Ach du li(e)bes Kind: erst der Inhalt, dann die Form!

Der US-Architekt Daniel Libeskind hat Interesse an der Gestaltung eines Areals Garnisonkirche/Rechenzentrum bekundet:

https://www.pnn.de/potsdam/us-star-architekt-in-potsdam-libeskind-will-ideen-fuer-die-garnisonkirche-entwerfen/25946876.html

Hier der passende Kommentar bei „Stadt für Alle“:

Der Oberbürgermeister Schubert macht den gleichen Fehler wie die Stiftung Garnisonkirche: Debatten um Formen und Architektur führen, ohne zu wissen was der Inhalt ist oder sein soll.

Vor wenigen Wochen glänzte die Stiftung Garnisonkirche mit Konzeptlosigkeit, indem sie erneut das altbekannte Raumnutzungskonzept vorstellte. Gleichzeitig gestand sie ein, dass sie keinen Plan hat, wie die inhaltliche Arbeit oder die Ausstellung in den Nebenräumen des Tourismustempels aussehen soll. Es geht der Stiftung und der Fördergesellschaft zuallererst nur um das Stadtbild und das barocke Original der alten Hof- und Militärkirche. Und nun offeriert der OBM im Hauptausschuss der versammelten Mannschaft, dass er schon einen Stararchitekten für das Areal Garnisonkirche/Rechenzentrum an der Angel hat: Daniel Libeskind. Doch was soll der eigentlich bauen? Vor drei Wochen hat die SVV den 4-Stufen-Plan beschlossen, der dies erst klären soll. Und noch bevor überhaupt die erste Stufe begann, kommt der OBM schon mit einem Heilsbringer der Formen. Der dritte Schritt vor dem ersten. Sollte nicht erst der Inhalt geklärt werden?

Genau diesem inhaltlichen Ansatz folgen die Macher*innen des „Lernort Garnisonkirche“. Sie stellen morgen (Fr. 26.06.2020) ihre neue Homepage vor. Der 2017 begonnene Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam sollte ursprünglich dazu dienen, dort einen Lernort deutscher Geschichte zu schaffen. Doch bislang wurde dieser Versprechen nicht eingelöst. Diesem Mangel wollen die Lernort-Macher*innen entgegentreten. Sie wollen die Frage adressieren: „Welcher Inhalte Bedarf es, damit der Ort der ehemaligen Garnisonkirche Potsdam zu einem Lernort deutscher Geschichte wird? Was wissen wir schon über die Geschichte des Ortes und was gilt es noch zu erforschen?“

Die Website http://lernort-garnisonkirche.de/ trägt das für den zukünftigen Lernort nötige Wissen zusammen und generiert es. Begleitet und unterstützt wird das Projekt von einem zehnköpfigen wissenschaftlichen Beirat und der Martin-Niemöller-Stiftung. Mit dem Start des Portals werden die ersten dreißig Beiträge öffentlichen zugänglich gemacht. Die Ausweitung des wissenschaftlichen Angebots soll zunächst quartalsweise erfolgen.

Dieses Portal kann helfen, um den Ort Garnisonkirche/Rechenzentrum zu verstehen: geschichtlich, gesellschaftspolitisch und auch künstlerisch. Darauf aufbauend könnten die Fragen beantwortet werden, die der OBM selbst in den stadtpolitischen Raum gerufen hat: Was wollen wir dort bauen? Was brauchen wir als Stadt an diesem Ort?

Hier liegt die Priorität des Handels. „Fangen Sie mit Stufe 1 an Herr Schubert“, möchten wir ihm zurufen! „Torpedieren Sie nicht den Prozess und die Debatte, die Sie selbst ins Leben gerufen haben mit Plattitüden und Namen.“


Erinnert sei an dieser Stelle an die Offerte von Oscar Niemeyer für einen Badneubau am Brauhausberg. „Zu teuer, zu modern, zu links“ riefen die städtebaulichen Ladenhüter*innen vor knapp 15 Jahren. Es folgte ein mehrjähriges scheindemokratisches Verwirrspiel und rausgekommen ist das „blu“. Ein Bad, welches nicht ansatzweise die ursprünglich Bedürfnisse erfüllt. Baden scheint ohnehin ein Problem im wasserreichen Potsdam zu sein. Nun soll auch noch in der wachsenden Stadt das Strandbad verkleinert werden. Die Bauarbeiten haben begonnen.

Niemeyer-Entwurf für das Freizeitbad am Brauhausberg

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