Brauner Gruß aus Potsdam: Rewe-Markt knüpft mit Garnisonkirchenschokolade an problematisches Vorbild an

PRESSEMITTEILUNG
der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

Potsdam, den 20.03.2019

Brauner Gruß aus Potsdam: Rewe-Markt knüpft mit Garnisonkirchenschokolade an problematisches Vorbild an

Seit einiger Zeit gibt es im REWE im Marktcenter an der Breiten Straße Schokoladentafeln mit dem Motiv der Garnisonkirche: „Süßer Gruß aus Potsdam“ steht darauf. Abgebildet ist der „Turm der Garnisonkirche Potsdam aus 35.000 LEGO-Steinen.“

Schokolade mit Motiv der Garnisonkirche im Rewe im Marktcenter Potsdam

Es ist nicht das erste Mal in der deutschen Geschichte, dass die Garnisonkirche eine Schokoladenverpackung ziert: Um 1933 brachten die Mignon-Schokoladenwerke (ehemals David Söhne AG) die NS-Propaganda-Schokolade „Junges Deutschland“ auf den Markt. Heute sind die Produkte in der Gedenkstätte Sachsenhausen ausgestellt: Auf der Version „Edelbitter“ prangen das Brandenburger Tor und die Garnisonkirche neben einem Hitlerjungen mit Hakenkreuzfahne.

NS-Propagandaschokolade der Firma Mignon, um 1933

Dieses bittersüße Souvenir der Garnisonkirche als feierliches Symbol für den Untergang der Weimarer Republik war kein Zufall oder Einzelfall, sondern Teil der vielfachen Vermarktung der Garnisonkirche als „Geburtsstätte des Dritten Reiches“ nach dem „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933.

Ist sich Siegfried Grube, der Betreiber des REWE-Marktes und Großspender für den Wiederaufbau der Garnisonkirche, der Existenz dieses Vorgängermodells bewusst? Falls ja, knüpft er absichtlich daran an? Oder sieht er vielleicht gar kein Problem darin? Das würde zur Hybris der geschichtsvergessenen Wiederaufbau–Stiftung passen, die die Rolle der Garnisonkirche für die NS-Propagandamaschinerie stets kleinredet und sich einbildet, die historische Symbolik der Militärkirche hinter sich lassen zu können.

Egal ob Fettnäpfchen oder Kalkül: Dieses Machtsymbol der NS-Zeit heute ausgerechnet auf einer Schokolade zu vermarkten, ist geschmacklos und nur mit einer gehörigen Portion Verblendung bzw. Unverfrorenheit zu erklären. Die Tatsache, dass die peinliche Finanzlage der Stiftung Garnisonkirche bisher nicht mehr als eine niedliche LEGO-Variante des vollständigen Turms hergibt und wie dieses Armutszeugnis nun erneut zelebriert wird, ist hier lediglich das i-Tüpfelchen. Hat die Stiftung das Foto für diesen Zweck freigegeben?

Die REWE-Zentrale ist zu fragen, ob dieses zweifelhafte Produkt mit oder ohne ihre Zustimmung in der Potsdamer Filiale gehandelt wird und wie sie sich nach Aufklärung über den Sachverhalt dazu stellt.

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