Die Republik ist in Gefahr!

Hoecke und GK-Schirmherr


Anlässlich des 09. Novembers, dem wohl bedeutsamsten und widersprüchlichsten Tag in der deutschen Geschichte, möchten wir auf drohende Fehlentwicklungen im Land aufmerksam machen.
Der Bau der Turmkopie der ehemaligen Hof- und Garnisonkirche ist die falsche Antwort auf die drängenden Fragen der Zeit. Die Garnisonkirche war bis zur „Nacht von Potsdam“ im April 1944 über 200 Jahre ein Tempel des preußisch-deutschen Militarismus. Das sind 200 Jahre Missbrauch des christlichen Glaubens zum Zwecke des bedingungslosen Gehorsams gegenüber Krone und Staat. Nach dem 09. Novemer 1918 wurde das Gebäude zum Symbol und Treffpunkt der revanchistischen Militärs, organisierter Nationalisten sowie des Antikommunismus und Antisemitismus. Diese Antithese zum „Geist von Weimar“, dieser „Geist von Potsdam“ gipfelte im „Tag von Potsdam“.
Der Händedruck vom 21.03.1933 wurde zum Symbol für die Machtübergabe an Hitler und zur Geburtsstunde des Dritten Reiches.
Verlierer dieser Entwicklung waren in den Folgemonaten des Jahres 1933 nicht nur die Kommunisten, Juden, Sinti und Roma und die vielen anderen Verfolgten, sondern auch viele Christen in Deutschland und die anderen demokratischen Kräfte. Unter ihnen auch die SPD. Umso erstaunlicher ist es, dass ein sozialdemokratischer Bundespräsident, zwei ehemalige sozialdemokratische Ministerpräsidenten, mehrere SPD-Minister*innen, ein SPD-Oberbürgermeister und zahlreiche Pressesprecher mit SPD-Parteibuch sich nun zu Fürsprechern eines der umstrittensten Bauprojekte der Stadt und der Republik machen.
Selbst wenn es gelingen könnte, in dem zu errichtenden Turm eine wirkliche Stätte der Geschichtsaufarbeitung zu etablieren, woran wir und viele andere Organisationen und Initiativen aufgrund des Mangels eines Konzeptes und den bisherigen Verlautbarungen der SPG erhebliche Zweifel haben, bleibt doch die Hülle als Anziehungspunkt. Ein „schöner“ Wallfahrtsort im Disney-Preußen.
Wer wirklich einen „neuen Geist von Potsdam“ an diesem Ort wollte, würde weder die originale Hülle errichten noch sich auf das Haus als Garnisonkirche beziehen. Abgerissen wurde die Heilig-Kreuz-Kirche. Wer wirklich einen „neuen Geist der Versöhnung und des Friedens“ will, baut Brücken und keine Wehr-(Garnisons-)Türme! Wer neu starten will muss die historische Schuld anerkennen und sich nicht als Opfer zweier Diktaturen stilisieren. Weder hat Hitler diese Kirche missbraucht, noch hat Ulbricht deren Sprengung angeordnet. Beiden Ereignissen gingen proaktive Entscheidungen der evangelischen Kirche voraus.
Die Rhetorik der Baubefürworter überschneidet sich mit der der AfD. Die Relativierung von Schuld und die Versöhnung mit der eigenen Geschichte ermöglichen den Einzug alten Geistes in die neuen Fassaden in Dresden, Berlin und Potsdam! Auch die Sozialdemokratie glaubte in den 30er Jahren daran, den aufkommenden Faschismus in den Griff zu bekommen und ihn mit demokratischen Regeln im Zaum zu halten. Die Geschichte lehrt uns etwas anderes. Wehret den Anfängen!
Im Kampf gegen damals existierenden Hunger und den aufkommenden Faschismus ertönte in den Herbsttagen des Jahres 1931 auf den Straßen Deutschlands: „Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!“ Auch heute sucht die SPD für sich nach neuen Antworten auf die Probleme der Gesellschaft. Und eine aktuelle Frage lautet: Wer macht sich heute zum Steigbügelhalter von wem?
Die Demokratischen Kräfte von heute müssen – auch in Angedenken an den 09.11. mit der Pogromnacht, der Ausrufung der Republik, dem Mauerfall u.v.a. Ereignissen – sich klarer abgrenzen von der stattfindenden Geschichtsrevision, falschem Patriotismus und der Schwelgerei im Gestern.


Siehe auch:
Gastbeitrag von MICHAEL KARG bei der MAZ vom 2./3.11.
und

transkribierte Rede von Höcke im Tagesspiegel

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