Kriegspredigten

Einige Beispiele für die Art, von der viele Predigten in der ehemaligen Garnisonkirche waren:

Hofprediger Johannes Kessler

Als im Juli des Jahres 1900 die nach China aufbrechenden Soldaten in der Garnisonkirche zur Niederschlagung des so genannten Boxeraufstandes verabschiedet wurden, formulierte Kessler die folgenden Gedanken:
„Seid ihr bereit zum Kampfe und bereit, gegebenfalls auch zum Sterben? Ihr sollte der starke Arm sein, der das Gericht über die Mörder verhängt. Ihr sollt die gepanzerte Faust sein, die hinein fährt unter die feigen Meuchelmörder. Der tausendjährige Kampf zwischen Morgen- und Abendland ist wieder ausgebrochen, es gilt nicht nur die Glieder der Kultur, sondern auch den europäischen Handel, die Fahne, die über unseren Kolonien schwebt, zu schützen! Völker Europas, wahret die heiligen Güter. Ihr seid aber auch die Streiter Gottes, die nicht ruhen dürfen, bis sein heiliges Wort für alle Völker gilt. Nicht Friede darf werden auf Erden, bis das heilige Evangelium der Glaube aller Völker ist. Ihr seid die Pioniere des gekreuzigten Heilands! Darum Hand an das Schwert! (…) Es schaut auf euch der heilige Gott. Seid männlich und stark, wenn es hinein geht in die Schlacht. Seid männlich und stark, wenn die Kugeln um euch sausen, und seid männlich und stark, wenn der Tod einst naht, denn ihr werdet dann die Krone des Lebens empfangen.“


Hofprediger Dr. Walter Richter, zugleich Divisionspfarrer der 1. Garde-Division

Am 10. November 1913 wurde im sogenannten Langen Stall, gelegen unmittelbar hinter der Garnisonkirche, die jährliche Vereidigung des neuen Rekrutenjahrgangs der in Potsdam stationierten Garde-Regimenter vorgenommen. Anlässlich des bei diesen Zeremonien stets zu leistenden Fahneneides ergriff der Hofprediger und Divisionspfarrer Dr. Richter das Wort. Zitate aus seiner Predigt:
„Noch ein Blick, ehe das Jahr 1913 scheidet, das unseren Kaiser den Silberkranz des Friedens aufs Haupt setzte , aber auch die blutigen Lorbeeren von 1813 wie Rubinen leuchten ließ auf unseres Volkes Stirne. (…) Es muss der Herr unserem Heere voran ziehen im Leben und im Sterben. Wie es am Grimmaischen Tor bei Leipzig war: Hingemäht die Reihen der Treuen und die nächste Reihe stürmt schon hinein – hinan – hindurch. Was kümmern uns die Hügel unserer Leichen – das ist der ‚Herrengeist‘, vor dem endlich der ‚Herrengeist‘ eines Napoléon, der nichts kennt als das eigene Ich, den Rücken kehren muss. (…) Der Sieg ist grün, das Glück ist neu – o unsere Lust und Wonne, der deutsche Adler flieget frei im Licht der eigenen Sonne. Auch die alten Raben um Barbarossas Kyffhäuser mussten vor diesem Adlerflug zur Sonne in ihre Schlupfwinkel flüchten. Zurück, zurück mein Volk in diesen Opfergeist, wenn du vorwärts willst – und du stehst nicht am Ende, sondern am Anfang deiner Weltensaat.“
Und weiter: „Dem Gott nach, der uns in Christo heute, gestern und in Ewigkeit derselbe treue blieb. Das liegt in deinem Eide, der dich für die Zukunft, für die Ewigkeit bindet. Da unten in der Tiefe, da mögen die Sümpfe mit ihrem Gift und Morast liegen bleiben – was gehen sie uns an: Man braucht nicht im Sumpf zu waten, um zu wissen: Das ist ein Sumpf! Adlerflug vorwärts! Über alles Faule und Unsichere und Gemeine hinaus, so will ich mich als unverzagter, ehr- und die Pflicht liebender Soldat… in und außer Dienst beweisen bis ans Ende. Adleraugen für die Mächte, die uns und unser Volk vorwärts bringen können in der alten Treue, Adlerkrallen aber gegen die Todfeinde, die uns unser kostbarstes Erbe, deutsche Zucht und Sitte, Ehre und Frömmigkeit (man beachte die für einen Geistlichen bemerkenswerte Reihenfolge! – R.Z.) rauben wollen“.

Quelle:
http://www.christen-brauchen-keine-garnisonkirche.de/files/opensauce/img/demo/151031.Potsdam_Zilkenat.Garnisonkirche%20im%20Ersten%20Weltkrieg.pdf