Eröffnung des Lernorts Garnisonkirche Potsdam

Herzlich laden wir ein zur Eröffnung des Lernorts Garnisonkirche Potsdam
am Samstag, den 5. September um 19:00 Uhr

im Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum, Dortustraße 46, 14467 Potsdam

 

Lernort Garnisonkirche Potsdam

Die Martin-Niemöller-Stiftung und die Universität Kassel haben mit mehreren Potsdamer Initiativen (siehe unten) direkt am historischen Standort der Garnisonkirche Potsdam einen Lernort eingerichtet, der kontinuierlich über die Geschichte des Ortes aufklären und über die oft verschwiegenen und verdrängten Dimensionen dieser Kirche sowie des Wiederaufbauprojekts informieren wird.

Der Lernort widmet sich in seiner ersten „Ausgabe“ den rechtsradikalen Einschreibungen in das in den 1980er Jahren initiierte Wiederaufbauprojekt des Garnisonkirchturms. Dem liegt eine einjährige Forschung in einer Reihe von Archiven zu Grunde, die auch die Hintergründe des umstrittenen Iserlohner Glockenspiels erhellt, das im September 2019 nach 28-jährigem Betrieb auf Grund seiner rechtsradikalen Inschriften von der Stadt Potsdam abgestellt wurde.

Die Eröffnung des Lernorts Garnisonkirche und der Start der ersten ‚Ausgabe‘ sind eingebettet in das 5-jährige Jubiläum des Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum und wollen damit zugleich ein Statement abgeben für den Erhalt dieses schon zur Institution gewordenen lebendigen Ortes in seinem passenden Gehäuse.

Es sprechen
Anja Engel, Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum
Gerd Bauz, Vorstand Martin-Niemöller-Stiftung
Prof. Philipp Oswalt, Universität Kassel

Der Lernort Garnisonkirche im Rechenzentrum ist Montag bis Freitag von 8:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. Ein Besuch am Wochenende ist auf Anfrage möglich unter: besuch@lernort-garnisonkirche.de

Der Lernort Garnisonkirche im Rechenzentrum wird begleitet von einem digitalen Lernort im Internet unter der Adresse: www.lernort-garnisonkirche.de
Zum weiteren Programm der Jubiläumsfeier des Kunst- und Kreativhauses Rechenzentrum gehört u.a.:

Dienstag, 1. September
16 Uhr: Eröffnung Ausstellung „A+B+C“ & RZ5!Ausstellung mit (städte-)baulichen Utopien zum Standort Rechenzentrum – Garnisonkirche – Plantage jetzt und in Zukunft.

Freitag, 4. September
16.30 Uhr: Eröffnung Kunstfestival Transformale
mit Ministerin Dr. Manja Schüle, Oberbürgermeister Mike Schubert, Frauke Röth (FÜR e.V.), Anja Engel (Management RZ, Stiftung SPI), Sophia Pietryga (künstlerische Leitung Transformale)
17 – 19 Uhr: Intervention „Wider_Standpunkte“
Pflanzt mit bei dieser Intervention auf der Brache in Erinnerung an Selbstbehauptung und Widerstand der Verfolgten des Nationalsozialismus. Ein Projekt des Instituts für Neue Soziale Plastik.

Samstag, 5. September
15 Uhr Führung über das Areal „Blick von außen“ – Gabi Dolff-Bonekämper (Kunsthistorikerin und Denkmalpflegerin) + Philipp Oswalt (Architekt und Architekturtheoretiker)
16:30 Uhr: Vortrag „Geschichte des Glockenspiels & Max Klaar“
von Philipp Oswalt, Initiator des „Lernort Garnisonkirche“
im Anschluss: Begehung Installation „Glocken Spiel Fragmente“
und anschließendes Künstlergespräch mit Gregor Bartsch
17.30 Uhr: Performance „Glocken Spiel Fragmente“
Joanna Waluszko, Gregor Bartsch, Udo Koloska und Vokalensemble Rechenzentrum V.E.R.Z.

Information hierzu und zu weiteren Programmpunkten unter: https://rz-potsdam.de/cms/event/i/
Information zum Kunstfestival Transformale, welches zum RZ-Jubiläum stattfindet: http://transformale.de/
Martin-Niemöller-Stiftung und Universität Kassel zusammen mit Komitee für preußische Leichtigkeit, Profilgemeinde „Die Nächsten“, Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnison-kirche“, Christen brauchen keine Garnisonkirche, Antimilitaristischer Verein Potsdam, VVN, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bündnis „Potsdam – Stadt für alle“
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Lernort Garnisonkirche
http://lernort-garnisonkirche.de
info@lernort-garnisonkirche.de

Martin-Niemöller-Stiftung e.V.
Steingasse 9
65183 Wiesbaden
niemoellerstiftung@t-online.de
www.martin-niemoeller-stiftung.de
Universität Kassel
Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen
Prof. Philipp Oswalt
Universitätsplatz 9, 34127 Kassel
oswalt@asl.uni-kassel.de
www.uni-kassel.de/go/ath

Neue Plattform „Lernort Garnisonkirche“ online

Pressemitteilung von Philipp Oswalt und der Martin-Niemöller-Stiftung:

Projekt Lernort Garnisonkirche startet mit Internetplatform und wissenschaftlichem Beirat.

Der 2017 begonnene Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam soll nicht zuletzt dazu dienen, hier einen Lernort deutscher Geschichte zu schaffen. Doch bislang wurde dieses Versprechen nicht eingelöst, im Gegenteil: Die Befürworter und Träger des Vorhaben zeichnen bis heute ein geschöntes und teils verfälschtes Bild von der Geschichte des Ortes. Um dem entgegentreten und über die Historie des Ortes aufklären, hat die Martin-Niemöller-Stiftung in Kooperation mit der Universität Kassel das Projekt „Lernort Garnisonkirche“ initiiert.
Als erster Schritt wurde hierzu die Internetplattform http://lernort-garnisonkirche.de/ geschaffen, die heute mit den ersten 37 Beiträgen Online ging. Das Projekt wird von einem zehnköpfigen wissenschaftlichen Beirat begleitet und unterstützt. Als weitere Bausteine des Projektes Lernort Garnisonkirche sind ein analoger Ausstellungs- und Vermittlungsort im Rechenzentrum Kunst und Kreativhaus Potsdam, welches sich unmittelbar neben der Baustelle des Garnisonkirchenturm befindet, sowie die Fortsetzung der Veranstaltungsreihe der Martin-Niemöller-Stiftung geplant.

Ach du li(e)bes Kind: erst der Inhalt, dann die Form!

Der US-Architekt Daniel Libeskind hat Interesse an der Gestaltung eines Areals Garnisonkirche/Rechenzentrum bekundet:

https://www.pnn.de/potsdam/us-star-architekt-in-potsdam-libeskind-will-ideen-fuer-die-garnisonkirche-entwerfen/25946876.html

Hier der passende Kommentar bei „Stadt für Alle“:

Der Oberbürgermeister Schubert macht den gleichen Fehler wie die Stiftung Garnisonkirche: Debatten um Formen und Architektur führen, ohne zu wissen was der Inhalt ist oder sein soll.

Vor wenigen Wochen glänzte die Stiftung Garnisonkirche mit Konzeptlosigkeit, indem sie erneut das altbekannte Raumnutzungskonzept vorstellte. Gleichzeitig gestand sie ein, dass sie keinen Plan hat, wie die inhaltliche Arbeit oder die Ausstellung in den Nebenräumen des Tourismustempels aussehen soll. Es geht der Stiftung und der Fördergesellschaft zuallererst nur um das Stadtbild und das barocke Original der alten Hof- und Militärkirche. Und nun offeriert der OBM im Hauptausschuss der versammelten Mannschaft, dass er schon einen Stararchitekten für das Areal Garnisonkirche/Rechenzentrum an der Angel hat: Daniel Libeskind. Doch was soll der eigentlich bauen? Vor drei Wochen hat die SVV den 4-Stufen-Plan beschlossen, der dies erst klären soll. Und noch bevor überhaupt die erste Stufe begann, kommt der OBM schon mit einem Heilsbringer der Formen. Der dritte Schritt vor dem ersten. Sollte nicht erst der Inhalt geklärt werden?

Genau diesem inhaltlichen Ansatz folgen die Macher*innen des „Lernort Garnisonkirche“. Sie stellen morgen (Fr. 26.06.2020) ihre neue Homepage vor. Der 2017 begonnene Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam sollte ursprünglich dazu dienen, dort einen Lernort deutscher Geschichte zu schaffen. Doch bislang wurde dieser Versprechen nicht eingelöst. Diesem Mangel wollen die Lernort-Macher*innen entgegentreten. Sie wollen die Frage adressieren: „Welcher Inhalte Bedarf es, damit der Ort der ehemaligen Garnisonkirche Potsdam zu einem Lernort deutscher Geschichte wird? Was wissen wir schon über die Geschichte des Ortes und was gilt es noch zu erforschen?“

Die Website http://lernort-garnisonkirche.de/ trägt das für den zukünftigen Lernort nötige Wissen zusammen und generiert es. Begleitet und unterstützt wird das Projekt von einem zehnköpfigen wissenschaftlichen Beirat und der Martin-Niemöller-Stiftung. Mit dem Start des Portals werden die ersten dreißig Beiträge öffentlichen zugänglich gemacht. Die Ausweitung des wissenschaftlichen Angebots soll zunächst quartalsweise erfolgen.

Dieses Portal kann helfen, um den Ort Garnisonkirche/Rechenzentrum zu verstehen: geschichtlich, gesellschaftspolitisch und auch künstlerisch. Darauf aufbauend könnten die Fragen beantwortet werden, die der OBM selbst in den stadtpolitischen Raum gerufen hat: Was wollen wir dort bauen? Was brauchen wir als Stadt an diesem Ort?

Hier liegt die Priorität des Handels. „Fangen Sie mit Stufe 1 an Herr Schubert“, möchten wir ihm zurufen! „Torpedieren Sie nicht den Prozess und die Debatte, die Sie selbst ins Leben gerufen haben mit Plattitüden und Namen.“


Erinnert sei an dieser Stelle an die Offerte von Oscar Niemeyer für einen Badneubau am Brauhausberg. „Zu teuer, zu modern, zu links“ riefen die städtebaulichen Ladenhüter*innen vor knapp 15 Jahren. Es folgte ein mehrjähriges scheindemokratisches Verwirrspiel und rausgekommen ist das „blu“. Ein Bad, welches nicht ansatzweise die ursprünglich Bedürfnisse erfüllt. Baden scheint ohnehin ein Problem im wasserreichen Potsdam zu sein. Nun soll auch noch in der wachsenden Stadt das Strandbad verkleinert werden. Die Bauarbeiten haben begonnen.

Niemeyer-Entwurf für das Freizeitbad am Brauhausberg

Stiftung Garnisonkirche muss sich endgültig vom Kirchenschiff verabschieden

PRESSEMITTEILUNG
der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

Potsdam, 05. Juni 2020

Die Potsdamer Stadtverordneten haben sich endgültig gegen den originalgetreuen Wiederaufbau des Kirchenschiffs der Garnisonkirche ausgesprochen. Ein entsprechender Antrag der CDU-Fraktion wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Im direkten Widerspruch dazu steht nun der Beschluss des Haushaltsausschusses, 750.000€ für eine Machbarkeitsstudie zur Rekonstruktion des Schiffs bereitzustellen. Mit Hilfe dieser Bundesmittel kann die Stiftung Garnisonkirche den durch die SVV angestoßenen demokratischen Prozess unter Berufung auf ihr Eigentumsrecht jederzeit erneut torpedieren und zusammen mit dem Bund gegen die Beschlusslage der Stadt Potsdam handeln. Mit ihrer bisherigen Verweigerung jeglicher Mitsprache der Öffentlichkeit hat sie sich keinen Vertrauensvorschuss verdient. Es ist Zeit für ein klares Signal der Bereitschaft, sich endlich auf eine ergebnisoffene Debatte zur Gestaltung des Areals einzulassen und sich vom Schiff zu verabschieden. Die Stiftung muss jetzt öffentlich erklären, dass sie darauf verzichten wird, die Bundesmittel zu beantragen oder einen Bauantrag zu stellen.


Beschluss der Stadtverordneten vom 03.06.2020 über ein mehrstufiges Verfahren zur Gestaltung des Areals Garnisonkirche-Rechenzentrum:

20-SVV-0295_neueFassungvom11032020

Musikalischer Protest zum 75. Jahrestag der Befreiung

Musikalischer Protest gegen den Neubau der Garnisonkirche in Potsdam zum 75. Jahrestag der Kapitulation des faschistischen Deutschlands

PRESSEMITTEILUNG von Lebenslaute

Mit alten Chorälen mit zum Teil neuen Texten, mit den „Moorsoldaten“, 1933 im KZ Bürgermoor geschrieben und mit einem aserbaidschanischen Friedenslied, mit Geige, Bratsche, Cello und Querflöte werden Musizierende des Musik- und Aktionsnetzwerkes „Lebenslaute“ am 8. Mai 2020, zum 75. Jahrestages der Befreiung Europas von beispiellosem Terror und Faschismus, gegen den Neubau der Potsdamer Garnisonkirche protestieren.

Am 21. März 1933 fand in der Potsdamer Garnisonkirche ein Staatsakt vor der konstituierenden Sitzung des Reichstages statt. Die Kirche, Symbol des preußischen Militarismus, wurde ganz bewusst als Ort gewählt, um das angebliche Zusammenkommen von „alter Größe und junger Kraft“ im Nationalsozialismus darzustellen.

Im 2. Weltkrieg wurde die Kirche zerstört und die Ruine, die vielleicht noch ein symbolisch passendes Mahnmal gewesen wäre, wurde 1968 gesprengt.

Nun, 75 Jahre nach Kriegsende, befindet sich diese militaristische Kirche, die im faschistischen Deutschland eine solch entscheidende Rolle spielte, im Wiederaufbau.

Während offiziell von einem „Versöhnungszentrum“ die Rede ist, ist in der Stiftung die Militärseelsorge der Bundeswehr beteiligt. Das Bauvorhaben schmückt sich mit den Worten „Frieden“ und „Verantwortung“, doch mit diesen Worten werden immer öfter deutsche Kriegseinsätze gerechtfertigt. Es zeichnet sich ab, dass an diesem Ort in neuer Form stattfinden wird, was früher schon hier stattfand: Krieg wird als notwendig erklärt und der Waffeneinsatz zum Mittel der Wahl erhoben.

„75 Jahre nach der Kapitulation des faschistischen Deutschlands dürfen keine Mittel verwendet werden, um eine für die Nazis so bedeutsame Kriegskirche wieder zu errichten.“ Sagt Franziska P., Sopransängerin bei Lebenslaute. „Besonders, da ein erfolgreiches Bürgerbegehren und mehrere Abstimmungen im Rahmen des Potsdamer Bürgerhaushaltes eindeutig gezeigt haben, dass die Stadtbevölkerung den Bau in dieser Form mehrheitlich ablehnt.“

Den Wiederaufbau der Garnisonkirche sieht sie als eines von vielen Zeichen dafür, dass momentan in Deutschland nicht der Frieden, sondern Militarismus und Nationalismus gefördert werden. „In der jetzigen Coronakrise werden die Grenzen abgeriegelt und rassistische Angriffe nehmen zu“. Ole W., Tenorsänger und Violinist bei Lebenslaute, ergänzt „die Krise wird zum Anlass genommen, die Bundeswehr im Innern einzusetzen, beispielsweise zu Verwaltung von Erstaufnahmelagern wie Ellwangen, in denen Corona ausgebrochen ist und die deswegen abgeriegelt wurden.“

Die Musiker*innen von Lebenslaute verkünden, dass wer den Frieden will, sich auch auf den Frieden vorbereiten und ihn leben müsse. Nur wer Krieg wolle, übe den Krieg.

In der Erinnerung an die Häftlinge des Nazi- Konzentrationslagers Buchenwald, die sich im April 1945 unter schwierigsten Bedingungen selber hatten befreien können, wiederholen sie heute ihre Forderungen:

NIE WIEDER FASCHISMUS! NIE WIEDER KRIEG!

Seit 1986 verbindet Lebenslaute klassische Musik mit politischen Aktionen, oft in Verbindung mit zivilem Ungehorsam. Das 2014 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnete, bundesweite Netzwerk von Musiker*innen zwischen 16 und 83 Jahren führt klassische Musik dort auf, wo sie nicht erwartet wird, u.a. auf Militärübungsplätzen, vor Atomfabriken und auf Abschiebeflughäfen. Ihre Konzerte suchen die politische Konfrontation gerade dort, wo unter Berufung auf Gesetze Unrecht geschieht. In Potsdam protestiert am 08. Mai die Untergruppe Berlin-Brandenburg gegen Militarisierung und Krieg. Auch die bundesweite Aktion widmet sich im Jahr 2020 diesem Thema: vom 12. -18. August ruft Lebenslaute zur Beteiligung an musikalischen Protesten gegen den Waffen- und Rüstungsproduzent Rheinmetall auf.

In Potsdam aktiv ist die Bürgerinitiative Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche, die 2014 ein erfolgreiches Bürgerbegehren gegen den Wiederaufbau mit über 14.000 Unterschriften durchführte und bis heute wichtige Aufklärungsarbeit und Widerstand leistet.

Flyer:
Flyer NIE WIEDER FASCHISMUS – NIE WIEDER KRIEG

Ein guter Zeitpunkt für den Baustopp

PRESSEMITTEILUNG
der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

Potsdam, 29. April 2020

Während Stadtpolitik und Stadtgesellschaft mit dem pandemiebedingten Ausnahmezustand beschäftigt sind, wird an der Breiten Straße fleißig weiter gebaut. Anlässlich der Fertigstellung des Turmsockels liefert Peter Leinemann die üblichen unglaubwürdigen Zahlen. Seit über zehn Jahren wird der Turmbau von der Stiftung Garnisonkirche unverändert auf rund 40 Mio. Euro beziffert – realistisch sind eher 55 Millionen.

In den über 15 Jahren seit Gründung des Fördervereins wurden laut Leinemann gerade einmal zehn Millionen Euro Spenden eingesammelt. Unklar bleibt dabei, wieviel von den Einnahmen überhaupt für den Bau selbst zur Verfügung steht und wieviel davon der Stiftungsbetrieb in den letzten zwölf Jahren verschluckt hat und weiterhin verbraucht. Diesen Kostenfaktor scheint Leinemann nicht zu berücksichtigen, wenn er aus der Gesamtsumme der Spendeneinnahmen, staatlichen Zuschüsse und Kirchendarlehen ein Defizit von fünf Millionen Euro schlussfolgert (im November waren es übrigens noch “drei bis vier”).

Angesichts der chronisch geringen Spendenbereitschaft ist es kaum vorstellbar, dass die Finanzierungslücke, egal wie groß sie nun sein mag, mit Spendengeldern gestopft wird. Bis heute verweigert die Stiftung der steuerzahlenden Öffentlichkeit finanzielle Transparenz und Mitspracherecht bei der Gestaltung dieses Ortes. Die Fertigstellung des Turmsockels wäre ein passender Anlass, um ernsthaft die Frage zuzulassen, ob der kostspielige Aufsatz ohne nennenswerte Nutzfläche, dafür mit großem gesellschaftspolitischen Ballast, wirklich sein muss. Nicht nur das: Der globale Stillstand ist ein guter Zeitpunkt zum Innehalten. Baustopp jetzt!

Stiftung Garnisonkirche macht sich erneut unglaubwürdig, Mike Schubert macht mit

PRESSEMITTEILUNG
der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

Potsdam, 16.3.2020

In ihrem Schreiben an die Stadtverordneten und den Oberbürgermeister kurz vor der letzten Hauptausschusssitzung hat die Stiftung Garnisonkirche mal wieder ihr wahres Gesicht gezeigt. Sie ist weder an einem stadtgesellschaftlichen Gestaltungsprozess interessiert noch erkennt sie die Stadt Potsdam als Verhandlungspartnerin auf Augenhöhe oder gar als vollwertiges Mitglied der Stiftung an.

In preußischer Obrigkeitsmanier diktiert sie dem Oberbürgermeister ihre Forderungen ins Heft und beteuert zugleich „Verantwortung für unsere Demokratie zu übernehmen“. Ansonsten beruft sie sich jedoch auf ihre „Hoheitsrechte“ und wirft mit absurden Behauptungen zum Erhalt des Rechenzentrums um sich. Tatsächlich kann sich das Rechenzentrum nach einer Sanierung mit bezahlbaren Mieten selbst tragen und auch sein Erscheinungsbild bewahren. Das Projekt Garnisonkirche hingegen hat der öffentlichen Hand bereits direkte und indirekte Kosten in Höhe von knapp 100 Mio. Euro verursacht, Tendenz steigend.

Leider sprang Mike Schubert sofort über das Stöckchen. Dabei könnte er der Stiftung gegenüber viel selbstbewusster auftreten, hat doch die Stadt einst mit dem Grundstück den größten Vermögenswert in besagte Stiftung eingebracht. Überhaupt wären Wieland Eschenburg und seine Kolleg*innen ohne die großzügige Unterstützung der öffentlichen Hand ihre Jobs längst los, der Turm nur ein verlorener Revanchistentraum. An diese Realität muss die Stadt die Stiftung erinnern, anstatt sich von deren Doppelmoral und selbstgerechter Empörung einschüchtern zu lassen und auf deren Glaubwürdigkeitslevel abzurutschen.

Demokratische Verantwortung? Offene Karten und ein Dialog auf Augenhöhe? Darauf lässt die Stiftung Garnisonkirche die Öffentlichkeit bisher vergeblich warten. Die Stadt muss Haltung zeigen und einfordern, dass solchen Worten auch Taten folgen.

Überfälliger Generationswechsel bei den Grünen

PRESSEMITTEILUNG

der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

Potsdam, 22.02.2020

Überfälliger Generationswechsel bei den Grünen

Wie grüne Stadtentwicklung eigentlich aussehen müsste, hat die Grüne Jugend im Vorfeld der gestrigen Mitgliederversammlung der Kreisverbands intuitiv erkannt. Die Weiternutzung vorhandener Bausubstanz ist nachhaltig, Abrisse und Neubauten hingegen verschwenden Ressourcen. Daraus leitet sich selbstverständlich der Erhalt des Rechenzentrums ab. Dass eine Partei, die auch Wurzeln in der Friedensbewegung hat, keine militaristischen Symbolbauten errichten will, erscheint ebenfalls logisch. Daher lehnt der grüne Nachwuchs den originalgetreuen Wiederaufbau des Schiffs und auch des Turms ab. Der starke Kontrast zu den Vorstellungen der älteren Generation um Saskia Hüneke zur Potsdamer Stadtentwicklung zeigt deutlich, wie weit weg von den Grundgedanken grüner Politik diese sich tatsächlich bewegt.

Die Handschrift von Saskia Hüneke ist in dem Beschluss immer noch erkennbar, der den Turm und seine Inhalte nicht thematisiert und weiterhin ein Türchen offen hält für den Abriss und „Neubau“ des Rechenzentrums. Den Potsdamer Grünen fehlt außerdem weiterhin eine klare Haltung zum Auftrag des Oberbürgermeisters im Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche. Dass der sachdienliche Vorschlag der Fokussierung auf eine „wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung der Geschichte des Ortes“ sowie die Einbeziehung der Kritiker*innen in die Gestaltung der Ausstellung im Turm nicht mehrheitsfähig war, kratzt erneut an der Glaubwürdigkeit der Rekonstruktionsfans, denen eine kritische Auseinandersetzung angeblich ein wichtiges Anliegen ist und sogar als Begründung für den Wiederaufbau dient.

Jetzt gilt es, den gefassten Minimalbeschluss trotz der Verwässerungen umzusetzen. Der Bebauungsplan muss so schnell wie möglich geändert werden, bevor die Stiftung mit Bundesmitteln den Wiederaufbau des Schiffs plant und einen Bauantrag stellt. Wer das Rechenzentrum ernsthaft erhalten und einen Bruch mit der militaristischen Tradition am Ort der Garnisonkirche will, darf nicht auf den guten Willen der Stiftung Garnisonkirche hoffen.

Anhörung zur Garnisonkirche im Hauptausschuss

Die BI für ein Potsdam ohne Garnisonkirche ist als eine von neun Gruppen zur öffentlichen Anhörung im Hauptausschuss am 24. Januar 2020 von 17-20 Uhr in der IHK eingeladen.

Hier die Einladung mit der vollständigen Beschlussvorlage:
19-12-20_Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche_Anhörungssitzung des Hauptausschusses

In der Öffentlichkeit entstand schnell der Eindruck, es ginge nur um einen Alternativvorschlag zum Kirchenschiff. Der Knackpunkt an der Beschlussvorlage ist jedoch die vollständige Aufhebung des Bürgerbegehrens von 2014:

a) Der/die Vertreter/in der Landeshauptstadt Potsdam wirkt an der Schaffung einer Ausstellung, die die Geschichte des Ortes vollumfänglich darstellt, im Turm der Garnisonkirche mit und ernennt Vertreter/innen der Landeshauptstadt Potsdam für die Mitarbeit im Fachbeirat für Ausstellungen und im wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Garnisonkirche. Grundlage dieses Handlungszieles bildet die Wiedererrichtung des Turms der Garnisonkirche aufgrund bereits erteilter Baugenehmigungen.

In der Begründung wird das Bürgerbegehren nicht als aktuell gültiger und bindender Beschluss gehandelt, sondern in die Problematik einer vermeintlich „widersprüchlichen Beschlusslage“ eingebettet, die es aufzulösen gilt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Bürgerbegehren nicht dem politischen Willen der Stadt entspricht und nie entsprach. Deshalb wurde es nie umgesetzt und deshalb wird kein Versuch ausgelassen, es wieder unter den Tisch zu kehren.

Der OB hat offensichtlich keine Lust oder keinen Mut, sich mit der Stiftung anzulegen, wie er es den Potsdamer*innen eigentlich schuldig ist, und versucht nun mit diesem Trick, sich von der Pflicht entbinden zu lassen, die die Stadtgesellschaft ihm aufgetragen hat. Damit spaltet er die Stadt nur weiter!

Wenn es überhaupt einen neuen Beschluss braucht, den höchstens einen, der den Beschluss zur Auflösung der Stiftung im Hinblick auf die Entwicklungen der letzten Jahre erneuert, ergänzt oder konkretisiert.

Es bleibt dabei: Die Potsdamer*innen wollen diesen Turm nicht. Deshalb fordern wir:

BAUSTOPP, MORATORIUM, ÖFFENTLICHE DEBATTE!

Das ist auch die Kernaussage unserer Stellungnahme, die ihr hier lesen könnt:
20-01-17 Stellungnahme Bürgerinitiative ohne Garnisonkirche 19-SVV-1166

Die Stellungnahmen des Antimilitaristischen Vereins und der Profilgemeinde „Die Nächsten“:
Stellungnahme AMFV Kirchenschiff
Stellungnahme-„die-Nächsten“

Pressemitteilung der Potsdamer Jugendbildungsstätte „HochDrei“:
Presseerklärung HochDrei 10.1.20

Die Anhörung könnt ihr hier im Livestream verfolgen:
https://www.potsdam.de/livestream-der-ausserordentlichen-sitzung-des-hauptausschusses-zum-anhoerungsverfahren

Philipp Oswalt: Lernort Garnisonkirche

Philipp Oswalt hat mit seinen Kasseler Architekturstudierenden in Kooperation mit Prof. Steffen Schuhmann von der Kunsthochschule Weißensee ein Konzept „Lernort Garnisonkirche“ entwickelt:

Oswalt_Schuhmann_Lernort_2020-02-21-HandoutPressefinal_DS

Die Kritik an der untragbaren inhaltlichen Arbeit der Stiftung teilen wir, ebenso die Forderung nach dem kompletten Erhalt des Rechenzentrums.

Um solche Vorschläge überhaupt diskutieren zu können, muss jedoch erst eine Grundvoraussetzung geschaffen werden: Baustopp am Turm JETZT!

Garnisonkirchengegner vor Gericht

PRESSEMITTEILUNG
der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

Potsdam, 06.01.2020

Garnisonkirchengegner vor Gericht

Im ersten Halbjahr 2020 werden mehrere Garnisonkirchengegner vor Gericht stehen, die im Nachgang des Baustarts der Garnisonkirchenkopie am 29.10.2017 angezeigt wurden. Der erste Angeklagte steht am nächsten Dienstag, den 7. Januar 2020 um 13 Uhr vor dem Potsdamer Amtsgericht im Justizzentrum in der Jägerallee.
Die Vorwürfe beziehen sich auf den Protest gegen das revisionistische Bauprojekt und reichen von vorgeblichem „Hausfriedensbruch“, „Störung der Religionsausübung“, „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ bis zur „Körperverletzung“.

Die Bürgerinitiative kritisiert die Kriminalisierung des legitimen Protests und fordert

  • die Zurücknahme der Anklage und Anzeigen in allen Punkten
  • die Distanzierung des Potsdamer evangelischen Kirchenkreises vom Missbrauch der eigenen Religion für politische Zwecke am Ort der Garnisonkirche
  • dass die Verantwortlichen für den überzogenen Polizeieinsatz zu Rechenschaft gezogen werden, statt den Protest zu kriminalisieren

Die Garnisonkirchenstiftung ist verantwortlich für die Eskalation des Konflikts:

Die öffentliche Baustartsfeier wurde offensichtlich in Abstimmung mit der Veranstalterin, der Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP), von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. Dutzende Bereitschaftspolizist*innen gingen im Verlauf der Veranstaltung durch die Reihen der Besucher*innen. Erwartbarer Protest sollte offensichtlich mit Polizeigewalt unterbunden werden. So kam es zu gewalttätigen Übergriffen von Polizist*innen auf Veranstaltungsteilnehmer*innen, teilweise auf Geheiß von Wieland Eschenburg, Kommunikationvorstand der SGP. Es liegt nahe, dass die Anzeigen wegen vorgeblicher „Störung der Religionsausübung“ auf Personen der Garnisonkirchenstiftung zurückgehen.

Im Nachgang der Veranstaltung beschwerte sich die SGP über die angebliche Störung eines Gottesdienstes, gleichzeitig schwadronierte die SGP von einer „Versöhnungsgeste des offenen Dialogs“, die sie gezeigt und die Gegner*innen nicht angenommen hätten.  Diese Interpretation ihrer eigenen Veranstaltung ist haarsträubend. Die durchgeführte Veranstaltung bat keinerlei Raum für einen offenen Dialog. Ebenso sind mit Polizeigewalt durchgesetzte Versöhnungsgesten nicht sonderlich glaubwürdig.

Vor diesem Hintergrund ist offensichtlich, dass die Anzeigen wegen vorgeblicher „Störung der Religionsausübung“ auf Personen der Garnisonkirchenstiftung zurückgehen.

Anlass für die Veranstaltung war nicht die Ausrichtung eines Gottesdienstes. Es ging schließlich einzig allein um die Baustartsfeier für den Garnisonkirchenturm, ein hoch umstrittenes städtebauliches Projekt. Es ist nicht das erste Mal, dass die Garnisonkirchenstiftung die Form von Gottesdiensten als politische Werbeveranstaltungen missbraucht und dies als Mittel nutzt, um sich immun gegen die politische Auseinandersetzung zu machen.

Den legitimen Protest nun als „Störung der Religionsausübung“ auszulegen und diesen mit Polizeigewalt zu unterbinden, ist ein Ausdruck der moralischen Verwahrlosung der Garnisonkirchenstiftung, die mittlerweile weder demokratische Werte noch ihre eigenen christlichen Werte verschont.

So bescheinigt die Martin-Niemöller-Stiftung der SGP in Bezug auf den sogenannten Baustartsgottesdienst den „Missbrauch von Religion für politische Zwecke an diesem Ort“.

Wer demokratische Voten¹ und den jahrzehntelangen Widerstand gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche ignoriert, sollte sich über lautstarken Protest nicht beschweren – weder bei der zentralen Baustartsfeier noch bei zukünftigen Veranstaltungen im Rahmen des Wiederaufbaus.

 

¹Seit 2013 belegt die Forderung „Kein städtisches Geld für die Garnisonkirche“ im Rahmen des Bürgerhaushalts unangefochten den 1. Platz. 2012 beteiligten sich 8.000 Potsdamer*innen am Bürgerhaushalt, 2019 waren es schon 17.500. Das Bürgerbegehren zur Auflösung der Garnisonkirchenstiftung wurde in damaliger Rekordzeit von 3,5 Monaten von 16.000 Personen unterzeichnet.

Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ fordert finanzielle Transparenz, Baustopp und Auflösung der Stiftung Garnisonkirche

PRESSEMITTEILUNG
der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche
Potsdam, 15.11.2019

Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ fordert finanzielle Transparenz, Baustopp und Auflösung der Stiftung Garnisonkirche

Jahrelang beteuerte die Stiftung Garnisonkirche, die Spenden würden fließen, sobald der Turm in die Höche wachse. Nun wächst der Turm in die Höhe und es wird immer klarer, dass der belastete Symbolbau kein attraktives Spendenobjekt für die breite Masse ist. Zum Vergleich: Die Dresdner Frauenkirche, in deren Fußstapfen die Potsdamer Wiederaufbauer*innen so gerne treten würden, wurde mit rund 103 Mio. Euro zu 56% aus privaten Spenden finanziert und innerhalb von 14 Jahren nach dem „Ruf aus Dresden“ sogar frühzeitig fertiggestellt. Die Garnisonkirche ist davon nach 15 Jahren „Ruf aus Potsdam“ Lichtjahre entfernt.

Nun übernimmt der Bund und damit WIR Steuerzahlenden mit insgesamt 20,25 Mio. Euro den Großteil der Gesamtkosten. Wenn die öffentliche Hand schon den Bau bezahlt, dann sollte sie auch in Eigenregie handeln, die Stiftung Garnisonkirche auflösen und daraus ein staatliches Gedenkprojekt machen, mit wissenschaftlicher Konzeption und finanzieller Transparenz.

Stattdessen belohnen SPD und CDU das unglaubwürdige und intransparente Verhalten der Stiftung. Die Garnisonkirche wird von der SGP nicht nur schöngeredet, sondern auch schöngerechnet – sofern überhaupt Zahlen veröffentlicht werden. Der Bund fördert den ersten Bauabschnitt, eine sogenannte „Grundvariante“ ohne Schmuckelemente und Turmspitze. Die aktuellen Baukosten dafür sind der Öffentlichkeit jedoch nicht bekannt. Die Stiftung spricht in der Öffentlichkeit permanent davon, dass die Baukosten nicht steigen und beantragt überall Zusatzmittel für gestiegene Kosten. Anscheinend verschlingt die Stiftung selber soviel Geld, dass das Projekt sich stetig verteuert. Noch ein Grund mehr, klar Schiff zu machen und einen Baustopp zu erwirken.


Hintergrund:

Am 14.11. beschloss der Haushaltsausschuss im Bundestag weitere 8,25 Mio. Euro für die Garnisonkirche zusätzlich zu den 2017 bewilligten 12 Mio. Euro:
https://www.pnn.de/potsdam/bundestag-unterstuetzt-wiederaufbau-unerwartet-mehr-geld-fuer-den-turm-der-garnisonkirche/25229796.html

Schubert zäumt das Pferd von hinten auf

PRESSEMITTEILUNG
des Vereins zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in der Stadt Potsdam e.V.
Potsdam, den 30.10.2019

Der Oberbürgermeister manövriert sich in eine politische Sackgasse. Das Dilemma wird mit seinem aktuellen Brief an die Fraktionen deutlich.

Der Oberbürgermeister möchte einen Konsens finden in einem Streit, den es aktuell gar nicht gibt. Es gibt keinen Handlungsdruck für die Fläche des Kirchenschiffes. Es gibt weder die finanziellen Mittel seitens der Stiftung, noch gibt es eine Idee zur Nutzung dieses Gebäudes. Die Betriebskosten will ohnehin niemand tragen. Wenn es Handlungsdruck gäbe, könnte dieser mittels Baurecht aus der Welt geschafft werden.

Unabhängig davon führt Schubert aber auch den Diskurs zu einer Alternative zum Kirchenschiff vom Ende her. Erst hat er eine Beschlussfassung in die SVV gebracht und zeitgleich bittet er die Fraktionen diese gleich wieder aus der Diskussion zu nehmen. Er möchte neuerdings im Dezember im Hauptausschuss einen Verfahrensvorschlag unterbreiten. Dabei soll der Rahmen für eine öffentliche Sondersitzung des Hauptausschusses im Januar 2020 gesteckt werden. Bei der „Anhörung“ sollen die verschiedenen Akteure der Stadtgesellschaft zu einem breiten Meinungsbild beitragen.

Wieso macht der Oberbürgermeister nicht zuerst diese Anhörung und bringt dann das Ergebnis dieser Meinungsbildung als Beschlussvorlage in die SVV? Das würde Ergebnisoffenheit bedeuten und nicht schon wieder nach Scheinbeteiligung aussehen. Und solange Schuberts Begegnungsstätte Gegenstand der Beschlussvorlage bleibt, kann nicht wirklich über Alternativen diskutiert werden. Außerdem würde jede deutliche Änderung oder Ablehnung der Vorlage ein Gesichtsverlust für den OB bedeuten. Schon deshalb wird er die Rathauskooperation auf seinen Vorschlag einschwören und die Anhörung zum Placebo werden lassen.

Schubert löst keinen Konflikt, er wird zu einem.

gezeichnet: Carsten Linke
für den Vereinsvorstand

 

 

„Bürger*innen gemeinsam für eine soziale und kreative Stadt!“

Aufruf und Pressemitteilung
des Netzwerks „Stadt für Alle“

Letzte Woche hatte in Potsdam der Film „Schrott oder Chance“ Premiere, der die Kämpfe und Debatten um die Fachhochschule zeigt. Eindrucksvoll und eindringlich macht er klar, was passiert, wenn Stadtpolitik nicht bereit ist, die Interessen, das Engagement und die Bedürfnisse ihrer Bürger*innen einzubeziehen. Das Ergebnis ist eine gespaltene Stadt.

Inzwischen ist die Fachhochschule abgerissen. Die Wut, die Probleme, die gespaltene Stadt sind geblieben.

Und weiter stellen sich an vielen Stellen die Fragen: Wem gehört eigentlich Potsdam? Wer bestimmt über Stadtentwicklung? Wessen Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt?
Die von Investor*innen, der Stadtverwaltung, von kommunalen Gesellschaften?
Oder holen sich die Stadtverordneten endlich die Hoheit über Stadtentwicklung zurück?
Wann endlich wird Beteiligung mehr als formale Bauplanung und Infoveranstaltungen – wenn längst alles entschieden ist?

Wann wird wertschätzend und fair mit den Mitarbeiter*innen in den städtischen Unternehmen umgegangen?

Bei der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch, den 6. November 2019 stehen gleich mehrere Themen zur Beratung und Abstimmung, die auf exemplarische Weise Antworten auf diese Fragen verlangen.
Deshalb rufen für diesen Tag ganz unterschiedliche Initiativen der Stadtgesellschaft dazu auf, vor der Stadtverordnetenversammlung zu demonstrieren. Unter dem Dach des Netzwerkes „Stadt für alle“ treten wir dafür ein, Stadtentwicklung an den Bedürfnissen der Bürger*innen auszurichten. Wir fordern, endlich Schluss damit zu machen, Investor*innen den sprichwörtlichen „Roten Teppich“ auszurollen, endlich rechtssichere „Soziale Erhaltungssatzungen“ zu erlassen, endlich den Kultur – und Kreativschaffenden im Rechenzentrum eine Perspektive zu bieten und kommunalen Gesellschaften klare Vorgaben für faire Bezahlung und Mieten zu machen.

Konkret heißt dies:

– Milieuschutz vor Investoreninteressen
– Rechenzentrum erhalten, ein Moratorium für die Garnisonkirche
– Roter Teppich für Mieter*innen statt für internationale Investoren
– Reale Mitbestimmung statt Infoveranstaltungen
– Soziale Erhaltungssatzungen jetzt
– Bezahlbare Mieten für Bürger*innen und Kultur – und Kreativschaffende
– Ein gutes Klinikum darf etwas kosten

In der Zeit von 14.30 Uhr – 16.30 Uhr werden am 6. November 2019 viele unterschiedliche Initiativen der Stadtgesellschaft einfordern, sie endlich zu hören und wirklich zu beteiligen.

  • Wann bekommen die Anwohner*innen der Teltower Vorstadt endlich inhaltliche und nicht nur formale, immer gleiche Antworten auf ihre vielen Einwendungen und Stellungnahmen zu den Plänen auf dem RAW Gelände?
  • Wann werden endlich soziale Auswirkungen solcher Investorenprojekte ernst genommen und rechtssichere „Soziale Erhaltungssatzungen“ – auch für Babelsberg – erlassen?
  • Wann erhalten den Kultur – und Kreativschaffenden im Rechenzentrum endlich eine reale und bezahlbare Perspektive in diesem Haus, statt sie mit „Szenario – Workshops“ und neuen Kreativquartieren ruhig zu stellen?
  • Wann hört die Stadt endlich auf die Tausenden Bürger*innen, die beim Bürgerbegehren, im Bürgerhaushalt und in Bürgerinitiativen immer wieder eine klare Distanzierung zur Stiftung Garnisonkirche und ihrem Bauvorhaben fordern?
  • Wann bekennt sich die Stadt zur sozialen und politischen Verantwortung für ihre eigenen Unternehmen und setzt klare Regeln für faire Bezahlung und Mieten?

Diese und viele andere Fragen treiben auch am Mittwoch wieder Menschen auf die Straße.
Die neu gewählte Stadtverordnetenversammlung muss sich entscheiden.

Soll es ein „Weiter so“ geben? – wie bei der Auseinandersetzung um die Fachhochschule und alles Engagement, alle neuen Ideen und Konzepte, die Bedürfnisse der Bürger*innen ignorieren – mit dem Verweis auf formale Verfahren und historische Beschlüsse?
Oder möchte sie endlich ernst machen mit wirklicher Beteiligung ihrer Bürger*innen und deren Interessen und Bedürfnisse aufnehmen – sich also die Hoheit über Stadtentwicklung, Stadtplanung zurückholen von Verwaltung, Investor*innen und kommunalen Gesellschaften?

Es ist Zeit dafür!

Netzwerk „Stadt für alle“

mit Unterstützung von:

Anwohner*inneninitiative Teltower Vorstadt
Mieter*inneninitiative Wichgrafstraße 11
BI für ein Potsdam ohne Garnisonkirche
Kulturlobby
Potsdamer Mitte neu denken
Sprecher*innenrat Rechenzentrum
Bürgerbegehren für faire Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen in der Klinikgruppe Ernst von Bergmann

 

 

Mike Schubert setzt seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel

PRESSEMITTEILUNG | 29.10.2019

Letzte Woche folgte der Potsdamer Oberbürgermeister Mike Schubert den Einladungen der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche, der Vertreter*innen des Rechenzentrums sowie des Antimilitaristischen Fördervereins, um über die Garnisonkirche zu sprechen. In den Gesprächen wurden vielfältige Argumente und Ansätze ausgetauscht. Sie hätten den Beginn eines fruchtbaren Dialogs bedeuten können – dieses viel beschworenen Dialogs, den Schubert seit seinem Wahlkampf verspricht.

Im Gespräch mit der BI am Dienstag warb der OB um Vertrauen und betonte den Entwurfscharakter seiner Beschlussvorlage. Er suggerierte Ergebnisoffenheit, auch mit Verweis auf die ausstehenden Gespräche mit den anderen Gruppen. Im Nachgang bezeichnete er den Austausch als „konstruktives Auftaktgespräch“. Doch anstatt entsprechend Folgetermine in Aussicht zu stellen oder eine angemessene Bedenkzeit auch nur vorzutäuschen, zertrat der OB das zarte Pflänzchen ohne Umschweife. Am nächsten Morgen ließ er verkünden, dass er seine Beschlussvorlage zur Jugendbegegnungsstätte am 6. November unverändert in die Stadtverordnetenversammlung einbringen will.

Der unbeirrte Alleingang legt die Vermutung nahe, dass der OB seine Entscheidung schon längst getroffen hatte und den Gegner*innen der Kirchenkopie lediglich Pflichtbesuche abstattete, um sich als gesprächsbereit zu inszenieren. Ein verheerendes Signal an die über 14.000 Potsdamer*innen, die ihn mit der Auflösung der Stiftung Garnisonkirche beauftragten; an die Bürger*innen, deren Ablehnung der Garnisonkirche zum wiederholten Mal den Bürgerhaushalt anführt; und an alle Wähler*innen, die endlich einen Vermittler wollten und nun ernsthaft an seiner Glaubwürdigkeit zweifeln müssen.

Die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche fordert den OB erneut auf, die Beschlussvorlage zurückzuziehen und seine Kompromissbereitschaft durch einen ernstzunehmenden Beteiligungsprozess unter Beweis zu stellen.