Offener Brief an wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Garnisonkirche Potsdam

In einem Brief (Klick für PDF) an den neu geschaffenen wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Garnisonkirche Potsdam kritisiert der Architekturtheoretiker Philipp Oswalt die Stiftung für ihr verzerrtes und bewusst verfälschtes Geschichtsbild, welches wesentliche Fakten der Kirchengeschichte ausblendet und einige wahrheitswidrig verfälscht. Ausgeblendet werde etwa die Rolle der Militärkirche bei den Kriegsverbrechen in den Deutschen Kolonialkriegen, im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Auch würde verschwiegen, dass die Garnisonkirche ein zentraler Treffpunkt antidemokratischer und rechtsradikaler Kräfte während der Weimarer Republik gewesen war und das Wiederaufbauprojekt von dem rechtsradikalen ehemaligen Bundeswehroffizier Max Klaar 1984 initiiert und knapp zwei Jahrzehnte maßgeblich betrieben worden war. Hingegen entspricht die behauptete Rolle der Kirche für den militärischen Widerstand nicht den historischen Fakten.

Nicht nur eine Korrektur der Darstellung der Kirchengeschichte sei nötig, auch die Architektur des Gebäuderekonstruktion müsse ein Differenz zum historischen Bau deutlich erkennbar werden lassen, wie es auch Bischof Dröge vor zwei Jahren gefordert und in Aussicht gestellt hatte. Für unsere Gesellschaft könne – so Oswalt – die Garnisonkirche nicht primär ein Ort des Stolzes sein, sondern ein Ort der Scham und Sühne.

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Garnisonkirchenstiftung wirbt kostenfrei im ZDF

Das ZDF veröffentlicht seit gestern einen selbst produzierten Werbespot für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche. Der 30-sekündige Beitrag ist nicht als Werbung gekennzeichnet. Das ZDF verpflichtet sich in seinen Leitlinien dazu, dass seine Programme „den publizistischen, ethisch-moralischen und gesellschaftlichen Standards sowie den rechtlichen Vorgaben der Sachlichkeit, Objektivität, Ausgewogenheit, Unabhängigkeit und Fairness “ genügen.

Offensichtlich ist es dem ZDF egal, ob es in Potsdam ein erfolgreiches Bürgerbegehren mit über 16.000 Unterschriften gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche gab. Es ist ihm auch egal, dass der Oberbürgermeister von der Stadtverordnetenversammlung angehalten ist, mit allen rechtlich zulässigen Möglichkeiten auf die Auflösung der Stiftung Garnisonkirche hinzuwirken.

Beschwerden bitte direkt an: http://uploadcenter.zdf.de/beschwerdeonline.php


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Die Republik ist in Gefahr!

Hoecke und GK-Schirmherr


Anlässlich des 09. Novembers, dem wohl bedeutsamsten und widersprüchlichsten Tag in der deutschen Geschichte, möchten wir auf drohende Fehlentwicklungen im Land aufmerksam machen.
Der Bau der Turmkopie der ehemaligen Hof- und Garnisonkirche ist die falsche Antwort auf die drängenden Fragen der Zeit. Die Garnisonkirche war bis zur „Nacht von Potsdam“ im April 1944 über 200 Jahre ein Tempel des preußisch-deutschen Militarismus. Das sind 200 Jahre Missbrauch des christlichen Glaubens zum Zwecke des bedingungslosen Gehorsams gegenüber Krone und Staat. Nach dem 09. Novemer 1918 wurde das Gebäude zum Symbol und Treffpunkt der revanchistischen Militärs, organisierter Nationalisten sowie des Antikommunismus und Antisemitismus. Diese Antithese zum „Geist von Weimar“, dieser „Geist von Potsdam“ gipfelte im „Tag von Potsdam“.
Der Händedruck vom 21.03.1933 wurde zum Symbol für die Machtübergabe an Hitler und zur Geburtsstunde des Dritten Reiches.
Verlierer dieser Entwicklung waren in den Folgemonaten des Jahres 1933 nicht nur die Kommunisten, Juden, Sinti und Roma und die vielen anderen Verfolgten, sondern auch viele Christen in Deutschland und die anderen demokratischen Kräfte. Unter ihnen auch die SPD. Umso erstaunlicher ist es, dass ein sozialdemokratischer Bundespräsident, zwei ehemalige sozialdemokratische Ministerpräsidenten, mehrere SPD-Minister*innen, ein SPD-Oberbürgermeister und zahlreiche Pressesprecher mit SPD-Parteibuch sich nun zu Fürsprechern eines der umstrittensten Bauprojekte der Stadt und der Republik machen.
Selbst wenn es gelingen könnte, in dem zu errichtenden Turm eine wirkliche Stätte der Geschichtsaufarbeitung zu etablieren, woran wir und viele andere Organisationen und Initiativen aufgrund des Mangels eines Konzeptes und den bisherigen Verlautbarungen der SPG erhebliche Zweifel haben, bleibt doch die Hülle als Anziehungspunkt. Ein „schöner“ Wallfahrtsort im Disney-Preußen.
Wer wirklich einen „neuen Geist von Potsdam“ an diesem Ort wollte, würde weder die originale Hülle errichten noch sich auf das Haus als Garnisonkirche beziehen. Abgerissen wurde die Heilig-Kreuz-Kirche. Wer wirklich einen „neuen Geist der Versöhnung und des Friedens“ will, baut Brücken und keine Wehr-(Garnisons-)Türme! Wer neu starten will muss die historische Schuld anerkennen und sich nicht als Opfer zweier Diktaturen stilisieren. Weder hat Hitler diese Kirche missbraucht, noch hat Ulbricht deren Sprengung angeordnet. Beiden Ereignissen gingen proaktive Entscheidungen der evangelischen Kirche voraus.
Die Rhetorik der Baubefürworter überschneidet sich mit der der AfD. Die Relativierung von Schuld und die Versöhnung mit der eigenen Geschichte ermöglichen den Einzug alten Geistes in die neuen Fassaden in Dresden, Berlin und Potsdam! Auch die Sozialdemokratie glaubte in den 30er Jahren daran, den aufkommenden Faschismus in den Griff zu bekommen und ihn mit demokratischen Regeln im Zaum zu halten. Die Geschichte lehrt uns etwas anderes. Wehret den Anfängen!
Im Kampf gegen damals existierenden Hunger und den aufkommenden Faschismus ertönte in den Herbsttagen des Jahres 1931 auf den Straßen Deutschlands: „Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!“ Auch heute sucht die SPD für sich nach neuen Antworten auf die Probleme der Gesellschaft. Und eine aktuelle Frage lautet: Wer macht sich heute zum Steigbügelhalter von wem?
Die Demokratischen Kräfte von heute müssen – auch in Angedenken an den 09.11. mit der Pogromnacht, der Ausrufung der Republik, dem Mauerfall u.v.a. Ereignissen – sich klarer abgrenzen von der stattfindenden Geschichtsrevision, falschem Patriotismus und der Schwelgerei im Gestern.


Siehe auch:
Gastbeitrag von MICHAEL KARG bei der MAZ vom 2./3.11.
und

transkribierte Rede von Höcke im Tagesspiegel

Offener Brief des EKBO-Mitglieds Gunnar Albers

Kürzlich erreichte auch uns folgender

Offener Brief an den Vorstand und die Mitglieder des Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche Potsdam und den Vorstand der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e. V.

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Als „Kirche der Schande“ bezeichnet die Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde in einer Erklärung das Gotteshaus, dessen Wiederaufbau seit Jahren von der Garnisonkirchenstiftung vorangetrieben wird: „Schon allein das Vorhaben des Wiederaufbaus schadet dem nationalen und internationalen Ansehen der Stadt Potsdam und sorgt für tiefste Enttäuschung bei weiten Teilen der jüdischen Bevölkerung“, schreibt der Vorstand rund um Shimon Nebrat.“ 1)

Was soll der Kern dieses Projektes sein: „Versöhnung“ oder „Historischer Wiederaufbau der Garnisonkirche“?

Zu Versöhnung gehört auch das Eingeständnis der eigenen Schuld. Angesichts der historischen Schuld auch der evangelischen Kirche ist die Frage zu stellen, welche Erinnerungskultur von Stiftung und Fördergesellschaft gepflegt wird. Einen Anhaltspunkt gibt der Internetauftritt. Unter der Adresse http://wissen.garnisonkirche.de/ bietet die Stiftung eine Online-Ausstellung zur Geschichte der Garnisonkirche an. Informationen zur Geschichte der Kirche aus der Zeit des Nationalsozialismus sucht der Besucher dort leider vergeblich, mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte der evangelischen Kirche in Deutschland will sich die Stiftung online anscheinend nur sehr begrenzt auseinandersetzen.

„Das von brauner Asche besudelte Gebäude kann durch den Neubau nicht reingewaschen werden.“ Friedrich Schorlemmer 2)

Der berühmte Handschlag von Hitler und Hindenburg fand in der Garnisonkirche unter den wohlwollenden Blicken des damaligen Generalsuperintendenten Otto Dibelius statt, dem Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche in Deutschland von 1949 bis 1961. Als am 1. April 1933 der „Judenboykott“ der SA gegen jüdische Geschäfte erfolgte, stellte Dibelius sich hinter den Hitlerstaat und erklärte: „Schließlich hat sich die Regierung genötigt gesehen, den Boykott jüdischer Geschäfte zu organisieren – in der richtigen Erkenntnis, daß durch die internationalen Verbindungen des Judentums die Auslandshetze dann am ehesten aufhören wird, wenn sie dem deutschen Judentum wirtschaftlich gefährlich wird. Das Ergebnis dieser ganzen Vorgänge wird ohne Zweifel eine Zurückdämmung des jüdischen Einflusses im öffentlichen Leben Deutschlands sein. Dagegen wird niemand im Ernst etwas einwenden können.“ 3)

Wenn zum Zeitraum 1933 bis 1945 sowenig Informationen auf den Internetseiten der Stiftung zu finden sind, so stellt sich die Frage, aus welchem Geschichtsverständnis heraus agiert wird, wenn der Wiederaufbau auch gegen die ausdrückliche Kritik einer jüdischen Gemeinde durchgedrückt werden soll. „Also: Auch wir (…) wollen nicht, daß an der Garnisonkirche ein Schuldkult betrieben wird!“ 4) Mit diesen Worten bringt Burkhart Franck, ehemaliger Vorsitzender des Vorstandes der Fördergesellschaft (2012–2015), die dort akzeptierte Haltung auf den Punkt. Diese Wortwahl ist nicht zufällig, und es finden sich entsprechende Äußerungen im parteipolitischen Spektrum: „Schuldkult – nein danke!“ 5), diese Meinung wird auch bei der NPD vertreten.

Mit einem solchen Geschichtsverständnis ausgestattet, lässt es sich dann auch gut über die Menschen, die einen Wiederaufbau ablehnen, pöbeln: „Nach meinem Eindruck sind die Gegner des Wiederaufbaus nicht nur kirchenhassende Kommunisten. Es sind auch andere Menschen mit geringen Geschichtskenntnissen oder verzerrtem Weltbild darunter, die noch heute der Propaganda von Goebbels und der SED zum „Tag von Potsdam“ aufsitzen.“ 6) – so die auf der Internetseite der Stiftung verkündete Einschätzung. Eine auf Versöhnung bedachte Haltung sieht anders aus. Diese unversöhnliche Haltung findet ihre Entsprechung ebenfalls in parteipolitischen Äußerungen: „Es ist immer wieder unfassbar, wie das linke Lager mit ideologischen Beißreflexen versucht, die Garnisonkirche zu diskreditieren, die eine beinahe 300-jährigen Geschichte hat.“ 7), heißt es in einer Meldung aus der AfD-Fraktion Brandenburg.

Entsprechend unterstellt auch Wolfgang Huber den Menschen, die einen Wiederaufbau ablehnen, eine irrationale Rachsucht: „Vehement wird vorgeschlagen, sich an der Geschichte zu rächen, indem man ihre Orte auslöscht und den Geist der Vergangenheit versenkt.“ 8) Das eine Ablehnung des Wiederaufbaus einem Auslöschen gleich kommt, ist doch sehr weit hergeholt. Bei dem „Auslöschen“ der jüdischen Mitmenschen war die evangelische Kirche durch das Ausstellen der sogenannten „arischen Nachweise“ ganz konkret beteiligt. Vor diesem Hintergrund ist das von dem Vorgehen der Stiftung ausgehende politische Signal für die Zukunft besonders fatal – welchen Umgang mit ihren andersgläubigen Mitmenschen will die evangelische Kirche hier für die Zukunft propagieren? „Machtdemonstration gegen alle Widersprüche“ oder „versöhnliche Rücksichtnahme“?

Liebe Befürworter eines Versöhnungsortes, von dem Gedanken der Versöhnung hat sich das Projekt immer mehr in Richtung historischer Wiederaufbau verschoben, bis zuletzt sogar das Kreuz vom Kirchturm verbannt wurde. Bereits jetzt besteht mit der Nagelkreuzkapelle ein Ort der Versöhnung. Viele architektonische Lösungen sind denkbar, wenn alle Seiten Kompromiss- und Versöhnungsbereitschaft zeigen. Ein historischer Wiederaufbau der Garnisonkirche gegen den Willen einer jüdischen Gemeinde vor Ort ist mit der Idee der Versöhnung nicht zu vereinbaren. Als evangelischer Christ schäme ich mich persönlich für das geschichtsvergessene Vorgehen der evangelischen Kirche in dieser Frage. Daher möchte ich Sie hiermit nochmals nachdrücklich bitten, auf eine bauliche Rekonstruktion der Garnisonkirche bzw. des Turms zu verzichten.

Mit versöhnlichen Grüßen
Gunnar Albers
Mitglied der EKBO

1) http://www.maz-online.de/Themen/G/Garnisonkirche-in-Potsdam/Juden-gegen-die-Kirche-der-Schande
2) https://ohnegarnisonkirche.wordpress.com/tag/schorlemmer/
3) Zitiert bei Wolfgang Gerlach: Als die Zeugen schwiegen. Bekennende Kirche und die Juden. (= Studien zu Kirche und Israel, Bd. 10). Institut Kirche und Judentum, Berlin 1993², ISBN 3-923095-69-4, S. 41f.
4) http://garnisonkirche-potsdam.de/kontakt/gaestebuch/ 30. März 2009 | 13:49 (ca. S. 27, zuletzt abgerufen am 28.08.2017)
5) https://npd-brandenburg.de/schuldkult-nein-danke-ja-zu-einem-wuerdigen-gedenken/
6) http://garnisonkirche-potsdam.de/kontakt/gaestebuch/ 08. April 2014 | 11:57 (ca. S. 10, zuletzt abgerufen am 28.08.2017)
7) http://afd-fraktion-brandenburg.de/afd-fraktion-wiederaufbau-der-potsdamer-garnisonkirche-muss-gesichert-werden/
8) https://predigten.evangelisch.de/predigt/frieden-lernen-wolfgang-hubers-predigt-zur-garnisonkirche

Neues Spendenziel der Stiftung Garnisonkirche widerlegt bisherige Kostenplanung

Wie den Artikeln der Lokalzeitungen MAZ und PNN am 24.6.2017 zu entnehmen war, stellte Ex-Landesbischof Wolfgang Huber am 23.6. den neuen Spendenkatalog für den Wiederaufbau des Garnisonkirchenturms an der Breiten Straße in Potsdam vor. Er bezifferte die mithilfe des neuen Katalogs anvisierten Spendeneinnahmen auf 18,5 Mio. €.

Einnahmen in dieser Größenordnung sind offenbar die Voraussetzung dafür, dass der barocke Turm nun doch in einem Bauabschnitt und ohne Abstriche bei der Fassade entstehen könnte.
Zusammen mit den schon eingenommenen bzw. zugesagten 27 Mio. € sieht die Stiftung Garnisonkirche also Baukosten von voraussichtlich rund 45,5 Mio. € als realistisch an.
Bislang bezifferte die Stiftung die Baukosten ihres Projekts auf 38 Mio. €, jetzt korrigiert sie ihre Planung um 7,5 Mio. € und plant künftig mit Baukosten von 45,5 Mio. €. Sie widerlegt damit die bisherige Bauplanung für den Wiederaufbau des barocken Turms.

Ein unabhängiger Baucontroller prognostizierte der Stiftung schon vor einiger Zeit Turmbaukosten von etwa 51 Mio. € zum Zeitpunkt der Fertigstellung.

Die Veröffentlichung der differierenden Zahlen kommt für die Kirchenbauer möglicherweise zur Unzeit, liegt doch der Fördermittelantrag zur Prüfung im Kulturministerium vor. Eine bereits vor Baubeginn geänderte Planung der Baukosten zeugt nicht gerade von langfristig korrekter und seriöser Planung.

Erste Ausschreibungen für Bauleistungen wurden gestartet. Es wird sich zeigen, ob Firmen zu den von der SGP geplanten Preisen arbeiten. Die Zukunft wird zudem zeigen, ob etwaige Spender*innen vom zweifelhaften Versöhnungskonzept und dem Risiko einer Bauruine bei gleichzeitig mittel- bis langfristigem Abriss des Rechenzentrums abgeschreckt werden.

Können Steine schuldig sein?

Unter der irreführenden Überschrift „Können Steine schuldig sein?“ erschien kürzlich ein Beitrag von Herrn Matthias Schulz im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, Ausgabe 22 vom 27.05.2017, Ressort Wissenschaft/Rubrik Geschichte.
Diesen Beitrag gilt es aus mehreren Gründen kritisch zu hinterfragen. Offensichtlich zielt die Frage der Überschrift auf die Formulierung der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche (FWG) ab, die in ihrem „Ruf aus Potsdam“ demagogisch von der Hinrichtung dieses Gebäudes spricht. Die vom Autor aufgeworfene Schuldfrage und die von der FWG thematisierte Hinrichtung sind allerdings Hirngespinste, es sei denn, man billigt dem einstigen Kriegstempel eigene Persönlichkeitsmerkmale, wie etwa Bewusstsein, zu.

Für das Ressort „Wissenschaft“ diskreditiert sich der Autor auch mit dem Versuch, von den 23.694 Pro-Klicks für das GK-Projekt auf der Internetseite von FWG/SGP, eine Zustimmung durch die Bevölkerung abzuleiten. Diese Anzahl von Zustimmungen resultiert aus Nutzern des weltweiten Internets, die an einer nicht repräsentativen Befragung teilnahmen. Bezogen auf die deutsche Wahlbevölkerung von ca. 61 Mio. (Wahlberechtigte zur Bundestagswahl 2017), relativiert sich die bundesweite Zustimmung für das umstrittene Projekt auf 0,04 %.
Dass das Wiederaufbauprojekt auch in der Evangelischen Kirche umstritten ist, zeigt die Tatsache, dass 2016 auf der Frühjahrssynode der EKBO nur 64,1 % der Synodalen der Vergabe eines Darlehens für das GK-Projekt zustimmten, 35,9 % Synodale votierten dagegen oder enthielten sich. Ein Darlehen aus dem Kirchenkreis Potsdam für dieses Wiederaufbauprojekt wurde nur von 55,6 % der Synodalen befürwortet, 44,4 % lehnten eine finanzielle Unterstützung ab oder enthielten sich.

Nicht erwähnt hat Herr Schulz, dass 2014 durch uns ein Bürgerbegehren in Potsdam erfolgreich durchgeführt wurde. In nur dreieinhalb Monaten erhielten wir von der Bevölkerung über 14.000 Unterschriften, die vom Wahlleiter geprüft und anerkannt wurden und somit ein nachprüfbares Votum gegen das Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche darstellen.
Die Brandenburger Landtagswahl 2014 bot die Chance, die Meinung der Potsdamer Bevölkerung zum umstrittenen Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche mit minimalem Aufwand zu erfragen. Dazu hätte man entweder einen Bürgerentscheid oder eine repräsentative Bürgerbefragung zeitgleich mit der Landtagswahl durchführen müssen. Wir als Bürgerinitiative haben uns dafür leider erfolglos eingesetzt. Die Eliten aus Politik und Kirche glaubten vermutlich selbst nicht recht daran, dass ihr umstrittenes Projekt in Potsdam mehrheitsfähig ist, und blockierten das Vorhaben einer Bürgerbefragung.

Fürchtet euch nicht, ihr Lämmer, ArgosGuard ist da!


Überwachungskamera Garnisonkirche Potsdam

Gott sieht alles. Neuerdings auch mit Argusaugen. Popelt da etwa jemand beim Betrachten der Kirchbrache? Ist das vielleicht Oralsex, gegenüber im zweiten Stock? Und ohne korrekt zugezogene Vorhänge, pfui Teufel! Gott beobachtet euch, Tag und Nacht. Integriertes Infrarotlicht!

Früher kamen vaterlandslose Sozialstaatsfanatiker und sprühten Slogans an die Balustrade. Kitas statt Kirchen. Was für ein Quatsch, in den kirchlichen Kitas Potsdams haben wir doch genug Platz für alle kleinen Bürger. Jetzt hat die Stiftung Garnisonkirche aufgerüstet und nutzt das Neueste vom Neuen. Gott ist schließlich nicht von gestern, Gott ist 24/7 online.

Überwachungskamera Garnisonkirche Potsdam

Doch noch muss der Mast auf dem Boden stehen und antiquierten Stadioncharme versprühen. Besonders wirkungsvoll nachts.
„Aaaachtung, aaachtung, still gestanden, Bursche! Argos sieht Dich! Weg da von Gottes Grundstück!“
– „Oh mein Gott..“, wird der fehlgeleitete Mensch mit der Spraydose denken, „… der Himmel spricht, schnell weg hier!“ – Und am nächsten Tag in die Kircheneintrittsstelle in der Nikolaikirche gehen.

So viel Funktionalität hat ihren Preis. 350 € pro Woche. Kein Problem, das sind ja nur ein paar Steinchen weniger für den Kirchturm. Dafür verschönert der Mast mit Lautsprecher und Kameras nun wirklich das Stadtbild. Die Jüngsten bleiben verzückt stehen und versuchen im Sand der Kirchbrache die Teletubbies zu entdecken, die sonst immer kommen, nachdem ein Lautsprecher herauskam. Ältere denken nostalgisch an Leni Riefenstahl, wünschen sich Rammsteins Depeche Mode Coversong aus den Lautsprecherboxen und sehen schon Diskuswurf oder Bodenturnen auf der Brache.

Überwachungskamera Garnisonkirche Potsdam

„Let me see you stripped“ sangen die Mecklenburger Rocker zur archaischen Stadionästhetik und ziemlich nackt bleibt auch der Kirchgrund. Ein ordentlicher Zaun wäre zu kleidsam für das Aufbauvorhaben. Gott mag keinen Stacheldraht und keine hohen Grenzen, Gott will freie Sicht!

1400 € kostet der gemietete Kameramast im Monat. Mit Zubehör, Fernzugriff und Alarm, sobald die Software einen Menschen im festgelegten Radius erkennt. Dafür hätte man auch einen gut aussehenden Wachmann in ein Häuschen stellen können. Wie bei der Queen. Ein Touristenmagnet wäre das gewesen. Doch für den Niedriglohnsektor ist die Stiftung Garnisonkirche nicht zu haben. Sie probiert lieber Orwellsche Produktneuheiten aus.

Überwachungskamera Garnisonkirche Potsdam

Ein Wiederaufbau, der beweist wie weit Deutschland gekommen ist

Am 8. Mai veröffentlichten die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ die Übersetzung einer Kolumne von Richard Morrison ins Deutsche, die am 28. April in der Londoner Tageszeitung „The Times“ unter der Überschrift „Ein Blick aus London auf die Garnisonkirche“ veröffentlicht wurde. Diese Übersetzung wurde noch am gleichen Tag auf der Internetseite der Potsdamer Aufbaufans veröffentlicht und erhielt von deren Klientel erwartungsgemäß regen Zuspruch. Grund genug für uns, diesen Beitrag einer kritischen Betrachtung zu unterziehen.

Zunächst fällt auf, dass der Autor zur Begründung des umstrittenen Wiederaufbaus einige Argumente anführt, die man schon seit Jahren auf der Internetseite der Potsdamer Aufbaufans lesen kann. Beispielsweise bemüht er ebenfalls Bach, der auf Einladung Friedrichs die Orgel der Garnisonkirche ausprobierte, erwähnt die (Zwangs-) Vereinigung von Lutheranern und Reformierten und informiert darüber, dass Friedrich hier in der Gruft aufgebahrt wurde.
Interessanter erscheinen uns allerdings folgende Informationen des Autors zum umstrittenen Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche:

1. Die geplante Teilrekonstruktion im Umfang von 22 Mio. britischen Pfund, gefördert von Bundesregierung und evangelischer Kirche anlässlich des 500. Jahrestags der Reformation, steht für eines der umstrittensten Welterbeprojekte in diesem Jahr.
2. Mittlerweile sind die Kosten weit über das hinausgegangen, was geplant war.

Realitätsfern kommt Herr Morrison uns aber vor, wenn er sich zur Sprengung und zum Abriss der Überreste der Garnisonkirche äußert. Er bezeichnet diese Entscheidungen als Akt staatlichen Vandalismus und unterstellt der DDR die Absicht „jedes einzelne Monument auszuradieren, das ihr selbst vorausgegangen war“.
Folgt man dieser kruden Unterstellung des Autors, dürfte es in Potsdam eigentlich gar keine Kunst- und Baudenkmäler aus der Zeit vor 1945 mehr geben. Keine Schlösser und Gärten wie den Park von Sanssouci, den Neuen Garten oder den Babelsberger Park. Allerdings besuchen zahlreiche Touristen Potsdam und können sich von der Unversehrtheit ererbter Architektur, sowie vieler Kunst- und Kulturgüter aus vergangenen Jahrhunderten überzeugen. Bei einer Stadtführung könnten sie auch erfahren, dass die Restaurierung der im April 1945 stark zerstörten Nikolaikirche seitens der DDR erheblich gefördert wurde und 1981 abgeschlossen wurde. Die Errichtung dieser Kirche begann 1830 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel, vollendet wurde sie mit der Fertigstellung der Kuppel 1850. Nach der schlichten Logik des Aufbaufans Morrison hätte die DDR die Nikolaikirche ausradieren müssen, aber die Realität ist nun einmal das Kriterium der Wahrheit.

Für realitätsfern halten wir auch die Aussage des Autors, wenn er suggeriert, es wären Kompromisse zum Wiederaufbau ausgehandelt worden. Betrachtet man die ursprünglich geschätzten Baukosten für die Garnisonkirche, 40 Mio. € für den Turm und 60 Mio. € für das Kirchenschiff, und vergleicht sie mit den eingeworbenen Mitteln zu ihrer Finanzierung wird klar: Unter Nutzung von 12 Mio. € Fördermittel der Bundesregierung und 5 Mio. € kirchlicher Darlehen sind gerade einmal die Baukosten für eine stark reduzierte Variante des Turms – ohne Turmhaube, Glockenspiel und barocken Verzierungen – gesichert. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind also noch nicht einmal die gesamten Baukosten für den originalgetreu rekonstruierten Turm gesichert. Die Sicherung der Baukosten für das Kirchenschiff ist daher gegenwärtig nicht einmal im Ansatz gegeben, egal ob als barocke Kopie oder im modernistischen Architekturstil realisiert. Vor diesem Hintergrund suggeriert der Verzicht auf den Aufbau des Kirchenschiffs lediglich fehlende Finanzmittel für dieses Bauvorhaben. Da denkt man bestenfalls an den Spruch „Arm wie eine Kirchenmaus“, aber nicht an Kompromissbereitschaft seitens der Potsdamer Aufbaufans.

Am Ende seines Beitrags versucht Aufbaufan Morrison zu suggerieren, dass der Wiederaufbau der Garnisonkirche ein Zeichen dafür wäre, dass Deutschland bereit sei, sich mit allen Facetten seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, weil seine Bürger mittlerweile zu den tolerantesten Völkern dieses Planeten gehören.
Der Kolumnist der Times verdrängt allerdings die historische Tatsache, dass die Garnisonkirche wie kein anderes Gebäude unserer Stadt den (Un-) Geist von Potsdam symbolisiert. Wir hätten es trotzdem begrüßt, wenn sich die Verantwortlichen der Evangelischen Kirche in Deutschland kritisch mit der Vergangenheit der Garnisonkirche und den dort tätigen Pfarrern beschäftigt hätten. Denn es waren Pfarrer der Garnisonkirche, die mit ihren Kriegspredigten einen wesentlichen Beitrag der Evangelischen Kirche zur „geistlichen Mobilmachung“ leisteten, während zweier Weltkriege.
Vor diesem Hintergrund halten wir auch den Begriff „gotteslästerliche Bude“ für die Garnisonkirche für angemessen und legitim. Dass sich der ehemalige Bischof Wolfgang Huber über diese Wortwahl echauffiert, lässt wenig Konstruktives im Umgang mit der Geschichte der Garnisonkirche und den dort bis 1945 agierenden Kirchenakteuren erwarten.

Link zur Kolumne: http://www.pnn.de/potsdam/1180942/

Unsere Buchempfehlung zum Thema:

FÜR DEUTSCHTUM UND VATERLAND | Die Potsdamer Garnisonkirche im 20. Jahrhundert
Autor Matthias Grünzig
Erschienen 2017 im Metropol Verlag
ISBN: 978-3-86311-296-1

PM: BI FORDERT UNTERSUCHUNGSAUSSCHUSS UND EINSICHT IN FINANZBUCHHALTUNG

PRESSEMITTEILUNG
der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

Potsdam, den 08.06.2016

GARNISONKIRCHENSTIFTUNG BELÜGT ÖFFENTLICHKEIT
– BI FORDERT UNTERSUCHUNGSAUSSCHUSS UND EINSICHT IN FINANZBUCHHALTUNG

Im April 2014 gab Peter Leinemann, Geschäftsführer der Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP), vor dem Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung an, dass die Stiftung 7,5 Mio. Euro an Klein- und Großspenden eingenommen hätte. Hinzu kämen 2 Mio. Euro aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO-Mittel)¹. Diese Angaben stehen im Widerspruch zu den Angaben der SGP und der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche (FWG) gegenüber der Bundesregierung. In der Antwort einer Kleinen Anfrage vom 30.05.2016 heißt es: „Die Stiftung Garnisonkirche Potsdam hat angegeben, dass durch Stiftung und Fördergesellschaft bisher insgesamt 6,6 Mio. Euro vereinnahmt worden sind. Davon stammen 4,01 Mio. Euro aus Spenden und 2,59 Mio. Euro aus öffentlichen Fördermitteln.“²

Peter Leinemann hat somit vor dem Hauptausschuss 2,9 Mio. Euro mehr Spendeneinnahmen angegeben als gegenüber der Bundesregierung. Zudem wird seit Ende 2014 von der SGP immer wieder verlautet, dass die Hälfte der Baukosten, also ca. 20 Mio. Euro, eingesammelt wurden. Obwohl Herr Leinemann erst im April 2014 vor dem Hauptausschuss berichtete, dass noch 26 Mio. Euro – also weit mehr als die Hälfte der Baukosten – fehlen. Die Antwort der Bundesregierung über die weitaus geringere Spendensumme zeigt, dass die Stiftung die Öffentlichkeit bewusst belügt und die Spendensumme um mehrere Mio. Euro hochrechnet. Die Bürgerinitiative geht davon aus, dass Oberbürgermeister Jann Jakobs von dem Gemauschel um die Spendensumme Kenntnis hat. Nur so lässt es sich erklären, dass sowohl SGP als auch Jann Jakobs bisherige Anfragen über Details zu Spendeneinnahmen und Ausgaben rigoros ablehnten oder ignorierten, obwohl die BI eine anonymisierte Form der Angaben mit Rücksicht auf Datenschutz vorschlug.

Um dem Gemauschel um die Spendensummen ein Ende zu bereiten, fordert die BI einen unabhängigen Untersuchungsausschuss und einen Einblick in die Finanzbuchhaltung. Nur so können das Risiko einer Bauruine und die weitere Verwendung von städtischen Geldern verhindert werden.

¹ siehe https://egov.potsdam.de/bi/to020.asp?TOLFDNR=89445

² siehe http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/085/1808591.pdf

Wie weiter gegen die Garnisonkirche?

2014 startete die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche ein Bürgerbegehren für die Auflösung der Garnisonkirchenstiftung. In drei Monaten wurden mehr als 16.000 Unterschriften gesammelt. Durch fragwürdige Tricksereien verhinderten der Oberbürgermeister und seine Rathauskoalition dennoch die Durchführung des gesetzlich vorgesehenen Bürgerentscheides. Bis heute lehnen sie es ab, ein Votum der Potsdamer Bevölkerung zum Aufbau der Garnisonkirche zuzulassen. Stattdessen wurde ein Verfahren gestartet, das zwar Bürgerdialog heißt, aber nach Überzeugung des Aktivenkreises der Bürgerinitiative weder eine Möglichkeit zu wirklicher Mitbestimmung garantiert, noch einen Raum für einen ergebnisoffenen Dialog schafft.
Am Donnerstag, 21. Januar 2016 lädt die BI für ein Potsdam ohne Garnisonkirche alle Sympathisanten und Unterstützerinnen ins Haus 2 des Kulturzentrums Freiland (Friedrich-Engels-Straße/Ecke Schlaatzweg) ein.
Ab 19 Uhr möchten wir über den Sachstand zur Garnisonkirche und unsere Bewertung des Bürgerdialogs informieren.
Außerdem möchten wir Eure Position zu unserem weiteren Vorgehen erfahren.
Bitte kommt zahlreich und gebt den Termin weiter. Wir rechnen mit Euch!

Kritik an Bürgerdialog: Ausstieg aus dem Dialog- und Beteiligungsverfahren im Januar 2016?

Unter der Überschrift „25 Garnisonkirchen-Entscheider gesucht“ wird in den PNN vom 10. Dezember beschrieben, wie das von complan geplante Planspiel zur GK während des Dialogs- und Beteiligungsverfahrens ablaufen soll: Teilnehmen sollen nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Potsdamerinnen und Potsdamer sowie Vertreter*innen der Prozesspartner und Expert*innen aus den Bereichen Bau- und Planungsrecht, Städtebau, Landschaftsplanung und Architektur. Die Ergebnisse des Planspiels sollen in einem Bürgergutachten zusammengefasst werden und als Empfehlungen an die SVV übergeben werden.

In dem Verfahren sollen viele Themen untergebracht werden, um dem Garnisonkirchenprojekt ein demokratisches Mäntelchen umzuhängen. Ein Beteiligungsverfahren, das einen Bürgerentscheid von vornherein ausschließen will, halten wir jedoch für undemokratisch. Ein jahrzehntelanger Streit zum Potsdamer Stadtbild soll nun also dem Zufall in Form von 25 Potsdamer*innen überlassen werden? –
Es ist zu befürchten, dass den Expert*innen und Bürger*innen vorgeben wird, welche Ergebnisse erwartet und finanziert werden – ähnlich wie bei dem Dialogprozess zum Hotel Mercure. Beachtenswert ist auch, dass der Begleitkreis nicht zum zentralen Steuerungs- und Entscheidungsgremium wird, sondern ein beratendes Gremium bleibt, da das Entscheidungsrecht zur Durchführung des Dialog- und Beteiligungsverfahrens bei der SVV liegt.

Im Januar werden wir die Unterstützer*innen unseres erfolgreichen Bürgerbegehrens zu einem Treffen einladen und sie bitten, mit uns per Votum über einen Ausstieg aus dem Dialog zu entscheiden.

Bürgerdialog? Fairness-Regeln unbedingt vonnöten!

Der Bürgerdialog hat begonnen oder auch nicht. Denn leider war die Veranstaltung wie erwartet wenig davon geprägt, einander zu zuhören. Der BI-Vertreter Simon Wohlfahrt wurde von Mitteschön-Anhängern bei dem Vortrag über unseren Vorschlag zu Verfahrensregeln unsanft immer wieder mit Zwischenrufen gestört. Letztendlich brach Oberbürgermeister Jann Jakobs den Vortrag ab, obwohl der Vortragende nach nur wenigen Minuten-Vortrag (der vorher mit der Veranstaltungsorganisation abgesprochen war) nur noch eine zusätzliche Minute brauchte. Die BI machte einen Vorschlag zu Fairness-Regeln, die angesichts der chaotischen Auftaktveranstaltung unbedingt bei der weiteren Planung des Bürgerdialogs beachtet werden sollten. Die Fairness-Regeln basieren auf den Grundsätzen für Bürgerbeteiligung der Stadt Potsdam. Damit es gleichberechtigt ohne Zwischenrufe und ohne parteiischen Moderator wie dem Oberbürgermeister vonstatten geht, hoffen wir, dass der Verfahrensträger unsere Regeln ernst nimmt und wir mit allen Beteiligten darüber diskutieren können.

Interview von Potsdam TV zum Bürgerdialog:
http://0cn.de/pgw9

Unsere Fairness-Regeln:
http://0cn.de/kxng

Grundsätze für Bürgerbeteiligung in der Stadt Potsdam:
https://buergerbeteiligung.potsdam.de/kategorie/die-grundsaetze-der-buergerbeteiligung-potsdam

GARNISONKIRCHE: BURKHART FRANCK VERHERRLICHT DIE WEHRMACHT

PRESSEMITTEILUNG am 09.03.2015

BURKHART FRANCK VERHERRLICHT DIE WEHRMACHT

Die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche (BI) hat sich mit einem Offenen Brief an alle Mitglieder des Kuratoriums der Stiftung Garnisonkirche Potsdam gewandt.

Anlass ist ein Beitrag von BURKHART FRANCK in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Militärmuseum Brandenburg-Preußen“, in dem die nationalsozialistische Wehrmacht verherrlicht wird. Konkret ist u.a. von den „beispiellosen organisatorischen Leistungen der Wehrmacht bei der Vorbereitung, Durchführung und Fortsetzung der Mobilmachung bis zum Äußersten“ die Rede.

Die BI hält die Einschätzung FRANCKs für einen skandalösen Affront, der mit der von der Stiftung angestrebten Friedens- und Versöhnungsarbeit nicht vereinbar ist. Daher fordern wir von den Mitgliedern des Kuratoriums der Stiftung Garnisonkirche Potsdam eine Distanzierung von den Thesen BURKHART FRANCKs sowie eine Beendigung der Zusammenarbeit mit BURKHART FRANCK und der von ihm geleiteten Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche.

Pressemitteilung vom 9.März 2015


Artikel von Burkhart Franck: Mobilmachung in Preussen und Deutschland

PM Bürgerdialog braucht vernünftige Voraussetzungen

PRESSEMITTEILUNG DER BI FÜR EIN POTSDAM OHNE GARNISONKIRCHE

Bürgerdialog braucht vernünftige Voraussetzungen: einen Beirat und eine vorangestellte Bürgerbefragung

Die BI ‚Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche‘ begrüßt grundsätzlich einen ergebnisoffenen Bürgerdialog. Dieser ernsthafte und faire Bürgerdialog muss so gestaltet werden, dass beide Seiten gleichberechtigt und auf Augenhöhe miteinander verhandeln können.

Daher betrachtet es die BI als Voraussetzung, dass – wie in anderen Städten in vergleichbaren Fällen – ein Beirat gegründet wird, der paritätisch durch die Stiftung Garnisonkirche Potsdam und die BI besetzt ist und die Rahmenbedingungen eines Bürgerdialoges klärt. Dieser Beirat soll auch darüber entscheiden, ob überhaupt – wie es der OB wünscht – ein teures, kommerzielles Unternehmen beim Bürgerdialog zu Rate gezogen werden sollte oder ob es noch andere günstigere Varianten gibt.

Die Vorstellung, dass der Oberbürgermeister als Leiter des Bürgerdialogs agiert, ist abwegig, da ein parteiischer Mitspieler nicht gleichzeitig Schiedsrichter sein kann.

Es sei daran erinnert, dass genügend demokratische und bürgerbeteiligende Elemente (Bürgerentscheid / Bürgerhaushalt / parlamentarische Entscheidungen wie der Beschluss „Die Stadt nutzt alle rechtlichen Möglichkeiten zur Auflösung ….“) vorlagen, der OB aber verantwortlich dafür ist, dass diese nicht angewendet wurden bzw. zu Gunsten der historisierenden Potsdamer Mitte umgangen wurden.

Um überhaupt eine sinnvolle und direktdemokratisch legitimierte Arbeitsgrundlage für einen Bürgerdialog zu schaffen, sollte im Vorhinein eine Bürgerbefragung mit einer einfachen Frage nach dem „Ja“ oder „Nein“ zum Wiederaufbau der Garnisonkirche stattfinden. Die BI spricht hier auch im Namen der rund 14.300 Potsdamer Bürger*innen, denen es bisher verwehrt worden ist, über die Garnisonkirche mittels eines Bürgerentscheids zu entscheiden.

Je nachdem, wie die Bürgerbefragung ausfällt, sollten dann die Contra- und Pro-Seiten miteinander den Dialog führen, um entweder einen Kompromiss tendierend zum Wiederaufbau der Garnisonkirche oder eine komplette Neugestaltung des Ortes in Einbeziehung der Garnisonkirchenbefürworter zu diskutieren.
„Nur mit einer vorgeschalteten, klaren Bürgerbefragung lässt sich ein konstruktiver Bürgerdialog führen und der Konflikt befrieden. Ansonsten macht ein Dialog keinen Sinn, sondern ist Geldverschwendung wie das aufwändige Lustgarten-Verfahren.“ stellt BI-Mitglied Sandro Szilleweit klar.

Unter den Voraussetzungen einer Bürgerbefragung und eines paritätisch besetzten Beirates wird sich die BI „Für ein Potsdam Ohne Garnisonkirche“ dem geplanten Bürgerdialog nicht verschließen.

BI FÜR FAIREN BÜRGERDIALOG OHNE TABUS UND MIT MORATORIUM

PRESSEMITTEILUNG
der Bürgerinitiative ‚Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche‘

Potsdam, 19.02.2014

BI FÜR FAIREN BÜRGERDIALOG OHNE TABUS UND MIT MORATORIUM

Die BI Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche befürwortet grundsätzlich
einen Dialog mit den Garnisonkirchenbefürworter*innen. Ein Bürgerdialog darf aber keine Tabus haben. Für die BI macht ein Dialog nur Sinn, wenn er das „Ja“ oder „Nein“ zur umstrittenen Garnisonkirchenkopie bzw. zum Nachbau des Garnisonkirchenturms einschließt. Für Peter Leinemann, Geschäftsführer der Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP), steht der Bau des Turms in einem Bürgerdialog allerdings nicht zur Disposition, wie er im Herbst 2014 in der Presse verlautbarte.
Wird der angestrebte Bürgerdialog tatsächlich die entscheidenden Fragen ausschließen, kann die BI die geplanten Veranstaltungen nicht als seriöses Dialogangebot ernstnehmen.
Weiterhin sollte die SGP ein Moratorium verhängen, um keine weiteren
baulichen Tatsachen zu schaffen und dadurch den Dialog negativ zu
beeinträchtigen.
Für einen fairen Bürgerdialog muss auch immer die Gegenseite bei den
Vorbereitungen miteinbezogen werden. Das haben die SGP und die
Stadtverwaltung bisher nicht getan. Dabei hat die BI nicht nur
inhaltliche Vorschläge, sondern kann auch organisatorisch behilflich
sein, einen Bürgerdialog so zu organisieren, dass er kostengünstiger
wird als bisher veranschlagt.