Pressespiegel

Im Folgenden gibt es einen Auszug von interessanten Pressestimmen.

: Der Turmbau zu Potsdam:

  • „Allerdings tröpfeln die Zuwendungen nur. Großspender? Da gibt es Gespräche, sagt Manfred Stolpe, bedauerlicherweise kommen solche Leute in der Regel aus Familien, wo die Großväter unter Hitler das Geld gemacht haben. Die haben Angst, vorgeführt zu werden als Sponsoren einer Nazikirche.“
  • „Im Nachgespräch wird gefragt: Ist nicht auch dieser Prunkbau ein Goldenes Kalb? Beten wir Steine an? Verfallen nicht im Lande Brandenburg Dutzende Kirchen, für deren Erhaltung das Geld fehlt? Bleiben nicht schon Potsdams vorhandene Kirchen reichlich leer?“
  • „Das Stadtparlament, mehrheitlich für Wiederaufbau, fürchtet eine Volksabstimmung und vermied sie mit einem erbärmlichen Trick. Das Bürgerbegehren wurde „angenommen“ – mit acht zu drei Stimmen, bei 28 Enthaltungen von SPD, CDU und Grünen. OB Jann Jakobs (SPD), für den Aufbau und Mitglied des Kuratoriums, kann nun dort sein pflichtgemäßes Nein fröhlich und rechtskonform pulverisieren lassen. Welch demokratischer Preußenmut!“

Deutschlandfunk: Ruf UND WIDERRUF – der Streit um den Wiederaufbau der Garnisonskirche in Potsdam

Radiofeature vom 12.09.2012 mit aktualisierter Fassung im Jahr 2014

Sprecher: Etwa ein Fünftel der Mitglieder der Fördergesellschaft sind nach deren Mitteilung Militärs. Im nahen Geltow ist das zentrale Kommando für Bundeswehreinsätze im Ausland in der Henning von Tresckow-Kaserne stationiert. Soll die Garnisonkirche doch wieder Militärkirche werden, statt Militärtempel der Hohenzollern nun Militärtempel der Bundeswehr?

O-Ton Huber: Wir denken, auch wieder unter dem Gesichtspunkt Frieden und Versöhnung, darüber nach, dass an diesem Ort in einer besonderen Form an diejenigen erinnert wird, die in Bundeswehreinsätzen der neueren Zeit ums Leben gekommen sind. Damit wir auch klar machen, wie hoch, ethisch betrachtet, die Hürde sein muss, dafür, sich auf solche Militäreinsätze überhaupt einzulassen. Hier soll das kritisch diskutiert werden. Deswegen werden wir auch ganz bewusst Soldatinnen und Soldaten an diesen Ort mit einladen und ich freue mich, wenn die Militärseelsorge diesen Ort als Ort für Diskussionen und Seminare nutzt, aber niemals in dem Sinn, dass es exklusiv eine Militärkirche wird, nein, es wird eine Bürgerkirche sein.

Sprecher: Die Garnisonkirche soll eine Bürgerkirche sein, für lebende und, wie einst, für tote Bürger in Uniform. Und äußerlich wäre die neugebaute Kirche voll von Kanonen, Rüstungen, Degen, Trommeln, Schilden an den Mauern ja auch wieder ganz, was sie innerlich auch wieder werden soll, ginge es nach Altbischof und Ethikprofessor Wolfgang Huber. Und eine andere Wendung im Kontext Militär und Umgang mit den Brüchen der deutschen Geschichte, macht die Kritiker skeptisch. Wie hatte Wolfgang Huber in seiner Benefizkonzertrede noch gesagt…

O-Ton Huber: Deswegen ein Blick nach vorn, eine Verbindung zwischen dem historischen Gebäude und der Zuwendung zur jungen Generation, deren Gewissen genauso geschärft werden soll, wie das Gewissen derjenigen Offiziere um Henning von Tresckow geschärft wurde, die sich an diesem Ort und in dieser Kirche auf ihre Taten des Widerstands gegen das Hitlerregime vorbereiteten.

Sprecher: Kein Zweifel, Hennig von Tresckow ging wie viele andere spätere Widerständler des Garderegiments IR9 hier in diese Kirche; kein Zweifel aber auch, derselbe Henning von Tresckow paradierte am ‚Tag von Potsdam‘ begeistert vor Hindenburg und Hitler. Dem Zeithistoriker Martin Sabrow, der zur Geschichte der Garnisonkirche geforscht hat, ist von einer Bedeutung dieser Kirche als Ort der Vorbereitung des Widerstands gegen Hitler nichts bekannt.

O-Ton Sabrow: Ansonsten können wir das als einen liebenswürdigen aber doch untauglichen Versuch zur geschichtspolitischen Reinigung durch Gegengift ruhen lassen.

Sprecher: ‚Warum dichten Sie den Widerstand des 20. Juli in die Garnisonkirche hinein?‘, war eine von 45 Fragen, die die Bürgerinitiative ‚Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche‘ Anfang des Jahres am Neuen Markt auf Schildern zeigte. Unvermindert steht der geplante Aufbau der Garnisonkirche offenbar unter starkem Rechtfertigungsdruck und bleibt Deutschlands umstrittenstes Kirchenbauprojekt.

FAZ: Kirchenspaltung, die Zweite

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29.10.2014

„Wer den Konflikt um die Garnisonkirche verstehen will, der muss sich ihre Geschichte vor Augen halten. Vor 1945 war sie vor allem ein Symbol für Demokratiefeindlichkeit und Militarismus. Schon während der Kaiserzeit war sie ein Ort, an dem demokratische und liberale Ideen bekämpft wurden. Diese Rolle steigerte sich noch während der Weimarer Republik, als die Kirche zum Kundgebungsort für antidemokratische und rechtsgerichtete Organisationen avancierte. Bereits am 24. November 1919 fand hier eine Kundgebung der Deutschnationalen Volkspartei mit Erich von Ludendorff statt, auf der eine Wiedereinführung der Monarchie und ein neuer Krieg gefordert wurden.“

TAZ: Kirchlicher Glanz für militärisches Gloria

Die Tageszeitung vom 13.10.2012

  • „Unklar ist auch, woher die veranschlagten 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau kommen sollen. „Das ist eine Bürgerkirche, die nur aus Spenden finanziert wird“, war lange die offizielle Sprachregelung der Stiftung und der Fördergesellschaft. Dem widerspricht, was der Stiftungsverwaltungsvorstand im Frühjahr dieses Jahres verlauten ließ: „Die Garnisonkirche soll nach dem sogenannten Dresdener Modell finanziert werden, das beim großen Rekonstruktionsvorbild Frauenkirche zum Zuge kam: ein Drittel kleine Spenden, ein Drittel Mäzene, ein Drittel öffentliche Gelder.“ Also sollen in den Kirchenbau doch Steuergelder fließen.“
  • „‚Hier wird getrickst, getäuscht und gelogen, dass sich die Balken biegen. So darf man doch in der evangelischen Kirche nicht mit Menschen umgehen‘, empörte sich neulich ein engagiertes, aktives Kirchenmitglied, das anonym bleiben will.“