Garnisonkirchenstiftung wirbt kostenfrei im ZDF

Das ZDF veröffentlicht seit gestern einen selbst produzierten Werbespot für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche. Der 30-sekündige Beitrag ist nicht als Werbung gekennzeichnet. Das ZDF verpflichtet sich in seinen Leitlinien dazu, dass seine Programme „den publizistischen, ethisch-moralischen und gesellschaftlichen Standards sowie den rechtlichen Vorgaben der Sachlichkeit, Objektivität, Ausgewogenheit, Unabhängigkeit und Fairness “ genügen.

Offensichtlich ist es dem ZDF egal, ob es in Potsdam ein erfolgreiches Bürgerbegehren mit über 16.000 Unterschriften gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche gab. Es ist ihm auch egal, dass der Oberbürgermeister von der Stadtverordnetenversammlung angehalten ist, mit allen rechtlich zulässigen Möglichkeiten auf die Auflösung der Stiftung Garnisonkirche hinzuwirken.

Beschwerden bitte direkt an: http://uploadcenter.zdf.de/beschwerdeonline.php


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Die Republik ist in Gefahr!

Hoecke und GK-Schirmherr


Anlässlich des 09. Novembers, dem wohl bedeutsamsten und widersprüchlichsten Tag in der deutschen Geschichte, möchten wir auf drohende Fehlentwicklungen im Land aufmerksam machen.
Der Bau der Turmkopie der ehemaligen Hof- und Garnisonkirche ist die falsche Antwort auf die drängenden Fragen der Zeit. Die Garnisonkirche war bis zur „Nacht von Potsdam“ im April 1944 über 200 Jahre ein Tempel des preußisch-deutschen Militarismus. Das sind 200 Jahre Missbrauch des christlichen Glaubens zum Zwecke des bedingungslosen Gehorsams gegenüber Krone und Staat. Nach dem 09. Novemer 1918 wurde das Gebäude zum Symbol und Treffpunkt der revanchistischen Militärs, organisierter Nationalisten sowie des Antikommunismus und Antisemitismus. Diese Antithese zum „Geist von Weimar“, dieser „Geist von Potsdam“ gipfelte im „Tag von Potsdam“.
Der Händedruck vom 21.03.1933 wurde zum Symbol für die Machtübergabe an Hitler und zur Geburtsstunde des Dritten Reiches.
Verlierer dieser Entwicklung waren in den Folgemonaten des Jahres 1933 nicht nur die Kommunisten, Juden, Sinti und Roma und die vielen anderen Verfolgten, sondern auch viele Christen in Deutschland und die anderen demokratischen Kräfte. Unter ihnen auch die SPD. Umso erstaunlicher ist es, dass ein sozialdemokratischer Bundespräsident, zwei ehemalige sozialdemokratische Ministerpräsidenten, mehrere SPD-Minister*innen, ein SPD-Oberbürgermeister und zahlreiche Pressesprecher mit SPD-Parteibuch sich nun zu Fürsprechern eines der umstrittensten Bauprojekte der Stadt und der Republik machen.
Selbst wenn es gelingen könnte, in dem zu errichtenden Turm eine wirkliche Stätte der Geschichtsaufarbeitung zu etablieren, woran wir und viele andere Organisationen und Initiativen aufgrund des Mangels eines Konzeptes und den bisherigen Verlautbarungen der SPG erhebliche Zweifel haben, bleibt doch die Hülle als Anziehungspunkt. Ein „schöner“ Wallfahrtsort im Disney-Preußen.
Wer wirklich einen „neuen Geist von Potsdam“ an diesem Ort wollte, würde weder die originale Hülle errichten noch sich auf das Haus als Garnisonkirche beziehen. Abgerissen wurde die Heilig-Kreuz-Kirche. Wer wirklich einen „neuen Geist der Versöhnung und des Friedens“ will, baut Brücken und keine Wehr-(Garnisons-)Türme! Wer neu starten will muss die historische Schuld anerkennen und sich nicht als Opfer zweier Diktaturen stilisieren. Weder hat Hitler diese Kirche missbraucht, noch hat Ulbricht deren Sprengung angeordnet. Beiden Ereignissen gingen proaktive Entscheidungen der evangelischen Kirche voraus.
Die Rhetorik der Baubefürworter überschneidet sich mit der der AfD. Die Relativierung von Schuld und die Versöhnung mit der eigenen Geschichte ermöglichen den Einzug alten Geistes in die neuen Fassaden in Dresden, Berlin und Potsdam! Auch die Sozialdemokratie glaubte in den 30er Jahren daran, den aufkommenden Faschismus in den Griff zu bekommen und ihn mit demokratischen Regeln im Zaum zu halten. Die Geschichte lehrt uns etwas anderes. Wehret den Anfängen!
Im Kampf gegen damals existierenden Hunger und den aufkommenden Faschismus ertönte in den Herbsttagen des Jahres 1931 auf den Straßen Deutschlands: „Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!“ Auch heute sucht die SPD für sich nach neuen Antworten auf die Probleme der Gesellschaft. Und eine aktuelle Frage lautet: Wer macht sich heute zum Steigbügelhalter von wem?
Die Demokratischen Kräfte von heute müssen – auch in Angedenken an den 09.11. mit der Pogromnacht, der Ausrufung der Republik, dem Mauerfall u.v.a. Ereignissen – sich klarer abgrenzen von der stattfindenden Geschichtsrevision, falschem Patriotismus und der Schwelgerei im Gestern.


Siehe auch:
Gastbeitrag von MICHAEL KARG bei der MAZ vom 2./3.11.
und

transkribierte Rede von Höcke im Tagesspiegel

Offener Brief zum Bauantrag

Bürgerinitiative „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“

Offener Brief

An den
Oberbürgermeister der Stadt Potsdam
Herrn Jann Jakobs
Friedrich-Ebert-Str. 79-81
14469 Potsdam

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Jakobs,

vor einigen Tagen hat die Stiftung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche den Bauantrag für die Wiedererrichtung der Garnisonkirche, vorerst deren Turm, gestellt.
Wir möchten Sie eindringlich bitten, Ihren politischen Einfluss in Ihrer Eigenschaft als unser Stadtoberhaupt dahingehend auszuüben, dass dieser Antrag zum Neubau dieses höchst umstrittenen Bauwerks durch die Stadtverwaltung nicht genehmigt wird.
Dafür gibt es gewichtige Gründe. Abgesehen von der historischen Belastung und unseligen Vergangenheit dieser Kirche ist die Finanzierung dieses Bauvorhabens nicht einmal zu 5 % abgesichert. Von bisher gesammelten 5 Millionen Euro ist ein großer Teil bereits ausgegeben. Veranschlagt aber sind Kosten von insgesamt 100 Millionen Euro. Erfahrungen aus anderen Vorhaben besagen, dass dieses nicht die Kostenendsumme sein wird und mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen ist. Nach Genehmigung des Bauantrages soll im Jahre 2013 mit dem Bau des Turmes der Kirche begonnen werden. Die zur Verfügung stehenden Geldmittel sind kaum für die Schaffung der Fundamente des Turmes ausreichend. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass sich genügend Sponsoren finden, die bereit sind, dieses fragwürdige Bauvorhaben zu finanzieren. Außerdem ist davon auszugehen, dass dann auf der Breiten Straße der Bau unterbrochen oder eingestellt wird und auf eine nicht absehbare Zeit eine Bauruine auf ihre weitere Verwendung wartet. Schon mit Baubeginn ist mit einem Verkehrschaos auf der am meisten befahrenen Straße Potsdams zu rechnen. Denn es geht ja nicht nur um die rechte stadtauswärts führende Fahrbahn. Mit Schaffung der Baufreiheit müssten zumindest eine weitere Fahrbahn, wenn nicht sogar zwei Fahrbahnen, für den Verkehr gesperrt werden -und das für mehrere Jahre.
Zu erwarten ist dann die Forderung der Stiftung und Fördergesellschaft an die Stadt und das Land, die weitere Finanzierung des Neubaus zu übernehmen. Dem steht aber der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung gegenüber, keine öffentlichen Mittel für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Außerdem kommt in dem Bürgerhaushalt für 2013 eindeutig das entsprechende Votum der Potsdamer Bürger zum Ausdruck.
Mit der Genehmigung des Bauantrages wären die Stadt und auch das Land Brandenburg erpressbar. Eine Bauruine in der Breiten Straße wäre eine Schande für die Stadt und eine Blamage vor der Weltöffentlichkeit.
Unter diesen Umständen wäre es abenteuerlich, eine Baugenehmigung für dieses Vorhaben zu erteilen. Es wäre mit einem Desaster ähnlich dem am Berliner Flughafen BER zu rechnen. Und dafür trügen Sie als Stadtoberhaupt und auch als Mitglied der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche die Hauptverantwortung. Wir würden in diesem Fall auf dieses Schreiben zurückkommen.
Außerdem müsste geprüft werden, ob das vorliegende Bauprojekt überhaupt den Voraussetzungen entspricht, die seinerzeit Grundlage der Schenkung (versteckte Finanzierung mit öffentlichen Mitteln im Werte von mehr als 2 Millionen Euro) des Baugrundstücks waren. Das betrifft die Gestaltung der Kirchenspitze mit dem Nagelkreuz und die eindeutige Verwendung des Bauwerks als Versöhnungszentrum. Bei Nichteinhaltung dieser Voraussetzungen sollte die Schenkung rückgängig gemacht werden und das Grundstück einer anderen besseren Verwendung zur Verfügung gestellt werden.
Wir möchten Sie bitten, dieses Schreiben über das Büro der Stadtverordnetenversammlung allen Abgeordneten als Kopie zur Verfügung zu stellen.

Potsdam, den 21. November 2012

BI widerspricht neuem FWG-Chef entschieden

Die „Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ widerspricht entschieden der dreisten Behauptung des Oberst a.D. und neuen Vorsitzenden der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Burkhart Franck, das Wesen Potsdams kulminiere in der Garnisonkirche.

Cartoon von Rainer Ehrt

Das Wesen einer Stadt wird u.a. durch ihre Kultur und ihre Menschen definiert. Es auf ein einziges, umstrittenes Gebäude einzudampfen, ist Zeichen einer anmaßenden Selbstüberschätzung der Akteure des Wiederaufbaus hinsichtlich Potsdamer Lebens-wirklichkeiten. Einen Ort, an dem nicht nur der berüchtigte Handschlag zwischen Hindenburg und Hitler geschah, sondern an dem Adolf Hitler mit Zustimmung der Evangelischen Kirche in einer feierlichen Zeremonie als Kanzler inthronisiert wurde, und der in den Geschichtsbüchern der Welt für den Beginn des ‚Dritten Reiches‘ steht, zum Wesensgrund dieser Stadt zu erklären, zeugt nicht nur von unverantwortlicher Ignoranz, sondern von einem düsteren revisionistischen Geist.

Die „Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ empfindet die Behauptung Burkhart Francks als Beleidigung der Stadt Potsdam und ihrer BewohnerInnen. Die Mehrheit der Potsdamerinnen und Potsdamer lehnt unseres Wissens nach den geplanten Wiederaufbau der Garnisonkirche und die damit verbundene Verschwendung von Geld ab.

Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

EINLADUNG – Vortrag von Bischof a.D. Prof. Wolfgang Huber

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber fragt:  Ist die Vorstellung vom „Tyrannenmord” noch aktuell?

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber

Liebe Freunde, Potsdamer, Garnisonkirchenkritiker,

die Bürgerinitiative möchte Euch auf einen, in Thematik und Zeitpunkt sehr interessanten Vortrag aufmerksam machen und zur unbedingten Teilnahme einladen. Herr Bischof a.D. Professor Dr. Huber, in Wort und Tat treibende Kraft für den Nachbau der Garnisonkirche hält folgenden Vortrag:

Widerstand gegen Diktatur und Terror – Ist die Vorstellung vom „Tyrannenmord” noch aktuell?

Donnerstag, 10.05.2012; 20.00 Uhr

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber
Theologe und Mitglied des Deutschen Ethikrats spricht über einen Grenzbereich christlichen Handelns.

Ort: Kapelle an der Garnisonkirche

Das Thema lässt tief in die Absichten der Nachbaubefürworter blicken:

1. Arbeitet man mit allen Mitteln daran eine Widerstandserzählung in die Garnisonkirche zu dichten.

2. Wird es an diesem Ort, durch Militärseelsorge und Soldatengedenken, keine Trennung von Krieg und Religion geben. Die Geschichte der Garnisonkirche soll sich in Form und Funktion distanzlos fortsetzen.

Wir laden Euch ausdrücklich zu dieser nicht von uns organisierten Veranstaltung ein, denn Information und Transparenz in der Sache Garnisonkirche sind unsere Grundanliegen. Lasst uns hören, was Bischof Huber zu sagen hat. Sicher ist im Anschluss eine Debatte vorgesehen.

(Link zur Ankündigung durch „Garnisonkirche Potsdam“.)

Altbischof Huber unter Rechtfertigungsdruck!

Nach Altbischof Hubers Vorstellungen, soll jetzt anscheinend alles wieder aufgebaut werden müssen, was Ulbricht sprengen ließ!? Man beachte auch den neuen Zungenschlag, dass die Kirche nur noch „vorwiegend“, anstatt wie jahrelang behauptet „vollständig“, aus Spendengelder aufgebaut werden soll! Und zum Schluss noch das Mantra der altbekannten Reduktion der Argumente der Wiederaufbaugegener auf den „Tag von Potsdam“, als müssten sich die Wiederaufbaugegener für den „Tag von Potsdam“ rechtfertigen müssen! Dabei spricht auch ohne „braune Asche lasse sich nicht von der Kirche abwaschen“ (Friedrich Schorlemmer), nichts für eine Rekonstruktion dieser preußischen Symbolkirche.

Alles im allem steht Altbischof Huber offensichtlich unter starken Rechtferigungsdruck!