12 Millionen Euro Steuerverschwendung für die Garnisonkirche

petition

http://www.change.org/de/Petitionen/bundeskanzlerin-angela-merkel-kein-geld-f%C3%BCr-den-aufbau-der-potsdamer-garnisonkirche

neumann

www.bundesregierung.de/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2013/08/2013-08-12-garnisonkirche.html?nn=402566

Stellungnahme unserer Bürgerinitiative

Die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche bedauert, dass sich der Kulturstaatsminister Bernd Neumann entschlossen hat, den Start des Aufbaus einer Kopie der Garnisonkirche mit 12,4 Millionen Euro zu ermöglichen.

Seit vielen Jahren lehnen das Land Brandenburg, die Landeshauptstadt Potsdam, aber auch die zuständige Evangelische Landeskirche es ab, sich an dem Bauprojekt finanziell zu beteiligen. Nun aber drückt das CDU geführte Kulturstaatsministerium mitten im Bundestagswahlkampf unserer Stadt ein Bauwerk auf, welches von vielen Potsdamerinnen nicht gewollt wird.

Wir empfinden die nicht sachgerechte Verwendung von Steuergeldern, die für Kultur und Denkmalschutz vorgesehen sind, als sehr bedenklich. Der Bund kann nicht von der Landeshauptstadt Potsdam – über die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten – Millionenabgaben für den Erhalt ihrer Denkmäler fordern, dabei aber seine eigenen Mittel zweckentfremdet in unserer Stadt verwenden.

8 Gedanken zu “12 Millionen Euro Steuerverschwendung für die Garnisonkirche

  1. Günter zur Nieden schreibt:

    Die ehemalige Militärkirche ist das Abbild des tiefsten Punktes der deutschen Demokratie. Für die Völker Europas ist sie das Symbol des Beginns der Aggression und all der Leiden.
    Ersteht die historische Gestalt der Militärkirche heute neu, besteht die ernstzunehmende Gefahr, fahrlässig eine Projektionsfläche und einen Pilgerort für Nazis zu schaffen.

    Ich wende mich als Potsdamer Bürger dagegen, dass für das heftig umstrittene Projekt, von dem immer beteuert wurde, dass es nur mit Spenden errichtet wird, nun öffentliche Mittel aus Steuergeldern verwendet werden! Dies ist angesichts der 2 Jahrzehnte langen Proteste eine Verletzung des Abwägungsgebotes.

    Der Bau einer 1:1 Kopie der ehemaligen Militärkirche wäre außerdem ein fatales Signal aus Potsdam in die Welt. So als wäre doch alles gar nicht so schlimm gewesen.

    Ich trete ein für einen Ort mit einem neuem Geist.
    In einer neuen Form, die zeitgemäßer Ausdruck ist von Erinnerung, Versöhnung und Toleranz.
    Mit einem Zeichen das von allen Bevölkerungskreisen getragen werden kann.

    Dafür müssen die Mittel verwendet werden!

    Ich muss davon ausgehen, dass die Zusage von Kulturstaatsminister Neumann keine Zustimmung im neuen Bundestag findet.

    Günter zur Nieden

  2. Andre schreibt:

    Was für ein kleingeistiges Verhinderungsgerede! 12 Millionen aus Bundesmitteln sind schlichtweg Peanuts für den Bundesetat. Mir scheint es dagegen ein Skandal, dass auch fast 20 Jahre nach dem Ende der DDR immer noch nicht die Opfer des ulbrichtschen Sprengwahns beseitigt sind und die damals staatlich forcierte Entfremdung der Ostdeutschen von ihrem Glauben als gesamtgesellschaftliches Problem erkannt. Die Garnisonkirche ist eines der wichtigsten Bauwerke des preussischen Barocks, die Deutungshoheit über diese Kirche den Nazi-Propagandisten zu lassen und nichts überformen zu können, ist extrem gefährlich. Beim Brandenburger Tor denken wir ja auch nicht mehr an marschierende SA-Kolonnen. Postdamer, welche die Garnisokirche nicht wollen, haben auch nichts besseres zum Bauen anzubieten.

    • pancho48 schreibt:

      Lieber Andre,

      ich war mir nicht sicher, ob ich Ihren Kommentar freischalten sollte. Ich tat es trotzdem, auch um zu zeigen auf welche Gesinnung wir uns die nächsten Jahre einzustellen haben.
      Ihren Vorwurf der Kleingeistigkeit möchte ich mal so dahin gestellt lassen. Bedenklicher finde ich, dass Sie einen Steuermissbrauch erst ab einer relevanten Größe missbilligen würden. Ich vermute, dass Sie es bei ihnen sympathischen Projekten da nicht ganz so genau nehmen – der Zweck heiligt die Mittel.

      Schwer erträglich halte ich Ihren suggestiven Vorwurf das Garnisonkirchgegener per se der Ulbrichtperiode zu zuordnen sind.
      Auch das den „Ostdeutschen“ ihrem Glauben entfremdet wurde, ist mit Verlaub, Humbug! Beschäftigen Sie sich bitte einmal mit dem http://www.postdamer-toleranzedikt.de. Selbst Friedrich II. war da ein wenig fortschritlicher als Sie.

      Folgend das Loblied auf den „preußischen Barock“, den es überhaupt nicht gibt. Oder der ungeeignete Vergleich der Garnisonkirche mit dem Brandenburger Tore, dessen wesentlichen Unterschied Sie anscheinend immer noch nicht mitbekommen haben. Die Garnisonkirche existiert im Gegensatz zum Brandenburger Tor nicht mehr.

      Die neue Kirche ist eine Reproduktion und kann daher nicht die kunsthistorischen Bedeutung des Original erlangen bzw. Gelder aus dem Denkmalschutz einfordern.

      Enttäuschend aber auch bezeichnend finde ich zu dem, dass Sie der sich zweifelslos als Sieger in diesen Konflikt sieht, sich anonym mit Ihrem Schmähkommentar an uns wenden.

      Mit freundlichen Gruß
      Sandro Szilleweit

  3. Andre schreibt:

    Lieber Sandro,

    das Schlimme finde ich, dass wir alle um die Bedeutung der Garnisonkirche für die NS-Propaganda wissen aber durch den Abriss der Kirche um die Möglichkeit zur Korrektur gebracht sind. Da ist der Vergleich zum Brandenburger Tor, Siegessäule oder zur Frauenkirche nicht schlecht. Alles Gebäude die heute für etwas anderes stehen, nicht für Siegesparaden, nicht für Revanchismus, nicht für den „deutschen Dom“. Die Ruine der Frauenkirche war eine Anklage gegen den Bombenkrieg. Die wiederaufgebaute Frauenkirche dagegen ist sozusagen Dresdner Bürgerstolz und Heilung dieses Stachels, und wer noch auf dem Bombenkrieg herumreitet macht sich ewiggestrig. Die Garnisonkirche war ein hübscher Barockbau, mit der Propagandashow inszenierte sich das NS Regime als bürgerlich, was es ja nicht war. Es war ein wichtiges Wahrzeichen Potsdam. Die Sprengung der Ruine war ein Akt der Barbarei. Solche gab es viele. Wir sollten diese heilen.

    Es ist gar nicht wichtig, was dieses Kirche kostet. Der Bundesetat umfasst hunderte Milliarden. Wenn man Geld für Bauprojekte ausgibt, wird damit im Keynesianischen Sinne Geld in die Wirtschaft injiziert. Angesichts der Griechenlandmisere müsste Deutschland dringend mehr Geld „sinnlos“ ausgeben, weil uns sonst die Ungleichheit der Wettbewerbsfähigkeit innerhalb Europas große Schwierigkeiten macht. Auf die Gleichgewichte bezogen, entweder müssen die Griechen sparen, oder wir müssen viel mehr ausgeben. Idealer Keynesianismus ist immer etwas zu bauen, was nicht in Konkurrenz zum Markt steht und damit nicht preisverzerrend wirkt, das können „Panzer“ sein, das können „Mondlandungen“ sein, oder eben barocke Architektur, keysianisch gesprochen ein Trupp stopft Löcher und ein Trupp schlägt Löcher.

    Die um 1730 entstandene Garnisonkiche ist ein Barockbau, das kann man ja nicht bestreiten. Wenn original aufgebaut wird, dann ist es auch wieder ein Barockbau und nicht Betonklitsch mit Fassade. Neben der Originärität von Bausubstanz, also eine Art Baustofffetisch, spielt auch das stadträumliche Gefüge um ein Bauwerk herum eine Rolle.

    Die Durchdringung der DDR Bevölkerung mit antikirchlicher Ideologie von Staatswegen hat ganz wesentlich die tragende Rolle des protestantischen Glaubens in unserer Gesellschaft geschwächt, Menschen von ihrem Glauben entfernt, weil der Glaube in der sozialistischen Gesellschaft nur am Katzentisch sitzen sollte. Die religiöse Reedukation wurde im Osten nach 1989, trotz der Rolle der Kirchen beim Wandel, nur sehr halbherzig angegangen. Auch heute verzichten viele Eltern darauf ihre Kinder an den evangelischen Glauben heranzuführen. Wenn die NS Diktatur und danach die DDR Diktatur unsere Religion vernichtet, umgedichtet und entwertet hat, dann muss auch heute Deutschland diese Fehlentwicklungen korrieren. Ebenso finde ich es skandalös, dass nie die in der Progromnacht zerstörten Synagogen wiederaufgebaut wurden, sicher Juden gab es nicht mehr, aber dann müssen wir halt dort die Tora lesen. In Berlin gibt es ja inzwischen viele russische Einwanderer, die erst wieder mit ihrem jüdischen Glauben vertraut gemacht werden mussten.

    Das Mindeste was man erwarten kann, ist dass der Staat wieder aufbaut, was ein Staat ideologisch motiviert vernichtet hat, und eine Kirche die frohe Botschaft von Potsdam aus wieder in die Welt trägt.

    Ich möchte ihnen nicht unterstellen, dass sie als Gegner in Reihung zu Ulbricht stehen, aber sie goutieren seine Barbarei, in dem sie das Faktische akzeptieren und die Wiedergutmachung als Verschwendung bezeichnen. Dass ausgerechnet die Partei Die Linke sich nicht zum Wiederaufbau bekennt, ist ein für mich ganz erschreckendes Signal. Das bei Bausummen, die im Vergleich zu anderen Bauvorhaben der öffentlichen Hand doch in reichlich lächerlich wirkenden Dimensionen verbleiben. Klar, nach dem Kriege konnte nicht alles aufgebaut werden, aber heute sind wie immer noch ein reiches Land, das es sich leisten kann. Allein die Möglichkeit für den Tourismus ist doch gigantisch, auch hier sei auf das Beispiel Dresden verwiesen und die Möglichkeit im Glauben die Mitte eines Weichbildes wieder zu finden.

    Ich verstehe schon, dass es kein Interesse an überbordenden Preussenkult gibt, aber vielleicht kann man ja durchaus auch mal neue Schnitte und Sichtweisen ermöglichen. Ein barockes Preussen wäre ja mal was anderes. Vor Monarchisten habe ich nun überhaupt keine Angst, das ist die politisch harmloseste Bewegung, die ich mir vorstellen kann. Letzten Endes geht es für Potsdam auch darum sich attraktiv zu machen. Ein herrliches Bauwerk, zu Ehren Gottes.

  4. Kater schreibt:

    Es ist für mich immer wieder erschreckend, dass die Breite Strasse erst in den 60er Jahren richtig verhunzt wurde, Da sind wieder hergestellte wertvolle Bürgerhäuser geopfert worden und die heutige seelenlose Autorennstrecke ohne Aufenthaltsqualität nahm ihren Anfang. Die Sprengung der Garnisonkirchenruine vollendete diese zweite Zerstörung einer einst sehr schönen Strasse. Ich bin dafür, wenigstens den wichtigsten Zeugen (die Garnisonkirche) originalgetreu wieder aufzubauen. Es gibt übrigens Preussischen Barock und Preussisches Rokoko (Schloss Sanssouci) und die Garnisonkirche ist ein Hauptwerk des Preussischen Barock.
    Die ewige Diskussion über Gelder und den Tag von Potsdam finde ich fruchtlos, da Deutschland immer noch eines der reichsten Länder ist und es sich leisten kann, die Kirche wieder aufzubauen, die auch ein Stückchen Identität nicht nur für Potsdam ist. Auch eine gute Kopie ist identitätsstiftend, wie die Frauenkirche in Dresden beweist
    Der Tag von Potsdam ist nicht das einzige Ereignis in der Geschichte der Kirche, wenn auch ein wichtiges.Damit gilt es sich angemessen auseinanderzusetzen, was man in einer wieder erstandenen Kirche am besten kann. Auf jeden Fall muss diese dumme Verteufelung der Kirche aufgrund des Tages von Potsdam aufhören, denn mit seiner Geschichte muss man sich anders auseinandersetzen.
    In diesem Sinne
    Kater

    • pancho48 schreibt:

      Sehr geehrter Kater,

      wir respektieren Ihre Meinung. Dennoch haben wir, wie wir finden gute Gegenargumente. Hier an dieser Stelle geht es aber um die Verwendung von 12 Millionen Euro aus Steuergelden für den Aufbau einer Kirche. Es wurde immer beteuert, dass der Wiederaufbau aus privaten Spenden realisiert werden soll. Später hieß es dann „überwiegend“ aus privaten Spenden. Der aktuelle Stand aber ist, dass die Stiftung und ihr Förderverein in den letzen 10 Jahren noch nicht einmal 4 Millionen privater Spenden zusammengebracht hat. Die 12 Millionen Steuergelder konterkarieren diese jahrelangen Behauptungen. Für einen rechtzeitige Vollendung des Kirchturmes bräuchten sie ca. 20.000 Euro Spendeneingang pro Tag! Ich hoffe Sie erahnen, wie aussichtlos dieses Unterfangen ohne öffentliche Gelder ist.
      Ganz aktuelle benötigt die Stadt 200 Millionen Euro für den Bau von 4 benötigten Schulen und ca. 140 Millionen für die Sanierung der vorhanden und Bau neuer Sportanlagen. Wieviel Stühle passen in die Kapelle des Glockenturmes? Vielleicht 150? Warum sollte der Staat ca. 80.000 Euro pro Kapellenstuhl (bei erwähnten 12 Millionen) zur Förderung einer Religionsgemeinschaft ausgeben, wenn er gerade mal einmalig 2.300 Euro Investitionskostenzulagen für die Aufnahmen eines Flüchtling ausgeben kann? Das nenne ich unchristlich.

      Mit freundlichen Grüßen
      Sandro Szilleweit

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