Musikalischer Protest zum 75. Jahrestag der Befreiung

Musikalischer Protest gegen den Neubau der Garnisonkirche in Potsdam zum 75. Jahrestag der Kapitulation des faschistischen Deutschlands

PRESSEMITTEILUNG von Lebenslaute

Mit alten Chorälen mit zum Teil neuen Texten, mit den „Moorsoldaten“, 1933 im KZ Bürgermoor geschrieben und mit einem aserbaidschanischen Friedenslied, mit Geige, Bratsche, Cello und Querflöte werden Musizierende des Musik- und Aktionsnetzwerkes „Lebenslaute“ am 8. Mai 2020, zum 75. Jahrestages der Befreiung Europas von beispiellosem Terror und Faschismus, gegen den Neubau der Potsdamer Garnisonkirche protestieren.

Am 21. März 1933 fand in der Potsdamer Garnisonkirche ein Staatsakt vor der konstituierenden Sitzung des Reichstages statt. Die Kirche, Symbol des preußischen Militarismus, wurde ganz bewusst als Ort gewählt, um das angebliche Zusammenkommen von „alter Größe und junger Kraft“ im Nationalsozialismus darzustellen.

Im 2. Weltkrieg wurde die Kirche zerstört und die Ruine, die vielleicht noch ein symbolisch passendes Mahnmal gewesen wäre, wurde 1968 gesprengt.

Nun, 75 Jahre nach Kriegsende, befindet sich diese militaristische Kirche, die im faschistischen Deutschland eine solch entscheidende Rolle spielte, im Wiederaufbau.

Während offiziell von einem „Versöhnungszentrum“ die Rede ist, ist in der Stiftung die Militärseelsorge der Bundeswehr beteiligt. Das Bauvorhaben schmückt sich mit den Worten „Frieden“ und „Verantwortung“, doch mit diesen Worten werden immer öfter deutsche Kriegseinsätze gerechtfertigt. Es zeichnet sich ab, dass an diesem Ort in neuer Form stattfinden wird, was früher schon hier stattfand: Krieg wird als notwendig erklärt und der Waffeneinsatz zum Mittel der Wahl erhoben.

„75 Jahre nach der Kapitulation des faschistischen Deutschlands dürfen keine Mittel verwendet werden, um eine für die Nazis so bedeutsame Kriegskirche wieder zu errichten.“ Sagt Franziska P., Sopransängerin bei Lebenslaute. „Besonders, da ein erfolgreiches Bürgerbegehren und mehrere Abstimmungen im Rahmen des Potsdamer Bürgerhaushaltes eindeutig gezeigt haben, dass die Stadtbevölkerung den Bau in dieser Form mehrheitlich ablehnt.“

Den Wiederaufbau der Garnisonkirche sieht sie als eines von vielen Zeichen dafür, dass momentan in Deutschland nicht der Frieden, sondern Militarismus und Nationalismus gefördert werden. „In der jetzigen Coronakrise werden die Grenzen abgeriegelt und rassistische Angriffe nehmen zu“. Ole W., Tenorsänger und Violinist bei Lebenslaute, ergänzt „die Krise wird zum Anlass genommen, die Bundeswehr im Innern einzusetzen, beispielsweise zu Verwaltung von Erstaufnahmelagern wie Ellwangen, in denen Corona ausgebrochen ist und die deswegen abgeriegelt wurden.“

Die Musiker*innen von Lebenslaute verkünden, dass wer den Frieden will, sich auch auf den Frieden vorbereiten und ihn leben müsse. Nur wer Krieg wolle, übe den Krieg.

In der Erinnerung an die Häftlinge des Nazi- Konzentrationslagers Buchenwald, die sich im April 1945 unter schwierigsten Bedingungen selber hatten befreien können, wiederholen sie heute ihre Forderungen:

NIE WIEDER FASCHISMUS! NIE WIEDER KRIEG!

Seit 1986 verbindet Lebenslaute klassische Musik mit politischen Aktionen, oft in Verbindung mit zivilem Ungehorsam. Das 2014 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnete, bundesweite Netzwerk von Musiker*innen zwischen 16 und 83 Jahren führt klassische Musik dort auf, wo sie nicht erwartet wird, u.a. auf Militärübungsplätzen, vor Atomfabriken und auf Abschiebeflughäfen. Ihre Konzerte suchen die politische Konfrontation gerade dort, wo unter Berufung auf Gesetze Unrecht geschieht. In Potsdam protestiert am 08. Mai die Untergruppe Berlin-Brandenburg gegen Militarisierung und Krieg. Auch die bundesweite Aktion widmet sich im Jahr 2020 diesem Thema: vom 12. -18. August ruft Lebenslaute zur Beteiligung an musikalischen Protesten gegen den Waffen- und Rüstungsproduzent Rheinmetall auf.

In Potsdam aktiv ist die Bürgerinitiative Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche, die 2014 ein erfolgreiches Bürgerbegehren gegen den Wiederaufbau mit über 14.000 Unterschriften durchführte und bis heute wichtige Aufklärungsarbeit und Widerstand leistet.

Flyer:
Flyer NIE WIEDER FASCHISMUS – NIE WIEDER KRIEG

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