Die Aufbauprotagonisten stehen damit unter verstärktem Zeitdruck, was das Eintreiben der nötigen Gelder betrifft. Schließlich ist eine Baugenehmigung zeitlich befristet.
Die Lokalpresse berichtete so:
~ PNN ~
~ MAZ ~

Dazu lohnt es sich den Offenen Brief von Sebastian Köhler, Professor für Journalistik und Publizistik, durchzulesen.
(Quelle: blogs.hmkw.de/HierMagKritisiertWerden/ )

Garnisonkirche im Grünen Licht der Sympathie – Journalismus auf PR-Linie

Veröffentlicht am 31. Juli 2013

OFFENER BRIEF

Sehr geehrte Damen und Herren von der Lokalredaktion Potsdam der
Märkischen Allgemeinen Zeitung,

so, wie Frau Röd nicht nur in ihrem Kommentar, sondern leider auch in
ihrem nebenstehenden ausführlichen Beitrag “Grünes Licht für
Garnisonkirche” (MAZ vom 31.7.2013,S.13) keinen Hehl daraus macht,
dass sie diesem Projekt sehr zugeneigt ist, möchte ich keinen Hehl
daraus machen, dass ich (wie offenbar viele Potsdamer, siehe jüngster
Bürgerhaushalt) zu den Kritikern dieses Vorhabens zähle.

An dem “Aufmacher” auf Ihrer Lokal-Seite finde ich als Journalist und
Publizistikwissenschaftler mindestens zwei Aspekte sehr fragwürdig:

Der Anfang des Textes lautet: “Es ist vollbracht. Mehrere Monate hat
das Warten gedauert, aber nun ist sie endlich da – die Baugenehmigung
für den Turm der Garnisonkirche an der Breiten Straße.” Könnte ein
PR-Text von Fördergesellschaft oder Kirchenstiftung noch euphorischer,
noch einseitiger, noch beschönigender beginnen? Leider kaum!

Ebenso wenig professionell wirkt es auf mich, dass im gesamten, langen
Text etliche Personen mit Zitaten vertreten sind und als Befürworter
und Förderer der Garnisonkirche zum Teil sogar mehrfach zu Wort kommen
– aber leider kein einziger der vielen durchaus bekannten
Kritikerinnen und Kritiker des doch zumindest sehr umstrittenenen
Wiederaufbaus.

Drei Stichworte mögen als konstruktive Kritik genügen:

1.) Die gigantischen und weiter wachsenden Finanz-Skandale bei immer
teureren Großprojekten wie Stuttgart 21, Elbphilharmonie und Flughafen
BER sollten nicht mit dem Stolpe-Zitat “Ich habe noch kein Großprojekt
erlebt, wo sich das Geld von Anfang an gestapelt hätte” auf die
leichte Schulter genommen werden dürfen. Hierbei scheint es um
systematisch a-soziale Finanzarchitekturen zu gehen – Motto: Nutzen
privatisieren, Kosten vergesellschaften.

2.) Dass noch immer kaum Spender-Geld vorhanden ist, mit dem doch
erklärtermaßen praktisch ausschließlich gebaut werden soll, lässt den
nächsten Skandal mehr als ahnen: Es werden mit öffentlichen Mitteln
Fakten geschaffen (Straßenverengung zugunsten des Projektes etc.), und
dann wird auch dieses Projekt zur – sicher unter großen öffentlichen
Opfern zu Ende zu bringenden – “selbsterfüllenden Prophezeihung”.

3.) WENN das Geld in Stadt, Land und Bund “übrig’” wäre, ließe sich
womöglich über eine weitere Musealisierung Potsdams diskutieren. Aber
es fehlt in vielen Kitas, Schulen, Sporthallen, Freizeiteinrichtungen,
überhaupt im sozialen Bereich oft am Grundlegendsten gerade in der ja
eigentlich so reichen und prosperierenden Landeshauptstadt. Da sollte
der Lokaljournalismus seinen öffentlichen Aufgaben wie allseitige
(nicht: einseitige) Information, Beitragen zur Meinungsbildung,
Artikulation möglichst aller gesellschaftlich-relevanten Strömungen
und natürlich Kritik und Kontrolle gerade gegenüber den Reichen und
Einfluss-Reichen doch besser nachkommen.

Meine ich und verbleibe mit kollegialen Grüßen: Sebastian Köhler

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