Stand- und Randerlebnisse Teil 3

Medizinische Notfälle, Drohungen, Heiratsbedingungen, Sachbeschädigung, Goldzahnfüllungen, Urkundenfälschung: Auch abseits von Ministern, Großindustriellen und Stadtverordneten zeigt das laufende Bürgerbegehren allerlei menschliche Höhe- und Tiefpunkte.

Einmal sagte uns eine ältere Dame im Vorbeigehen „Euch sollte man abschiessen.“ und wollte das nicht weiter diskutieren. In einer anderen Szene erzählte eine weitere ältere Dame beim Unterschreiben, dass sie zuvor bei ihrer Zahnärztin Zahngold entfernen ließ. Als die Zahnärztin meinte, sie wolle diesen Goldzahn behalten, um ihn der Garnisonkirchenstiftung für den Wiederaufbau zu spenden, reagierte die Patientin empört, verbat sich dies und nahm ihren Goldzahn wieder mit.

Die Menschen reden gern an unserem Unterschriftenstand, zum Beispiel verbreiten sie auch überregionale Gerüchte. So kam ein Tourist aus dem Raum Stuttgart an den Stand: Er könne ja auch so einiges über Huber erzählen, der sei in seiner Heimat ebenfalls eine Berühmtheit. Jetzt sei er, der Erzähler, in Potsdam, weil seine Frau die Reise unbedingt wollte. Und hier wüte der Huber nun also, aus dem südlichen Raum habe man ihn ja bereits verjagt. Habe der nicht irgendwie auch so einen Vater-Sohn-Komplex ?
Als die verschiedenen Schichten von Standbetreuer*innen sich die obige Begebenheit erzählten, fiel einem ein: Den Huber habe er ja neulich am Mexikoplatz gesehen, so in Mantel und mit einem Dreispitz auf dem Kopf, da hatte der Huber Tomaten gekauft und zur Verkäuferin gesagt: „Das Grüne muss aber ab, das wiegt sonst mit und kostet mehr.“

„Das Unerwünschte muss weg“, finden auch einige FWG-Mitglieder und Sympathisanten. Sie reißen Plakate ab und scheuen auch nicht davor zurück, BI-Mitgliedern beim Flyerstecken blaue Flecken zu verpassen. Weil wir aber überwiegend versöhnliche Menschen sind, sehen wir von Anzeigen wegen Körperverletzung genauso ab wie von juristischem Vorgehen gegen die Urkundenfälschung, die das Durchstreichen, Übermalen oder Stehlen von Unterschriftenlisten de facto darstellt.

Allerdings können sich nicht alle Menschen bedingungslos oder unvoreingenommen die Hände reichen. Manchmal sind Positionen unvereinbar. Diskussionen, deren Ergebnisse vorher bereits festgelegt sind, möchten meist nur Menschen führen, die dafür bezahlt werden.

Verbindungen im Großen wie im Kleinen. Reden und Handeln auf der Straße wie in den gewichtigen Gremien. – Eines Tages erschien ein Mann in förmlicher Kleidung am Unterschriftenstand. Der Standbetreuer staunte: „Oh, haben Sie sich extra schick gemacht um zu unterschreiben?“ – Nein, sagte der Schicke: „Ich gehe gleich zu meiner Hochzeit.“ – Doch habe die Braut erklärt, ihn erst zu heiraten, wenn er unterschrieben habe, daher habe er auch einen Fotografen dabei, der den Akt bezeugt.

Zeuge sein kann Eindruck machen. Das Gewissen wird oftmals auch ohne „Schule des Gewissens“ in einer Kirchenkopie angestoßen. Und manchmal sind auch Atheist*innen weitsichtige Menschen.

2 Gedanken zu “Stand- und Randerlebnisse Teil 3

  1. Jan Heller schreibt:

    Es geht doch hier den meisten um das Stadtbild, und nicht um das Symbol. Preussens Herrscher, Hindenburg, und Hitler sind nicht mehr, und müssen zumindest was den letzten angeht auch nicht mehr wiederkommen. Aber letztlich sind es nicht die gebauten Steine, die die Welt ins Unglück stürzten. Es sind immer die Menschen. Deshalb verstehe ich diese ideologisierte Anti-Debatte nicht. Wer das Bauwerk architektonisch nicht schätzt hat dafür sicher seine Gründe und die sollen respektiert sein. Wer meint, das solche Bauten nicht mehr Zeit gemäß sind, vielleicht. Ideologien sind es allemal nicht mehr.

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