Kirchenaustritt dank Garnisonkirche Potsdam

Rückblende: Show mit schönem Schein

Im letzten September durfte die Stiftung Garnisonkirche einen ZDF-Fernsehgottesdienst zur Bewerbung ihres Neubauvorhabens ausrichten. Sie zog dabei alle Marketingregister für hübsche Bilder und gebefreudige Besucher*innen. Dennoch ist längst nicht jede*r Christ*in und Architekturinteressierte vom neobarocken Wiederaufbaugedanken überzeugt.

Für Professor Philipp Oswalt war besagter Gottesdienst sogar der letzte, noch fehlende Anstoß, um aus der staatlich unterstützten Struktur „Kirche“ auszutreten. Und es waren nicht nur bautheoretische Differenzen, die den ehemaligen Direktor der Stiftung Bauhaus in Dessau zu einem Schreiben an die Kirchenleitung bewegten, wie Sie hier lesen können.

11.09.16: Protest gegen LIVE-Fernsehwerbeveranstaltung für die Garnisonkirche

Reformation 2.0:

 

Kein öffentliches Geld für die Garnisonkirche!

 

Für die Trennung von Staat und Kirche!

 

Sonntags,  11.09.2016 / 11:00 Uhr  / Garnisonkirchenbrache (Breite Straße)

Achtung Beginn hat sich geändert: Ihr könnt auch schon um 9:00 in die Breite Straße kommen, zur Versammlung der Wähler*innengruppe Die Andere (https://www.facebook.com/DIEaNDEREPotsdam). Hauptsache wir  sind viele! Da kann die Polizei so viel verbieten und drohen wie sie möchte.

Kommt als Bauernmob in Arbeitskluft (kann auch modern sein) passend zu den Revolten während der Reformation!

 

Welchen wichtigen Anlass gibt es am diesjährigen 11. September? Etwa den 15. Jahrestag des Attentats auf das World Trade Center in New York? Nein! Für unsere Garnisonkirchenfreund*innen findet an diesem denkwürdigen Datum etwas viel „Bedeutenderes“ statt: Ein Fernsehgottesdienst in der Nähe der Garnisonkirchenbrache (im IHK-Gebäude gegenüber), live ausgestrahlt im ZDF, in dem das Zuschauerpublikum auf das nach nationaler Bedeutung hechelnde Garnisonkirchenprojekt eingestimmt werden soll.

 

Wie und warum es dazu gekommen ist, an diesem besonderen Jahrestag einen Fernsehgottesdienst mit Bezug auf die ehemalige Garnisonkirche zu veranstalten, wissen eventuell Marlehn Thieme, Mitglied des EKD-Rates, Garnisonkircheunterstützerin und Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates und ihr guter Bekannter Wolfgang Huber, Vorsitzender der Garnisonkirchenstiftung, der im Fernsehgottesdienst seine weisen Worte an das ZDF-Publikum wenden wird – und sicher jeden unpassenden Vergleich zwischen Garnisonkirche und World Trade Center vermeiden wird…

Wir wollen gegen die unangemessene Fernsehwerbeveranstaltung für die Garnisonkirche vor Ort protestieren.

 

Deshalb rufen wir zur erneuten Reformation auf und haben drei „Thesen“:

  • Kein öffentliches Geld für die Garnisonkirche

  • Trennung von Staat und Kirche

  • Gegen die Dekadenz der Kirchenelite

 

Wir rufen euch, als Potsdamer Bauernschaft, auf:
Zeigt der prunksüchtigen Kirchenleitung, wo eure Mistgabeln hängen! Kommt sonntags im Agrararbeitsoutfit – ganz im Sinne der Bauernaufstände zu Zeiten der Reformation. Denn wie jede*r gute Protestant*in weiß, waren die Finanzschwierigkeiten eines großen Kirchenbauprojektes, des Peterdoms, der zentrale Auslöser der damaligen Reformation. Der Petersdom sollte mittels der Verschärfung des Ablasshandels finanziert werden, weshalb für die arme Bevölkerung das Fass der Feudalgesellschaft zum Überlaufen voll war.

Mehr Infos: http://www.ohne-garnisonkirche.de

zdf

AUFBAUPROJEKT GARNISONKIRCHE: MIT UNTERSTÜTZUNG VON RECHTSRADIKALEN?

PRESSEMITTEILUNG
der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

Potsdam, den 02.08.2016

AUFBAUPROJEKT GARNISONKIRCHE: MIT UNTERSTÜTZUNG VON RECHTSRADIKALEN?

Ein großer Teil der Online-Unterstützer*innen für das Garnisonkirchenprojekt sympathisiert mit rechtspopulistischen bis rechtsradikalen Gruppen und Ansichten. Eine Analyse über aktive Facebook-Fans der FB-Seite „Potsdam MIT Garnisonkirche“ ergab, dass nahezu die Hälfte der einsehbaren Profile nationalistische und rassistische FB-Seiten, wie u.a. PEGIDA und der Identitären Bewegung, mit Likes versehen hat. Ebenso fühlen sich viele mit den Parteien Alternative für Deutschland (AfD), Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) und vereinzelt der NPD und deren Politiker*innen verbunden. Auch Anhänger*innen des Potsdamer PEGIDA-Ablegers „Po-Gi-Da“ und der neuen Neonazi-FB-Seite „Asylhütte in Potsdam? Kannste knicken“ befinden sich unter den aktiven Garnisonkirchenfans.

Neurechte und rechtsradikale Publikationen wie u.a. „Junge Freiheit“, „COMPACT, „Die Blaue Narzisse“, „Sezession“, „Preußische Allgemeine Zeitung“ finden bei vielen aktiven Garnisonkirchenfans Zustimmung.

Weiterhin ist auffällig, dass Anhänger von Männerbünden, wie Burschenschaften, oft zu den aktiven Garnisonkirchenunterstützern auf Facebook zählen. Zudem sind Militärfans unter den aktiven Garnisonkirchenfans auf Facebook mehr die Regel als eine Ausnahme. Auch die Begeisterung für Preußen ist fast durchgehend bei den aktiven Fans zu beobachten. Damit verbunden treten des Öfteren Großmachtfantasien bei Garnisonkirchenfans auf, deren Likes sich auf FB-Seiten beziehen, die die ehemals deutschen Ostgebiete zurückfordern oder die Wehrmacht verherrlichen.

Selbst Andree Schmitzius, Spender von 10.000 Euro, offenbart seine mutmaßliche Einstellung in einem Twitteraccount mit seinem Namen und Bezug zu seinem Wohnort Celle. Dieser Account folgt neurechten Publikationen wie „Junge Freiheit“, „FreieWelt“ und vielen Twitteraccounts mit Bezug zu der Partei „Alternative für Deutschland“ und deren Politiker*innen (u.a. Marcus Pretzell, Beatrix von Storch, Frauke Petry).

Dass nationalistisch und rechtspopulistisch eingestellte Personen überrepräsentativ zu den aktiven Unterstützer*innen für die Garnisonkirche in den sozialen Netzwerken zählen, ist mehr als besorgniserregend. Das Garnisonkirchenprojekt wirkt offensichtlich wie das alte Gebäude als Wallfahrtstätte anziehend für antidemokratische, nationalistische, militaristische und letztendlich rechtsradikale Kräfte.

Die Garnisonkirchenstiftung und die evangelische Kirche ignorieren die Gefahr von rechts. Dabei sind die braunen Wurzeln des Wiederaufbauprojektes lebendiger denn je. Die Garnisonkirche als wirkmächtiges Symbol des „guten alten Preußens“ und als identitätsstiftendes Bauwerk für viele Unterstützer*innen ist geradezu ideal für rechtsradikale, menschenfeindliche und rückwärtsgewandte Bewegungen. Dabei verleiht der Schulterschluss mit der evangelischen Kirche dem nationalistischen Gedankengut einen bürgerlichen Anstrich. Die rechten und nationalistischen Abgründe, in denen sich der Großteil der aktiven Garnisonkirchenfans in sozialen Netzwerken bewegen, sollten endlich ein Anstoß sein, das Garnisonkirchenprojekt in Gänze in Frage zu stellen und sich von den bisherigen Unterstützer*innen zu distanzieren. Die Rückzahlung der Spende von Andree Schmitzius wäre ein Anfang.

Zur Analyse:
Die letzten zwei Postings der Facebook-Seite „Potsdam MIT Garnisonkirche“ vom 13. und 23. Juli 2016 wurden von insgesamt 87 Personen mit einem „Like“ versehen. Von den 87 Profilen sind bei 59 die gelikten FB-Seiten öffentlich einsehbar oder anhand ihrer Chronik eindeutig zu verorten. Mindestens 26 der 59 analysierten Profile haben rechtspopulistische, nationalistische oder rechtsradikale FB-Seiten mit einem Like versehen bzw. abonniert. Weitere vier Profile sind „nur“ FB-Mitglieder in Burschenschaftsgruppen oder haben ihre Likes bei monarchistischen FB-Seiten (wie z.B. „Die Monarchisten – Schwarz-Gelbe Allianz“ oder „Pro-Monarchy Activism“) gesetzt.

Es wurden durch Screenshots Belege gesammelt.
Eine genauere Aufschlüsselung folgt in der Tabelle unter https://ohnegarnisonkirche.files.wordpress.com/2016/08/tabelle_aktiveuser_fb-garnisonkirche.pdf

GarnisonkircheundderbrauneSumpf

Mal wieder Finanzchaos bei Garnisonkirchenstiftung

Die PNN berichtet ( http://www.pnn.de/potsdam/1088678/ ) über das Finanzchaos der Garnisonkirchenstiftung und deren Unwille, die Unklarheiten auszuräumen. Dass 9,7 Mio Euro (Angabe im April 2014 vor dem Hauptausschuss) und 6,6 Mio Euro (Angabe im Mai 2016 vor der Bundesregierung) keine Zahlenverdreher sind, sollten Buchhaltern und Geschäftsführern einer Stiftung offensichtlich sein.

Zudem wird seit Sommer 2014 von der Garnisonkirchenstiftung gebetsmühlenartig berichtet, dass die Hälfte und sogar mehr als die Hälfte der Baukosten für den Turm (damals noch 41 Mio. Euro teuer…) zusammen wären. Nun stellt sich heraus, dass sie erst 4 Mio. Euro und mit den öffentlichen Geldern 6,6 Mio. Euro zusammen haben. Wir erwarten nun einen detaillierten Einblick in die Finanzbuchhaltung, am besten von einem Untersuchungsausschuss besetzt mit Stadtverordneten und sachkundigen Einwohner*innen, entsprechend den gewöhnlichen Ausschüssen. Die Auskunft über die Finanzen kann auch in anonymisierter Form wie hier passieren. Das ist die Mindestforderung unsererseits, um Gespräche innerhalb eines Bürgerdialogs wieder aufzunehmen.

 

Bürgerdialog am Ende – Garnisonkirchenstiftung täuscht weiterhin Öffentlichkeit

Garnisonkirchenstiftung will keine Informationen zu den Finanzen herausgeben und beendet damit den Bürgerdialog:
Pressemitteilung
Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in der Stadt Potsdam e.V.
Carsten Linke
20.06.2016
Garnisonkirchenstiftung und Fördergesellschaft verwehren Informationen über Spendenstand – Akteurskreis zum Bürgerdialog Garnisonkirche damit endgültig gescheitert – Keine gemeinsame Veranstaltung zu den Rahmenbedingungen rund um Garnisonkirche – Rechenzentrum – Plantage
Als einzige gemeinsame Aktion des Akteurskreises sollte nach Beendigung des Bürgerdialogs zum Komplex Garnisonkirche – Rechenzentrum – Plantage für den 12.07.2016 eine Informationsveranstaltung zu den rechtlichen, vertraglichen und finanziellen Rahmenbedingungen rund um das Areal sowie die vorhandenen und geplanten Gebäude stattfinden.
Diese Veranstaltung wird nicht stattfinden, da die Stiftung Garnisonkirche und die Fördergesellschaft für den Wideraufbau den mühevoll gefundenen Konsens für die Veranstaltung aufgekündigt haben und nicht bereit sind, über finanzielle Unklarheiten und Angelegenheiten (Spenden und Finanzmittel) der Öffentlichkeit Auskunft zu geben. Herr Dombert, Vorsitzender der Fördergesellschaft, bekräftigte mit dem Satz „Ich gebe kein Wort über den Spendenstand ab“ seine Ablehnung gegenüber der Forderung, Details in anonymisierter Form über die Spendeneinnahmen und bisherigen Ausgaben der Öffentlichkeit bekannt zu geben.
Stiftung und Fördergesellschaft stellen somit nicht nur das Vertrauensverhältnis im Akteurskreis in Frage, sondern ihre Liquidität und Seriosität als „Bauherr“ für ein ca. 50 bis 100 Mio. Euro-Projekt in der Mitte Potsdams. Der Vorwurf, die Öffentlichkeit und potentielle Geldgeber zu täuschen, hat sich bestätigt. In einer Nachricht an den Oberbürgermeister und Kuratoriumsmitglied Jann Jakobs hat Herr Leinemann mitgeteilt, dass die Angaben zur Spendenhöhe gegenüber dem Hauptausschuss im April 2014 fehlerhaft sind. Laut Oberbürgermeister-Büro (Herrn Kümmel) wird der Oberbürgermeister am 29.06. dazu im Hauptausschuss berichten.
Wir danken der Werkstatt für Beteiligung für die intensive Unterstützung und bedauern das Ergebnis der wochenlangen Arbeit.
Unterzeichnende Personen und Gruppen:
Carsten Linke – Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen e.V.
Simon Wohlfahrt – Bürgerinitiative Potsdam ohne Garnisonkirche
Andre Tomczak – Kulturlobby
Steffen Pfrogner – Initiative Potsdamer Mitte neu denken
PM mit Hintergrundpapier als pdf:

Millionengrab Garnisonkirche? Erneute Prüfung der Bundesmittel? Unsere Stellungnahme zum Synodenantrag

Die Diskussion über die Förderung bzw. über das zinslose Darlehen in Höhe von 3,25 Mio. Euro Kirchensteuergelder und im Zuge dessen die neuen Baukostenkalkulationen von 26 Mio. Euro statt der bisherig angesetzten 40 Mio. Euro hinterlassen mehr Fragen als Antworten. Insbesondere die Fragen der Finanzierung und das Herrunterrechnen der Baukosten lassen Expert*innen und Bundesregierung aufhorchen:

Unsere Stellungnahme bzgl. der Finanz- und Inhaltsfragen zum Synodenantrag für das zinslose Darlehen findet ihr >>HIER<<.

PM: GARNISONKIRCHENSTIFTUNG STREUT FALSCHINFORMATION – BI DROHT MIT ANZEIGE WEGEN FÖRDERMITTELBETRUGES

PRESSEMITTEILUNG
der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

Potsdam, den 31.03.2016

GARNISONKIRCHENSTIFTUNG STREUT FALSCHINFORMATION
– BI DROHT MIT ANZEIGE WEGEN FÖRDERMITTELBETRUGES

Die Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP) streut bewusst Falschinformationen, um die Zustimmung der Mitglieder der Landessynode der EKBO für die Vergabe eines zinslosen Darlehens von über 3,25 Mio. Euro zu erwirken. Insbesondere sind die Informationen gemäß der Antragsvorlage¹ äußerst verwirrend und suggerieren, dass eine Vollfinanzierung des Projektes schon bei 26,1 Mio. Euro erreicht sei. Die Bundesregierung hat dagegen erst Ende Januar in einer Kleinen Anfrage nochmals deutlich gemacht, dass sie weiterhin mit den im Jahr 2012 kalkulierten Baukosten von über 40 Mio. Euro rechnet und erst bei Vollfinanzierung dieser Summe, die Fördermittel freigegeben werden². Erst vor Kurzem bestätigte Oberbürgermeister JANN JAKOBS als Kuratoriumsmitglied, dass die
Baukosten bei über 40 Mio. Euro veranschlagt sind³.

Mit den Falschinformationen täuscht die SGP die Synodenmitglieder und verstößt gegen die Fördermittelbedingungen der Bundesregierung. Zudem riskiert sie ohne Vollfinanzierung eine Bauruine in Potsdams Stadtmitte. Sollte die SGP weiterhin versuchen, mit der Manipulation der Baukosten an die Fördermittel zu kommen, wird die BI eine Anzeige wegen Fördermittelbetruges prüfen.

Weiterhin sollte den Landessynodenmitgliedern bewusst sein, dass entgegen der Darstellung in der Antragsvorlage keineswegs eine Zustimmung durch die Kritiker*innen zum Garnisonkirchenturm in Potsdam vorherrscht. Sollte sich die evangelische Kirche gegen ein Votum der Potsdamer Bevölkerung stellen, wird das Wiederaufbauprojekt weiterhin die Potsdamer Bevölkerung spalten statt versöhnen. Der Wiederauf bau der Garnisonkirche als Versöhnungsort bleibt damit ein Desaster.

¹ Antragsvorlage für die Landessynode am 08.04.-09.04.2016:
http://www.ekbo.de/fileadmin/ekbo/mandant/ekbo.de/files_ekbo.de/1._WIR/Synode/2016_Fr%C3%BChjahr/DS13_Antrag_Synode_Garnisonkirche.pdf

² Antwort der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Staatsministerin Monika Grütters vom 31. Januar 2016
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/074/1807473.pdf

³ Kleine Anfrage und Antwort von Jann Jakobs http://egov.potsdam.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=25098

Pressemitteilung hier zum Download

BI weist Jakobs Kritik zurück

Die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche weist die Kritik des Oberbürgermeisters JANN JAKOBS am laufenden Bürgerbegehren gegen den Aufbau der Garnisonkirche zurück. JAKOBS hatte sich in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am vergangenen Mittwoch gegen das laufende Bürgerbegehren ausgesprochen und dabei unrichtige oder irreführende Behauptungen aufgestellt. Diese erläutern und widerlegen wir in der verlinkten Pressemitteilung.

Offener Brief zum Bauantrag

Bürgerinitiative „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“

Offener Brief

An den
Oberbürgermeister der Stadt Potsdam
Herrn Jann Jakobs
Friedrich-Ebert-Str. 79-81
14469 Potsdam

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Jakobs,

vor einigen Tagen hat die Stiftung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche den Bauantrag für die Wiedererrichtung der Garnisonkirche, vorerst deren Turm, gestellt.
Wir möchten Sie eindringlich bitten, Ihren politischen Einfluss in Ihrer Eigenschaft als unser Stadtoberhaupt dahingehend auszuüben, dass dieser Antrag zum Neubau dieses höchst umstrittenen Bauwerks durch die Stadtverwaltung nicht genehmigt wird.
Dafür gibt es gewichtige Gründe. Abgesehen von der historischen Belastung und unseligen Vergangenheit dieser Kirche ist die Finanzierung dieses Bauvorhabens nicht einmal zu 5 % abgesichert. Von bisher gesammelten 5 Millionen Euro ist ein großer Teil bereits ausgegeben. Veranschlagt aber sind Kosten von insgesamt 100 Millionen Euro. Erfahrungen aus anderen Vorhaben besagen, dass dieses nicht die Kostenendsumme sein wird und mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen ist. Nach Genehmigung des Bauantrages soll im Jahre 2013 mit dem Bau des Turmes der Kirche begonnen werden. Die zur Verfügung stehenden Geldmittel sind kaum für die Schaffung der Fundamente des Turmes ausreichend. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass sich genügend Sponsoren finden, die bereit sind, dieses fragwürdige Bauvorhaben zu finanzieren. Außerdem ist davon auszugehen, dass dann auf der Breiten Straße der Bau unterbrochen oder eingestellt wird und auf eine nicht absehbare Zeit eine Bauruine auf ihre weitere Verwendung wartet. Schon mit Baubeginn ist mit einem Verkehrschaos auf der am meisten befahrenen Straße Potsdams zu rechnen. Denn es geht ja nicht nur um die rechte stadtauswärts führende Fahrbahn. Mit Schaffung der Baufreiheit müssten zumindest eine weitere Fahrbahn, wenn nicht sogar zwei Fahrbahnen, für den Verkehr gesperrt werden -und das für mehrere Jahre.
Zu erwarten ist dann die Forderung der Stiftung und Fördergesellschaft an die Stadt und das Land, die weitere Finanzierung des Neubaus zu übernehmen. Dem steht aber der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung gegenüber, keine öffentlichen Mittel für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Außerdem kommt in dem Bürgerhaushalt für 2013 eindeutig das entsprechende Votum der Potsdamer Bürger zum Ausdruck.
Mit der Genehmigung des Bauantrages wären die Stadt und auch das Land Brandenburg erpressbar. Eine Bauruine in der Breiten Straße wäre eine Schande für die Stadt und eine Blamage vor der Weltöffentlichkeit.
Unter diesen Umständen wäre es abenteuerlich, eine Baugenehmigung für dieses Vorhaben zu erteilen. Es wäre mit einem Desaster ähnlich dem am Berliner Flughafen BER zu rechnen. Und dafür trügen Sie als Stadtoberhaupt und auch als Mitglied der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche die Hauptverantwortung. Wir würden in diesem Fall auf dieses Schreiben zurückkommen.
Außerdem müsste geprüft werden, ob das vorliegende Bauprojekt überhaupt den Voraussetzungen entspricht, die seinerzeit Grundlage der Schenkung (versteckte Finanzierung mit öffentlichen Mitteln im Werte von mehr als 2 Millionen Euro) des Baugrundstücks waren. Das betrifft die Gestaltung der Kirchenspitze mit dem Nagelkreuz und die eindeutige Verwendung des Bauwerks als Versöhnungszentrum. Bei Nichteinhaltung dieser Voraussetzungen sollte die Schenkung rückgängig gemacht werden und das Grundstück einer anderen besseren Verwendung zur Verfügung gestellt werden.
Wir möchten Sie bitten, dieses Schreiben über das Büro der Stadtverordnetenversammlung allen Abgeordneten als Kopie zur Verfügung zu stellen.

Potsdam, den 21. November 2012

Kirchlicher Glanz für militärisches Gloria

ZEITGEIST In der ehemaligen Garnisonkirche in Potsdam ließen sich preußische Militärs und Nazis die Kriege segnen. Einflussreiche Politiker, Unternehmer und Kirchenmänner wollen die Kirche wieder neu aufbauen

VON ANSELM WEIDNER
Sonntaz, 13./14. Oktober 2012

Kirchlicher Glanz für militärisches Gloria, taz, 13.10.2012

Kaum eine Kirche in Deutschland ist historisch und ideologisch so aufgeladen wie die ehemalige Garnisonkirche in Potsdam. Das Bild von Hitlers servilem Handschlag mit dem Reichspräsidenten Hindenburg auf den Kirchenstufen bildet dabei den Höhepunkt. Es war eine perfekte Inszenierung der Nazis. Die Kirche gibt es nicht mehr. Jetzt aber soll sie wieder aufgebaut werden.

Unstrittig ist: Die Garnisonkirche war ein Meisterwerk des norddeutschen Barock und mit ihrem fast 90 Meter hohen, grazilen Turm Teil des stadtbildprägenden Potsdamer Dreikirchenblicks. Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. wurden hier zu Grabe gelegt. Festgottesdienste zu Thronjubiläen wurden in der Kirche abgehalten – geschmückt war sie mit geweihten Kriegstrophäen, Fahnen und Feldzeichen aus preußischen Kriegen. Sie war „eine Art Walhalla des preußisch-deutschen Aufstiegs zur europäischen Großmacht“, so der Historiker Martin Sabrow. Hier wurden Truppen in den Ersten Weltkrieg 1914 verabschiedet und gesegnet. Im Potsdamer Volksmund war sie: „die Geisterhöhle“.

Kein Einwand

Für die Nazis war die Kirche perfekte Kulisse. Am 21. März 1933 wurde Hitler dort in einer feierlichen Zeremonie als Reichskanzler inthronisiert. So wurde sie „das Symbol für die Vermählung der konservativen, der deutsch-nationalen Eliten mit der braunen Revolution der Nationalsozialisten – eins der eindrucksvollsten Ereignisse der Geschichte des 20. Jahrhunderts überhaupt“, sagt Sabrow, der Historiker. Der Handschlag ist als Beginn des „Dritten Reichs“ ins kollektive Bildgedächtnis eingegangen – weltweit. Auch in den folgenden Jahren des „Tausendjährigen Reichs“ fungierte die Garnisonkirche als NS-Weihestätte. Etwa zelebrierten hier Reichsbischof Müller und Reichsjugendführer Baldur von Schirach eine Großkundgebung der Hitler-Jugend samt Fahnenweihe.

Nach dem britischen Bomberangriff im April 1945, der große Teile von Potsdam zerstörte, brannte die Kirche aus. Im Juni 1968 wurde die Kirchenruine auf Geheiß des Chefs der DDR-Regierung Walter Ulbricht gesprengt. Anfang der siebziger Jahre wurde auf dem Grundstück ein Rechenzentrum mit dem Mosaikfries „Der Mensch bezwingt den Kosmos“ errichtet. Danach geriet die ehemalige Kirche in Vergessenheit.

Seit der Wiedervereinigung allerdings geistert sie wieder durch die Köpfe. Ginge es nach der kirchlichen Stiftung Garnisonkirche und der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau soll der Kirchturm zum 500. Jahrestag der Reformation, am 31. Oktober 2017 eingeweiht und anschließend das Kirchenschiff – von außen originalgetreu nach barockem Vorbild – nachgebaut werden. Geschätzte Kosten: 100 Millionen Euro.

„Von diesem Ort soll ein Geist des Friedens und der Versöhnung ausgehen. Und das ist ernst gemeint, weil wir uns den Brüchen der Geschichte stellen wollen, die sich mit diesem Ort verbinden“, sagt Wolfgang Huber, der ehemalige Bischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Es könne in seinen Augen nicht sein, „dass man die Kirche stellvertretend in Haftung nimmt für das, was mit dem Handschlag zwischen Hindenburg und Hitler versucht wurde.“ Huber setzt sich für den Wiederaufbau ein und ist Vorsitzender des Stiftungskuratoriums.

Gegen den Wiederaufbau hat sich die Bürgerinitiative „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ gegründet, die das ganz anders sieht: „Wer die Garnisonkirche wieder aufbauen will, deutet Geschichte um. Wer die Garnisonkirche wieder aufbauen will und sich damit Versöhnung auf die Fahne schreibt, erklärt die dunkle Nacht zum Zeichen des lichten Tages und versöhnt sich doch nur mit der reaktionären Geschichte Preußens.“

Friedrich Schorlemmer unterstützte die Wiederaufbaugegner kürzlich mit Sätzen wie: „Das von brauner Asche besudelte Gebäude kann durch den Neubau nicht reingewaschen werden. Ganz abgesehen davon, dass angesichts leerer Kirchen eine weitere überflüssig ist.“

Im Kuratorium der Garnisonkirchenstiftung sitzen einflussreiche Männer aus Kirche, Politik, Wissenschaft, Militär und Wirtschaft: der Militärbischof der evangelischen Kirche, der Chef des Militärgeschichtlichen Forschungsamts Potsdam, Brandenburgs Ministerpräsident, ein Mitglied des Aufsichtsrates der Siemens AG, ein ehemaliger Daimler-Benz-Topmanager. Ehrenkurator ist Richard von Weizsäcker. Ein Fünftel der knapp tausend Fördergesellschaftsmitglieder sind Militärs.

Die Gegner und Gegnerinnen dagegen sind ein heterogenes Häuflein von Antifaschisten aller Couleur, Mitgliedern der bunten Stadtparlamentsfraktion „Die Andere“, FriedensaktivistInnen, ehemaligen NVA-Offizieren und Wiederaufbaugegnern jenseits ideologischer Frontlinien. Ihre Zweifel an dem Projekt sitzen tief.

Keine Antwort

Sie fragen: Warum ist die Militärseelsorge mit 250.000 Euro der größte Stifter? Warum spricht Huber davon, dass in der zukünftigen Garnisonkirche „der bei Auslandseinsätzen gefallenen Bundeswehrsoldaten in besonderer Weise gedacht werden soll“? Warum ist in der neuen Entwurfsplanung das Nagelkreuz von Coventry als Versöhnungszeichen von der alten Wetterfahne mit preußischem Adler und anderen Herrscherinsignien verdrängt? Warum ist das „Internationale Versöhnungszentrum“ aus dem Nutzungskonzept gestrichen und warum liegt zwar der detaillierte architektonische Entwurf vor, aber kein ausgearbeitetes inhaltliche Konzept zur geplanten Versöhnungsarbeit? Und insbesondere: Warum distanziert sich die Stiftung nicht eindeutig von Oberstleutnant a. D. Max Klaar, mit dem die Wiederaufbauinitiative begann?

Klaar, der für das christliche Preußen Begeisterte, hatte mit seinem Fallschirmjägerbataillon 271 in Iserlohn Geld gesammelt, um das Glockenspiel der Garnisonkirche nachbauen zu lassen, und er hat es 1991 der Stadt Potsdam in einer Art Feldgottesdienst überreicht. Zudem hat er innerhalb von zwanzig Jahren über sechs Millionen Euro für die Garnisonkirche gesammelt – aber bitte „nicht für eine, in der Schwule getraut oder Kriegsdienstverweigerer beraten werden“. Er rückt die gesammelten Millionen bis heute nicht raus. Im Jahr 2004 wurde Klaar mit seinem Verband deutscher Soldaten und der Zeitschrift „Soldat im Volk“ vom Bundesverteidigungsminister als rechtsextrem eingestuft, offizieller Kontakt mit seinem Verband wurde untersagt.

Eine weitere Frage haben die Gegner auch an Altbischof Huber: Warum wird dieser Militärtempel der Hohenzollern von ihm zum Widerstandsort des 20. Juli 1944 umdefiniert, nur weil einige Offiziere des „nationalkonservativen militärischen Widerstands in letzter Minute“ dort gebetet hätten? Dies sei „ein liebenswürdiger, aber doch untauglicher Versuch zur geschichtspolitischen Reinigung durch Gegengift“, meinte der Historiker Sabrow.

Auf all diese Fragen haben die Gegner des Wiederaufbaus keine substanziellen Antworten erhalten. Und auch die Evangelische Kirche in Deutschland äußert sich nicht zu ihrem größten und brisantesten Kirchenbauprojekt. Der öffentliche Diskurs wird gescheut.

Unklar ist auch, woher die veranschlagten 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau kommen sollen. „Das ist eine Bürgerkirche, die nur aus Spenden finanziert wird“, war lange die offizielle Sprachregelung der Stiftung und der Fördergesellschaft. Dem widerspricht, was der Stiftungsverwaltungsvorstand im Frühjahr dieses Jahres verlauten ließ: „Die Garnisonkirche soll nach dem sogenannten Dresdener Modell finanziert werden, das beim großen Rekonstruktionsvorbild Frauenkirche zum Zuge kam: ein Drittel kleine Spenden, ein Drittel Mäzene, ein Drittel öffentliche Gelder.“ Also sollen in den Kirchenbau doch Steuergelder fließen.

„Hier wird getrickst, getäuscht und gelogen, dass sich die Balken biegen. So darf man doch in der evangelischen Kirche nicht mit Menschen umgehen“, empörte sich neulich ein engagiertes, aktives Kirchenmitglied, das anonym bleiben will.

Keine Debatte

Die Entwurfsplanung ist fertig; der Bauantrag soll im Herbst gestellt werden. Bagger und Betonsägen haben die alten Fundamente auf dem Garnisonkirchengrundstück an der Breiten Straße freigelegt. Der Wiederaufbau könnte beginnen. Aber die Spenden fließen spärlich. Ganze fünf Millionen Euro konnte die Stiftung bisher verbuchen – davon zwei Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln sowie eine Spende der Siemensstiftung in Höhe von einer Million. Die Stadt Potsdam und das Land Brandenburg haben beschlossen, keine weiteren öffentlichen Gelder für den Wiederaufbau beizusteuern. Der Baubeginn ist also ungewiss. Das aber ist eine Chance für die öffentliche Debatte über diesen für die nationale und europäische Geschichte so prominenten Ort. Sie sollte nicht nur in Potsdam geführt werden.

Versöhnung?

Zur Kolumne von Christian Wendland:

Zum Lobe und zur Ehre Gottes!
von Christian Wendland

„Zum Lobe und zur Ehre Gottes!“, PNN, 1.9.2012

In seiner Kolumne schwelgt Christian Wendland in Erinnerungen an das reale Gemeindeleben von vor 45 Jahren in der Garnisonkirchruine. Überraschend, dass sich der stadtbekannte Architekt und „Mitteschön“-Protagonist dem Thema Garnisonkirche über den christlichen Glauben nähert, anstatt wie sonst mit Leitbautenkonzepten, Stadtgrundrissen, Sichtachsen und okkulter Zahlenmystik aufzuwarten.

Ja, es gab eine vitale Heilig-Kreuz-Gemeinde, und ja, die Sprengung der Restkirche kann man als Akt kultureller Barbarei verstehen, aber Fakt ist auch, die Heilig-Kreuz-Gemeinde wurde entschädigt und bekam ein Ausweichquartier. Die heutige Heilig-Kreuz-Gemeinde möchte die Garnisonkirche nicht wieder zurückhaben und auch nicht in einer neuen Garnisonkirchgemeinde aufgehen. Die Landeskirche versucht, den widerspenstigen Gemeindekirchenrat aufzulösen.

Geht es ums Geld, das die Heilig-Kreuz-Gemeinde als Mitgift in die ungeliebte Ehe einbringen würde? Nichts ist so friedlich und christlich, wie es Christian Wendland darzustellen sucht. Die Freunde des Wiederaufbaues können sich noch nicht einmal auf die Form ihrer neuen Kapelle einigen. Wie soll da der Vorschlag einer neuen Heilig-Kreuz-Kapelle weiterhelfen? Aktuell werden Versöhnungskonzepte, auf deren Grundlage es zur Grundstücksübertragung durch die Stadt kam, sang- und klanglos verworfen.

Wendland fordert eine Friedenswidmung, aber die Militärseelsorge wurde klammheimlich Hauptstifter. Christen wie Wendland sind aufgerufen, ihre Hubers, Dröges, Rumpels, Francks und Kreutzers zurückzupfeifen. Noch ist es nicht zu spät!

Sandro Szilleweit, Bürgerinitiative Potsdam Ohne Garnisonkirche

Die prompte Antwort Christian Wendlands via PNN auf mein Leserbrief:
WENDLANDS Sicht Frieden

Angeregte Diskussion im Sputnik / Frank Baier stellte sein Buch vor

Das Publikum in der Buchhandlung Sputnik war bunt gemischt am Abend des 8. August, als Frank Baier sein Buch „Die Garnisonkirche braucht niemand“ vorstellte. Befürworter_innen eines Garnisonkirchenwiederaufbaus, aber auch Gegner_innen und Unentschlossene, lauschten dem engagierten Vortrag Baiers und tauschten danach Argumente und Meinungen aus.
Die stringente Argumentationslinie und der leidenschaftliche Sprachstil des Büchleins ließen kaum eine_n der Hörer_innen kalt und so erhitzte sich der Tonfall der Diskussion rasch.
Während manche_r Besucher_in ein ausbalanciertes, wissenschaftliches Buch erwartet hatte, das die gesamte Geschichte der Garnisonkirche und der Debatte um ihren Wiederaufbau sachlich beleuchten würde, präsentierte Baier einen mahnenden Essay, der von seinen persönlichen Befürchtungen einer Re-Militarisierung Deutschlands kündete. Dieser Deutung schlossen sich mehrere anwesende Friedensaktivist_innen an.

Von der Gegenseite wurde u.a. postuliert, dass eine originalgetreue Kirchenkopie im besonderen Sinne zu einer langanhaltenden Diskussion über „vergangene Greueltaten“ führen würde. Hingegen würde der Verzicht auf ein besonderes Bauwerk an der Stelle der Garnisonkirche zur „Ausradierung von Geschichte“ führen. Dieser Befürchtung setzte Baier die von ihm favorisierte Idee eines „Friedensdoms“ entgegen. Ein solcher würde seiner Meinung nach den Versöhnungsgedanken besser transportieren als eine Garnisonkirchenkopie.
Andere Wiederaufbaugegner_innen vertreten die Ansicht, es würde generell kein teures, großes Bauwerk zur Friedensmahnung benötigt. Auch gibt es unterschiedliche Ansichten zur Bedeutung von Religion im öffentlichen Raum innerhalb der Bürgerinitiative.

Und obschon die Ansichten des Lesungspublikums an jenem Abend weit auseinanderdrifteten, verband der Wunsch nach Frieden und verantwortlichem Handeln alle Diskutanten. Es bleibt abzuwarten, in welchem Rahmen dieser Wunsch sich im Garnisonkirchenkontext erfüllen wird. (ap)

Evangelische Militärseelsorge ist Hauptstifter der Garnisonkirche

Es ist unglaublich! Schon seit 2 Jahren ist die Evangelische Militärseelsorge Hauptstifter der Garnisonkirche und kein Wort dringt an die Öffentlichkeit. 2 Jahre lang wird eine veralterte Stiftungsurkunde auf der Homepage veröffentlicht. Der Potsdamer Oberbürgermeister als Kuratoriumsmitglied der Stiftung hielt es nicht für nötig, bei dieser wesentlichen Änderung der Stiftungszusammensetzung, die Stadtverordnetenversammlung zu unterrichten. Selbst auf direkte Nachfrage unserer BI bei Militärbischof Dutzmann und Altbischof Huber wurden wir im Unklaren gelassen.  Bereits in unserem Offenen Brief „Reden Sie endlich Tacheles, Herr Prof. Huber“ wurde die Stiftung mit der Tatsache konfrontiert, Reaktion seitens der Stiftung – Null.

Erst nach Recherchen der PNN bahnt sich diese Information an die Öffentlichkeit – die evangelische Militärseelsorge ist mit ca. 40% des Stiftungskapitals der Hauptstifter der Garnisonkirche.

„Großspende für die Garnisonkirche“, PNN, 09.07.2012

BI widerspricht neuem FWG-Chef entschieden

Die „Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ widerspricht entschieden der dreisten Behauptung des Oberst a.D. und neuen Vorsitzenden der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Burkhart Franck, das Wesen Potsdams kulminiere in der Garnisonkirche.

Cartoon von Rainer Ehrt

Das Wesen einer Stadt wird u.a. durch ihre Kultur und ihre Menschen definiert. Es auf ein einziges, umstrittenes Gebäude einzudampfen, ist Zeichen einer anmaßenden Selbstüberschätzung der Akteure des Wiederaufbaus hinsichtlich Potsdamer Lebens-wirklichkeiten. Einen Ort, an dem nicht nur der berüchtigte Handschlag zwischen Hindenburg und Hitler geschah, sondern an dem Adolf Hitler mit Zustimmung der Evangelischen Kirche in einer feierlichen Zeremonie als Kanzler inthronisiert wurde, und der in den Geschichtsbüchern der Welt für den Beginn des ‚Dritten Reiches‘ steht, zum Wesensgrund dieser Stadt zu erklären, zeugt nicht nur von unverantwortlicher Ignoranz, sondern von einem düsteren revisionistischen Geist.

Die „Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ empfindet die Behauptung Burkhart Francks als Beleidigung der Stadt Potsdam und ihrer BewohnerInnen. Die Mehrheit der Potsdamerinnen und Potsdamer lehnt unseres Wissens nach den geplanten Wiederaufbau der Garnisonkirche und die damit verbundene Verschwendung von Geld ab.

Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche