Verfolgung und Versöhnung mit der CDU

Beim Wiederaufbau der Garnisonkirche gehe es um die Wiederbelebung einer „ehemals aktiven christlichen Gemeinde“, mutmaßt MdB Philipp Lengsfeld in einem Kommentar in den PNN. Er übersieht dabei, dass die Heilig-Kreuz-Gemeinde seit Jahrzehnten in ihrem Gemeindehaus aktiv ist, welches aus Geldern der SED-Entschädigung entstand.
Die Zeitungsrubrik „Position“, in der der Enkel „eines hohen Stasioffiziers“ seine Ideen veröffentlicht, ist für kontroverse Texte vorgesehen, die die Leser*innen auch mal aufregen oder die Leserschaft spalten dürfen. Dies ist Lengsfeld durch seine mangelhafte Recherche und paranoide Argumentation gelungen.

Zunächst ist die BI „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ keine rein studentische Initiative, sondern eine Mischung von Menschen unterschiedlichen Alters, diverser Berufe und verschiedener Konfessionen. Nicht wenige Aktive besuchen gern Veranstaltungen in einer der 39 Kirchen Potsdams und schätzen die gute Arbeit der evangelischen Kirchen in der Sachen Kultur und Gemeinschaftsleben.

Eine Zwangshandlung – die Sprengung der sanierungsbedürftigen Heilig-Kreuz-Kirche – durch eine neue – den Bau eines stadtüberragenden Turmes im Barockstil – wiedergutmachen zu wollen, ist die gleiche Denkweise, wie jene, die weltweit zu bewaffneten Auseinandersetzungen führt. Man kann sie ideologisch motiviert nennen – oder eben paranoid und vergeltungssüchtig.
Wie bei jeder Minipsychose, so schaffen sich auch Teile der CDU ihre Wahrnehmungen selbst: Es werden Studierende gesehen, die hörig den vermuteten Vorgaben ihrer Vorfahren folgen. Dass eigentlich kaum jemand den Terminus „Kulturbarbarei“ abstreitet und die Aktivist*innen mitnichten „junge geschichtsvergessene Studenten“ sind, blendet Lengsfeld aus.
Mit derselben Logik, die Lengsfeld anlegt, kann man Wolfgang Huber oder Lengsfeld selbst unterstellen, sie wollten sich nur an den Werken ihrer Väter oder Großväter abarbeiten. Was machen die Vertreter dieser SED-Enkel-These eigentlich mit den Menschen, die in der BRD aufgewachsen sind, und keinen Wiederaufbau der Garnisonkirche wollen?

Und übrigens: Manch einer in Potsdam fühlt sich durch die Ablehnung von Elementen direkter Demokratie durch das konservative bürgerliche Lager leicht an die SED erinnert. Auch die Tatsache, dass im Kuratorium der Garnisonkirchen-Stiftung ein Mensch sitzt, dem einst die Verdienstmedaille der DDR verliehen wurde, kann Einem zu denken geben. Doch nicht jedes schlechtes Gefühl verdient Ausbreitung – aus psychologischer Sicht ist der CDU dringend von weiterer Pathogenese abzuraten, die Versöhnung mit der Realität durch die Technik der „radikalen Akzeptanz“ kann ein Anfang sein. Heilung und Versöhnung beginnt in Menschen, nicht in Stadtbildern – spätestens nach Jahrzehnten, erst recht in Enkelgenerationen, ist es mehr als legitim, sich von Symbolen und alten (Gedanken-)Mustern zu verabschieden.

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