Garnisonkirchenstiftung wirbt kostenfrei im ZDF

Das ZDF veröffentlicht seit gestern einen selbst produzierten Werbespot für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche. Der 30-sekündige Beitrag ist nicht als Werbung gekennzeichnet. Das ZDF verpflichtet sich in seinen Leitlinien dazu, dass seine Programme „den publizistischen, ethisch-moralischen und gesellschaftlichen Standards sowie den rechtlichen Vorgaben der Sachlichkeit, Objektivität, Ausgewogenheit, Unabhängigkeit und Fairness “ genügen.

Offensichtlich ist es dem ZDF egal, ob es in Potsdam ein erfolgreiches Bürgerbegehren mit über 16.000 Unterschriften gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche gab. Es ist ihm auch egal, dass der Oberbürgermeister von der Stadtverordnetenversammlung angehalten ist, mit allen rechtlich zulässigen Möglichkeiten auf die Auflösung der Stiftung Garnisonkirche hinzuwirken.

Beschwerden bitte direkt an: http://uploadcenter.zdf.de/beschwerdeonline.php


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Hallo Potsdam – Zeitung zur Innenstadt

Da sie das Garnisonkirchenprojekt in einem größeren Zusammenhang erwähnt, verlinken wir hier die
Zeitung „Hallo Potsdam“,
die sich vor allem mit der Entwicklung der Potsdamer Mieten und dem Umgang mit der Innenstadt widmet.

Können Steine schuldig sein?

Unter der irreführenden Überschrift „Können Steine schuldig sein?“ erschien kürzlich ein Beitrag von Herrn Matthias Schulz im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, Ausgabe 22 vom 27.05.2017, Ressort Wissenschaft/Rubrik Geschichte.
Diesen Beitrag gilt es aus mehreren Gründen kritisch zu hinterfragen. Offensichtlich zielt die Frage der Überschrift auf die Formulierung der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche (FWG) ab, die in ihrem „Ruf aus Potsdam“ demagogisch von der Hinrichtung dieses Gebäudes spricht. Die vom Autor aufgeworfene Schuldfrage und die von der FWG thematisierte Hinrichtung sind allerdings Hirngespinste, es sei denn, man billigt dem einstigen Kriegstempel eigene Persönlichkeitsmerkmale, wie etwa Bewusstsein, zu.

Für das Ressort „Wissenschaft“ diskreditiert sich der Autor auch mit dem Versuch, von den 23.694 Pro-Klicks für das GK-Projekt auf der Internetseite von FWG/SGP, eine Zustimmung durch die Bevölkerung abzuleiten. Diese Anzahl von Zustimmungen resultiert aus Nutzern des weltweiten Internets, die an einer nicht repräsentativen Befragung teilnahmen. Bezogen auf die deutsche Wahlbevölkerung von ca. 61 Mio. (Wahlberechtigte zur Bundestagswahl 2017), relativiert sich die bundesweite Zustimmung für das umstrittene Projekt auf 0,04 %.
Dass das Wiederaufbauprojekt auch in der Evangelischen Kirche umstritten ist, zeigt die Tatsache, dass 2016 auf der Frühjahrssynode der EKBO nur 64,1 % der Synodalen der Vergabe eines Darlehens für das GK-Projekt zustimmten, 35,9 % Synodale votierten dagegen oder enthielten sich. Ein Darlehen aus dem Kirchenkreis Potsdam für dieses Wiederaufbauprojekt wurde nur von 55,6 % der Synodalen befürwortet, 44,4 % lehnten eine finanzielle Unterstützung ab oder enthielten sich.

Nicht erwähnt hat Herr Schulz, dass 2014 durch uns ein Bürgerbegehren in Potsdam erfolgreich durchgeführt wurde. In nur dreieinhalb Monaten erhielten wir von der Bevölkerung über 14.000 Unterschriften, die vom Wahlleiter geprüft und anerkannt wurden und somit ein nachprüfbares Votum gegen das Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche darstellen.
Die Brandenburger Landtagswahl 2014 bot die Chance, die Meinung der Potsdamer Bevölkerung zum umstrittenen Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche mit minimalem Aufwand zu erfragen. Dazu hätte man entweder einen Bürgerentscheid oder eine repräsentative Bürgerbefragung zeitgleich mit der Landtagswahl durchführen müssen. Wir als Bürgerinitiative haben uns dafür leider erfolglos eingesetzt. Die Eliten aus Politik und Kirche glaubten vermutlich selbst nicht recht daran, dass ihr umstrittenes Projekt in Potsdam mehrheitsfähig ist, und blockierten das Vorhaben einer Bürgerbefragung.

Ein Wiederaufbau, der beweist wie weit Deutschland gekommen ist

Am 8. Mai veröffentlichten die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ die Übersetzung einer Kolumne von Richard Morrison ins Deutsche, die am 28. April in der Londoner Tageszeitung „The Times“ unter der Überschrift „Ein Blick aus London auf die Garnisonkirche“ veröffentlicht wurde. Diese Übersetzung wurde noch am gleichen Tag auf der Internetseite der Potsdamer Aufbaufans veröffentlicht und erhielt von deren Klientel erwartungsgemäß regen Zuspruch. Grund genug für uns, diesen Beitrag einer kritischen Betrachtung zu unterziehen.

Zunächst fällt auf, dass der Autor zur Begründung des umstrittenen Wiederaufbaus einige Argumente anführt, die man schon seit Jahren auf der Internetseite der Potsdamer Aufbaufans lesen kann. Beispielsweise bemüht er ebenfalls Bach, der auf Einladung Friedrichs die Orgel der Garnisonkirche ausprobierte, erwähnt die (Zwangs-) Vereinigung von Lutheranern und Reformierten und informiert darüber, dass Friedrich hier in der Gruft aufgebahrt wurde.
Interessanter erscheinen uns allerdings folgende Informationen des Autors zum umstrittenen Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche:

1. Die geplante Teilrekonstruktion im Umfang von 22 Mio. britischen Pfund, gefördert von Bundesregierung und evangelischer Kirche anlässlich des 500. Jahrestags der Reformation, steht für eines der umstrittensten Welterbeprojekte in diesem Jahr.
2. Mittlerweile sind die Kosten weit über das hinausgegangen, was geplant war.

Realitätsfern kommt Herr Morrison uns aber vor, wenn er sich zur Sprengung und zum Abriss der Überreste der Garnisonkirche äußert. Er bezeichnet diese Entscheidungen als Akt staatlichen Vandalismus und unterstellt der DDR die Absicht „jedes einzelne Monument auszuradieren, das ihr selbst vorausgegangen war“.
Folgt man dieser kruden Unterstellung des Autors, dürfte es in Potsdam eigentlich gar keine Kunst- und Baudenkmäler aus der Zeit vor 1945 mehr geben. Keine Schlösser und Gärten wie den Park von Sanssouci, den Neuen Garten oder den Babelsberger Park. Allerdings besuchen zahlreiche Touristen Potsdam und können sich von der Unversehrtheit ererbter Architektur, sowie vieler Kunst- und Kulturgüter aus vergangenen Jahrhunderten überzeugen. Bei einer Stadtführung könnten sie auch erfahren, dass die Restaurierung der im April 1945 stark zerstörten Nikolaikirche seitens der DDR erheblich gefördert wurde und 1981 abgeschlossen wurde. Die Errichtung dieser Kirche begann 1830 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel, vollendet wurde sie mit der Fertigstellung der Kuppel 1850. Nach der schlichten Logik des Aufbaufans Morrison hätte die DDR die Nikolaikirche ausradieren müssen, aber die Realität ist nun einmal das Kriterium der Wahrheit.

Für realitätsfern halten wir auch die Aussage des Autors, wenn er suggeriert, es wären Kompromisse zum Wiederaufbau ausgehandelt worden. Betrachtet man die ursprünglich geschätzten Baukosten für die Garnisonkirche, 40 Mio. € für den Turm und 60 Mio. € für das Kirchenschiff, und vergleicht sie mit den eingeworbenen Mitteln zu ihrer Finanzierung wird klar: Unter Nutzung von 12 Mio. € Fördermittel der Bundesregierung und 5 Mio. € kirchlicher Darlehen sind gerade einmal die Baukosten für eine stark reduzierte Variante des Turms – ohne Turmhaube, Glockenspiel und barocken Verzierungen – gesichert. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind also noch nicht einmal die gesamten Baukosten für den originalgetreu rekonstruierten Turm gesichert. Die Sicherung der Baukosten für das Kirchenschiff ist daher gegenwärtig nicht einmal im Ansatz gegeben, egal ob als barocke Kopie oder im modernistischen Architekturstil realisiert. Vor diesem Hintergrund suggeriert der Verzicht auf den Aufbau des Kirchenschiffs lediglich fehlende Finanzmittel für dieses Bauvorhaben. Da denkt man bestenfalls an den Spruch „Arm wie eine Kirchenmaus“, aber nicht an Kompromissbereitschaft seitens der Potsdamer Aufbaufans.

Am Ende seines Beitrags versucht Aufbaufan Morrison zu suggerieren, dass der Wiederaufbau der Garnisonkirche ein Zeichen dafür wäre, dass Deutschland bereit sei, sich mit allen Facetten seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, weil seine Bürger mittlerweile zu den tolerantesten Völkern dieses Planeten gehören.
Der Kolumnist der Times verdrängt allerdings die historische Tatsache, dass die Garnisonkirche wie kein anderes Gebäude unserer Stadt den (Un-) Geist von Potsdam symbolisiert. Wir hätten es trotzdem begrüßt, wenn sich die Verantwortlichen der Evangelischen Kirche in Deutschland kritisch mit der Vergangenheit der Garnisonkirche und den dort tätigen Pfarrern beschäftigt hätten. Denn es waren Pfarrer der Garnisonkirche, die mit ihren Kriegspredigten einen wesentlichen Beitrag der Evangelischen Kirche zur „geistlichen Mobilmachung“ leisteten, während zweier Weltkriege.
Vor diesem Hintergrund halten wir auch den Begriff „gotteslästerliche Bude“ für die Garnisonkirche für angemessen und legitim. Dass sich der ehemalige Bischof Wolfgang Huber über diese Wortwahl echauffiert, lässt wenig Konstruktives im Umgang mit der Geschichte der Garnisonkirche und den dort bis 1945 agierenden Kirchenakteuren erwarten.

Link zur Kolumne: http://www.pnn.de/potsdam/1180942/

Unsere Buchempfehlung zum Thema:

FÜR DEUTSCHTUM UND VATERLAND | Die Potsdamer Garnisonkirche im 20. Jahrhundert
Autor Matthias Grünzig
Erschienen 2017 im Metropol Verlag
ISBN: 978-3-86311-296-1

Mal wieder Finanzchaos bei Garnisonkirchenstiftung

Die PNN berichtet ( http://www.pnn.de/potsdam/1088678/ ) über das Finanzchaos der Garnisonkirchenstiftung und deren Unwille, die Unklarheiten auszuräumen. Dass 9,7 Mio Euro (Angabe im April 2014 vor dem Hauptausschuss) und 6,6 Mio Euro (Angabe im Mai 2016 vor der Bundesregierung) keine Zahlenverdreher sind, sollten Buchhaltern und Geschäftsführern einer Stiftung offensichtlich sein.

Zudem wird seit Sommer 2014 von der Garnisonkirchenstiftung gebetsmühlenartig berichtet, dass die Hälfte und sogar mehr als die Hälfte der Baukosten für den Turm (damals noch 41 Mio. Euro teuer…) zusammen wären. Nun stellt sich heraus, dass sie erst 4 Mio. Euro und mit den öffentlichen Geldern 6,6 Mio. Euro zusammen haben. Wir erwarten nun einen detaillierten Einblick in die Finanzbuchhaltung, am besten von einem Untersuchungsausschuss besetzt mit Stadtverordneten und sachkundigen Einwohner*innen, entsprechend den gewöhnlichen Ausschüssen. Die Auskunft über die Finanzen kann auch in anonymisierter Form wie hier passieren. Das ist die Mindestforderung unsererseits, um Gespräche innerhalb eines Bürgerdialogs wieder aufzunehmen.

 

Millionengrab Garnisonkirche? Erneute Prüfung der Bundesmittel? Unsere Stellungnahme zum Synodenantrag

Die Diskussion über die Förderung bzw. über das zinslose Darlehen in Höhe von 3,25 Mio. Euro Kirchensteuergelder und im Zuge dessen die neuen Baukostenkalkulationen von 26 Mio. Euro statt der bisherig angesetzten 40 Mio. Euro hinterlassen mehr Fragen als Antworten. Insbesondere die Fragen der Finanzierung und das Herrunterrechnen der Baukosten lassen Expert*innen und Bundesregierung aufhorchen:

Unsere Stellungnahme bzgl. der Finanz- und Inhaltsfragen zum Synodenantrag für das zinslose Darlehen findet ihr >>HIER<<.

Garnisonkirche bettelt um Geld bei russischen Oligarchen

Dass die Garnisonkirchenstiftung nicht gerade im Geld schwimmt, ist offenkundig. Aber dass nun Kuratoriumsmitglieder bei russischen Oligarchen Spendenwerbung betreiben, hat uns tatsächlich überrascht. Den Garnisonkirchenfans ist es anscheinend völlig egal, woher das Geld kommt.

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Um auf die groteske Spendensammlung der Garnisonkirchenstiftung aufmerksam zu machen, haben wir Herrn Wladimir Wladimirowitsch Putin, russischer Präsident, und Herrn Wolfgang Huber, Kuratoriumsvorsitzender, nach Potsdam eingeladen und mit ihnen eine ebenso groteske Spendenübergabe gefeiert. 30 spontane Gäste empfingen die beiden Herren. Es wurden Flyer verteilt. MAZ und PNN berichteten.

Flyertext:
„VERSÖHNUNG IST KÄUFLICH

Am Dienstag, dem 17.11.2015 findet um 19 Uhr in der russischen Botschaft (Berlin, Unter den Linden) ein Benefizkonzert zugunsten der Garnisonkirche statt. Dazu laden das Kuratoriumsmitglied der Stiftung Garnisonkirche Potsdam Manfred Stolpe und Putins Botschafter Wladimir Grinin gemeinsam ein.

Wie Sie wissen, waren wir bisher nicht sehr erfolgreich bei der Spendensammlung. Den Rechtsextremisten und homophoben Max Klaar wie auch Nachkommen von reichen Nazi-Industriellen konnten wir für unser Projekt nicht gewinnen. Die Rüstungsindustrie zeigte sich nur geringfügig gütig und zahlte gerade mal eine Millionen Euro aus.

Wir verstehen diese ablehnende Haltung gegenüber der Garnisonkirche nicht. Schließlich sind wir sehr zuvorkommend und nicht sehr wählerisch.

Geld lässt so manchen Makel wie Homophobie, Rassismus, Rüstungsindustrie und Geschichtsrevisionismus vergessen. Wir sind da nicht so kleinlich!

Unter dem Motto VERSÖHNUNG IST KÄUFLICH bietet die Evangelische Kirche dem gerade mit wirtschaftlichen Sanktionen belegten Russland den symbolischen Handschlag an. Besonders ein Versöhnungsort muss homophoben und kriegsbegeisterten Autokraten die Tür offen halten, solange sie diese Tür mit Koffern voller Geld betreten.

Falls auch Sie unseren großzügigen Absolutions- und Segensservice nutzen möchten, senden Sie Ihr Angebot bitte an die Garnisonkirchenstiftung.“

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Bürgerdialog nach Stiftungsgeschmack

Ach Gott, ich will doch die Kirche gar nicht!“, entfuhr es Peter Schüler von den Grünen. Auch Mike Schubert (SPD) gestand, nie ein Freund der Garnisonkirche gewesen zu sein. Jetzt aber hatte ihn, so sagte er, die „ideologische Verbissenheit der Gegner“ motiviert und er stimmte gegen eine Bürgerbefragung.

… die StaVo am 17.9. erregte die Gemüter im Sitzungssaal. Wir haben dennoch eine sachliche Zusammenfassung vorbereitet: Als PDF zu lesen.

// Außerdem schrieb die PNN schnell einen Artikel dazu.
Ein wenig eher widmete uns der Humanistische Pressedienst einen Artikel.
„It’s also about class and money in the new Germany.“, vermutet der Autor eines BBC-Beitrags, der hernach von den Medien verschiedenster Länder weiterverarbeitet wurde.
// In der Zwischenzeit möchte die Stiftung Garnisonkirche Geld dafür ausgeben herauszufinden, wie sich die Platten des Mosaiks am Rechenzentrum bewegen lassen. Geld, das gespart werden könnte, wenn besagtes Kunstwerk in seinem direkten Kontext (am Gebäude) belassen würde.

Unterschriften, Workshops und die Stiftungsauflösung

In dieser Woche versuchte nicht nur Jann Jakobs das Bürgerbegehren schnell abzuwickeln, auch die Grünen wollten eigentlich versuchen, die Garnisonkirchengegner*innen durch Wiederholung, bezahlte Akademiker und Mediation zur Lust auf Rekonstruktion zu bewegen.

Sogar Martin Sabrow wurde mal wieder befragt. Und während all dem haben Mitteschön und die FWG eine Unterschriftensammlung im Internet begonnen und diese an einem Straßenstand, an Litfaßsäulen und über soldatische Mailinglisten beworben. Unsere BI besitzt zwar kein Geld für teure Webagenturen, Druckmaterialien, Anwaltskanzleien und Außenwerbung, aber eine vor dem Bürgerbegehren begonnene überregionale Petition. Diese hatten wir während des Begehrens nicht beworben, um Verwechslungen zu vermeiden.

Für alle Gegner*innen des Wiederaufbaus steht immer noch die
Online-Abstimmung „Kein Geld für den Aufbau der Potsdamer
Garnisonkirche“ bei change.org zur Verfügung. Dort haben schon 4.500
Menschen gegen die 12 Mio. Euro – Baukostenbeteiligung des Bundes
abgestimmt:

https://www.change.org/p/kein-geld-f%C3%BCr-den-aufbau-der-potsdamer-garnisonkirche

#Bitte weiterverbreiten, damit die 5.000 voll werden!#

 

Presseschau: Hauptausschuss und Christeninitiative

Am 27.8. überreichten wir dem Oberbürgermeister den ersten Teil unseres Maßnahmenkatalogs. Gleichzeitig gelangte eine überregionale Initiative von Christ*innen an die Öffentlichkeit.
Es berichteten unter anderem:

PNN am 28.8.2014
PNN am 27.8.2014
Der RBB.
MAZ am 28.8.
MAZ am 29.8.
Der Evangelische Pressedienst.
Die Berliner Morgenpost
Das ND.

Die Sache mit dem Übernahmeantrag

Einem Bürgerbegehren folgt zwangsläufig der Bürgerentscheid, wenn die Stadtverordnetenversammlung nicht das Anliegen übernimmt.

Vom Antrag zum Auftrag


Weitere Auswertungen der Medien:

°MAZ vom 1.8.

°PNN-Kommentar über Direkte Demokratie

°Südkurier vom 2.8.2014

°Leserbriefe in der Süddeutschen

°Stolpe im RBB-Streitgespräch mit Pfarrer Hülsemann

°Beitrag der Radiosendung „Zeitfragen“ vom 13.8.

°Artikel der Zürcher Zeitung

°ZEIT-Artikel von Ch. Dieckmann

Verfolgung und Versöhnung mit der CDU

Beim Wiederaufbau der Garnisonkirche gehe es um die Wiederbelebung einer „ehemals aktiven christlichen Gemeinde“, mutmaßt MdB Philipp Lengsfeld in einem Kommentar in den PNN. Er übersieht dabei, dass die Heilig-Kreuz-Gemeinde seit Jahrzehnten in ihrem Gemeindehaus aktiv ist, welches aus Geldern der SED-Entschädigung entstand.
Die Zeitungsrubrik „Position“, in der der Enkel „eines hohen Stasioffiziers“ seine Ideen veröffentlicht, ist für kontroverse Texte vorgesehen, die die Leser*innen auch mal aufregen oder die Leserschaft spalten dürfen. Dies ist Lengsfeld durch seine mangelhafte Recherche und paranoide Argumentation gelungen.

Zunächst ist die BI „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ keine rein studentische Initiative, sondern eine Mischung von Menschen unterschiedlichen Alters, diverser Berufe und verschiedener Konfessionen. Nicht wenige Aktive besuchen gern Veranstaltungen in einer der 39 Kirchen Potsdams und schätzen die gute Arbeit der evangelischen Kirchen in der Sachen Kultur und Gemeinschaftsleben.

Eine Zwangshandlung – die Sprengung der sanierungsbedürftigen Heilig-Kreuz-Kirche – durch eine neue – den Bau eines stadtüberragenden Turmes im Barockstil – wiedergutmachen zu wollen, ist die gleiche Denkweise, wie jene, die weltweit zu bewaffneten Auseinandersetzungen führt. Man kann sie ideologisch motiviert nennen – oder eben paranoid und vergeltungssüchtig.
Wie bei jeder Minipsychose, so schaffen sich auch Teile der CDU ihre Wahrnehmungen selbst: Es werden Studierende gesehen, die hörig den vermuteten Vorgaben ihrer Vorfahren folgen. Dass eigentlich kaum jemand den Terminus „Kulturbarbarei“ abstreitet und die Aktivist*innen mitnichten „junge geschichtsvergessene Studenten“ sind, blendet Lengsfeld aus.
Mit derselben Logik, die Lengsfeld anlegt, kann man Wolfgang Huber oder Lengsfeld selbst unterstellen, sie wollten sich nur an den Werken ihrer Väter oder Großväter abarbeiten. Was machen die Vertreter dieser SED-Enkel-These eigentlich mit den Menschen, die in der BRD aufgewachsen sind, und keinen Wiederaufbau der Garnisonkirche wollen?

Und übrigens: Manch einer in Potsdam fühlt sich durch die Ablehnung von Elementen direkter Demokratie durch das konservative bürgerliche Lager leicht an die SED erinnert. Auch die Tatsache, dass im Kuratorium der Garnisonkirchen-Stiftung ein Mensch sitzt, dem einst die Verdienstmedaille der DDR verliehen wurde, kann Einem zu denken geben. Doch nicht jedes schlechtes Gefühl verdient Ausbreitung – aus psychologischer Sicht ist der CDU dringend von weiterer Pathogenese abzuraten, die Versöhnung mit der Realität durch die Technik der „radikalen Akzeptanz“ kann ein Anfang sein. Heilung und Versöhnung beginnt in Menschen, nicht in Stadtbildern – spätestens nach Jahrzehnten, erst recht in Enkelgenerationen, ist es mehr als legitim, sich von Symbolen und alten (Gedanken-)Mustern zu verabschieden.

Übergabe der Unterschriften: Medienecho

Am 7.7.2014 übergaben wir die Ordner mit den Unterschriften des Bürgerbegehrens an das Potsdamer Wahlamt.

Auf unsere Einladung hin kamen Vertreter*innen von dpa, epd, rbb und der MAZ.

Hier finden Sie einige der entstandenen Artikel und Sendungen:

Berliner Zeitung

RBB Beitrag

MAZ Artikel

Artikel in den PNN

Und ein taz-Artikel.

Eine Original Potsdamer Garnisonkirchenkopie

Die Ereignisse der letzten Wochen hatten zum Teil haarsträubende Züge.
Es wurden Nobelpreisträger herausgekramt, Gräben zwischen den Generationen aufgemacht, unbeliebte Politiker und Despoten bemüht, ein rührender Touristinnentraum beschworen und und und.
Da überrascht uns der folgende Fund, über den uns eine Einsendung von Sympathisantinnen informierte, nicht mehr wirklich:


Zufallsfund: Original Potsdamer Garnisonkirchenkopie auf Tristan da Cunha entdeckt

Eine Originalkopie der Garnisonkirche befindet sich nach Aussagen der NewLordTimes auf Tristan da Cunha. Spuren lassen vermuten, dass eine kleine Nostalgikergruppe die Garnisonkirche wieder aufgebaut hat- so die Historikerin Wute Binkwatz.
Zu dem erstaunlichen Fund kam es, als der Nobelpreisträger Peank Breuer im Atlantischen Ozean zu Abend schwamm und Opfer eines grausamen Überfalls wurde. Breuer erfüllte sich mit seinen knapp 97 Jahren einen langersehnten Lebenstraum: Er umreiste die Welt in nur 1234097,34 Tagen zu Fuß. Doch ein Schwarm Wulbrichtshaie griff den höchst prominenten, einst fast adligen, Gutmenschen grundlos an. Dieser wehrte sich zornig gegen die kirschenhassende klassenlose Gesellschaft und konnte sich schlussendlich, Gott sei es gedankt, ans Inselufer retten. „Mein bedeutsames Leben raste an mir vorbei“, sagte der völlig aus der Puste gekommene junge 97-jährige den Fischern vor Ort.
Breuer, der schon vieles erlebt hatte, war zur Erholung nach dem unsäglichen Übergriff ein paar Tage auf der Insel Tristan da Cunha geblieben, als er den Fund machte, der sein noch junges Leben maßgeblich verändern würde. Er fand eine Original Potsdamer Garnisonkirchenkopie.
wulbrichtshai

Breuer rieb sich gerade den Inselsand aus den Augen, als er den Turm der Potsdamer Garnisonkirche zu sehen glaubte und ein Glockenspiel erklang.
Er eilte zur Kirche und traf auf eine Gruppe Frauen und Männer, die wie im Liebeswahn eine Ode an Preußen anstimmten. Ein Mann hing, an den Glocken angekettet, von der Decke runter und sprach immer wieder die Worte „OB – Doppelt sicher.“
Es roch nach Gier, Größenwahn und kirchlich-militärischer Streitlust. „Ein Ort des Friedens und der Versöhnung eben“ sagte Breuer als er einen großen Schluck des gespendeten Rotweins nahm, bevor er sich in die Mitte der tanzenden Glaubensschwestern begab.

…Und wenn sie nicht gestorben sind, dann singen und tanzen sie noch heute.

Baugenehmigung: Bericht oder Feature im PR-Stil

Die Baugenehmigung für die Kopie der Garnisonkirche ist erteilt wurden, wie diese Woche auf einer Pressekonferenz vor geladenen Journalistinnen verkündet wurde. Die Aufbauprotagonisten stehen damit unter verstärktem Zeitdruck, was das Eintreiben der nötigen Gelder betrifft. Schließlich ist eine Baugenehmigung zeitlich befristet.
Die Lokalpresse berichtete so:
~ PNN ~
~ MAZ ~

Dazu lohnt es sich den Offenen Brief von Sebastian Köhler, Professor für Journalistik und Publizistik, durchzulesen.
(Quelle: blogs.hmkw.de/HierMagKritisiertWerden/ )

Garnisonkirche im Grünen Licht der Sympathie – Journalismus auf PR-Linie

Veröffentlicht am 31. Juli 2013

OFFENER BRIEF

Sehr geehrte Damen und Herren von der Lokalredaktion Potsdam der
Märkischen Allgemeinen Zeitung,

so, wie Frau Röd nicht nur in ihrem Kommentar, sondern leider auch in
ihrem nebenstehenden ausführlichen Beitrag “Grünes Licht für
Garnisonkirche” (MAZ vom 31.7.2013,S.13) keinen Hehl daraus macht,
dass sie diesem Projekt sehr zugeneigt ist, möchte ich keinen Hehl
daraus machen, dass ich (wie offenbar viele Potsdamer, siehe jüngster
Bürgerhaushalt) zu den Kritikern dieses Vorhabens zähle.

An dem “Aufmacher” auf Ihrer Lokal-Seite finde ich als Journalist und
Publizistikwissenschaftler mindestens zwei Aspekte sehr fragwürdig:

Der Anfang des Textes lautet: “Es ist vollbracht. Mehrere Monate hat
das Warten gedauert, aber nun ist sie endlich da – die Baugenehmigung
für den Turm der Garnisonkirche an der Breiten Straße.” Könnte ein
PR-Text von Fördergesellschaft oder Kirchenstiftung noch euphorischer,
noch einseitiger, noch beschönigender beginnen? Leider kaum!

Ebenso wenig professionell wirkt es auf mich, dass im gesamten, langen
Text etliche Personen mit Zitaten vertreten sind und als Befürworter
und Förderer der Garnisonkirche zum Teil sogar mehrfach zu Wort kommen
– aber leider kein einziger der vielen durchaus bekannten
Kritikerinnen und Kritiker des doch zumindest sehr umstrittenenen
Wiederaufbaus.

Drei Stichworte mögen als konstruktive Kritik genügen:

1.) Die gigantischen und weiter wachsenden Finanz-Skandale bei immer
teureren Großprojekten wie Stuttgart 21, Elbphilharmonie und Flughafen
BER sollten nicht mit dem Stolpe-Zitat “Ich habe noch kein Großprojekt
erlebt, wo sich das Geld von Anfang an gestapelt hätte” auf die
leichte Schulter genommen werden dürfen. Hierbei scheint es um
systematisch a-soziale Finanzarchitekturen zu gehen – Motto: Nutzen
privatisieren, Kosten vergesellschaften.

2.) Dass noch immer kaum Spender-Geld vorhanden ist, mit dem doch
erklärtermaßen praktisch ausschließlich gebaut werden soll, lässt den
nächsten Skandal mehr als ahnen: Es werden mit öffentlichen Mitteln
Fakten geschaffen (Straßenverengung zugunsten des Projektes etc.), und
dann wird auch dieses Projekt zur – sicher unter großen öffentlichen
Opfern zu Ende zu bringenden – “selbsterfüllenden Prophezeihung”.

3.) WENN das Geld in Stadt, Land und Bund “übrig’” wäre, ließe sich
womöglich über eine weitere Musealisierung Potsdams diskutieren. Aber
es fehlt in vielen Kitas, Schulen, Sporthallen, Freizeiteinrichtungen,
überhaupt im sozialen Bereich oft am Grundlegendsten gerade in der ja
eigentlich so reichen und prosperierenden Landeshauptstadt. Da sollte
der Lokaljournalismus seinen öffentlichen Aufgaben wie allseitige
(nicht: einseitige) Information, Beitragen zur Meinungsbildung,
Artikulation möglichst aller gesellschaftlich-relevanten Strömungen
und natürlich Kritik und Kontrolle gerade gegenüber den Reichen und
Einfluss-Reichen doch besser nachkommen.

Meine ich und verbleibe mit kollegialen Grüßen: Sebastian Köhler