Offener Brief an EKBO und SPG

In der letzten Zeit schrieben das „Bündnis Potsdamer Mitte“ (eine Erweiterung von Mitteschön) und Martin Vogel (theologischer Vorstand der Stiftung Garnisonkirche Potsdam) Offene Briefe und Burkhart Franck (FWG-Vorsitzender) wurde ausführlich von den PNN interviewt. Die BI hat sich deshalb entschlossen, dem Trend zum Offenen Brief zu folgen, weil es doch ein schönes Medium der Selbstdarstellung und Bürgerinformation ist.

offener-brief-bi-pog-18_6_2014_01
pdf-Link zum Brief.

Erste Reaktionen in den Potsdamer Neuesten Nachrichten hier und der Märkischen Allgemeinen dort

Ein Gedanke zu “Offener Brief an EKBO und SPG

  1. Franz Steinfest schreibt:

    Guten Tag,
    auch ich bin gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche, vermisse aber bei Ihren Darstellungen das aus meiner Sicht aber wichtigste Argument – die Kosten.
    Hierzu habe ich Herrn Franck folgendes geschrieben (in Auszügen):
    Guten Tag, Herr Franck,

    Sie spielen ein falsches Spiel! Ein harter Vorwurf, den ich aber wie folgt begründe:

    1. Auf Ihrer Internetseite werden Baukosten für den Turm in Höhe von 40,1 Millionen Euro angegeben. Ich vermute, dies ist eine vorläufige „Kostenschätzung“, die mindestens ein Jahr alt ist (jedes Jahr kommen weitere 1,4 Millionen Euro dazu). Wer hat diese verfasst und auf Grund welcher Annahmen? Aus eigener – leidvoller – Berufserfahrung als Controller kenne ich kein Bauwerk (ob Bestand oder Neubau), das im Rahmen der Kostenschätzung abgerechnet wurde (BER und Elbphilharmonie sind abschreckende Beispiele). Bei der Aufstellung der Ausführungsplanung und Kostenberechnung (nach DIN 276) und anschließender Ausschreibung wurden die gleichen Baumaßnahmen ca. um 30 Prozent teurer. Wir wären dann alleine beim Turm schon bei 52,1 Millionen Euro. Bei der Garnisonkirche kommt nämlich eine fatale Erschwernis zur Kostenplanung: Es fehlt an ausreichenden „Musterkirchen“, um die Kosten einigermaßen richtig einschätzen zu können.

    2. Dies ist aber noch nicht der gravierendste Mangel: Wie sieht es mit dem Kirchen-schiff aus, von dem Sie absichtlich nicht sprechen? Dresden, was Sie als Vergleich anführen, hat offiziell 180 Millionen für das Gesamtbauwerk Frauenkirche ausgegeben (wahrscheinlich waren es mehr!) Seitdem sind fast 10 Jahre vergangen. Bei einer jährlichen Preissteigerung von 3,5 Prozent würde die Frauenkirche heute sagenhafte 250 Millionen – in Worten zweihundertfünfzig Millionen Euro – kosten. Ziehen wir die Kosten des Turms ab, verbleiben 198 Millionen Euro für das Kirchenschiff der Garnisonkirche. Wer soll das bezahlen? Vielleicht wollen Sie jedem Potsdamer Bürger (vom Säugling bis zum Greis) einen Gebührenbescheid von rund 1.530 Euro zustellen lassen?

    3. Sie erwähnen, der Garnisonkirche würde es ebenso ergehen wie der Frauenkirche: Massen von Besuchern. Hierbei übersehen Sie aber etwas: Potsdam verfügt über mehr „besuchswerte“ kirchliche Objekte als Dresden und in Dresden gehen die Menschen nicht in die Frauenkirche zum Gottesdienst oder zu kirchlichen Veranstaltungen, sondern „weil es zu einer Dresden-Reise“ dazu gehört. Einfach nur zum Glotzen und um zu Hause sagen zu können, ich habe sie von innen gesehen – die meisten Touristen machen sich üblicher Weise keine weitergehenden Gedanken und schon gar nicht „Versöhnungsgedanken“! Eine Kirche ist ein Gotteshaus und kein Museum. Ich war mehrmals in Dresden und habe voller Abscheu diesen Touristenevent kennergelernt. Wollen Sie das etwa auch in Potsdam?
    Ich habe mal kurz gerechnet: Wenn jedes Jahr 500.000 Touristen die Garnison- kirche besuchen würden (ca. 1.370 pro Tag), müssten diese jeder 10 € (5 €) Eintritt bezahlen, damit die ursprünglichen Kosten nach 50 (100) Jahren wieder amortisiert sind (ohne Berücksichtigung von Erhaltungsaufwand und Verwaltungskosten, die mit jährlich 1,2 Prozent (3 Millionen Euro) sicher noch gering angenommen sind). Wie viele Touristen werden zu diesem Eintrittspreis kommen?

    4. … Außerdem weiß unser Oberbürgermeister nur zu genau, dass dieses Bauwerk niemals gebaut werden wird, wenn nicht – Simsalabim – plötzlich doch aus öffentlichen Töpfen Geld fließt (man muss es nur irgendwie hinkriegen, dass ein Bauwerk begonnen wird). Sie haben die 12 Millionen Euro doch selbst erwähnt, die aus dem Bundeshaushalt fließen sollen. Schämen Sie sich nicht dabei!

    5. Ich werde auch den Eindruck nicht los, dass bei Ihrem Tun Geltungsdrang und Neid eine große Rolle zu spielen scheinen. Warum gönnen Sie den Dresdnern nicht ihre Frauenkirche – sie haben nur zwei ansehnliche Kirchen, wir dagegen mindestens drei (wovon die Friedenskirche mindestens 3 bis 5 Millionen braucht, um das Notwendigste zu sanieren). Ferner erwähnen Sie den Neubau der Synagoge, die nach Ihrer Aussage zu 100 Prozent öffentlich bezahlt werden soll. Hier liegen aber die Verhältnisse (nicht nur finanziell) auch ganz anders: die in Deutschland lebenden Juden haben ein Recht, besonders fürsorglich behandelt zu werden. Übrigens – schon König Friedrich Wilhelm I. dachte nicht daran, seinen „Untertanen“ einfach eine Kirche zu schenken – sein Kalkül war ganz anders: Historische Forschungen haben sicher schon längst herausgefunden, dass im Zusammenspiel mit dem Klerus die Untertanen klein, rechtlos und gottes-/königsfürchtig gehalten werden konnten.


    Mit freundlichem Gruß
    F. Steinfest

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