Eindrücke und weitere Abgründe – Symposium Nachlese #2

Eindrücke und weitere Abgründe – Symposium Nachlese #2

Als Frischling in der BI-Gruppe konnte ich beim Stiftungssymposium vor einer Woche meine ersten Eindrücke über die Truppe der GarnisonkirchenbefürworterInnen sammeln. In manch tiefen Abgrund schaute ich, aber auch positive (wenn auch nur sehr wenige) Überraschungen zeigten sich. Mit Letzteren möchte ich anfangen:

  • Eindruck: Die BefürworterInnen – das sind gar nicht viele und meist sind sie schon sehr sehr alt … und nicht sehr redebedürftig: Die Beiträge aus dem Publikum wurden eindeutig von den Garnisonkirchen-GegnerInnen dominiert. Im Publikum saßen unabhängig von der BI viele GK-GegnerInnen, die sogar Wolfgang Huber sichtlich überrascht hatten (soweit ich seinen Gesichtsausdruck bei der Konfrontation mit dem kritischen Publikum richtig beurteile). Die BefürworterInnen beließen es bei dazwischengerufenem Gebrabbel, abwechselnd mit Beleidigungen oder abgründigen Bemerkungen (siehe unten).
  • Eindruck: Ca. sieben von acht Publikumsbeiträgen waren harsche Kritik an dem Wiederaufbauprojekt. Kritik, die zwar oft mit lautem Beifall belohnt wurde, aber dennoch oft unbeantwortet blieb. So gab es auf die wichtige Frage, was die Stiftung dagegen tun möchte, damit die Garnisonkirchenkopie nicht ein europaweiter Wallfahrtsort für Neonazis wird, keine Antwort.
  • Eindruck: Seifenblasen und Begriffssalat. Was Wolfgang Huber bei seinem Abgesang auf die Garnisonkirche abgelassen hat, konnte er doch selbst nicht glauben?! Einen Realitätsverlust aus welchem Grund auch immer zu erleiden, ist wirklich schlimm und dem muss entgegengewirkt werden, daher fange ich hiermit an:

Herr Huber hat die Garnisonkirche mal just zum Mahnmal erklärt und mit einem von ihm positiv herausgestellten und aus dem zeitlichen Kontext entrissenen Zitat prompt mit den Holocaust-Gedenkstätten Sachsenhausen und Buchenwald verglichen. Ähh, ja wirklich. Um das hier mal klar zu stellen, Wikipedia sagt: „Mahnmale sollen im Betrachter Betroffenheit erzeugen und das Erinnern über die Generationen hinweg tradieren.“

Und nicht: „Ein Mahnmal (die Garnisonkirche) soll im Betrachter Bewunderung erzeugen und das Erinnern über die Generationen hinweg ausradieren bzw. in die Irre führen.“

  • Eindruck: Altnazis in der dritten Reihe. Also ich würde ja nicht einfach so Leute als Altnazis bezeichnen. Aber folgender Vorfall (nicht der einzige suspekte) lässt keine Zweifel offen: Der Theologe Schorlemmer stellt die berechtigte Frage, ob die Widerständler von 1944, u.a. auch Antisemiten und lange gefolgstreue Nazis, genauso gehandelt hätten, wenn die Wehrmacht weiterhin gesiegt hätte. Hinter mir ein mehrstimmiges „Hätte doch die Wehrmacht weiter gesiegt! – Jaja genau!“ Mehr Abgrund geht nicht. Vor Entsetzen blieben mir die Widerworte im Halse stecken. Hat sich die Stiftung mal mit ihrer Klientel auseinandergesetzt?
  • Eindruck: Freundlichkeit schützt vor Unehrlichkeit nicht. Die Stiftung redet nicht gerne Tacheles. Über Spendenaufkommen und über die Gestaltung des Versöhnungskonzeptes bleibt sie gerne im Diffusen. Alles was sich schön anhört, wird dann gerne in der freundlich geführten Diskussion genutzt, auch wenn man nicht immer ganz bei der Wahrheit bleibt. Folgendes Gespräch beim Symposium ist beispielgebend:

Im Gespräch mit ihm führt Herr Vogel, der theologische Vorstand der Stiftung, die geplante Zusammenarbeit mit Aktion Sühnezeichen e.V. an. Die Stiftung wolle Freiwillige der Aktion Sühnezeichen für die Arbeit in der Fördergesellschaft einbringen. Was er nicht weiß: Ich weiß schon länger von der klaren Absage des Aktion Sühnezeichen Vereins gegenüber diesem Vorhaben. Herr Vogel hatte schon einmal im September dieses Jahres von der geplanten Zusammenarbeit mit Aktion Sühnezeichen gesprochen. Das hat uns dazu veranlasst, unsere Kritik am Wiederaufbau gegenüber Aktion Sühnezeichen zu äußern. Daraufhin ließ Aktion Sühnezeichen verlauten, dass es eine Absage gegenüber der Anfrage von der Stiftung gab.

Herr Vogel tat im Gespräch so, als ob es keine Absage gab. Als wolle er sich mit Aktion Sühnezeichen schmücken und dem Gegenüber signalisieren: Ja wir sind sehr versöhnlich, und können sogar mit Aktion Sühnezeichen. Nur ist es nicht die Wahrheit. Mit der Absage konfrontiert, war Herr Vogel nun sichtlich verunsichert und musste weite Strecken zurückrudern. Was für Herrn Vogel in dem Moment etwas peinlich war, war für uns ein glücklicher Moment, in dem mal ein Funken Wahrheit in diesem Projekt Einzug hielt.

Gesamteindruck:

Die Veranstaltung kann nicht so abgelaufen sein, wie es sich die Stiftung vorgestellt hatte. Zwar wurde wenig Tacheles gesprochen, viel geschwärmt vom preußischen Potsdam und den rostbraunen Treppenstufen gen Turmspitze. Die Kritik am Wiederaufbauprojekt war dennoch deutlich im Vordergrund und manche abgründige Einstellungen und Unehrlichkeiten konnten zu Tage gefördert werden.

Simon Wohlfahrt

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Presseschau zum Symposium vom 22.11.2013 im Potsdam Museum

PNN, 23.11.2013
„Keine neue Heldengedenkkirche“

MAZ, 23.11.2013
„Disput um Garnisonkirche“

RBB-Beitrag (ab Minute 01:10)
rbb Nachrichten

einige Foto von René Strammber

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