11.09.16: Protest gegen LIVE-Fernsehwerbeveranstaltung für die Garnisonkirche

Reformation 2.0:

 

Kein öffentliches Geld für die Garnisonkirche!

 

Für die Trennung von Staat und Kirche!

 

Sonntags,  11.09.2016 / 11:00 Uhr  / Garnisonkirchenbrache (Breite Straße)

Achtung Beginn hat sich geändert: Ihr könnt auch schon um 9:00 in die Breite Straße kommen, zur Versammlung der Wähler*innengruppe Die Andere (https://www.facebook.com/DIEaNDEREPotsdam). Hauptsache wir  sind viele! Da kann die Polizei so viel verbieten und drohen wie sie möchte.

Kommt als Bauernmob in Arbeitskluft (kann auch modern sein) passend zu den Revolten während der Reformation!

 

Welchen wichtigen Anlass gibt es am diesjährigen 11. September? Etwa den 15. Jahrestag des Attentats auf das World Trade Center in New York? Nein! Für unsere Garnisonkirchenfreund*innen findet an diesem denkwürdigen Datum etwas viel „Bedeutenderes“ statt: Ein Fernsehgottesdienst in der Nähe der Garnisonkirchenbrache (im IHK-Gebäude gegenüber), live ausgestrahlt im ZDF, in dem das Zuschauerpublikum auf das nach nationaler Bedeutung hechelnde Garnisonkirchenprojekt eingestimmt werden soll.

 

Wie und warum es dazu gekommen ist, an diesem besonderen Jahrestag einen Fernsehgottesdienst mit Bezug auf die ehemalige Garnisonkirche zu veranstalten, wissen eventuell Marlehn Thieme, Mitglied des EKD-Rates, Garnisonkircheunterstützerin und Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates und ihr guter Bekannter Wolfgang Huber, Vorsitzender der Garnisonkirchenstiftung, der im Fernsehgottesdienst seine weisen Worte an das ZDF-Publikum wenden wird – und sicher jeden unpassenden Vergleich zwischen Garnisonkirche und World Trade Center vermeiden wird…

Wir wollen gegen die unangemessene Fernsehwerbeveranstaltung für die Garnisonkirche vor Ort protestieren.

 

Deshalb rufen wir zur erneuten Reformation auf und haben drei „Thesen“:

  • Kein öffentliches Geld für die Garnisonkirche

  • Trennung von Staat und Kirche

  • Gegen die Dekadenz der Kirchenelite

 

Wir rufen euch, als Potsdamer Bauernschaft, auf:
Zeigt der prunksüchtigen Kirchenleitung, wo eure Mistgabeln hängen! Kommt sonntags im Agrararbeitsoutfit – ganz im Sinne der Bauernaufstände zu Zeiten der Reformation. Denn wie jede*r gute Protestant*in weiß, waren die Finanzschwierigkeiten eines großen Kirchenbauprojektes, des Peterdoms, der zentrale Auslöser der damaligen Reformation. Der Petersdom sollte mittels der Verschärfung des Ablasshandels finanziert werden, weshalb für die arme Bevölkerung das Fass der Feudalgesellschaft zum Überlaufen voll war.

Mehr Infos: http://www.ohne-garnisonkirche.de

zdf

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Baugenehmigung: Bericht oder Feature im PR-Stil

Die Baugenehmigung für die Kopie der Garnisonkirche ist erteilt wurden, wie diese Woche auf einer Pressekonferenz vor geladenen Journalistinnen verkündet wurde. Die Aufbauprotagonisten stehen damit unter verstärktem Zeitdruck, was das Eintreiben der nötigen Gelder betrifft. Schließlich ist eine Baugenehmigung zeitlich befristet.
Die Lokalpresse berichtete so:
~ PNN ~
~ MAZ ~

Dazu lohnt es sich den Offenen Brief von Sebastian Köhler, Professor für Journalistik und Publizistik, durchzulesen.
(Quelle: blogs.hmkw.de/HierMagKritisiertWerden/ )

Garnisonkirche im Grünen Licht der Sympathie – Journalismus auf PR-Linie

Veröffentlicht am 31. Juli 2013

OFFENER BRIEF

Sehr geehrte Damen und Herren von der Lokalredaktion Potsdam der
Märkischen Allgemeinen Zeitung,

so, wie Frau Röd nicht nur in ihrem Kommentar, sondern leider auch in
ihrem nebenstehenden ausführlichen Beitrag “Grünes Licht für
Garnisonkirche” (MAZ vom 31.7.2013,S.13) keinen Hehl daraus macht,
dass sie diesem Projekt sehr zugeneigt ist, möchte ich keinen Hehl
daraus machen, dass ich (wie offenbar viele Potsdamer, siehe jüngster
Bürgerhaushalt) zu den Kritikern dieses Vorhabens zähle.

An dem “Aufmacher” auf Ihrer Lokal-Seite finde ich als Journalist und
Publizistikwissenschaftler mindestens zwei Aspekte sehr fragwürdig:

Der Anfang des Textes lautet: “Es ist vollbracht. Mehrere Monate hat
das Warten gedauert, aber nun ist sie endlich da – die Baugenehmigung
für den Turm der Garnisonkirche an der Breiten Straße.” Könnte ein
PR-Text von Fördergesellschaft oder Kirchenstiftung noch euphorischer,
noch einseitiger, noch beschönigender beginnen? Leider kaum!

Ebenso wenig professionell wirkt es auf mich, dass im gesamten, langen
Text etliche Personen mit Zitaten vertreten sind und als Befürworter
und Förderer der Garnisonkirche zum Teil sogar mehrfach zu Wort kommen
– aber leider kein einziger der vielen durchaus bekannten
Kritikerinnen und Kritiker des doch zumindest sehr umstrittenenen
Wiederaufbaus.

Drei Stichworte mögen als konstruktive Kritik genügen:

1.) Die gigantischen und weiter wachsenden Finanz-Skandale bei immer
teureren Großprojekten wie Stuttgart 21, Elbphilharmonie und Flughafen
BER sollten nicht mit dem Stolpe-Zitat “Ich habe noch kein Großprojekt
erlebt, wo sich das Geld von Anfang an gestapelt hätte” auf die
leichte Schulter genommen werden dürfen. Hierbei scheint es um
systematisch a-soziale Finanzarchitekturen zu gehen – Motto: Nutzen
privatisieren, Kosten vergesellschaften.

2.) Dass noch immer kaum Spender-Geld vorhanden ist, mit dem doch
erklärtermaßen praktisch ausschließlich gebaut werden soll, lässt den
nächsten Skandal mehr als ahnen: Es werden mit öffentlichen Mitteln
Fakten geschaffen (Straßenverengung zugunsten des Projektes etc.), und
dann wird auch dieses Projekt zur – sicher unter großen öffentlichen
Opfern zu Ende zu bringenden – “selbsterfüllenden Prophezeihung”.

3.) WENN das Geld in Stadt, Land und Bund “übrig’” wäre, ließe sich
womöglich über eine weitere Musealisierung Potsdams diskutieren. Aber
es fehlt in vielen Kitas, Schulen, Sporthallen, Freizeiteinrichtungen,
überhaupt im sozialen Bereich oft am Grundlegendsten gerade in der ja
eigentlich so reichen und prosperierenden Landeshauptstadt. Da sollte
der Lokaljournalismus seinen öffentlichen Aufgaben wie allseitige
(nicht: einseitige) Information, Beitragen zur Meinungsbildung,
Artikulation möglichst aller gesellschaftlich-relevanten Strömungen
und natürlich Kritik und Kontrolle gerade gegenüber den Reichen und
Einfluss-Reichen doch besser nachkommen.

Meine ich und verbleibe mit kollegialen Grüßen: Sebastian Köhler

UPDATE: Presse zum NEIN von Friedrich Schorlemmer

Die PNN berichtet in ihrer heutigen Ausgabe von der Kritik Friedrich Schorlemmers. Der Theologe präzisiert seine Kritik:

„Schorlemmer sagte, die Kirche sei angesichts ihrer Geschichte mit dem „Ungeist von Potsdam verbunden“. An diesem Ort habe es einen Schulterschluss des Militärs, des Bürgertums, der Kirchen und des braunen Mobs gegeben. Dies sei ein Signal gewesen, aus dem sich ein „Zustimmungssog“ für die NS-Herrschaft ergeben habe. Wegen der Symbolik müsse die Frage gestellt werden, ob das nötige Geld „nicht auch für andere Sachen ausgegeben werden kann“. Es sei ihm auch nicht bekannt, dass die Gotteshäuser in Potsdam zu wenige freie Bänke hätten, sodass noch eine neue Kirche benötigt würde, so Schorlemmer. Insofern wünsche er sich allgemein größere Anstrengungen, dass mehr Menschen in die Kirchen kämen, statt einen „teuren Symbolort“ zu schaffen. Schorlemmer sagte auch, es gäbe aus seiner Sicht auch keinen Bedarf für noch einen weiteren Gedenkort für die Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944 – mehrere der dabei beteiligten Offiziere waren Mitglied in der Garnisonkirchengemeinde. Zudem seien viele der Verschwörer erst nach der Niederlage bei Stalingrad zu Gegnern von Hitler geworden. Den Kritikern des Wiederaufbaus der Kirche wünschte Schorlemmer in seinem Schreiben, bei aller Emotionalität die Sachlichkeit zu wahren: „Was nicht heißt, dass man nicht auch entschieden sein ,Nein’ sagen kann.“ (Zitatauszug aus dem PNN Artikel)


Jenseits von Potsdam: Der Deutschlandfunk berichtet am 20.3. über Kritik und BI gegen Garnisonkirche

In ganz Deutschland macht man sich Gedanken über die Schatten, die ein Nachbau der Garnisonkirche mit sich brächte. Längst wird neben Spenden und der Stadtkasse auch mit der Bundeskasse zur Finanzierung des Baues gerechnet. Längst hat man auch in Kiel und Freiburg begriffen, mit welch unnachgiebigem 100% Historismus in Potsdam das Symbol von Machtpolitik und Militarismus wieder errichtet werden soll UND mit welch spitzen Fingern dabei Mahnung und Versöhnung angefasst werden.

„Der Streit um den Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam“, so der Titel des Features, dass der Deutschlandfunk am 20. März 2012 um 19:15 Uhr ausstrahlt, betrifft das ganze Bundesgebiet. Der Autor Anselm Weidner widmete sich als Aussenstehender unserer städtischen Debatte und gibt dabei Befürwortern und Kritikern Raum. (Info) Entlarvend zeigen sich die Äußerungen Herrn Hubers und Herrn Leinemanns zu Finanzierung und Funktion des geplanten Nachbaus.

Wer also gut gemachtes Radio zum Für und Wider der Garnisonkirche hören möchte:

DIENSTAG 20. März 2012

19:15 Uhr

DEUTSCHLANDFUNK

97.7 UKW

Livestream

Die gute Absicht – der falsche Ort.

Nach dem erfolgreichen Start der Protestaktion ERST FRAGEN, DANN BAUEN! fiel vor allem eines auf: Die Gemeinschaft der Eröffnungsbesucher der Ausstellung, sicher durchweg Förderer des Nachbauprojektes, trennte sich bereits beim erstmaligen Kontakt mit den offenen Fragen der Potsdamer Bürger in zwei Grüppchen.

Fragen die spalten. (Bildrechte: HH)

Ablage 4Z

Die einen sahen eine bunte, offene, in jeder Hinsicht heterogene Truppe von Fragestellern, fühlten sich gestört in ihrem feierlichen Vorhaben dem Überkommenen, Vergangenen zu alter Wirkungskraft zu verhelfen und schubladierten die Protestierenden pauschal in das Fach 4Z. Zu viel Zeit zum Zanken hätten wir, nicht zu würdígen wüssten wir ewigen Nörgler die Bemühungen der Fassadenwiederhersteller. Ende der Auseinandersetzung.

Die angenehme Überraschung

Jedoch das zweite Grupetto unter den Neubaubefürwortern sah eine bunte, offene, in jeder Hinsicht heterogene Truppe von Fragestellern und interessierte sich für die Gründe, die wohl gegen das Projekt sprechen sollten. Es blieben Menschen vor unseren Fragen stehen, lasen, dachten und diskutierten. Es schienen Unterstützer zu sein, die ihren Willen zur Wiederauferstehung der Garnisonkirche nicht mit der Schönheit der Höhendominante und der Glorie des Militärschmuckes begründen, sondern mit dem Ruf nach Versöhnung und Gedenken.

Wir fragen uns: Wird Gruppe B von Gruppe A hinters Licht geführt? Wieviel Versöhnung und Gedenken werden in der Garnisonkirche 2017 stecken?

So hoch der Turm der Kirche auch sein wird: Der Versöhnungsgedanke kommt außer Sichtweite.

Hinweis A

2002 sagte der Vorsitzende der Deutsch-Englischen Gemeinschaft Hermann Freiherr von Richthofen zu dem Vorhaben der Evangelischen Kirche, das Nagelkreuz von Coventry an Stelle des Preußenadlers auf der Spitze des Garnisonkirchturms zu montieren: „Dies wäre ein sichtbarer Ausdruck für Versöhnung und Verständigung, würde der europäischen Geschichte Potsdams sinnvoll Rechnung tragen“.  (Quelle) 2011 erklärte Johann-Peter Bauer, Kapitän z.S. a.D. und Ministerialdirigent a.D dieses Versöhnungszeichen für ad acta gelegt. Die Turmspitze werde originalgetreu nachgebaut. „Das Nagelkreuz wird vor der Kirche stehen“. (Quelle)  Preußenadler und Insignien werden über Potsdam glänzen und doch ist es nicht dieser doppeldeutige Akt, der deutlich vom falschen Weg der Garnisonkirche erzählt. Es ist die Tatsache, dass die Versöhnung nicht an erster Stelle des Neubaus steht, dass Hülle vor Inhalt kommt, dass Kunst vor Kultur kommt und Geschichte vor Gegenwart.

Hinweis B

Seit der vergangenen Woche liegt die Detailplanung der Neubauwilligen für die Garnisonkirche vor. Beeindruckend ist jedes Detail erfasst, jeder Meter nun faktensicher errechnet. Jede Türklinke gezählt und kalkuliert. – Doch wo ist die ausformulierte, zugesicherte, kalkulierte Planung für das ehemalige Versöhnungszentrum der Garnisonkirche, welches bereits zu einem Ort der Versöhnung herabgestuft wurde? Wie kann der inhaltliche Kern des Bauprojektes bisher nur aus Idee und Wort bestehen, wo doch bereits Flammenvasen aus 22m Höhe hergestellt werden? – Liegt es daran, dass dem Garnisonkirchenneubau sein Kern abhanden kommt? Die Versöhnung nie der Kern war?

Es ist sicher nicht so, dass die Sorgen der durch Versöhnung motivierten Bauförderer  zu den Hauptaufgaben der Bürgerinitiative gehören. Doch erscheint seit der Konfrontation mit den offenen Fragen Potsdams das Deckmäntelchen der Versöhnung zu dünn, zu zart, zu kurz für 88 Meter barocke Turmhöhe mit Preußenadler.

Rege Aufmerksamkeit bei gelungenem Aktionsstart der BI

„Einen schönen Guten Morgen! Hätten Sie ein paar Antworten für Potsdam? Wir haben Fragen an Sie!“ So und so ähnlich begrüßten heute 30 Vertreter der Bürgerinitiative Ohne Garnisonkirche die Besucher der Ausstellungseröffnung Die Garnisonkirche. Fragmente & Perspektiven. 

Wir haben Erfolg! Gespräche, Nachfragen, Diskussionen, kleine Wortgeplänkel – kurz ein Dialog über das Bauvorhaben. Wie schlicht und erkenntnisarm wäre wohl der Marsch zur Ausstellung ohne uns geraten?

Mehr dazu, mehr zu schlichten Antworten auf komplexe Fragen und weitere Informationen zur nächsten Aktion der BI noch im Januar folgen in Kürze.

Nur eines noch: Vielen Dank an alle Fragenden – meldet Euch für den Newsletter an und verpasst nichts von uns:

                                 Der BI für ein Potsdam ohne Garnisonkirche.

Aktuelle Fragen vor historischer Kulisse (Bildrechte: HH)