Instrumente der Demokratie bei der Stiftung Garnisonkirche

„Am Abend des 21.11. veranstaltete die Landeszentrale für politische Bildung in der Nagelkreuzkapelle eine Podiumsdiskussion zum Thema „Instrumente der Demokratie“. In diesem Zusammenhang kam es zu Einschüchterungen durch die Polizei, des Weiteren wurden Personalien aufgenommen und Anzeigen angedroht. Vorgeblicher Grund war das fehlende Impressum auf den verteilten Flyern, auf denen die ignorierten Bürgervoten gegen den Aufbau einer neuen Garnisonkirche gelistet waren.

Offenkundig auf Veranlassung und im Beisein der Gastgeberin, der Stiftung Garnisonkirche, wurden einige Personen, die sich als Mundtote verkleidet und geschminkt hatten, innerhalb kurzer Zeit von Polizisten umkreist. Die Turmgegner*innen hatten lediglich schweigend Schilder hochgehalten – etwa 50 Meter entfernt vom Eingang der Nagelkreuzkapelle.

Dass unter solchen Bedingungen eine Veranstaltung zum Thema Demokratie durchgeführt wurde, sieht die BI mit Erschrecken und verweist auf im Vorfeld an die Moderatorin und eine Podiumsteilnehmerin herangetragene Sorgen bezüglich der Integrität und Demokratiefähigkeit der Gastgeberin. Dem Anschein nach ist die Aussage des verteilten Flyers aktueller denn je.“

Polizisten nähern sich den Mundtoten

Protestierende vor dem GK-Gelände

Verwunderung über AStA-Kritik

Die BI „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ nimmt mit Verwunderung zur Kenntnis, welche Reaktionen das Ansinnen, die Garnisonkirche zu verhindern, in diversen Regierungsstellen in Stadt und Land auszulösen scheint.
So hat das MWFK die Unterstützung des Bürgerbegehrens gegen den Wiederaufbau durch die Studierendenschaft moniert und in die Nähe eines Rechtsverstosses gerückt, denn es seien keine studentischen Interessen berührt.

Maximilian Dalichow von der Bürgerinitiative meint dazu, es sei selbstverständlich, dass die demokratische Vertretung der Studierenden nicht tatenlos bleibt, wenn eine Entwicklung in der Stadt angestoßen wird, die nicht nur Schließung und Abriss des letzten Studienstandortes in der Innenstadt zur Folge hat, sondern im Weiteren auch die Studierendenwohnheime in der Breiten Strasse und das Pub a la Pub auszuradieren sucht.
Dalichow glaubt nicht, dass das Ministerium sich mit seiner Argumentation durchsetzen wird. Fraglich sei zudem, inwiefern die Garnisonkirche Wissenschaft, Forschung und Kultur diene, den Bereichen, die dem Ministerium naturgemäß näher liegen sollten als ein Prestigeprojekt pensionierter SPD- und Kirchengranden und einiger Militärs.
Die BI möchte die Gelegenheit nutzen, um erneut vorzuschlagen: Die Kirche möge ihre Friedens-und Versöhnungsarbeit in der Friedenskirche machen, die übrigens ganz dringend einer Reparatur bedarf. Dafür würde schon die Hälfte der für die Garnisonkirche bereitgestellten Bundesmittel für Denkmalschutz ausreichen.
Die BI wünscht den Studierenden für die Auseinandersetzung mit dem MWFK die nötige Ausdauer und gibt sich zuversichtlich, dass dieser Angriff einen Erfolg des Bürgerbegehren nicht verhindern kann.

Aus diesem Grund schickten wir jüngst folgende die Mail an die Presse:

BI „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ fordert Beachtung der Bedürfnisse Studierender

Die BI nimmt die derzeitige Prüfung einer Förderung durch AStA und StuPa seitens des MWFK zum Anlass, erneut auf die Auswirkungen des Wiederaufbaus der Garnisonkirche für Potsdamer Studierende hinzuweisen. Sie sieht die finanzielle Zuwendung aus Studierendengeldern im rechtlich vertretbaren Rahmen, da sie gegen ein Bauprojekt eintritt, welches negative Auswirkungen auf das Leben der Potsdamer Hochschulangehörigen hätte.

Die Veränderung der Potsdamer Innenstadt zugunsten einer historisierten Breiten Straße erschwert die Befriedigung studentischer Bedürfnisse erheblich. Es ist nicht hinnehmbar, dass Orte der Wissenschaft und Forschung aus der Stadtmitte verdrängt werden, um Platz für fragwürdige Rekonstruktionen zu machen. Eine studierendenfreundliche Innenstadt sollte Räume für niedrigschwellige Kulturangebote, preisgünstige Wohnungen und einen flüssigen Nahverkehr bieten.

Dem gegenüber führen die Projekte Stadtschloss und Garnisonkirche zu einer Verengung der Radwege und Straßen. Aus den Kreisen von Mitteschön und überregionaler Rekonstruktionsbefürworter ist seit Jahren der Wunsch nach Entfernung der Studierendenwohnheime und der mehrgeschossigen Wohnbauten aus DDR-Zeit zu hören.
„Wir halten die AStA-Förderung für durchaus gerechtfertigt, da unsere Initiative mit ihrem Bürgerbegehren studentische Interessen vertritt.“, resümiert Simon Wohlfahrt, Student der Uni Potsdam und BI-Mitglied.

Die Hälfte des Weges und nah Zurückliegendes

Ein Moment der Besinnlichkeit: Die Osterfeiertage liegen hinter uns. Wir erhielten bereits die Hälfte der benötigten Unterschriften und sehen traditionellen Festivitäten entgegen, bei denen wir nochmals ordentlich sammeln und uns motivieren können.
Tradition und Moderne: Viel beschworene Begriffe in letzter Zeit. Versöhnung und Nachdenken: Keine Gruppierung ist völlig homogen.
Während wir darüber nachdachten, eine österliche Pressemitteilung herauszugeben, handelten Aufbaufans durch direkten Sprachkontakt.

Unsere Mitteilung sollte der Staatsministerin für Kultur und Medien ein Versöhnungsangebot machen. 6,1 Millionen der für die Garnisonkirche vorgemerkten 12 Millionen Bundes-Denkmalmittel sollten demnach für die Sanierung der Friedenskirche am Park Sanssouci verwendet werden. Wir hätten gebeten, die weiteren 5,9 Millionen zurück in den Bundeshaushalt für die Erhaltung anderer bestehender Denkmäler zu geben. Und dann (rhetorisch) die Weisheit und Weitsicht des Ministeriums bei allen sich bietenden Gelgenheiten gepriesen. Wir wollten sogar öffentlich bekannt geben, dass wir finden, dass „christliche Gotteshäuser zur europäischen Geschichte gehören“ und den „jüngeren und künftigen Generationen als authentische Orte zum Verständnis kunst-, musik- und religionsgeschichtlicher Kausalitäten zur Verfügung stehen“ sollten.

Aber dann konnten wir uns in der Kürze der Zeit nicht einigen, ob eine solche Mitteilung den von uns gewünschten Zweck hätte und sich alle Mitstreiter*innen darin wiederfinden könnten. Solche Probleme jedoch hat die FWG mit ihren Mitgliedern und Sympathisant*innen dem Anschein nach weniger, da ihr Vorstand über durchsetzungskräftige Führungsqualitäten verfügt. Und so trug sich die folgende Szene jüngst zu:

„Nun hören Sie mal zu, junger Mann ! Was Sie hier betreiben, das ist Kulturbarberei ! Potsdam braucht diese Kirche und das lassen wir uns nicht von so Grünschnäbeln wie Ihnen vermiesen.“ Der Standbetreuer versucht den aufgebrachten älteren Herren zu besänftigen, denn er will sich nicht auf Diskussionen einlassen: „Sie können ja Ihre Meinung haben, aber machen Sie doch wenigstens den Platz frei für Leute, die unterschreiben wollen.“ Nun mischt sich der Begleiter des Aufgebrachten ein: „Gar nichts machen wir. Der Herr Franck hat uns gesagt, Sie bräuchten mal ein paar Leviten gelesen. Und das machen wir gerne !“ Die Unterschriftensammler gucken ungläubig. „Genau, einen sehr guten Aufruf hat er gemacht, unser Vorsitzender, so einen Rundbrief mit Argumenten, da können Sie sich schon mal auf Gegenwind einstellen ! Jawoll, wir waren nicht das letzte Mal hier !“