Offener Brief an wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Garnisonkirche Potsdam

In einem Brief (Klick für PDF) an den neu geschaffenen wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Garnisonkirche Potsdam kritisiert der Architekturtheoretiker Philipp Oswalt die Stiftung für ihr verzerrtes und bewusst verfälschtes Geschichtsbild, welches wesentliche Fakten der Kirchengeschichte ausblendet und einige wahrheitswidrig verfälscht. Ausgeblendet werde etwa die Rolle der Militärkirche bei den Kriegsverbrechen in den Deutschen Kolonialkriegen, im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Auch würde verschwiegen, dass die Garnisonkirche ein zentraler Treffpunkt antidemokratischer und rechtsradikaler Kräfte während der Weimarer Republik gewesen war und das Wiederaufbauprojekt von dem rechtsradikalen ehemaligen Bundeswehroffizier Max Klaar 1984 initiiert und knapp zwei Jahrzehnte maßgeblich betrieben worden war. Hingegen entspricht die behauptete Rolle der Kirche für den militärischen Widerstand nicht den historischen Fakten.

Nicht nur eine Korrektur der Darstellung der Kirchengeschichte sei nötig, auch die Architektur des Gebäuderekonstruktion müsse ein Differenz zum historischen Bau deutlich erkennbar werden lassen, wie es auch Bischof Dröge vor zwei Jahren gefordert und in Aussicht gestellt hatte. Für unsere Gesellschaft könne – so Oswalt – die Garnisonkirche nicht primär ein Ort des Stolzes sein, sondern ein Ort der Scham und Sühne.

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Offener Brief des EKBO-Mitglieds Gunnar Albers

Kürzlich erreichte auch uns folgender

Offener Brief an den Vorstand und die Mitglieder des Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche Potsdam und den Vorstand der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e. V.

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Als „Kirche der Schande“ bezeichnet die Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde in einer Erklärung das Gotteshaus, dessen Wiederaufbau seit Jahren von der Garnisonkirchenstiftung vorangetrieben wird: „Schon allein das Vorhaben des Wiederaufbaus schadet dem nationalen und internationalen Ansehen der Stadt Potsdam und sorgt für tiefste Enttäuschung bei weiten Teilen der jüdischen Bevölkerung“, schreibt der Vorstand rund um Shimon Nebrat.“ 1)

Was soll der Kern dieses Projektes sein: „Versöhnung“ oder „Historischer Wiederaufbau der Garnisonkirche“?

Zu Versöhnung gehört auch das Eingeständnis der eigenen Schuld. Angesichts der historischen Schuld auch der evangelischen Kirche ist die Frage zu stellen, welche Erinnerungskultur von Stiftung und Fördergesellschaft gepflegt wird. Einen Anhaltspunkt gibt der Internetauftritt. Unter der Adresse http://wissen.garnisonkirche.de/ bietet die Stiftung eine Online-Ausstellung zur Geschichte der Garnisonkirche an. Informationen zur Geschichte der Kirche aus der Zeit des Nationalsozialismus sucht der Besucher dort leider vergeblich, mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte der evangelischen Kirche in Deutschland will sich die Stiftung online anscheinend nur sehr begrenzt auseinandersetzen.

„Das von brauner Asche besudelte Gebäude kann durch den Neubau nicht reingewaschen werden.“ Friedrich Schorlemmer 2)

Der berühmte Handschlag von Hitler und Hindenburg fand in der Garnisonkirche unter den wohlwollenden Blicken des damaligen Generalsuperintendenten Otto Dibelius statt, dem Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche in Deutschland von 1949 bis 1961. Als am 1. April 1933 der „Judenboykott“ der SA gegen jüdische Geschäfte erfolgte, stellte Dibelius sich hinter den Hitlerstaat und erklärte: „Schließlich hat sich die Regierung genötigt gesehen, den Boykott jüdischer Geschäfte zu organisieren – in der richtigen Erkenntnis, daß durch die internationalen Verbindungen des Judentums die Auslandshetze dann am ehesten aufhören wird, wenn sie dem deutschen Judentum wirtschaftlich gefährlich wird. Das Ergebnis dieser ganzen Vorgänge wird ohne Zweifel eine Zurückdämmung des jüdischen Einflusses im öffentlichen Leben Deutschlands sein. Dagegen wird niemand im Ernst etwas einwenden können.“ 3)

Wenn zum Zeitraum 1933 bis 1945 sowenig Informationen auf den Internetseiten der Stiftung zu finden sind, so stellt sich die Frage, aus welchem Geschichtsverständnis heraus agiert wird, wenn der Wiederaufbau auch gegen die ausdrückliche Kritik einer jüdischen Gemeinde durchgedrückt werden soll. „Also: Auch wir (…) wollen nicht, daß an der Garnisonkirche ein Schuldkult betrieben wird!“ 4) Mit diesen Worten bringt Burkhart Franck, ehemaliger Vorsitzender des Vorstandes der Fördergesellschaft (2012–2015), die dort akzeptierte Haltung auf den Punkt. Diese Wortwahl ist nicht zufällig, und es finden sich entsprechende Äußerungen im parteipolitischen Spektrum: „Schuldkult – nein danke!“ 5), diese Meinung wird auch bei der NPD vertreten.

Mit einem solchen Geschichtsverständnis ausgestattet, lässt es sich dann auch gut über die Menschen, die einen Wiederaufbau ablehnen, pöbeln: „Nach meinem Eindruck sind die Gegner des Wiederaufbaus nicht nur kirchenhassende Kommunisten. Es sind auch andere Menschen mit geringen Geschichtskenntnissen oder verzerrtem Weltbild darunter, die noch heute der Propaganda von Goebbels und der SED zum „Tag von Potsdam“ aufsitzen.“ 6) – so die auf der Internetseite der Stiftung verkündete Einschätzung. Eine auf Versöhnung bedachte Haltung sieht anders aus. Diese unversöhnliche Haltung findet ihre Entsprechung ebenfalls in parteipolitischen Äußerungen: „Es ist immer wieder unfassbar, wie das linke Lager mit ideologischen Beißreflexen versucht, die Garnisonkirche zu diskreditieren, die eine beinahe 300-jährigen Geschichte hat.“ 7), heißt es in einer Meldung aus der AfD-Fraktion Brandenburg.

Entsprechend unterstellt auch Wolfgang Huber den Menschen, die einen Wiederaufbau ablehnen, eine irrationale Rachsucht: „Vehement wird vorgeschlagen, sich an der Geschichte zu rächen, indem man ihre Orte auslöscht und den Geist der Vergangenheit versenkt.“ 8) Das eine Ablehnung des Wiederaufbaus einem Auslöschen gleich kommt, ist doch sehr weit hergeholt. Bei dem „Auslöschen“ der jüdischen Mitmenschen war die evangelische Kirche durch das Ausstellen der sogenannten „arischen Nachweise“ ganz konkret beteiligt. Vor diesem Hintergrund ist das von dem Vorgehen der Stiftung ausgehende politische Signal für die Zukunft besonders fatal – welchen Umgang mit ihren andersgläubigen Mitmenschen will die evangelische Kirche hier für die Zukunft propagieren? „Machtdemonstration gegen alle Widersprüche“ oder „versöhnliche Rücksichtnahme“?

Liebe Befürworter eines Versöhnungsortes, von dem Gedanken der Versöhnung hat sich das Projekt immer mehr in Richtung historischer Wiederaufbau verschoben, bis zuletzt sogar das Kreuz vom Kirchturm verbannt wurde. Bereits jetzt besteht mit der Nagelkreuzkapelle ein Ort der Versöhnung. Viele architektonische Lösungen sind denkbar, wenn alle Seiten Kompromiss- und Versöhnungsbereitschaft zeigen. Ein historischer Wiederaufbau der Garnisonkirche gegen den Willen einer jüdischen Gemeinde vor Ort ist mit der Idee der Versöhnung nicht zu vereinbaren. Als evangelischer Christ schäme ich mich persönlich für das geschichtsvergessene Vorgehen der evangelischen Kirche in dieser Frage. Daher möchte ich Sie hiermit nochmals nachdrücklich bitten, auf eine bauliche Rekonstruktion der Garnisonkirche bzw. des Turms zu verzichten.

Mit versöhnlichen Grüßen
Gunnar Albers
Mitglied der EKBO

1) http://www.maz-online.de/Themen/G/Garnisonkirche-in-Potsdam/Juden-gegen-die-Kirche-der-Schande
2) https://ohnegarnisonkirche.wordpress.com/tag/schorlemmer/
3) Zitiert bei Wolfgang Gerlach: Als die Zeugen schwiegen. Bekennende Kirche und die Juden. (= Studien zu Kirche und Israel, Bd. 10). Institut Kirche und Judentum, Berlin 1993², ISBN 3-923095-69-4, S. 41f.
4) http://garnisonkirche-potsdam.de/kontakt/gaestebuch/ 30. März 2009 | 13:49 (ca. S. 27, zuletzt abgerufen am 28.08.2017)
5) https://npd-brandenburg.de/schuldkult-nein-danke-ja-zu-einem-wuerdigen-gedenken/
6) http://garnisonkirche-potsdam.de/kontakt/gaestebuch/ 08. April 2014 | 11:57 (ca. S. 10, zuletzt abgerufen am 28.08.2017)
7) http://afd-fraktion-brandenburg.de/afd-fraktion-wiederaufbau-der-potsdamer-garnisonkirche-muss-gesichert-werden/
8) https://predigten.evangelisch.de/predigt/frieden-lernen-wolfgang-hubers-predigt-zur-garnisonkirche

Können Steine schuldig sein?

Unter der irreführenden Überschrift „Können Steine schuldig sein?“ erschien kürzlich ein Beitrag von Herrn Matthias Schulz im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, Ausgabe 22 vom 27.05.2017, Ressort Wissenschaft/Rubrik Geschichte.
Diesen Beitrag gilt es aus mehreren Gründen kritisch zu hinterfragen. Offensichtlich zielt die Frage der Überschrift auf die Formulierung der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche (FWG) ab, die in ihrem „Ruf aus Potsdam“ demagogisch von der Hinrichtung dieses Gebäudes spricht. Die vom Autor aufgeworfene Schuldfrage und die von der FWG thematisierte Hinrichtung sind allerdings Hirngespinste, es sei denn, man billigt dem einstigen Kriegstempel eigene Persönlichkeitsmerkmale, wie etwa Bewusstsein, zu.

Für das Ressort „Wissenschaft“ diskreditiert sich der Autor auch mit dem Versuch, von den 23.694 Pro-Klicks für das GK-Projekt auf der Internetseite von FWG/SGP, eine Zustimmung durch die Bevölkerung abzuleiten. Diese Anzahl von Zustimmungen resultiert aus Nutzern des weltweiten Internets, die an einer nicht repräsentativen Befragung teilnahmen. Bezogen auf die deutsche Wahlbevölkerung von ca. 61 Mio. (Wahlberechtigte zur Bundestagswahl 2017), relativiert sich die bundesweite Zustimmung für das umstrittene Projekt auf 0,04 %.
Dass das Wiederaufbauprojekt auch in der Evangelischen Kirche umstritten ist, zeigt die Tatsache, dass 2016 auf der Frühjahrssynode der EKBO nur 64,1 % der Synodalen der Vergabe eines Darlehens für das GK-Projekt zustimmten, 35,9 % Synodale votierten dagegen oder enthielten sich. Ein Darlehen aus dem Kirchenkreis Potsdam für dieses Wiederaufbauprojekt wurde nur von 55,6 % der Synodalen befürwortet, 44,4 % lehnten eine finanzielle Unterstützung ab oder enthielten sich.

Nicht erwähnt hat Herr Schulz, dass 2014 durch uns ein Bürgerbegehren in Potsdam erfolgreich durchgeführt wurde. In nur dreieinhalb Monaten erhielten wir von der Bevölkerung über 14.000 Unterschriften, die vom Wahlleiter geprüft und anerkannt wurden und somit ein nachprüfbares Votum gegen das Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche darstellen.
Die Brandenburger Landtagswahl 2014 bot die Chance, die Meinung der Potsdamer Bevölkerung zum umstrittenen Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche mit minimalem Aufwand zu erfragen. Dazu hätte man entweder einen Bürgerentscheid oder eine repräsentative Bürgerbefragung zeitgleich mit der Landtagswahl durchführen müssen. Wir als Bürgerinitiative haben uns dafür leider erfolglos eingesetzt. Die Eliten aus Politik und Kirche glaubten vermutlich selbst nicht recht daran, dass ihr umstrittenes Projekt in Potsdam mehrheitsfähig ist, und blockierten das Vorhaben einer Bürgerbefragung.

Wie ist die Stimmung in Potsdam?

Es gibt bisher keine gesamt umfassende Befragung zum Thema Garnisonkirche. Ein von uns gewollter Bürgerentscheid, bei dem die Potsdamer Bürger*innen hätten für oder gegen die Garnisonkirche abstimmen können, wurde im Jahr 2014 trickreich verhindert. Daher bleiben uns bisherige Abstimmungen:

Die offiziellen und amtlich überprüfbaren Abstimmungen zeigen ein deutliches Bild:

Die Garnisonkirchenbefürworter*innen beziehen sich dagegen auf folgende Abstimmungen, die keine offiziellen Kriterien der Überprüfung erfüllen können:

Kirchenaustritt dank Garnisonkirche Potsdam

Rückblende: Show mit schönem Schein

Im letzten September durfte die Stiftung Garnisonkirche einen ZDF-Fernsehgottesdienst zur Bewerbung ihres Neubauvorhabens ausrichten. Sie zog dabei alle Marketingregister für hübsche Bilder und gebefreudige Besucher*innen. Dennoch ist längst nicht jede*r Christ*in und Architekturinteressierte vom neobarocken Wiederaufbaugedanken überzeugt.

Für Professor Philipp Oswalt war besagter Gottesdienst sogar der letzte, noch fehlende Anstoß, um aus der staatlich unterstützten Struktur „Kirche“ auszutreten. Und es waren nicht nur bautheoretische Differenzen, die den ehemaligen Direktor der Stiftung Bauhaus in Dessau zu einem Schreiben an die Kirchenleitung bewegten, wie Sie hier lesen können.

Niemand hat die Absicht, eine Förderruine zu bauen?!

Der Präsident des Bundesrechnungshofs findet klare Worte, wie man Förderruinen verhindert und nimmt Bezug auf die unseriösen und unzulässigen Strategien, Projekte in Häppchen aufzuteilen, wie es bei der Garnisonkirchenkopie der Fall ist. Ein zu förderndes Gesamtprojekt muss zudem eine gesicherte Finanzierung vorweisen. Der für die Bundesförderung beantragte Kirchturmstumpf ist kein Gesamtprojekt, was einen gesicherten und ausgeglichen Wirtschaftsplan vorweisen kann. Es gibt einfach keinen Wirtschaftsplan für diese reduzierte Turmkopie. Die angestrebte Bundesförderung von 12 Mio. Euro kann nur unter Missachtung dieser klaren Regeln ausgezahlt werden.

Auszug aus „Prüfung der Vergabe und Bewirtschaftung von Zuwendungen – Typische Mängel und Fehler im Zuwendungsbereich: Aber wer hat denn schon die Absicht, eine Förder- und Bauruine entstehen zu lassen?“:

3.2.2 Sicherung der Gesamtfinanzierung

Zuwendungen dürfen nur für solche Vorhaben bewilligt werden, deren Gesamtfinanzierung gesichert ist; eine Anfinanzierung ist unzulässig (VV Nr. 1.2 Satz 3 zu § 44 BHO). Demzufolge müssen bei einer Projektförderung der Kosten- und Finanzierungsplan, bei einer institutionellen Förderung der Wirtschaftsplan in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen sein. Um der Gefahr des Entstehens von „Förderruinen“ vorzubeugen und um einem möglichen faktischen Zwang zur Nachbewilligung zu entgehen, ist die Bewilligungsbehörde im Rahmen der Antragsprüfung gehalten, die Gesamtfinanzierungsfrage zu klären und das Ergebnis zu vermerken (VV Nr. 3.3. i. V. m. 3.3.4 zu § 44 BHO). Sie hat in diesem Zusammenhang zu prüfen, ob die vom Zuwendungsempfänger angesetzten

  • Ausgabenansätze,
  • ausgewiesenen Eigen- und Drittmittel sowie die
  • in Ansatz gebrachten Zuwendungen anderer Gebietskörperschaften

realistisch und – soweit nicht belegbar – zumindest nachvollziehbar sind. Sie hat weiterhin die finanziellen Auswirkungen des Fördervorhabens auf zukünftige Haushaltsjahre zu bewerten (VV Nr. 3.3 i. V. m. Nr. 3.3.5 zu § 44 BHO). Daraus folgt, dass bei Investitionen die Finanzierung der Folgekosten ebenso gesichert sein muss. Eine unzulässige Anfinanzierung ist auch anzunehmen, wenn ein zu förderndes Vorhaben aus Finanzierungsgründen in mehrere, für sich nicht funktionsfähige Abschnitte aufgeteilt wird.

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Quelle:
https://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/gutachten-berichte-bwv/gutachten-bwv-schriftenreihe/langfassungen/2004-bwv-band-10-pruefung-der-vergabe-und-bewirtschaftung-von-zuwendungen

Offener Brief an Renke Brahms, neues Mitglied in der Garnisonkirchenstiftung

Fragen zu ethischen Kriterien bei Spendensammlung, Umgang mit Bürgerbegehren, Widerspruch zwischen Luxusbau und Geldmangel für Friedensarbeit

Sehr geehrter Herr Brahms,

wir, die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche, wenden uns an Sie als neuen „Friedens- und Versöhnungsbeauftragten“ der Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP). Sie haben sich als Friedensbeauftragter der EKD mit dem Thema Frieden und Konfliktlösung befasst und immer wieder gemahnt, den Worten Taten folgen zu lassen.
Auf der folgenden Seiten haben wir Ihnen Fragen aufgeschrieben, um deren Beantwortung wir bitten.
Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Mit freundlichen Grüßen

Simon Wohlfahrt       Annegret Pannier       Lutz Rother
im Namen der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

Aus Ihrer Pressemitteilung vom 04.07.2016:
„‚Rüstungsexporte tragen zur Friedensgefährdung bei. Sie dürfen nicht ausgeweitet, sondern sie müssen drastisch reduziert werden‘, machte Renke Brahms deutlich. Es reiche nicht aus, wenn die Bundesregierung in Erklärungen immer davon rede, Rüstungsexporte zu begrenzen, wenn am Ende die Ausfuhrgenehmigungen doch so stark steigen würden. ‚Hier müssen den Worten dann auch erkennbare Taten folgen‘, so der EKD- Friedensbeauftragte.“

Wie wichtig sind Ihnen ethische Maßstäbe bei der Spendeneinwerbung?
Folgen den Worten auch Taten?

Der theologische Vorstand der Garnisonkirchenstiftung, Martin Vogel, gab gegenüber unserer BI Anfang 2014 bekannt, dass die Stiftung an ethischen Richtlinien zur Spendeneinwerbung arbeite. Diese wurden bisher nicht erkennbar eingesetzt. Wir befürchten, dass Martin Vogel leere Versprechungen gemacht hat.
So konnte erst vor Kurzem ein Zahnarzt namens Andree Schmitzius aus Celle 10.000 Euro öffentlichkeitswirksam an die Stiftung spenden, obwohl er nachweislich über seinen Twitteraccount gegen Geflüchtete hetzte und eine große Nähe zur AfD zeigt.
Dass nun die letzten Großspender anonym auftreten, macht es für die Öffentlichkeit noch schwerer einzuschätzen, in welche finanzielle Abhängigkeit sich das Projekt begibt. Ohne eine transparente Spendensammlung und der damit verbundenen Anwendung von ethischen Grundsätzen, wie sie z.B. Ärzte ohne Grenzen¹ teilen, ist der selbsternannte Versöhnungsort unglaubwürdig. Selbst für Menschen, die sich für die Garnisonkirche wegen der Friedensarbeit interessieren, ist es enttäuschend, wenn die Garnisonkirche in weiten Teilen von der Rüstungsindustrie oder von nationalkonservativen und rechtspopulistischen Kreisen finanziert sein sollte.

Aus Ihrem Diskussionspapier „Die Zukunft der protestantischen Friedensarbeit in Deutschland“:
„Auch ein weiter gefasstes Verständnis von Friedensarbeit als Umgang mit Konflikten, einer für alle hauptamtlichen Mitarbeiter alltäglich relevanten Problematik, ist in der Ausbildung von PfarrerInnen kaum berücksichtigt.“

Wie verantworten Sie einen Baustart des Wiederaufbaus, ohne den Konflikt in der Stadt gelöst zu haben? Wie gehen Sie damit um, dass der Bevölkerung trotz erfolgreichen Bürgerbegehrens bisher ein Votum über den Wiederaufbau der Garnisonkirche verwehrt wurde?

Mehr Demokratie e.V. hatte 2014 in einem Anschreiben an die Abgeordneten vor der Abstimmung zum Bürgerbegehren darauf hingewiesen, dass ein Bürgerentscheid zur Garnisonkirche zur demokratischen Konfliktlösung der Stadt beiträgt. Weder die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung noch die SGP hat sich dieser Position angeschlossen. Im Gegenteil: Der bisherige Umgang mit dem Bürgerbegehren lässt darauf schließen, dass die Rhetorik der Versöhnung und des Friedens einen Hohn gegenüber der Potsdamer Stadtgesellschaft darstellt. Die  Art der Beteiligung der SGP am Bürgerdialog hat gezeigt, dass die SGP nicht an einer Konfliktlösung interessiert ist, sondern viel mehr ihn als Möglichkeit des Marketings sah, so wie Herr Dombert es schriftlich gegenüber dem Gremium des Bürgerdialogs verlauten ließ. Schließlich brachte Pfarrerin Frau Radeke-Engst die Verhöhnung der direktdemokratischen Beteiligung auf den Punkt, indem sie in einer öffentlichen Diskussionsrunde das Bürgerbegehren als „Witz“ bezeichnete.

In Ihrem Diskussionspapier „Die Zukunft der protestantischen Friedensarbeit in Deutschland“ prangern Sie immer wieder die Sparmaßnahmen an, unter denen die Friedensarbeit in der evangelischen Kirche leidet.

Wie rechtfertigen Sie eine teure Luxuskirche vor dem Hintergrund Ihrer Kritik an Sparmaßnahmen gegenüber der Friedensarbeit?

Für eine gute Friedensarbeit an der Basis braucht es keinen 40 Mio. bis 50 Mio. Euro teuren Turm, geschweige denn ein noch viel teureres Kirchenschiff. Der Öffentlichkeit und den Kirchenmitgliedern zu kommunizieren, es seien zu wenig Finanzen für Friedensarbeit vorhanden, während Sie ein Luxusprojekt unterstützen, was sich in weiten Teilen mit öffentlichem Geld finanziert, ist nicht vermittelbar. Weiterhin riskiert die evangelische Kirche mit einem Baustart eine Bauruine in Potsdam. Denn es liegt völlig im Unklaren, wer die für die Fertigstellung des Turms fehlenden  20 bis 25 Mio. Euro – bei anzunehmender Baukostensteigerung – finanzieren soll. Es ist unverantwortlich der Öffentlichkeit wie auch den Kirchenmitgliedern gegenüber, ein solches Risiko einzugehen. Es wurden in den letzten 10 Jahren keine nennenswerten Spendensummen zusammengetragen, so dass das jahrelange Versprechen der 100%igen Spendenfinanzierung gebrochen wurde und ein Turmstumpf nun zum Großteil durch die Öffentlichkeit und mit Kirchengeldern finanziert wird. Das Verhalten der Geschäftsführung macht die Kalkulation des Wiederaufbauprojekts nicht vertrauenswürdiger: Laut der Geschäftsführung der SGP sind die Baukosten seit 2012 gesunken. Schließlich machte Herr Leinemann gar falsche Angaben über den Spendenstand gegenüber dem Hauptausschuss im April 2014. Herr Leinemann gab sich bisher keinerlei Mühe, die Differenz von mehr als 2 Mio. Euro zu erklären – er gab damals mehr Spenden an, als tatsächlich vorhanden waren. Mit diesen falschen Zahlen wurde rund 2 Jahre in der Öffentlichkeit geworben. Vor der Bundesregierung musste schließlich die Stiftung vor ein paar Monaten den tatsächlichen Spendenstand offenlegen.

-> Offener Brief als pdf

Kritik an Bürgerdialog: Ausstieg aus dem Dialog- und Beteiligungsverfahren im Januar 2016?

Unter der Überschrift „25 Garnisonkirchen-Entscheider gesucht“ wird in den PNN vom 10. Dezember beschrieben, wie das von complan geplante Planspiel zur GK während des Dialogs- und Beteiligungsverfahrens ablaufen soll: Teilnehmen sollen nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Potsdamerinnen und Potsdamer sowie Vertreter*innen der Prozesspartner und Expert*innen aus den Bereichen Bau- und Planungsrecht, Städtebau, Landschaftsplanung und Architektur. Die Ergebnisse des Planspiels sollen in einem Bürgergutachten zusammengefasst werden und als Empfehlungen an die SVV übergeben werden.

In dem Verfahren sollen viele Themen untergebracht werden, um dem Garnisonkirchenprojekt ein demokratisches Mäntelchen umzuhängen. Ein Beteiligungsverfahren, das einen Bürgerentscheid von vornherein ausschließen will, halten wir jedoch für undemokratisch. Ein jahrzehntelanger Streit zum Potsdamer Stadtbild soll nun also dem Zufall in Form von 25 Potsdamer*innen überlassen werden? –
Es ist zu befürchten, dass den Expert*innen und Bürger*innen vorgeben wird, welche Ergebnisse erwartet und finanziert werden – ähnlich wie bei dem Dialogprozess zum Hotel Mercure. Beachtenswert ist auch, dass der Begleitkreis nicht zum zentralen Steuerungs- und Entscheidungsgremium wird, sondern ein beratendes Gremium bleibt, da das Entscheidungsrecht zur Durchführung des Dialog- und Beteiligungsverfahrens bei der SVV liegt.

Im Januar werden wir die Unterstützer*innen unseres erfolgreichen Bürgerbegehrens zu einem Treffen einladen und sie bitten, mit uns per Votum über einen Ausstieg aus dem Dialog zu entscheiden.

Stellungnahme zum sogenannten Bürgerdialog

Stellungnahme zum Entwurf „Dialog- und Beteiligungsverfahren Plantage – Rechenzentrum – Garnisonkirche“ der complan Kommunalberatung GmbH (Entwurf hier auffindbar)

Innerhalb der letzten 25 Jahren forderten verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppen wie auch unsere Initiative eine direktdemokratische Beteiligung an der Entscheidung über das Ja oder Nein zur Garnisonkirchenkopie. Die Forderung nach einer Bürgerbefragung oder einem Bürgerentscheid ist demnach so alt wie die Wiederaufbaugeschichte selbst.

Nach der Verhinderung des Bürgerentscheids im Jahr 2014 soll nun ein sogenannter Bürgerdialog stattfinden.

Der Entwurf zum Dialogprozess von complan ignoriert die jahrelange Forderung nach einer direkten Mitbestimmung durch die Potsdamer*innen. Gemäß complan ist der Dialog lediglich eine Entscheidungshilfe für die Stadtverordnetenversammlung. Die Potsdamer*innen selbst dürfen aber nicht entscheiden.

Der angestrebte Dialog ist demnach ein Rückschritt in der Debatte. Er löst nicht den Kern des Konfliktes. Der Konflikt liegt nicht – wie die Bürgerbeteiligungsexpert*innen von Mitmachen e.V. vor einigen Monaten deutlich dargestellt haben – zwischen unserer Initiative Potsdam ohne Garnisonkirche und der Fördergesellschaft bzw. Stiftung, sondern in der Frage, ob die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung die Mehrheit der Bevölkerung vertritt, wenn sie den Wiederaufbau der Kirche befürwortet.

Das Festhalten an der Baugenehmigung und die Aussage der Fördergesellschaft bzw. der Garnisonkirchenstiftung, mit dem Bau zu beginnen, sobald das Geld vorhanden ist, widerspricht dem Mindestmaß an Ergebnisoffenheit und Entscheidungsspielraum für eine faire und ernsthafte Bürgerbeteiligung.

Wenn die Verfahrensträger dieses Mindestmaß an Ergebnisoffenheit und Entscheidungsspielraum nicht gewährleisten können oder wollen, muss gemäß Mitmachen e.V. von einem Bürgerdialog abgesehen werden. Dem können wir nur zustimmen.

Wenn die verschiedenen Gruppen und Positionen dennoch miteinander diskutieren sollen, muss dies so benannt werden, was es ist, nämlich lediglich ein Diskussionsforum. Die Verwendung der Begriffe wie „Bürgerdialog“ oder „Bürgerbeteiligung“ ohne verbindliche Beteiligung an Entscheidungen sind Etikettenschwindel und werden nur zu Frust führen. Daher treten wir für eine Namensänderung ein, um Transparenz und Ehrlichkeit im Prozess zu schaffen.

Wir sehen durchaus Bedarf, ein solches Diskussionsforum einzuberufen, um offene Fragen zu klären.

Unsere Vorschläge im Überblick:

  1. Umbenennung des Bürgerdialogs in „Diskussionsforum“ und Herauslösung des Themas Garnisonkirche aus dem Dialog- und Beteiligungsverfahren. Als BI werden wir uns ausschließlich an der Diskussion zum Thema Garnisonkirche beteiligen, denn nur hierfür sehen wir uns durch das erfolgreiche Bürgerbegehren legitimiert.

  1. Gründung eines Begleitkreises zum Diskussionsforum Garnisonkirche: Innerhalb des Begleitkreises wird die Prozesssteuerung und Moderation im Konsens festgelegt. Die jetzige Rolle von complan wird damit zur Disposition gestellt.

  2. Zwei Diskussionsveranstaltungen zu ausgewählten Themen wie beispielsweise Finanzierung, Baukosten und jetzige Nutzungskonzepte der angestrebten Garnisonkirchenkopie

  3. Eine Kreativwerkstatt über Nutzungsideen nach Auslauf der Baugenehmigung und Scheitern des Projektes

  4. All diese Veranstaltungen und deren Organisation sollen stets transparent ablaufen. Es werden keine Absprachen darüber getroffen, der Öffentlichkeit etwas zu verschweigen. Auch werden die Gruppen nicht dazu gezwungen, ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit einzuschränken. Nochmals deutlich gesagt: Ein Dialog ohne Entscheidungsmöglichkeit ist keine Beteiligung und birgt keine Verhandlungsbasis, in der die Diskussionspartner zu Diskretion etc. verpflichten werden können.

  5. Eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit zum Diskussionsforum bedarf der einstimmigen Zustimmung durch den gegründeten Begleitkreis. Beiträge und Aufmachung einer Informationsplattform oder mittels einer Medienpartnerschaft müssen demnach im Konsens abgestimmt werden.

  6. Sollten die Wiederaufbaubetreiber*innen oder die Stadtverwaltung entgegen ihrer heutigen Haltung eine Bürgerbefragung in Betracht ziehen, ist unsere Mindestforderung, die Gestaltung der Fragestellung dem Begleitkreis zu überlassen.

Zum Herunterladen:

Bürgerdialog – was denkt ihr darüber?

Am Mittwoch, den 09.09.2015, folgte die zweite Veranstaltung zum sogenannten Bürgerdialog rund um die Garnisonkirche plus Drumherum.

Die Presse wurde ohne unser Wissen ausgeladen – wie passend für einen Dialog mit der „breiten“ Öffentlichkeit.

Das Unternehmen complan organisiert den Bürgerdialog. Das Ganze soll in etwa 150.000 Euro kosten. Selbiges Unternehmen hatte schon die Ehre, das 500.000 Euro teure Beteiligungsverfahren zum Lustgarten + Mercure und den sicherlich vergleichbar teuren Leitbild-Bürgerdialog zu veranstalten. Besonders das Verfahren rund um den Lustgarten war von Anfang an stark in der Kritik. Complan versteht es, aufwendige Bürgerdialogverfahren zu veranstalten, obwohl es eigentlich gar nicht mehr viel zu bereden gibt. So wie beim Mercure stellen sich auch bei der Garnisonkirche einfache Fragen: Für einen Abriss des Mercure-Hotels oder dagegen? Für den Wiederaufbau der Garnisonkirche oder dagegen.

Nun soll dennoch viel geredet werden und wir fragen uns, machen wir da mit? Kann das sinnvoll sein? Complan hat uns einen Plan vorgesetzt. Dem sollen wir im Grundsatz zustimmen oder wir sind raus. Hier klicken für den Entwurf von complan.

Bis zum 12. Oktober sollen wir uns entschieden haben.

Wie denkt ihr darüber? Schreibt uns an info@ohne-garnisonkirche.de oder nutzt die Kommentarfunktion hier auf dieser Webseite und schreibt uns!

Bürgerdialog? Fairness-Regeln unbedingt vonnöten!

Der Bürgerdialog hat begonnen oder auch nicht. Denn leider war die Veranstaltung wie erwartet wenig davon geprägt, einander zu zuhören. Der BI-Vertreter Simon Wohlfahrt wurde von Mitteschön-Anhängern bei dem Vortrag über unseren Vorschlag zu Verfahrensregeln unsanft immer wieder mit Zwischenrufen gestört. Letztendlich brach Oberbürgermeister Jann Jakobs den Vortrag ab, obwohl der Vortragende nach nur wenigen Minuten-Vortrag (der vorher mit der Veranstaltungsorganisation abgesprochen war) nur noch eine zusätzliche Minute brauchte. Die BI machte einen Vorschlag zu Fairness-Regeln, die angesichts der chaotischen Auftaktveranstaltung unbedingt bei der weiteren Planung des Bürgerdialogs beachtet werden sollten. Die Fairness-Regeln basieren auf den Grundsätzen für Bürgerbeteiligung der Stadt Potsdam. Damit es gleichberechtigt ohne Zwischenrufe und ohne parteiischen Moderator wie dem Oberbürgermeister vonstatten geht, hoffen wir, dass der Verfahrensträger unsere Regeln ernst nimmt und wir mit allen Beteiligten darüber diskutieren können.

Interview von Potsdam TV zum Bürgerdialog:
http://0cn.de/pgw9

Unsere Fairness-Regeln:
http://0cn.de/kxng

Grundsätze für Bürgerbeteiligung in der Stadt Potsdam:
https://buergerbeteiligung.potsdam.de/kategorie/die-grundsaetze-der-buergerbeteiligung-potsdam

Einladung zur Veranstaltung „Die Geschichte der Garnisonkirche zwischen 45′ – 68′“

Die Geschichte der Potsdamer Garnisonkirche von 1945 bis 1968 – Zwischen Mythenbildung und wissenschaftlicher Forschung

Vortrag und Diskussion mit…

Referent: Matthias Grünzig
Diskussionsgast: Prof. Dr. Martin Sabrow
Moderation: Dr. Jörg Kwapis

Wann: Donnerstag, 23.04.2015, 18 Uhr
Wo: Hörsaal 1, Fachhochschule Potsdam, Friedrich-Ebert-Str. 4


Die Sprengung der Garnisonkirche 1968 ist ein Ereignis, um das sich bis heute zahlreiche Mythen ranken.
Der Architekturjournalist Matthias Grünzig wagte einen tiefen Blick in die staatlichen und kirchlichen Archive und förderte überraschende Erkenntnisse zutage. Die unveröffentlichten Forschungsergebnisse werfen ein neues Licht auf die Haltung der staatlichen und kirchlichen Akteure zur Garnisonkirche. Die Originaldokumente lesen sich wie ein Geschichtskrimi mit aus heutiger Sicht unerwarteten Positionen und Abläufen.
Eine wissenschaftliche Publikation ist in Arbeit, auf der Veranstaltung präsentiert der Referent seine ersten Ergebnisse.

Die Veranstaltung wird von der Bürgerinitiative ‚Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche‘ organisiert, in Kooperation mit dem Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen der Stadt Potsdam e.V. und gefördert von der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung

RBB-Doku zur Garnisonkirche betreibt Geschichtsverfälschung

P R E S S E M I T T E I L U N G
POTSDAM / 15. APRIL 2015

RBB-DOKU ZUR GARNISONKIRCHE BETREIBT GESCHICHTSVERFÄLSCHUNG

Die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche (BI) sieht in der RBB-Dokumentation „Geheimnisvolle Orte – Die Potsdamer Garnisonkirche – Ein preußisches Wahrzeichen“ eine verpasste Chance, sich sachlich und ehrlich mit der Geschichte der ehemaligen Hof- und Garnisonkirche auseinanderzusetzen. Im Gegenteil: Der Film von JOACHIM CASTAN betreibt mittels inhaltlicher Verkürzung und filmischer Stilmittel eine systematische Geschichtsklitterung. Die BI kritisiert insbesondere folgende Darstellungen:

Der „Tag von Potsdam“ – ein „Tag der Hoffnung“?

Die Dokumentation vermittelt ein positives Bild vom „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933. Gezeigt wird vor allem ein heiteres Volksfest mit jubelnden Menschenmengen. Die aufmarschierende SA wird dagegen nur kurz gezeigt und als Randerscheinung abgetan. Auch ADOLF HITLER hätte damals angeblich nur eine Nebenrolle gespielt. Bekräftigt wird diese Darstellung durch den Zeitzeugen WILHELM STINTZING, der von einer positiven Grundstimmung berichtet. Der „Tag von Potsdam“ wäre damals ein „Tag der Hoffnung“ gewesen. Nicht gezeigt wird dagegen, dass am 21. März 1933 der nationalsozialistische Terror bereits in vollem Gang war. Hierzu ein paar Fakten aus dem Jahr 1933:
  • 3. Februar: Fackelzug von SA, Stahlhelm und SS durch Potsdam, bei diesem Aufmarsch wird auf Gegendemonstranten geschossen
  • 17. Februar: Verbände des Nationalsozialistischen Studentenbundes stürmen die Staatliche Kunstschule Berlin und misshandeln jüdische Professoren
  • 27./28. Februar: Massenverhaftungen von mehr als 10.000 Gegnern der NSDAP, darunter Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschafter, bürgerliche Demokraten, Journalisten, wie CARL VON OSSIETZKY, EGON ERWIN KISCH, und Künstler, wie ERICH MÜHSAM
  • 28. Februar: „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“, Verhängung des Ausnahmezustandes in Deutschland, Beseitigung demokratischer Grundrechte wie Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Vereinigungsrecht, Briefgeheimnis
  • ab Anfang März: Angriffe auf Büros der SPD, Gewerkschaften und weiterer demokratischer Parteien, verbunden mit Verhaftungen, Mord, Raub und Plünderungen
  • 9. März: antisemitische Ausschreitungen der SA gegen jüdische Geschäfte und Warenhäuser in Berlin
  • 9. März: antisemitische Razzia der SA in der Spandauer Vorstadt in Berlin, jüdische Bürger werden verschleppt und gefoltert
  • 10. März: Angriffe der SA auf jüdische Geschäfte in Potsdam
  • 21. März: Einrichtung des ersten Konzentrationslagers in Oranienburg-Sachsenhausen

Diesen Terror erwähnt die Dokumentation mit keinem Wort.

Der Handschlag zwischen HITLER und HINDENBURG – Eine Nebensächlichkeit?

Trotz ausführlicher Darstellung behauptet die Dokumentation, dass der Handschlag zwischen ADOLF HITLER und PAUL VON HINDENBURG am „Tag von Potsdam“ eine Nebensächlichkeit ohne Bedeutung gewesen wäre. In Wirklichkeit hatte es am 21. März 1933 drei Handschläge zwischen HITLER und HINDENBURG gegeben, einen zur Begrüßung, einen nach der Rede HITLERs in der Garnisonkirche und einen zur Verabschiedung. Der zweite Handschlag in der Garnisonkirche hatte durchaus eine große Symbolkraft, denn er symbolisierte die Stafettenübergabe von dem 85-jährigen HINDENBURG an den 43-jährigen HITLER und trug somit zur Legitimation des NS-Regimes bei. Dieser Handschlag wird in der Dokumentation allerdings völlig unterschlagen.

Die Garnisonkirche Potsdam – Ein Ort der „Ehre Gottes“ oder der Kriegspropaganda?

In der Dokumentation wird immer wieder betont, dass die Garnisonkirche vor allem der „Ehre Gottes“ gedient hätte. Nicht erwähnt wird dagegen die überragende Bedeutung der Garnisonkirche als Ort der Kriegspropaganda. Während des Kaiserreiches war sie vor allem ein Ort, an dem der Krieg verherrlicht, die bedingungslose Treue zum Kaiser gefordert und der „Heldentod fürs Vaterland“ verklärt wurde. Während der Weimarer Republik diente die Garnisonkirche als Versammlungsort für rechtsradikale und antidemokratische Organisationen. Hier wurde gegen die Demokratie gehetzt und ein neuer Krieg propagiert. Während des Dritten Reiches war die Garnisonkirche eine wichtige Versammlungsstätte der NSDAP. Hier fanden bis in die letzten Kriegswochen Propagandaveranstaltungen der NSDAP und anderer nationalsozialistischer Organisationen statt. All diese Fakten werden in der Dokumentation ausgeblendet.

Die Garnisonkirche – Ein Märtyrer?

Sehr ausführlich wird dagegen die Sprengung der Ruine 1968 gezeigt. Den Höhepunkt markiert eine minutenlange Filmsequenz von der Sprengung der Kirche, die zudem mit Musik aus der „Johannes-Passion“ von BACH unterlegt wird. Durch diese Montage wird eine Analogie zwischen dem Abriss der Kirche und der Kreuzigung JESU hergestellt, die Kirche wird zum Märtyrer erhoben.
Insgesamt entsteht nach dem Betrachten der Dokumentation der Eindruck, dass die Verbrechen des NS-Regimes eine harmlose Randnotiz, der Abriss der Kirchenruine dagegen ein schweres Verbrechen gewesen wäre. Sicher muss man die Sprengung der Kirche 1968 kritisch sehen, aber dieser Abriss ist nicht vergleichbar mit dem millionenfachen Leid, dass das NS-Regime verursacht hat.

Die Dokumentation – ein Beitrag zum ehrlichen Umgang mit Geschichte?

Die Erläuterungen, die Dokumentarfilmer JOACHIM CASTAN auf der Filmpremiere am 8. April 2015 gegeben hat, unterstreichen diese Tendenz noch. CASTAN erklärte, dass die Kritiker des NS-Regimes zu oft „vom hohen Ross der Nachgeborenen“ urteilen würden. Man müsste sich fragen, „wie hätte man reagiert, wenn man nicht gerade Kommunist oder Sozialdemokrat gewesen ist“. HITLER würde zwar heute als Verbrecher gelten, aber „die Alternativen zur NS-Herrschaft wären eine kommunistische Räterepublik oder eine Militärdiktatur gewesen“, und diese Alternativen wären auch nicht besser gewesen.
Alles in allem leistet die Dokumentation keine Aufarbeitung, sondern eine Verharmlosung der Geschichte. Umso befremdlicher ist es, dass dieser Film von Vertretern der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche und der Stiftung Garnisonkirche Potsdam gelobt und propagiert wird. Wer glaubwürdig für Frieden und Versöhnung eintreten will, der muss sich für einen ehrlichen Umgang mit der Geschichte einsetzen.

 

Pressemitteilung zur RBB-Doku Bitte klicken für die PDF !

GARNISONKIRCHE: BURKHART FRANCK VERHERRLICHT DIE WEHRMACHT

PRESSEMITTEILUNG am 09.03.2015

BURKHART FRANCK VERHERRLICHT DIE WEHRMACHT

Die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche (BI) hat sich mit einem Offenen Brief an alle Mitglieder des Kuratoriums der Stiftung Garnisonkirche Potsdam gewandt.

Anlass ist ein Beitrag von BURKHART FRANCK in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Militärmuseum Brandenburg-Preußen“, in dem die nationalsozialistische Wehrmacht verherrlicht wird. Konkret ist u.a. von den „beispiellosen organisatorischen Leistungen der Wehrmacht bei der Vorbereitung, Durchführung und Fortsetzung der Mobilmachung bis zum Äußersten“ die Rede.

Die BI hält die Einschätzung FRANCKs für einen skandalösen Affront, der mit der von der Stiftung angestrebten Friedens- und Versöhnungsarbeit nicht vereinbar ist. Daher fordern wir von den Mitgliedern des Kuratoriums der Stiftung Garnisonkirche Potsdam eine Distanzierung von den Thesen BURKHART FRANCKs sowie eine Beendigung der Zusammenarbeit mit BURKHART FRANCK und der von ihm geleiteten Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche.

Pressemitteilung vom 9.März 2015


Artikel von Burkhart Franck: Mobilmachung in Preussen und Deutschland

PM Bürgerdialog braucht vernünftige Voraussetzungen

PRESSEMITTEILUNG DER BI FÜR EIN POTSDAM OHNE GARNISONKIRCHE

Bürgerdialog braucht vernünftige Voraussetzungen: einen Beirat und eine vorangestellte Bürgerbefragung

Die BI ‚Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche‘ begrüßt grundsätzlich einen ergebnisoffenen Bürgerdialog. Dieser ernsthafte und faire Bürgerdialog muss so gestaltet werden, dass beide Seiten gleichberechtigt und auf Augenhöhe miteinander verhandeln können.

Daher betrachtet es die BI als Voraussetzung, dass – wie in anderen Städten in vergleichbaren Fällen – ein Beirat gegründet wird, der paritätisch durch die Stiftung Garnisonkirche Potsdam und die BI besetzt ist und die Rahmenbedingungen eines Bürgerdialoges klärt. Dieser Beirat soll auch darüber entscheiden, ob überhaupt – wie es der OB wünscht – ein teures, kommerzielles Unternehmen beim Bürgerdialog zu Rate gezogen werden sollte oder ob es noch andere günstigere Varianten gibt.

Die Vorstellung, dass der Oberbürgermeister als Leiter des Bürgerdialogs agiert, ist abwegig, da ein parteiischer Mitspieler nicht gleichzeitig Schiedsrichter sein kann.

Es sei daran erinnert, dass genügend demokratische und bürgerbeteiligende Elemente (Bürgerentscheid / Bürgerhaushalt / parlamentarische Entscheidungen wie der Beschluss „Die Stadt nutzt alle rechtlichen Möglichkeiten zur Auflösung ….“) vorlagen, der OB aber verantwortlich dafür ist, dass diese nicht angewendet wurden bzw. zu Gunsten der historisierenden Potsdamer Mitte umgangen wurden.

Um überhaupt eine sinnvolle und direktdemokratisch legitimierte Arbeitsgrundlage für einen Bürgerdialog zu schaffen, sollte im Vorhinein eine Bürgerbefragung mit einer einfachen Frage nach dem „Ja“ oder „Nein“ zum Wiederaufbau der Garnisonkirche stattfinden. Die BI spricht hier auch im Namen der rund 14.300 Potsdamer Bürger*innen, denen es bisher verwehrt worden ist, über die Garnisonkirche mittels eines Bürgerentscheids zu entscheiden.

Je nachdem, wie die Bürgerbefragung ausfällt, sollten dann die Contra- und Pro-Seiten miteinander den Dialog führen, um entweder einen Kompromiss tendierend zum Wiederaufbau der Garnisonkirche oder eine komplette Neugestaltung des Ortes in Einbeziehung der Garnisonkirchenbefürworter zu diskutieren.
„Nur mit einer vorgeschalteten, klaren Bürgerbefragung lässt sich ein konstruktiver Bürgerdialog führen und der Konflikt befrieden. Ansonsten macht ein Dialog keinen Sinn, sondern ist Geldverschwendung wie das aufwändige Lustgarten-Verfahren.“ stellt BI-Mitglied Sandro Szilleweit klar.

Unter den Voraussetzungen einer Bürgerbefragung und eines paritätisch besetzten Beirates wird sich die BI „Für ein Potsdam Ohne Garnisonkirche“ dem geplanten Bürgerdialog nicht verschließen.