11.09.16: Protest gegen LIVE-Fernsehwerbeveranstaltung für die Garnisonkirche

Reformation 2.0:

 

Kein öffentliches Geld für die Garnisonkirche!

 

Für die Trennung von Staat und Kirche!

 

Sonntags,  11.09.2016 / 11:00 Uhr  / Garnisonkirchenbrache (Breite Straße)

Achtung Beginn hat sich geändert: Ihr könnt auch schon um 9:00 in die Breite Straße kommen, zur Versammlung der Wähler*innengruppe Die Andere (https://www.facebook.com/DIEaNDEREPotsdam). Hauptsache wir  sind viele! Da kann die Polizei so viel verbieten und drohen wie sie möchte.

Kommt als Bauernmob in Arbeitskluft (kann auch modern sein) passend zu den Revolten während der Reformation!

 

Welchen wichtigen Anlass gibt es am diesjährigen 11. September? Etwa den 15. Jahrestag des Attentats auf das World Trade Center in New York? Nein! Für unsere Garnisonkirchenfreund*innen findet an diesem denkwürdigen Datum etwas viel „Bedeutenderes“ statt: Ein Fernsehgottesdienst in der Nähe der Garnisonkirchenbrache (im IHK-Gebäude gegenüber), live ausgestrahlt im ZDF, in dem das Zuschauerpublikum auf das nach nationaler Bedeutung hechelnde Garnisonkirchenprojekt eingestimmt werden soll.

 

Wie und warum es dazu gekommen ist, an diesem besonderen Jahrestag einen Fernsehgottesdienst mit Bezug auf die ehemalige Garnisonkirche zu veranstalten, wissen eventuell Marlehn Thieme, Mitglied des EKD-Rates, Garnisonkircheunterstützerin und Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates und ihr guter Bekannter Wolfgang Huber, Vorsitzender der Garnisonkirchenstiftung, der im Fernsehgottesdienst seine weisen Worte an das ZDF-Publikum wenden wird – und sicher jeden unpassenden Vergleich zwischen Garnisonkirche und World Trade Center vermeiden wird…

Wir wollen gegen die unangemessene Fernsehwerbeveranstaltung für die Garnisonkirche vor Ort protestieren.

 

Deshalb rufen wir zur erneuten Reformation auf und haben drei „Thesen“:

  • Kein öffentliches Geld für die Garnisonkirche

  • Trennung von Staat und Kirche

  • Gegen die Dekadenz der Kirchenelite

 

Wir rufen euch, als Potsdamer Bauernschaft, auf:
Zeigt der prunksüchtigen Kirchenleitung, wo eure Mistgabeln hängen! Kommt sonntags im Agrararbeitsoutfit – ganz im Sinne der Bauernaufstände zu Zeiten der Reformation. Denn wie jede*r gute Protestant*in weiß, waren die Finanzschwierigkeiten eines großen Kirchenbauprojektes, des Peterdoms, der zentrale Auslöser der damaligen Reformation. Der Petersdom sollte mittels der Verschärfung des Ablasshandels finanziert werden, weshalb für die arme Bevölkerung das Fass der Feudalgesellschaft zum Überlaufen voll war.

Mehr Infos: http://www.ohne-garnisonkirche.de

zdf

Werbeanzeigen

Ein Eindruck vom Symposium

Hier ein paar Streiflichter von einer Teilnehmerin des kürzlich stattgefundenen Symposiums. Presseschau und weitere Eindrücke folgen eventuell in den nächsten Tagen.


Ein Freitagnachmittag, von der Stiftung Garnisonkirche gemietet

Die Marke „Europäische Stadt“ sei im Kommen, sagt Hathumar Drost, der Kommunalberater. Das kulturelle Gedächtnis Europas beeindrucke weltweit und Prinzessinnenträume flössen neben Herr der Ringe-Phantasien in ein unreflektiertes Schönfinden Vieler.
Menschen, die es aushalten, wenn es nicht so geleckt aussieht, seien hierzulande in der Minderheit. So glaubten jedenfalls die Schönfinder. Identität entstehe in den Köpfen und dort seien markierte Orte in der Umwelt zentrale Bausteine. Erbitterte Debatten über Brüche entstünden, weil Heimatgefühle bänden, die erst durch die Wiederfindung jeder Person selbst in Bildern aufgekommen seien.
Die Stadtgesellschaft, das seien autonome Entscheidungen der Bürger, das stünde im Gegensatz zur NS-Verwaltung und zur zentralistischen DDR. Wer „urbane Erlebnisräume gestalten“ will, suche meist nach einer Melange aus Prinzessinnenträumen und der Manufactum-Idee.
Umfassende Einwohnerpartizipation auf der Basis harter Fakten sei unabdingbar, findet Drost. Undemokratisch sei, wenn solvente Bürger Spenden nutzen, um ihre Vorstellungen der Stadtgestaltung durchzusetzen. Die lebendige Stadtgesellschaft könne nur entstehen, wenn auch den finanziell schlechter gestellten Einwohnerinnen Möglichkeiten der Gestaltung eingeräumt werden.

Ich traf mich einmal mit Neumann, antwortet Altbischof Huber, die Bundesregierung habe die 12 Millionen eigenständig, aber nach Anstoß durch „zivilgesellschaftliche Initiativen“, beschlossen. Die Aufbaubefürworter wollten auch keinen Krieg und man solle bitte auch der Bundeswehr nicht unterstellen, dass sie das wollten, das seien einfach nur „Staatsbürger in Uniform“. Dass junge Leute in der provisorischen Kapelle weilten, sei eine Interessensbekundung, so gesehen etwa bei der Bücherverbrennungsreihe.
So viele Stolpersteine können Sie vor Ihrer Kirche gar nicht verlegen, wie nötig wären, um den Ort zu besänftigen, entrüstet sich ein 83-jähriger, der in Ostpreußen geboren wurde.
Potsdam ist nunmal eine Militärstadt, sagt Hathumar Drost, davon könne man sich nicht lösen. Es stelle sich aber die Frage des gesamtstädtischen Umgangs damit. Die Konversion sei eine Chance, die zivile Nutzung von Militärgebäuden. Die Stadt sei immer auch gebaute Geschichte.

Die BI könne auch mal einen Antrag auf Zuwendungen von der Landeszentrale stellen, erklärt Martina Weyrauch, diesmal aber sei die Stiftung Garnisonkirche auf ihre Institution zugegangen. Die Millionen von Neumann seien eine Absichtserklärung und wenn dann was nicht korrekt zugehen wird, könne man den Bundesrechnungshof einschalten.
Für den ersten Bauabschnitt benötigen wir 2,5 Millionen Spenderziegel, führt der Architekt Albrecht aus. Für eine Leerstelle ist es mir dort nicht leer genug, findet Dorgerloh. Der Geburtsfehler TPG habe noch immer Auswirkungen auf das Bauprojekt. Die äußere Form der neuen Garnisonkirche eigne sich nicht für eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Interpretationen Preußens. Es macht keinen Sinn, einen Ort als Versöhnungsort zu nutzen, der immer Streitort bleiben wird, sagt Schorlemmer.

Annegret Pannier

Symposium am 22.November: Diskutieren mit Huber und Schorlemmer

Am 22.11.2013 ist es nachmittags soweit: die Stiftung Garnisonkirche und die Landeszentrale für politische Bildung haben sich im Potsdam Museum (Alter Markt 9 – im Alten Rathaus) eingemietet, um das Thema „Die Garnisonkirche Potsdam – Überholtes Wahrzeichen oder neue Mitte ?!“ zu diskutieren. Die Veranstaltung ist offen für alle Interessierten, daher wäre es großartig, auch kontroverse Meinungen zu hören. Damit die Mitglieder der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau nicht unter sich bleiben müssen, lädt die BI Potsdam ohne Garnisonkirche ebenfalls zur Symposiumsteilnahme ein. Das Programm birgt einige Höhepunkte:

Bereits 13:30 Uhr wird OB Jann Jakobs die Gäste begrüßen, danach hält Thomas Wernicke aus dem HBPG einen Vortrag mit Bildern, der die DDR-Zeit Potsdams darstellen soll. Circa 14:30 Uhr soll ein Ausblick bzgl. „Gut leben in der Landeshauptstadt“ gegeben werden.
Ein Propaganda-Highlight steht zu erwarten, wenn gegen 15:00 Uhr Wolfgang Huber erklärt, warum er die Garnisonkirche als Wahrzeichen einer neuen Mitte benötigt. Bis 16:00 darf sich dann das Publikum aussprechen, wobei Martina Weyrauch von der Landeszentrale auf Einhaltung der sittlichen Rede achten wird.
Es folgt eine Kaffeepause für die redefreudigen Kehlen und datenvollen Zuhörerhirne. Danach bietet sich Barockfreunden eine visuelle Perspektive für den Garnisonkirchenturm, da der zuständige Architekt seine Entwurfsplanung vorführen wird.
Das Finale des Symposiums stellt gegen 17:00 Uhr eine Podiumsdiskussion zwischen Hartmut Dorgerloh und Friedrich Schorlemmer dar.

Wir freuen uns auf eine unterhaltsame und erkenntnisreiche Veranstaltung sowie über euer Kommen und eure kritischen Nachfragen !

REDEN SIE ENDLICH TACHELES, HERR PROFESSOR HUBER ! – Offener Brief der BI — UPDATE: 160 Unterschriften

UPDATE zur Berichterstattung (Stand 30.05.12):

———————————-

Herr Professor Huber bemüht sich nach Kräften dem Nachbau der Garnisonkirche ein Image der Versöhnung und des Widerstandes anzudichten. Zugleich vernebelt der Bischof a.D., ebenso wie die Stiftung für den Wiederaufbau, jegliche Klarheit über Finanzierung und Machbarkeit des umstrittenen Projektes.

Die Bürgerinitiative nimmt den Vortrag Herrn Professor Hubers am Donnerstag (siehe separate Einladung der BI dazu) zum Anlass, von ihm  mehr Transparenz und eindeutige Positionen zu fordern.

Der hier veröffentlichte Brief wird Herrn Professor Huber persönlich übergeben, zugleich wird er bundesweit den Medien zur Verfügung gestellt.

Wir fordern dazu auf diesen Brief zu unterschreiben. Unterstützen Sie unsere Forderung nach Offenheit und Transparenz im Umgang mit öffentlichem Geld und gemeinschaftlichem Gut. Schreiben Sie uns unter aktion@ohne-garnisonkirche.de ihren Namen und, wenn möglich, Ihren Beruf und Ihren Heimatort. Wir fügen die Unterschriften dem Brief fortlaufend hinzu.

Reden Sie endlich Tacheles, Herr Professor Huber!

(Ihre Unterschrift via Email unter diesem Brief!) 

Bitte auf den Brief klicken:

Unterstützer des Offenen Briefes:

  • 1. Friedrich Schorlemmer, Theologe, Lutherstadt Wittenberg
  • Anselm Weidner, Journalist, Berlin
  • Sandro Szilleweit, Ingenieur, Potsdam
  • Henri Herborn, Historiker, Potsdam
  • Marcus Große, Künstler, Potsdam
  • Der Kreisvorstand DIE LINKE.Potsdam unterstützt die inhaltlichen Forderungen des Schreibens nach Aufklärung und Transparenz. Diese Forderungen müssen erfüllt werden, übrigens unabhängig davon, ob man für oder gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche ist.
  • Sascha Krämer, Kreisvorsitzender DIE LINKE.Potsdam
  • Nicoletta Gekman, Lehrerin, Potsdam
  • Lutz Boede, Fraktionsgeschäftsführer Die Andere, Potsdam
  • 10. Annegret Pannier, Archivarin, Potsdam
  • Arndt Sändig, Assessor, Sozialarbeiter, Stadtverordneter
  • Jan Wendt, Lehrer, Potsdam
  • Hans-Georg Schmidt, Rentner, Potsdam
  • Leon Lenk, Dipl. Ing.(Fh), Potsdam
  • Stefan Wollenberg, freier PR- und Kommunikationsberater, Stadtverordneter, Potsdam
  • Maximilian Dalichow, Selbständig, Potsdam
  • Dr. rer. nat. habil. Frank W. Baier, Diplom-Astronom, Nuthetal
  • Jennifer Hoffmann, Sozialarbeiterin, Potsdam-Babelsberg
  • Katja Zschipke, Studentin, Potsdam
  • 20. Sylvia Witte, Floristin, Potsdam
  • Maik Witte, Kraftfahrer, Potsdam
  • Michael Hensel, Designer, Wien
  • Peter Franz, Evang.-luth. Theologe, Schriftsteller, Weimar
  • Stefan Göttel, Historiker, Potsdam
  • Dr. Jörg Kwapis, Leiter des Zentrums zur Therapie der Rechenschwäche Potsdam
  • Bianca Bastian, Potsdam
  • Vera Dost, Studentin, 2. Fraktionsgeschäftsführerin Die Andere
  • Achim Trautvetter,Gesellschafter CULTUS UG / freiLand Potsdam & Student Kulturabeit FH Potsdam
  • Wolfgang Rose, Historiker, Potsdam
  • 30. Falk Richter, ehemaliges Mitglied der evangelischen Kirche, ausgetreten aufgrund der Beschlussfassung zum Wiederaufbau der Garnisonkirche
  • Michael Steinke, Archivar, Potsdam
  • Mario Hardke, Student, Dresden
  • Enriko Micheel, Steuerfachangestellte, Potsdam
  • Hartmut Kreft, Journalist, Potsdam
  • Dr. Käthe Dost, Lektorin, Potsdam
  • Allgemeiner Studierendenausschuss der Universität Potsdam
  • Jan Klicks, Student, Berlin
  • Stefan Schubert, Studierender, Potsdam
  • Thomas Lanners, Student, Potsdam
  • 40. Cathérine Krieg, Studentin, Potsdam
  • Johannes Epperlein, Dipl.-Staatswissenschaftler, Hartmannsdorf
  • Werner Straube, Dipl.-Ing.-Ökon., Chemnitz
  • Hannes Püschel, Jurist, Stadtverordneter
  • Janine Gottwald, Studentin & Angestellte im T-Werk (freise Theater in Potsdam)
  • Holger Weiß, Sozialpädagoge, Potsdam
  • Wiebke Seefeldt, Studentin, Potsdam
  • Anneliese Seefeldt, Rentnerin, Potsdam
  • Michael Bonath, Schüler, Potsdam
  • Inge Baier, Zahnärztin, Nuthetal
  • 50. Tom Korn, Kulturarbeiter, Potsdam
  • Raimon Brete, Geschäftsführer, DIE LINKE.Chemnitz
  • Udo Zimmermann, Rentner, Potsdam
  • Marcus Oestereich, Wirtschaftsinfomatiker, Potsdam-West
  • Uta Zimmermann, Potsdam
  • Fabian Seiffert, Student, Potsdam
  • Benjamin Bauer, Kulturarbeitstudent, Potsdam
  • Laura Wehrmann, Potsdam
  • Heide Herborn, Dipl. Psychologin, Potsdam
  • 60. Bianka Kraft, Redaktionsassistentin, Berlin
  • Lars Kreuzmann, Designer, Potsdam
  • Alexander Körner, Analyst im Bereich Energiesysteme, Paris
  • H.-Wolfgang van Straten, Webdesign, Potsdam
  • Bastian Gottbehüt, Student, Potsdam
  • Christoph Bartsch, Künstler, Leipzig
  • Stephanie Pigorsch, Sozialpädagogin, Potsdam
  • Dr. René Heyder, Ingenieur, Potsdam
  • Petra Hussel, Studentin, Potsdam
  • Uwe Sonnenberg, Historiker, Potsdam
  • 70. Michael Krüger, Rechtsreferendar, Potsdam
  • Thomas Popp, Student, Berlin
  • Rüdiger Schmolke, Sozialwissenschaftler, Potsdam
  • Marcus Pilarski, Student, Potsdam
  • Uta Eichstädt, Lehrerin, Potsdam
  • Heinrich Distler, Dipl. Geoökologe, Potsdam
  • Antje Wölk, Archivarin, Potsdam
  • Joachim Bartsch, Grafiker, Berlin
  • Rainer Ehrt, Maler, Grafiker, Kleinmachnow
  • Jens Oldenburg, Potsdam
  • 80. Heiner Stahl, Historiker, Erfurt
  • Klaus Hartmann, Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes, Offenbach am Main
  • Martin Herborn, Potsdam
  • Christoph Kapp, Literaturwissenschaftler, Potsdam
  • Max Plischtil, Dipl. Ingenieur, Potsdam
  • Julia Bartsch, Dipl. Sozialarbeiterin, Dresden
  • Steffen Brumme, Student, Potsdam
  • Sven Brödno, Angestellter, Potsdam
  • Ludwig Baumann, Vorsitzender Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V., Bremen
  • Günter Knebel, Schriftführer Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V., Bremen
  • 90. Dr. Philipp Keßner, Arzt, Dresden
  • André Keil, Historiker, Newcastle upon Tyne
  • Andreas Günther, Rentner, Potsdam
  • Nico Unkelbach, Student, Berlin
  • André Buchheim, Potsdam
  • Manfred Böhnke, selbstständig, Leipzig
  • Andrea Piéc, Potsdam
  • Michael Blix, Rentner, Potsdam
  • Gregor Bartsch, Filmeditor, Potsdam
  • Kathrin Ollroge, Potsdam
  • 100. Anna Louise Wichmann, Doktorandin der Medizin, Leipzig (Als 100ste Unterzeichnerin erhält Frau Wichmann den Ansteckbutton der BI. Dankeschön an Sie. Wer ist der/die 200ste Unterzeichnende?)
  • Maxi Herborn, Dipl. Restauratorin, Potsdam
  • Matthias Schwander, Angestellter, Chemnitz
  • Anna Mager, Studentin, Berlin
  • Simon Wohlfahrt, Student, Potsdam
  • Robert Große, Potsdam
  • Sebastian Schultz, Studierender, Potsdam
  • Christian Dietrich, Soziologe, Potsdam
  • Tamás Blénessy,  Vorstandsmitglied Studentisches Leben e.V., Potsdam
  • Renate Röthig, Lehrerin im Ruhestand, Berlin
  • 110. Joachim Röthig, Apotheker im Ruhestand, Berlin
  • Dr. Frank-P. Schiefelbein, Dipl.-Ing., Potsdam
  • Erna Pfeiffer, OP-Schwester, Potsdam
  • Lorenz Rollhäuser, Journalist, Berlin
  • Hermann Theißen, Journalist, Köln
  • Annegret Ehmann, Berlin
  • Prof. Dr. Christoph Ehmann, Berlin
  • Jonas Ludwig Walter, Fotograf, Berlin
  • Prof. Andrea Zaumseil, Künstlerin, Berlin
  • Sabine Kummer, Katechetin, Halle
  • 120. Petra Walter-Moll, Kleinmachnow, Fotografin
  • Ralph Peschel, Potsdam
  • Andreas Walter, Schnittmeister/Mediengestalter, Kleinmachnow
  • Karolin Einicke, Potsdam
  • Thomas Herrmann, Sprachtherapeut, jetzt Rentner, Potsdam
  • Jana Frielinghaus, Journalistin, Gusow (bei Seelow), Brandenburg
  • Lieselotte Schwander, Rentnerin, Chemnitz
  • Werner Kiefer, Journalist, Berlin
  • Uwe Hartmann, Bürgermeister a.D., Erbach
  • Aloys Blanke, Rentner, Bochum
  • 130. Friedemann Werzlau, Musiker
  • Nora Mertes, Künstlerin, Berlin
  • Kurt Hensel, Renter, Pirna
  • Constanze Kraft, Pfarrerin
  • Linksjugend [’solid] Potsdam
  • Jürgen Engert, Potsdam
  • Dr. Rainer Gasch, Dresden
  • Dieter Siegert, Chemnitz
  • Peter Kuschel, Musiker, Potsdam
  • Ekkehard Lentz, Sprecher Bremer Friedensforum
  • 140. Shelly Kupferberg, Journalistin – Moderatorin, Berlin
  • Dr. Martin Flade, Brodowin
  • Dr. Bernhard Reinhold, Chemiker, Potsdam
  • Mark Reuter, Dipl.-Ing. (FH), Zürich
  • Thomas Kretschmer, Musiker Berlin-Potsdam
  • Enrico Hilbert, Vorsitzender des VVN-BdA Chemnitz
  • Heinz Kleimann, Rentner, Chemnitz
  • Thiemo Kirmse, Leiter Rosa-Luxemburg-Stiftung Chemnitz
  • Matthias Abbrecht, Schorndorf
  • Irme Schaber, Schorndorf
  • 150. Martina Schaaf, Potsdam
  • Irene Pißarczyk, Dipl.-Ökon., Chemnitz
  • Lothar Gruhn, Dipl.-Jurist, Chemnitz
  • Wolfgang Heinrich, Chemnitz
  • Hildegard Lenk, Dipl.-Ökon., Chemnitz
  • Werner Feigel, Dipl.-Jurist, Chemnitz
  • Rüdiger Seyffer, Potsdam
  • Frederik Grosse, Arzt, Potsdam
  • Dr. rer. nat. habil. Gerhard Kästner, Halle
  • Hannelore Kästner, Dipl.-Chem., Halle
  • 160. Udo Unkelbach, Sicherheitsmitarbeiter, Glindow
  • Brigitte Bastian, Kleinmachnow

UPDATE: Presse zum NEIN von Friedrich Schorlemmer

Die PNN berichtet in ihrer heutigen Ausgabe von der Kritik Friedrich Schorlemmers. Der Theologe präzisiert seine Kritik:

„Schorlemmer sagte, die Kirche sei angesichts ihrer Geschichte mit dem „Ungeist von Potsdam verbunden“. An diesem Ort habe es einen Schulterschluss des Militärs, des Bürgertums, der Kirchen und des braunen Mobs gegeben. Dies sei ein Signal gewesen, aus dem sich ein „Zustimmungssog“ für die NS-Herrschaft ergeben habe. Wegen der Symbolik müsse die Frage gestellt werden, ob das nötige Geld „nicht auch für andere Sachen ausgegeben werden kann“. Es sei ihm auch nicht bekannt, dass die Gotteshäuser in Potsdam zu wenige freie Bänke hätten, sodass noch eine neue Kirche benötigt würde, so Schorlemmer. Insofern wünsche er sich allgemein größere Anstrengungen, dass mehr Menschen in die Kirchen kämen, statt einen „teuren Symbolort“ zu schaffen. Schorlemmer sagte auch, es gäbe aus seiner Sicht auch keinen Bedarf für noch einen weiteren Gedenkort für die Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944 – mehrere der dabei beteiligten Offiziere waren Mitglied in der Garnisonkirchengemeinde. Zudem seien viele der Verschwörer erst nach der Niederlage bei Stalingrad zu Gegnern von Hitler geworden. Den Kritikern des Wiederaufbaus der Kirche wünschte Schorlemmer in seinem Schreiben, bei aller Emotionalität die Sachlichkeit zu wahren: „Was nicht heißt, dass man nicht auch entschieden sein ,Nein’ sagen kann.“ (Zitatauszug aus dem PNN Artikel)


Jenseits von Potsdam: Der Deutschlandfunk berichtet am 20.3. über Kritik und BI gegen Garnisonkirche

In ganz Deutschland macht man sich Gedanken über die Schatten, die ein Nachbau der Garnisonkirche mit sich brächte. Längst wird neben Spenden und der Stadtkasse auch mit der Bundeskasse zur Finanzierung des Baues gerechnet. Längst hat man auch in Kiel und Freiburg begriffen, mit welch unnachgiebigem 100% Historismus in Potsdam das Symbol von Machtpolitik und Militarismus wieder errichtet werden soll UND mit welch spitzen Fingern dabei Mahnung und Versöhnung angefasst werden.

„Der Streit um den Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam“, so der Titel des Features, dass der Deutschlandfunk am 20. März 2012 um 19:15 Uhr ausstrahlt, betrifft das ganze Bundesgebiet. Der Autor Anselm Weidner widmete sich als Aussenstehender unserer städtischen Debatte und gibt dabei Befürwortern und Kritikern Raum. (Info) Entlarvend zeigen sich die Äußerungen Herrn Hubers und Herrn Leinemanns zu Finanzierung und Funktion des geplanten Nachbaus.

Wer also gut gemachtes Radio zum Für und Wider der Garnisonkirche hören möchte:

DIENSTAG 20. März 2012

19:15 Uhr

DEUTSCHLANDFUNK

97.7 UKW

Livestream

„Erst fragen, dann bauen.“ – Dialog 3: Versöhnung

FRAGE BI:
Wer soll sich mit wem versöhnen?
ANTWORT Martin Vogel:
Wie wäre es, wenn wir beginnen und gemeinsam über die Zukunft unseres Gemeinwesens streiten und schauen, ob es bei einer unversöhnlichen Gegnerschaft bleiben muss?
NACHFRAGE BI:
Wie, Herr Vogel, wäre es, sich bei dieser für das Nachbauprojekt essentiellen Frage Zeit und Worte für eine umfassende Antwort zu nehmen? – Vor 10 Jahren war die Versöhnung mit den Opfern der Kriege Deutschlands Dreh- und Angelpunkt der Argumentation pro Garnisonkirche. Coventry erkannte dieses Hauptthema des Nachbaus an und verlieh ihm die Würde der Nagelkreuzgemeinde. Weiß Coventry vom Verschwinden des Nagelkreuzes von der Turmspitze? Versöhnung heute ist für Sie der selbstreferentielle Streit um den Nachbau, für Herrn Huber ist es die Versöhnung mit Mensch und Natur. Können oder wollen Sie sich nicht präziser mit der Schuld in der Geschichte einer Militärkirche beschäftigen?


ERST FRAGEN, DANN BAUEN! – Unbeantwortete Fragen an Stadt/ Land/ Kirchenträumer.

 

Die Garnisonkirche wirft Fragen auf!

Logische, moralische, alltägliche, juristische. – Potsdamer und Potsdamerinnern tragen sie mit sich. Wir haben sie gesammelt!

Warum sind sie unbeantwortet?

Potsdams MEDIEN berichten nur zum Schein kritisch. Im Kern freut man sich über den Bauevent.

Potsdams POLITIK kann sich Fragen nicht leisten, denn seit Mai 2008 ist man als Mitstifter dem Nachbau der Garnisonkirche verschrieben. Öffentliche Gelder aus Steuermitteln sind versprochen und verwendet, nun darf es nur noch die Fortschrittserzählung vom auferstehenden, schönen alten Potsdam geben. – Säkularismus ist unnötig, Haushaltsverantwortung ein Fremdwort – Bürgerbeteiligung war nie vorgesehen!

Wir fordern einen öffentlichen Gesprächstermin mit den Verantwortlichen aus Stadt und Land sowie den Kirchenträumern.

Wir fordern Antworten auf folgende Fragen!  

1 Sie bauen mit öffentlichen Geldern? Reichen die Spenden nicht?
2 Keine Lust, keine Idee zum Bauen in der Gegenwart?
3 Will Potsdams Mehrheit die Garnisonkirche?
4 Mauerstück mit Vase! Welcher Gedenkstätte fehlen jetzt 130.000 Euro?
5 Wieviele Millionen verschenkte die Stadt mit dem Grundstück an die Garnisonkirche?
6 Wer spendet für die Bildung?
7 Wer soll sich mit wem versöhnen?
8 Dürfen wir auch was bauen?
9 Wieviel kostet den Potsdamer die  Umverlegung der Breiten Straße?
10 Wurde je nach alternativen Baukonzepten gefragt?
11 Warum dichten Sie den Widerstand des 20. Juli in die Garnisonkirche hinein?
12 Wann gründen Sie die historische Militärgemeinde?
13 Für was betete Stauffenberg in der Garnisonkirche?
14 Warum ist die säkulare Stadt Potsdam Mitglied in einer kirchlichen Stiftung?
15 Wer zahlt den Abriss des Rechenzentrums?
16 Warum müssen Sie die Kirche bauen – haben sie keine Phantasie?
17 Warum tarnen Sie den Kriegsschutthaufen der Geschichte mit Walter Ulbricht?
18 Was passiert mit den denkmalgeschützten Mosaikplatten des Rechenzentrums?
19 Was lässt Sie glauben, Mehrheit zu sein?
20 Warum lassen Sie schönen Schein über die Geschichte wachsen?
21 Wieviel überfüllte Kirchen hat Potsdam?
22 Wie will die Garnisonkirche ihre Geschichte in ihrer originalgetreuen Kopie verhandeln?
24 Warum fragen Sie nicht die Potsdamer?
25 Wann werden die Kiewitt Plattenbauten abgerissen?
26 Wird die Straßenführung vor der Garnisonkirche verengt?
27 Säkularismus!?
28 Warum wollen Sie die Garnisonkirche?
29 Nun doch kein „Internationales Versöhnungszentrum“?
30 Welche Botschaft sendet die Garnisonkirche in die Welt?
31 Wie lässt sich das Evangelium unter Kriegsschmuck und Militaria verkünden?
32 Was machen ehemalige MAX KLAAR – LEUTE immer noch bei Ihnen?
33 Kirchen statt Stadtwerken?
34 Wollen Sie Baumonokultur in Potsdam?
35 Kann Potsdam nur Barock?
36 Spenden auch Nazis für die Garnisonkirche?
37 Wann wird das MERCURE Hotel abgerissen?
38 Spendeten Militärs die Glocken des Glockenspiels?
39 Brauchen Frieden und Versöhnung einen Ort des Militarismus?
40 Bombardierte die SED Potsdam?
41 Warum trug die Garnisonkirche die Symbole des Krieges in sich?
42 Religion statt Sport? Kirchen statt Kinder?
43 1 Million Euro pro leeren Kirchenplatz?
44 Warum leitet das Land Gedenkstättengelder an einen Kirchenneubau um?
45 Kennen Sie gebauten Revanchismus?
46 Fehlt ihnen der Mut, die Kirche an Ort und Zeit anzupassen?
47 Trägt die Garnisonkirchen einen historischen Ballast?
48 Warum heißt die Garnisonkirche Garnisonkirche?
49 Haben Sie Sehnsucht nach Königreich und Vaterland?
50 War früher alles besser?
51 Kirchen statt Lehrer? Religion statt Aufklärung?
52 Bundeswehrvereidigungen am historischen Ort?
53 Wie schön war doch Preußen, stimmts?
54 Kirchen statt Schulentwicklung?
55 Ist denn da überhaupt Platz, wo sie bauen?
56 Wie geht es Max Klaar?
57 Sind Sie Revisionist?
58 Warum so radikal rückwärtsgewandt?

Debattenbeitrag: REKONSTRUKTION IN DEUTSCHLAND (Michael Braum, Ursula Baus (Hg.))

„Die Verunsicherungen durch den Veränderungsdruck, dem wir allenthalben ausgesetzt sind, stellen einen weiteren Grund für die Flucht in die Geschichte dar.“ [Wolfgang Pehnt]

Lesen > REKONSTRUKTION IN DEUTSCHLAND, Positionen zu einem umstittenen Thema Michael Braum, Ursula Baus (Hg.), BUNDESSTIFTUNG BAUKULTUR, 2009 Auszug S. 46 – 59.

Versöhnung via Feldaltar – ein offener Brief an Wolfgang Huber

Marcus Große / Potsdam

OFFENER BRIEF

AN HERRN WOLFGANG HUBER

POTSDAM, 9.JULI 2011

Wolfgang Huber bekleidete bis November 2009 das Amt des Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. 

___

Werter Herr Huber,

NEIN!, es gibt kein bedingungsloses, blökendes Folgen den Hirten, und NEIN!, es gibt auch keinen Fraktionszwang des Glaubens. NEIN!, das alles gibt es nicht mehr. Als kritischer Christ bin ich schockiert über ihren Einsatz für den Wiederaufbau der Garnisonkiche zu Potsdam im Namen des Herrn.

Ich bin fassungslos, dass Sie den Gott der Liebe – meinen Gott, unseren Gott – vor den Karren einer so düsteren, vergangenheitsverliebten Idee spannen. Was bewegt Sie, für die Errichtung eines Baus einzutreten, der in seiner Grundintention und seinem Gebrauch aufs wortwörtlichste mit jenem soldatischen Geiste verwoben ist, der seit Jahrhunderten und fortlaufend die Menschheit sich Schreckliches antun lässt?

2011 und Deutschland führt wieder Krieg. Gerade weil die Einsätze der Bundeswehr in Potsdam zusammenlaufen – vom Einsatzführungskommando in Geltow koordiniert – und weil im Krieg Menschen sterben, muss die evangelische Kirche sich bekennen und positionieren. Die Befürwortung des Wiederaufbaus der Garnisonkirche sehe ich als Verrat am Evangelium.

Herr Huber, die Botschaft Jesus Christi kennt weder Waffen noch Helme, weder Rangabzeichen noch militärische Traditionen. Ich habe Sie erlebt bei der Eröffnung der temporären Kapelle an der Garnisonkirche am 25. Juni 2011. Eine Offenbarung. Sie sprachen von einem ehemaligen Feldaltar aus. Ein Feldaltar aber – und da kann er voll historischer Patina sein wie er will – ist und bleibt ein Kriegsmöbel. Die Befürworter des Wiederaufbaus haben sich Versöhnung auf die Fahne geschrieben, aber nie erklärt, wer sich denn nun in diesem millionenteuren Bau versöhnen soll. Sie aber haben es gesagt: Es sollen sein die Menschen mit Gott. Herr Huber, das aber ist die Einladung und Geste einer jeden unserer Kirchen. Ihnen dürfte es bekannt sein, dass wir vor der schier unlösbaren Aufgabe stehen, unsere wunderschönen Brandenburger Feldstein-Dorfkirchen zu erhalten. Jene Felder aber, auf denen diese Gemäuer gesammelt, sind die Felder der Ernte, des Friedens und des Lebens.

Garnisonkirche vs. Frauenkirche

von Henri Herborn

Frauenkirche vs. Garnisonkirche (pdf)

Zwei Kirchen, zwei Stadtgeschichten

Die Frauenkirche zu Dresden ist ein zeitgenössisches Werk der Willensbildung der Bevölkerung Dresdens und der Versöhnung ehemaliger Gegner. Die Garnisonkirche ist ein Werk der Vergangenheit, in ihrer Erschaffung ebenso wie in ihrer Zerstörung. Sie hat keinen Platz in unserer Stadt. Potsdam und die Garnisonkirche trennt die Zeit. Seit der Wiedererrichtung der Frauenkirche ruft allerorten irgendjemand nach dem Auf bau, Nachbau, Neubau einer kriegszerstörten Kirche. Jede Nachahmung eines Auf- oder Nachbaus schadet der Singularität des Ereignisses „Wiederaufbau Frauenkirche“. Die Aura dieser Kirche geht über ihre Gewölbe hinaus. Die Frauenkirche ist auf das Engste verwoben mit der Bevölkerung Dresdens, sie stellte sich seit der Zerstörung gegen jede Abrissbemühung. Der hohle, ruinöse Zahn auf einer Trümmerhalde wurde über ein halbes Jahrhundert hinweg von Dresdnern nicht geduldet, sondern geschützt. Er wurde im Gegensatz zu Garnisonkirche weder abgetragen, noch überbaut. Zugriffsversuche einiger Bezirksregierungen für einen Stadtneubau wie im nahen Umfeld der Frauenkirche wurden verhindert. Kurz: Die Frauenkirche war in ihrer Kaputtheit ein kräftiger, lebender Erinnerungsort, von der Mehrheit der Bevölkerung getragen. Die Erzählkraft dieses Ortes übertrug sich von der Generation des Krieges auf die Generationen des Friedens. Der Wiederaufbau der Frauenkirche zog seine Kraft aus dieser breiten Verwurzelung des Baus in der gegenwärtigen Bevölkerung und Stadt. Die Frauenkirche hatte den Transport über die Zeit zwischen Zerstörung und Wiederaufbau überlebt.

Der Versuch der Übertragung des Frauenkirchenglückes auf jedwede andere kriegszerstörte Kirche trägt etwas Anmaßendes in sich. Es ist die Behauptung, dass auch die Garnisonkirche dem heutigen Potsdam fehle, dass eine ganze Stadt für diesen Bau stünde. Doch stimmt genau das nicht. Der Garnisonkirche fehlt jede Form von Legitimation. Der politische Akt ihres Verschwindens hinterließ keine Widerstandspur in der Stadtgeschichte. Im Gegensatz zur Frauenkirche wurde sie nie emotionaler Erinnerungsbestandteil der nachfolgenden Generationen. Keine Ruine, kein Stein der Garnisonkirche trug seit ihrer Zerstörung Mahnung und Erinnerung mit sich. Die Kirche fand ein absolutes, mentales wie baukörperliches Ende in der Geschichte. Die Stadt Potsdam und ihre Generationen ließen den Bau zurück und wuchsen über ihn hinweg.

Den Raum füllen

Wir reden nicht von einem leeren Raum, der gefüllt werden müsste. Wir reden von einer lebenden Stadt, die umgebaut wird. Von wem und mit welchem Ziel, wird aktuell von Wenigen für Viele entschieden. Der Standort in der Breiten Straße wurde durch egoistische Baummaßnahmen der Befürworter thematisiert und aufgeladen. Schließlich steht dort seit Jahren einfach ein Portal auf dem Fußweg, das wohl einen ähnlichen Fuß in der Tür der Bauverwaltung darstellen sollte, wie der Neuaufguss des Fortunaportals des Landtagbaus. Erst dadurch erhielt der Standort eine Aussagekraft für die Denk- und Lebensrichtung unserer Stadt. Vor- oder rückwärtsgewandt? Historisch verklärend oder sensibel und produktiv für die Stadtgemeinschaft? Gerade wegen der besonderen Symbolik des Standortes sollte hier mit militärisch preußischen Traditionen gebrochen und eine verantwortungsbewusste neue Identität gestiftet werden. Wir als Bürgerinitiative werden nicht den Fehler machen und ebenfalls eigenmächtig einen Vorschlag für den Standort machen. Unser Ziel ist jedoch klar ein Potsdam Ohne Garnisonkirche. Es sollte erst nach Sinn, Bedarf und Nutzen gefragt werden. Woran mangelt es Potsdam? Fragen Sie etwa einmal Potsdams Künstler, was diese zu einem multifunktionalen Kunst- und Aktionsgebäude sagen würden. Die Bürgerinitiative sucht die Diskussion und stellt die Fragen – ganz Potsdam hat zu entscheiden.

Die Argumente der Befürworter

Drei Hauptargumente werden unablässig wiederholt.

Erstens: Die Kirche wäre emotionales Herz und optische Vollendung Potsdams. Wir sagen: Da fühlen die Befürworter des Aufbaus wohl den Puls der Zeit in Potsdam falsch! Das mag daran liegen, dass unter ihnen kaum Potsdamer sind. Ihr Gründungskern ist ein merkwürdiger Verein aus dem westfälischen Iserlohn. Ein geschichtsvergessener Nachbau mit solch trüber Geschichte ist nicht Symbol unserer Stadt und der Stadtrückbau auf frühneuzeitliche Schönheitsideale hat hier sein Ende erreicht. Wir leben im Jetzt und Hier. Das heutige Potsdam beherbergt zum Glück weder Garnisonen, denen die Kirche diente, noch preußischen Hof, dem sie huldigte. Selbst die Kreuz- Gemeinde lehnt den Neubau ab.

Zweitens: Die Ereignisse um Zerstörung und Abtragung der Garnisonkirche werden von den Befürwortern nach Belieben in ihrer Gewichtung verzerrt. Die Kirche wurde nicht, wie etwa in der tendenziösen Onlineumfrage der MAZ beschrieben, 1945 beschädigt, sie erlitt keinen schlichten Blitzschlag. Sie wurde schwer zerstört im Lauf eines Krieges, für den sie selber Symbolort war. Die zweifellos ideologisch motivierte Entfernung der Ruine war der zweite Schritt, der diesen Bau aus Potsdam entfernte.

Drittens: Der Neubau der Garnisonkirche wird mit einem Versöhnungszentrum ummantelt. Da können wir nur sagen: Wir sind für die Versöhnung. Lasst uns ein Versöhnungs- und Friedenszentrum bauen, das die alte militaristische Identität unsere Stadt überdenkt und mit der Geschichte des Standortes arbeitet. Nur: Dafür benötigt niemand ausgerechnet die Hülle einer Kirche, die das Militärische schon im Namen trägt. Wir werfen den Befürwortern des Neubaus die fixierte Bindung eines Versöhnungszentrums an die belastete Hülle der Garnisonkirche als ein unehrliches Vorgehen vor.

Was bindet das eine an das andere?