Offener Brief an wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Garnisonkirche Potsdam

In einem Brief (Klick für PDF) an den neu geschaffenen wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Garnisonkirche Potsdam kritisiert der Architekturtheoretiker Philipp Oswalt die Stiftung für ihr verzerrtes und bewusst verfälschtes Geschichtsbild, welches wesentliche Fakten der Kirchengeschichte ausblendet und einige wahrheitswidrig verfälscht. Ausgeblendet werde etwa die Rolle der Militärkirche bei den Kriegsverbrechen in den Deutschen Kolonialkriegen, im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Auch würde verschwiegen, dass die Garnisonkirche ein zentraler Treffpunkt antidemokratischer und rechtsradikaler Kräfte während der Weimarer Republik gewesen war und das Wiederaufbauprojekt von dem rechtsradikalen ehemaligen Bundeswehroffizier Max Klaar 1984 initiiert und knapp zwei Jahrzehnte maßgeblich betrieben worden war. Hingegen entspricht die behauptete Rolle der Kirche für den militärischen Widerstand nicht den historischen Fakten.

Nicht nur eine Korrektur der Darstellung der Kirchengeschichte sei nötig, auch die Architektur des Gebäuderekonstruktion müsse ein Differenz zum historischen Bau deutlich erkennbar werden lassen, wie es auch Bischof Dröge vor zwei Jahren gefordert und in Aussicht gestellt hatte. Für unsere Gesellschaft könne – so Oswalt – die Garnisonkirche nicht primär ein Ort des Stolzes sein, sondern ein Ort der Scham und Sühne.

Neue Dimension der Einschüchterung gegen GK-Gegner*innen: Stiftungsgeschäftsführer PETER LEINEMANN versucht, Protest mit rechtswidrigen Mitteln zu unterdrücken

PRESSEMITTEILUNG
der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

Potsdam, den 25.06.2018

Ausgerechnet am 50. Jahrestag der Sprengung der GK-Ruine versuchte die Garnisonkirchenstiftung (SGP), die Gegner*innen des Wiederaufbaus massiv einzuschüchtern. Mit einer fadenscheinigen Veranstaltungsanmeldung und Absperrbändern sollte im öffentlichen Raum ohne jegliche Rechtsgrundlage „Hausrecht“ erwirkt werden, um sich unbequeme GK-Gegner*innen vom Leib zu halten und somit Kritik, Information und Austausch im Keim zu ersticken. Der Polizei blieb nichts anderes übrig, als den SGP-Geschäftsführer PETER LEINEMANN zurechtzuweisen.

Anlass war die Veranstaltung am Samstag, den 23.06.2018, in der Nagelkreuzkapelle, mit der die SGP mit geladenen Gästen an die Sprengung der Ruine in der DDR im Jahr 1968 erinnern wollte. Im Vorfeld meldete die SGP beim Potsdamer Ordnungsamt auf einem Teil der an die GK-Baustelle angrenzenden Werner-Seelenbinder-Straße ab 14 Uhr eine Veranstaltung an und sperrte den Bereich mit Flatterband ab. Weder ab 14 Uhr noch zum späteren Zeitpunkt um 18 Uhr fand in jenem abgesperrten Bereich eine Veranstaltung statt. Kurz vor der 18 Uhr-Veranstaltung in der Nagelkreuzkapelle zeigte sich schnell der wahre Beweggrund für die Veranstaltungsanmeldung auf der öffentlichen Straße: Als eine kleine Gruppe von fünf Personen erschien, um an die Besucher*innen der tatsächlichen Veranstaltung eine Pressemitteilung der BI FÜR EIN POTSDAM OHNE GARNISONKIRCHE zu verteilen, wollte SGP-Chef LEINEMANN mit der Unterstützung von Security die GK-Gegner*innen von jenem Bereich der Werner-Seelenbinder-Straße hinter die Absperrbänder verbannen, wo eine Flyerverteilung nicht möglich gewesen wäre. Die Veranstaltungsanmeldung auf der Straße vor der Kapelle diente somit als Bannmeile, um sich von unliebsamem Protest abzuschirmen. Die daraufhin von LEINEMANN gerufene Polizei weigerte sich, sein vermeintliches „Hausrecht“ ohne Rechtsgrundlage auf öffentlichem Grund durchzusetzen und ließ die Flyerverteilung gewähren. Die Flyerverteilung verlief völlig friedlich und bot Anlass für einige interessante und angeregte Diskussionen zwischen Veranstaltungsbesucher*innen und GK-Gegner*innen. Dagegen verliefen die dreisten Einschüchterungsversuche von PETER LEINEMANN im Sande.

Während die Gegner*innen sich um Austausch und Begegnung mit den Sympathisant*innen des Bauprojekts bemühten, wollte die SGP das Ordnungsamt sowie die Polizei, die mit ca. 15 bis 20 Polizist*innen vor Ort war, zur Unterdrückung öffentlicher Meinungsbildung instrumentalisieren – als würden auf der Baustelle selbst nicht schon genug Steuergelder verschwendet. An dem selbsternannten Versöhnungsort sollte die SPG demokratische Prinzipien respektieren und sich mit der Kritik auseinandersetzen statt diese zu verbannen.

Keine Ignoranz gegenüber Bürgerprotest – weder heute noch damals! BI fordert Bürgerbefragung parallel zur Oberbürgermeisterwahl

PRESSEMITTEILUNG
der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche

Potsdam, den 23.06.2018

Am 50. Jahrestag der Sprengung der Garnisonkirchenruine beweist die evangelische Garnisonkirchenstiftung einmal mehr, dass sie unfähig ist, aus der Geschichte zu lernen.
Die Wiederaufbaubetreiber*innen beklagen, die Sprengung der Garnisonkirchenruine sei gegen den Protest der damaligen Potsdamer Bevölkerung erfolgt. Auf Grundlage dieser Geschichtserzählung macht die Stiftung die Garnisonkirchenkopie zur „Wiedergutmachung“.

Dabei geht es der Garnisonkirchenstiftung nicht um den Willen der Potsdamer Bevölkerung und somit nicht um einer „Wiedergutmachung“, weder an der Potsdamer Bevölkerung noch an der Heilig-Kreuz-Gemeinde, der damaligen Gemeinde in der Garnisonkirchenruine.

Im Gegenteil: Die Garnisonkirchenstiftung verhält sich heutzutage nicht viel anders als die damalige DDR-Führung. Sie ignoriert den großen Protest in Potsdam, in den kirchlichen Kreisen und darüberhinaus. Mit ihrer Ignoranz gegenüber dem Bürgerbegehren der 14.285 Potsdamer Stimmen gegen die Garnisonkirche folgt die Garnisonkirchenstiftung einem Demokratieverständnis von Vorgestern.

Wir rufen die Garnisonkirchenstiftung und die Leitung der evangelischen Kirche dazu auf, es besser zu machen als die damalige DDR-Führung:
Stoppen Sie die Bauarbeiten! Nutzen Sie ein Moratorium, um sich für eine repräsentative Bürgerbefragung der Potsdamer Bürgerschaft einzusetzen. Die Oberbürgermeisterwahl am 23. September 2018 bietet die große Chance, mit minimalem Aufwand die Bürger*innen über den Garnisonkirchenbau zu befragen.

Für einen selbsternannten Versöhnungs- und Friedensort sollten die Worte frei nach Willy Brandt selbstverständlich sein:
„Mehr Demokratie wagen – Potsdamer*innen fragen!“

Wolfgang Huber bekommt die Goldene Axt 2018

Am Freitag, den 6. April 2018, wurde in Potsdam ein „Benefiz“-Konzert veranstaltet. Auf der Veranstaltung verlieh Wolfgang Huber, Kuratoriumsvorsitzender der Garnisonkirchenstiftung, dem Kuratoriumsmitglied der selben Stiftung Manfred Stolpe eine Goldene Ehrennadel.
Dies veranlasste uns zu einer Protestaktion, bei der wir einen für das Bauprojekt passenderen Preis an die Garnisonkirchenstiftung bzw. an Wolfgang Huber verliehen. Wolfgang Huber bekam schließlich die Goldene Axt 2018 für das besondere Verdienst zur Spaltung der Potsdamer Gesellschaft durch Kompromisslosigkeit und Ignoranz gegenüber direktdemokratische Voten in Potsdam (unser erfolgreiches Bürgerbegehren 2014 und sämtliche Bürgerhaushaltsabstimmungen).
Es gab einiges an Presse:
RBB-Bericht (ab 7:33 min)
Berliner Zeitung: Nun wird der Streit mit Preisen ausgetragen
Domradio.de: Ständiger Zankapfel Ehrung und Schmähpreis für Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche

Wir haben zudem Flyer an die wartenden Besucher*innen für das Konzert verteilt, mit folgendem Text:

BENEFIZ für die Garnisonkirche?
Es ist schon ein merkwürdiges und beliebiges Verständnis von „Benefizveranstaltungen“, wenn diese für einen 100 Mio. Euro teuren Luxusbau (Kalkulierte Gesamtkosten der Garnisonkirchenkopie im Jahr 2011) ausgerichtet wird. Gilt die Garnisonkirche als „bedürftig“ oder gar als „arm“? Kaum zu glauben, denn weitere Kirchenräume werden in Potsdam nicht benötigt. Schlösser und alte Barockgebäude gibt es in Potsdam ebenso zuhauf. Wenn das einzige Argument für den Wiederaufbau „Sie war doch so schön“ ist, ist es in erster Linie ein Luxusbedürfnis einiger Wenige und kein existenzielles Bedürfnis. Wenn es der Garnisonkirchenstiftung um die Erinnerung an die Geschichte ginge, könnte auch ein viel bescheideneres und im Hinblick auf die dunkle Vergangenheit der Garnisonkirche viel angemesseneres Gebäude genügen. Stattdessen ist der Bau der Garnisonkirchenkopie so teuer, dass die Garnisonkirchenstiftung noch nicht mal Personalkosten für die Geschichtserinnerung einplant. Ein Konzept für eine richtige Gedenk- und Bildungsstätte sieht anders aus – das hat auch die kirchliche Martin-Niemöller-Stiftung mit einem Gutachten festgestellt.

Prestigeprojekt Garnisonkirchenkopie – Wo ist die Bedürftigkeit?
Im Kuratorium der Garnisonkirchenstiftung sitzt u. a. Inga Maren Otto, Angehörige einer der reichsten Familien in Deutschland (2015: 18,1 Mrd. Euro oder 180 Garnisonkirchen oder 2.600 Kindertagesstätten).
2017 bekam die Stiftung eine im Vergleich sehr hohe Summe (12 Mio. Euro) als Zuschuss von der Bundesregierung, die entgegen den Vorschriften der Bundeshaushaltsordnung ohne Nachweis einer Gesamtfinanzierung gewährt wurde. Im selben Jahr wurden Förderanträge an die Bundesregierung mit weitaus geringeren Summen für Kulturstättenprojekte in Potsdam-West (Scholle 34) komplett versagt (wegen „Geldmangel“).
Schon 2010 zeigte sich ein noch üblerer Konflikt zwischen der öffentlichen Mittelverteilung für die Garnisonkirche und der Unterstützung von wirklich bedürftigen Projekten.
Das ehemalige KZ bzw. die heutige Gedenkstätte in Sachsenhausen bekam zu Gunsten einer Landesförderung für die Garnisonkirche weit aus weniger Fördergeld, als sie benötigte (nur 316.530 Euro statt benötigte mehrere Mio. Euro). Die Garnisonkirche bekam dagegen 2 Mio. Euro, was die Maximalförderung aus dem Fördertopf entsprach. So konnte die Gedenkstätte in Sachsenhausen den Plan eines Geschichtsparks beim Klinkerwerk nicht umsetzen. Für die Aufarbeitung des Völkermords war nicht genug Geld vorhanden, während die Garnisonkirche mit öffentlichen Geld aus dem selben Fördertopf überschüttet wurde. Was das symbolisch aussagt, ist erschreckend. Denn hier wurde der Ort der Täter mit Geld bedacht, was in direktem Zusammenhang den Orten des Gedenkens an die Opfer fehlte.

„Goldene Axt“ statt „Ehrennadel in Gold“
Heute wird während des sogenannten Benefizkonzertes MANFRED STOLPE mit einer „Ehrennadel in Gold“ ausgezeichnet, als Anerkennung für die Förderung der Garnisonkirchenkopie. Es ist schon bemerkenswert, dass die Akteure des Wiederaufbaus nun anfangen, sich gegenseitig Auszeichnungen zu verleihen. MANFRED STOLPE sitzt im Kuratorium der Garnisonkirchenstiftung und beteiligt sich nicht uneigennützig an diesem Bau. Es ist für ihn wie für die anderen Kuratoriumsmitgliedern in erster Linie ein Prestigeprojekt, dessen Scheitern eine Schmach für die Beteiligten wäre. Angesichts der Gefahr einer Bauruine aufgrund der nicht ganz seriösen Finanzierungsplanung (u. a. soll die Garnisonkirche das einzige Bauprojekt in Deutschland sein, dessen Baukosten und Bauzeiten sich im Laufe der Jahre reduziert haben), kann man verstehen, dass Auszeichnungen von Ehrennadeln ein wenig Unterstützung für das offensichtlich geringe Selbstvertrauen der Wiederaufbaubetreiber*innen schaffen. Und der Eitelkeit tut‘s auch gut.
Die Verleihung der „Ehrennadel in Gold“ verstellt jedoch den Blick auf die wirklichen Leistungen des Projektes.
Wir können das besser: Wir verleihen den richtigen Preis.
Wir verleihen die Goldene Axt 2018 an WOLFGANG HUBER, den Vorsitzenden der Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP).
Die Verleihung der „Goldenen Axt“ steht sinnbildlich für die Kompromisslosigkeit und die von den Kirchenkopiefans betriebene Missachtung der direktdemokratischen Voten der Potsdamer Bevölkerung (u.a. beim Bürgerbegehren 2014 und bei sämtlichen Bürgerhaushaltsabstimmungen). Die Ignoranz der Garnisonkirchenstiftung legt die Axt an die demokratischen Prinzipien und spaltet diese Stadt. Gegenüber den Künstler*innen im Rechenzentrum benehmen sie sich ebenso wie wild gewordene Holzfäller und sorgen für Unfrieden. Erst vor Kurzem stimmte das Stiftungskuratorium gegen die sichere Nutzungsverlängerung des Rechenzentrums bis 2023. Selbst für CDU und SPD war diese Abstimmung unverständlich. Die Kirchenleute haben ein hartes Herz – sie setzen die Künstler*innen unnötig unter Druck und sorgen für Planungsunsicherheit. Für ihr Luxusprojekt sind ihnen die wirklich wichtigen Bedürfnisse dieser Stadt egal. WOLFGANG HUBER sagte einmal, dass die Garnisonkirche nicht trotz des Streits sondern wegen des Streits gebaut werden sollte. Diesen Zynismus kann nur ein Mensch von sich geben, der jegliche Bodenhaftung und gesellschaftliche Verantwortung verloren hat. Dementsprechend hat sich allen voran der besonders hartherzige WOLFGANG HUBER, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Garnisonkirche, die „Goldene Axt 2018“ mehr als verdient. Sie wird in einem angemessenen Rahmen gebührend übergeben.

Stimmungslage in Potsdam (Auszug aus Abstimmungen):
PLATZ 1 beim BÜRGERHAUSHALT 2018: „Kein städtisches Geld für den Wiederaufbau der Garnisonkirche“ (15.123 Stimmpunkte), Beteiligung von mehr als 14.000 Potsdamer*innen.
BÜRGERBEGEHREN 2014 zur Auflösung der Stiftung Garnisonkirche Potsdam: 16.000 UNTERZEICHNER*INNEN innerhalb von 3,5 Monaten (davon 14.285 gültige Stimmen durch Potsdamer Bürger*innen, überprüft durch Wahlamt)
Seit September 2014 werden Online-Stimmen für die Potsdamer Garnisonkirche gesammelt. Innerhalb von 3,5 Jahren wurden bisher ca. 24.000 nicht überprüfbare Online-Stimmen gezählt. Lediglich ca. 5.000 Unterzeichner*innen gaben Potsdam als Wohnsitz an.

Bei so viel Prominenz darf das Fernsehen nicht fehlen

Wolfgang Huber erfreut sich sichtlich über die Ehrung

Das Publikum zwischen älteren Konzertbesucher*innen und jüngeren Teilnehmer*innen der Protestaktion war einfach zu unterscheiden: Es bestand ein durchschnittlicher Altersunterschied von 40+

Garnisonkirchenstiftung wirbt kostenfrei im ZDF

Das ZDF veröffentlicht seit gestern einen selbst produzierten Werbespot für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche. Der 30-sekündige Beitrag ist nicht als Werbung gekennzeichnet. Das ZDF verpflichtet sich in seinen Leitlinien dazu, dass seine Programme „den publizistischen, ethisch-moralischen und gesellschaftlichen Standards sowie den rechtlichen Vorgaben der Sachlichkeit, Objektivität, Ausgewogenheit, Unabhängigkeit und Fairness “ genügen.

Offensichtlich ist es dem ZDF egal, ob es in Potsdam ein erfolgreiches Bürgerbegehren mit über 16.000 Unterschriften gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche gab. Es ist ihm auch egal, dass der Oberbürgermeister von der Stadtverordnetenversammlung angehalten ist, mit allen rechtlich zulässigen Möglichkeiten auf die Auflösung der Stiftung Garnisonkirche hinzuwirken.

Beschwerden bitte direkt an: http://uploadcenter.zdf.de/beschwerdeonline.php


gk_spot

Instrumente der Demokratie bei der Stiftung Garnisonkirche

„Am Abend des 21.11. veranstaltete die Landeszentrale für politische Bildung in der Nagelkreuzkapelle eine Podiumsdiskussion zum Thema „Instrumente der Demokratie“. In diesem Zusammenhang kam es zu Einschüchterungen durch die Polizei, des Weiteren wurden Personalien aufgenommen und Anzeigen angedroht. Vorgeblicher Grund war das fehlende Impressum auf den verteilten Flyern, auf denen die ignorierten Bürgervoten gegen den Aufbau einer neuen Garnisonkirche gelistet waren.

Offenkundig auf Veranlassung und im Beisein der Gastgeberin, der Stiftung Garnisonkirche, wurden einige Personen, die sich als Mundtote verkleidet und geschminkt hatten, innerhalb kurzer Zeit von Polizisten umkreist. Die Turmgegner*innen hatten lediglich schweigend Schilder hochgehalten – etwa 50 Meter entfernt vom Eingang der Nagelkreuzkapelle.

Dass unter solchen Bedingungen eine Veranstaltung zum Thema Demokratie durchgeführt wurde, sieht die BI mit Erschrecken und verweist auf im Vorfeld an die Moderatorin und eine Podiumsteilnehmerin herangetragene Sorgen bezüglich der Integrität und Demokratiefähigkeit der Gastgeberin. Dem Anschein nach ist die Aussage des verteilten Flyers aktueller denn je.“

Polizisten nähern sich den Mundtoten

Protestierende vor dem GK-Gelände

Die Republik ist in Gefahr!

Hoecke und GK-Schirmherr


Anlässlich des 09. Novembers, dem wohl bedeutsamsten und widersprüchlichsten Tag in der deutschen Geschichte, möchten wir auf drohende Fehlentwicklungen im Land aufmerksam machen.
Der Bau der Turmkopie der ehemaligen Hof- und Garnisonkirche ist die falsche Antwort auf die drängenden Fragen der Zeit. Die Garnisonkirche war bis zur „Nacht von Potsdam“ im April 1944 über 200 Jahre ein Tempel des preußisch-deutschen Militarismus. Das sind 200 Jahre Missbrauch des christlichen Glaubens zum Zwecke des bedingungslosen Gehorsams gegenüber Krone und Staat. Nach dem 09. Novemer 1918 wurde das Gebäude zum Symbol und Treffpunkt der revanchistischen Militärs, organisierter Nationalisten sowie des Antikommunismus und Antisemitismus. Diese Antithese zum „Geist von Weimar“, dieser „Geist von Potsdam“ gipfelte im „Tag von Potsdam“.
Der Händedruck vom 21.03.1933 wurde zum Symbol für die Machtübergabe an Hitler und zur Geburtsstunde des Dritten Reiches.
Verlierer dieser Entwicklung waren in den Folgemonaten des Jahres 1933 nicht nur die Kommunisten, Juden, Sinti und Roma und die vielen anderen Verfolgten, sondern auch viele Christen in Deutschland und die anderen demokratischen Kräfte. Unter ihnen auch die SPD. Umso erstaunlicher ist es, dass ein sozialdemokratischer Bundespräsident, zwei ehemalige sozialdemokratische Ministerpräsidenten, mehrere SPD-Minister*innen, ein SPD-Oberbürgermeister und zahlreiche Pressesprecher mit SPD-Parteibuch sich nun zu Fürsprechern eines der umstrittensten Bauprojekte der Stadt und der Republik machen.
Selbst wenn es gelingen könnte, in dem zu errichtenden Turm eine wirkliche Stätte der Geschichtsaufarbeitung zu etablieren, woran wir und viele andere Organisationen und Initiativen aufgrund des Mangels eines Konzeptes und den bisherigen Verlautbarungen der SPG erhebliche Zweifel haben, bleibt doch die Hülle als Anziehungspunkt. Ein „schöner“ Wallfahrtsort im Disney-Preußen.
Wer wirklich einen „neuen Geist von Potsdam“ an diesem Ort wollte, würde weder die originale Hülle errichten noch sich auf das Haus als Garnisonkirche beziehen. Abgerissen wurde die Heilig-Kreuz-Kirche. Wer wirklich einen „neuen Geist der Versöhnung und des Friedens“ will, baut Brücken und keine Wehr-(Garnisons-)Türme! Wer neu starten will muss die historische Schuld anerkennen und sich nicht als Opfer zweier Diktaturen stilisieren. Weder hat Hitler diese Kirche missbraucht, noch hat Ulbricht deren Sprengung angeordnet. Beiden Ereignissen gingen proaktive Entscheidungen der evangelischen Kirche voraus.
Die Rhetorik der Baubefürworter überschneidet sich mit der der AfD. Die Relativierung von Schuld und die Versöhnung mit der eigenen Geschichte ermöglichen den Einzug alten Geistes in die neuen Fassaden in Dresden, Berlin und Potsdam! Auch die Sozialdemokratie glaubte in den 30er Jahren daran, den aufkommenden Faschismus in den Griff zu bekommen und ihn mit demokratischen Regeln im Zaum zu halten. Die Geschichte lehrt uns etwas anderes. Wehret den Anfängen!
Im Kampf gegen damals existierenden Hunger und den aufkommenden Faschismus ertönte in den Herbsttagen des Jahres 1931 auf den Straßen Deutschlands: „Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!“ Auch heute sucht die SPD für sich nach neuen Antworten auf die Probleme der Gesellschaft. Und eine aktuelle Frage lautet: Wer macht sich heute zum Steigbügelhalter von wem?
Die Demokratischen Kräfte von heute müssen – auch in Angedenken an den 09.11. mit der Pogromnacht, der Ausrufung der Republik, dem Mauerfall u.v.a. Ereignissen – sich klarer abgrenzen von der stattfindenden Geschichtsrevision, falschem Patriotismus und der Schwelgerei im Gestern.


Siehe auch:
Gastbeitrag von MICHAEL KARG bei der MAZ vom 2./3.11.
und

transkribierte Rede von Höcke im Tagesspiegel

Gemeinsamer Brief an Staatsministerin Grütters

In einem gemeinsamen Brief wendeten sich die Niemöller-Stiftung und der Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen an Prof. Dr. Monika Grütters.
In der dazugehörigen Pressemitteilung heißt es, der neu gewählte Bundestag solle vor der Bewilligung der 12 Fördermillionen erörtern, wie am Ort der ehemaligen Garnisonkirche Potsdam deutsche Geschichte dargestellt werden kann.

„Kein Geld für die Garnisonkirche“ – Wiederholt Spitzenreiter im Bürgerhaushalt

Bei der Abstimmung zum Potsdamer Bürgerhaushalt ist zum wiederholten Mal die Forderung „Kein städtisches Geld für den Wiederaufbau der Garnisonkirche“ mit Abstand Spitzenreiter vor allen anderen Forderungen.

Noch bis zum 8. Oktober 2017 können alle Potsdamer*innen abstimmen:

https://buergerbeteiligung.potsdam.de/content/buergerhaushalt-201819/votierung

Offener Brief des EKBO-Mitglieds Gunnar Albers

Kürzlich erreichte auch uns folgender

Offener Brief an den Vorstand und die Mitglieder des Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche Potsdam und den Vorstand der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e. V.

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Als „Kirche der Schande“ bezeichnet die Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde in einer Erklärung das Gotteshaus, dessen Wiederaufbau seit Jahren von der Garnisonkirchenstiftung vorangetrieben wird: „Schon allein das Vorhaben des Wiederaufbaus schadet dem nationalen und internationalen Ansehen der Stadt Potsdam und sorgt für tiefste Enttäuschung bei weiten Teilen der jüdischen Bevölkerung“, schreibt der Vorstand rund um Shimon Nebrat.“ 1)

Was soll der Kern dieses Projektes sein: „Versöhnung“ oder „Historischer Wiederaufbau der Garnisonkirche“?

Zu Versöhnung gehört auch das Eingeständnis der eigenen Schuld. Angesichts der historischen Schuld auch der evangelischen Kirche ist die Frage zu stellen, welche Erinnerungskultur von Stiftung und Fördergesellschaft gepflegt wird. Einen Anhaltspunkt gibt der Internetauftritt. Unter der Adresse http://wissen.garnisonkirche.de/ bietet die Stiftung eine Online-Ausstellung zur Geschichte der Garnisonkirche an. Informationen zur Geschichte der Kirche aus der Zeit des Nationalsozialismus sucht der Besucher dort leider vergeblich, mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte der evangelischen Kirche in Deutschland will sich die Stiftung online anscheinend nur sehr begrenzt auseinandersetzen.

„Das von brauner Asche besudelte Gebäude kann durch den Neubau nicht reingewaschen werden.“ Friedrich Schorlemmer 2)

Der berühmte Handschlag von Hitler und Hindenburg fand in der Garnisonkirche unter den wohlwollenden Blicken des damaligen Generalsuperintendenten Otto Dibelius statt, dem Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche in Deutschland von 1949 bis 1961. Als am 1. April 1933 der „Judenboykott“ der SA gegen jüdische Geschäfte erfolgte, stellte Dibelius sich hinter den Hitlerstaat und erklärte: „Schließlich hat sich die Regierung genötigt gesehen, den Boykott jüdischer Geschäfte zu organisieren – in der richtigen Erkenntnis, daß durch die internationalen Verbindungen des Judentums die Auslandshetze dann am ehesten aufhören wird, wenn sie dem deutschen Judentum wirtschaftlich gefährlich wird. Das Ergebnis dieser ganzen Vorgänge wird ohne Zweifel eine Zurückdämmung des jüdischen Einflusses im öffentlichen Leben Deutschlands sein. Dagegen wird niemand im Ernst etwas einwenden können.“ 3)

Wenn zum Zeitraum 1933 bis 1945 sowenig Informationen auf den Internetseiten der Stiftung zu finden sind, so stellt sich die Frage, aus welchem Geschichtsverständnis heraus agiert wird, wenn der Wiederaufbau auch gegen die ausdrückliche Kritik einer jüdischen Gemeinde durchgedrückt werden soll. „Also: Auch wir (…) wollen nicht, daß an der Garnisonkirche ein Schuldkult betrieben wird!“ 4) Mit diesen Worten bringt Burkhart Franck, ehemaliger Vorsitzender des Vorstandes der Fördergesellschaft (2012–2015), die dort akzeptierte Haltung auf den Punkt. Diese Wortwahl ist nicht zufällig, und es finden sich entsprechende Äußerungen im parteipolitischen Spektrum: „Schuldkult – nein danke!“ 5), diese Meinung wird auch bei der NPD vertreten.

Mit einem solchen Geschichtsverständnis ausgestattet, lässt es sich dann auch gut über die Menschen, die einen Wiederaufbau ablehnen, pöbeln: „Nach meinem Eindruck sind die Gegner des Wiederaufbaus nicht nur kirchenhassende Kommunisten. Es sind auch andere Menschen mit geringen Geschichtskenntnissen oder verzerrtem Weltbild darunter, die noch heute der Propaganda von Goebbels und der SED zum „Tag von Potsdam“ aufsitzen.“ 6) – so die auf der Internetseite der Stiftung verkündete Einschätzung. Eine auf Versöhnung bedachte Haltung sieht anders aus. Diese unversöhnliche Haltung findet ihre Entsprechung ebenfalls in parteipolitischen Äußerungen: „Es ist immer wieder unfassbar, wie das linke Lager mit ideologischen Beißreflexen versucht, die Garnisonkirche zu diskreditieren, die eine beinahe 300-jährigen Geschichte hat.“ 7), heißt es in einer Meldung aus der AfD-Fraktion Brandenburg.

Entsprechend unterstellt auch Wolfgang Huber den Menschen, die einen Wiederaufbau ablehnen, eine irrationale Rachsucht: „Vehement wird vorgeschlagen, sich an der Geschichte zu rächen, indem man ihre Orte auslöscht und den Geist der Vergangenheit versenkt.“ 8) Das eine Ablehnung des Wiederaufbaus einem Auslöschen gleich kommt, ist doch sehr weit hergeholt. Bei dem „Auslöschen“ der jüdischen Mitmenschen war die evangelische Kirche durch das Ausstellen der sogenannten „arischen Nachweise“ ganz konkret beteiligt. Vor diesem Hintergrund ist das von dem Vorgehen der Stiftung ausgehende politische Signal für die Zukunft besonders fatal – welchen Umgang mit ihren andersgläubigen Mitmenschen will die evangelische Kirche hier für die Zukunft propagieren? „Machtdemonstration gegen alle Widersprüche“ oder „versöhnliche Rücksichtnahme“?

Liebe Befürworter eines Versöhnungsortes, von dem Gedanken der Versöhnung hat sich das Projekt immer mehr in Richtung historischer Wiederaufbau verschoben, bis zuletzt sogar das Kreuz vom Kirchturm verbannt wurde. Bereits jetzt besteht mit der Nagelkreuzkapelle ein Ort der Versöhnung. Viele architektonische Lösungen sind denkbar, wenn alle Seiten Kompromiss- und Versöhnungsbereitschaft zeigen. Ein historischer Wiederaufbau der Garnisonkirche gegen den Willen einer jüdischen Gemeinde vor Ort ist mit der Idee der Versöhnung nicht zu vereinbaren. Als evangelischer Christ schäme ich mich persönlich für das geschichtsvergessene Vorgehen der evangelischen Kirche in dieser Frage. Daher möchte ich Sie hiermit nochmals nachdrücklich bitten, auf eine bauliche Rekonstruktion der Garnisonkirche bzw. des Turms zu verzichten.

Mit versöhnlichen Grüßen
Gunnar Albers
Mitglied der EKBO

1) http://www.maz-online.de/Themen/G/Garnisonkirche-in-Potsdam/Juden-gegen-die-Kirche-der-Schande
2) https://ohnegarnisonkirche.wordpress.com/tag/schorlemmer/
3) Zitiert bei Wolfgang Gerlach: Als die Zeugen schwiegen. Bekennende Kirche und die Juden. (= Studien zu Kirche und Israel, Bd. 10). Institut Kirche und Judentum, Berlin 1993², ISBN 3-923095-69-4, S. 41f.
4) http://garnisonkirche-potsdam.de/kontakt/gaestebuch/ 30. März 2009 | 13:49 (ca. S. 27, zuletzt abgerufen am 28.08.2017)
5) https://npd-brandenburg.de/schuldkult-nein-danke-ja-zu-einem-wuerdigen-gedenken/
6) http://garnisonkirche-potsdam.de/kontakt/gaestebuch/ 08. April 2014 | 11:57 (ca. S. 10, zuletzt abgerufen am 28.08.2017)
7) http://afd-fraktion-brandenburg.de/afd-fraktion-wiederaufbau-der-potsdamer-garnisonkirche-muss-gesichert-werden/
8) https://predigten.evangelisch.de/predigt/frieden-lernen-wolfgang-hubers-predigt-zur-garnisonkirche

Neues Spendenziel der Stiftung Garnisonkirche widerlegt bisherige Kostenplanung

Wie den Artikeln der Lokalzeitungen MAZ und PNN am 24.6.2017 zu entnehmen war, stellte Ex-Landesbischof Wolfgang Huber am 23.6. den neuen Spendenkatalog für den Wiederaufbau des Garnisonkirchenturms an der Breiten Straße in Potsdam vor. Er bezifferte die mithilfe des neuen Katalogs anvisierten Spendeneinnahmen auf 18,5 Mio. €.

Einnahmen in dieser Größenordnung sind offenbar die Voraussetzung dafür, dass der barocke Turm nun doch in einem Bauabschnitt und ohne Abstriche bei der Fassade entstehen könnte.
Zusammen mit den schon eingenommenen bzw. zugesagten 27 Mio. € sieht die Stiftung Garnisonkirche also Baukosten von voraussichtlich rund 45,5 Mio. € als realistisch an.
Bislang bezifferte die Stiftung die Baukosten ihres Projekts auf 38 Mio. €, jetzt korrigiert sie ihre Planung um 7,5 Mio. € und plant künftig mit Baukosten von 45,5 Mio. €. Sie widerlegt damit die bisherige Bauplanung für den Wiederaufbau des barocken Turms.

Ein unabhängiger Baucontroller prognostizierte der Stiftung schon vor einiger Zeit Turmbaukosten von etwa 51 Mio. € zum Zeitpunkt der Fertigstellung.

Die Veröffentlichung der differierenden Zahlen kommt für die Kirchenbauer möglicherweise zur Unzeit, liegt doch der Fördermittelantrag zur Prüfung im Kulturministerium vor. Eine bereits vor Baubeginn geänderte Planung der Baukosten zeugt nicht gerade von langfristig korrekter und seriöser Planung.

Erste Ausschreibungen für Bauleistungen wurden gestartet. Es wird sich zeigen, ob Firmen zu den von der SGP geplanten Preisen arbeiten. Die Zukunft wird zudem zeigen, ob etwaige Spender*innen vom zweifelhaften Versöhnungskonzept und dem Risiko einer Bauruine bei gleichzeitig mittel- bis langfristigem Abriss des Rechenzentrums abgeschreckt werden.

Ungeliebt und gern zerstört?!

Unter diesem Titel erinnerte vor 5 Jahren eine Ausstellung in Hannover an die ehemalige Garnisonkirche dieser Stadt.

Offensichtlich wirkten Garnisonkirchen im Nachkriegsdeutschland wie ungeliebte Fremdkörper, egal ob in Hannover oder in Potsdam. In Hannover wurde die Garnisonkirche am Goetheplatz am 15. August 1960 gesprengt, wenige Tage später waren die Abrissarbeiten beendet und dieser Bau Geschichte. Den 2. Weltkrieg hatte diese Kirche vergleichsweise unbeschadet überstanden, die laut ‚Hannoversche Allgemeine Zeitung‘ als eine der schönsten Kirchenbauten Deutschlands galt.

Erst acht Jahre später, im Juni 1968, erfolgten in Potsdam die Sprengung des Turms der Garnisonkirche und der Abriss der Reste des ausgebrannten Kirchenschiffs. Mit dem Abtransport der baulichen Überreste verschwand ein architektonischer Schandfleck aus dem Stadtbild Potsdams. Da von der Turmruine immer wieder lose Steine und Sandsteinelemente fielen, war der Abriss auch unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit für Passanten und Fahrzeuge alternativlos.

Die Zerstörung und Entsorgung der Garnisonkirche in Hannover stieß damals überregional kaum auf Medienresonanz. Verglichen mit dem Propagandaaufwand, den Aufbaufans der etablierten Parteien bzw. der Evangelischen Kirche um die Sprengung der Potsdamer Garnisonkirche betreiben, tendiert der Informationsaufwand bezüglich der Kirchensprengung in Hannover gegen null.

Verständlich, denn sonst könnten ja Christen anno 2017 in Potsdam bemerken, dass auch in den alten Bundesländern, dem Zeitgeist bis Mitte der 70er-Jahre in Gesamtdeutschland entsprechend, Sakralbauten zerstört wurden, durch Sprengung bzw. Abriss. In dieser Zeit dominierten damals städtebauliche und architektonische Ideen der Nachkriegsmoderne, geprägt von optimistischen Zukunftsvisionen und einer geringen Wertschätzung für das bauliche Erbe der Vergangenheit. Wie zum Beispiel auch in Bremen, wo in den 50er-Jahren mehrere zerstörte Großkirchen aus der Zeit vor 1945 verschwanden, darunter die St. Ansgarii Kirche mit ihrem über 100 Meter hohen Turm.

Können Steine schuldig sein?

Unter der irreführenden Überschrift „Können Steine schuldig sein?“ erschien kürzlich ein Beitrag von Herrn Matthias Schulz im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, Ausgabe 22 vom 27.05.2017, Ressort Wissenschaft/Rubrik Geschichte.
Diesen Beitrag gilt es aus mehreren Gründen kritisch zu hinterfragen. Offensichtlich zielt die Frage der Überschrift auf die Formulierung der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche (FWG) ab, die in ihrem „Ruf aus Potsdam“ demagogisch von der Hinrichtung dieses Gebäudes spricht. Die vom Autor aufgeworfene Schuldfrage und die von der FWG thematisierte Hinrichtung sind allerdings Hirngespinste, es sei denn, man billigt dem einstigen Kriegstempel eigene Persönlichkeitsmerkmale, wie etwa Bewusstsein, zu.

Für das Ressort „Wissenschaft“ diskreditiert sich der Autor auch mit dem Versuch, von den 23.694 Pro-Klicks für das GK-Projekt auf der Internetseite von FWG/SGP, eine Zustimmung durch die Bevölkerung abzuleiten. Diese Anzahl von Zustimmungen resultiert aus Nutzern des weltweiten Internets, die an einer nicht repräsentativen Befragung teilnahmen. Bezogen auf die deutsche Wahlbevölkerung von ca. 61 Mio. (Wahlberechtigte zur Bundestagswahl 2017), relativiert sich die bundesweite Zustimmung für das umstrittene Projekt auf 0,04 %.
Dass das Wiederaufbauprojekt auch in der Evangelischen Kirche umstritten ist, zeigt die Tatsache, dass 2016 auf der Frühjahrssynode der EKBO nur 64,1 % der Synodalen der Vergabe eines Darlehens für das GK-Projekt zustimmten, 35,9 % Synodale votierten dagegen oder enthielten sich. Ein Darlehen aus dem Kirchenkreis Potsdam für dieses Wiederaufbauprojekt wurde nur von 55,6 % der Synodalen befürwortet, 44,4 % lehnten eine finanzielle Unterstützung ab oder enthielten sich.

Nicht erwähnt hat Herr Schulz, dass 2014 durch uns ein Bürgerbegehren in Potsdam erfolgreich durchgeführt wurde. In nur dreieinhalb Monaten erhielten wir von der Bevölkerung über 14.000 Unterschriften, die vom Wahlleiter geprüft und anerkannt wurden und somit ein nachprüfbares Votum gegen das Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche darstellen.
Die Brandenburger Landtagswahl 2014 bot die Chance, die Meinung der Potsdamer Bevölkerung zum umstrittenen Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche mit minimalem Aufwand zu erfragen. Dazu hätte man entweder einen Bürgerentscheid oder eine repräsentative Bürgerbefragung zeitgleich mit der Landtagswahl durchführen müssen. Wir als Bürgerinitiative haben uns dafür leider erfolglos eingesetzt. Die Eliten aus Politik und Kirche glaubten vermutlich selbst nicht recht daran, dass ihr umstrittenes Projekt in Potsdam mehrheitsfähig ist, und blockierten das Vorhaben einer Bürgerbefragung.

Fürchtet euch nicht, ihr Lämmer, ArgosGuard ist da!


Überwachungskamera Garnisonkirche Potsdam

Gott sieht alles. Neuerdings auch mit Argusaugen. Popelt da etwa jemand beim Betrachten der Kirchbrache? Ist das vielleicht Oralsex, gegenüber im zweiten Stock? Und ohne korrekt zugezogene Vorhänge, pfui Teufel! Gott beobachtet euch, Tag und Nacht. Integriertes Infrarotlicht!

Früher kamen vaterlandslose Sozialstaatsfanatiker und sprühten Slogans an die Balustrade. Kitas statt Kirchen. Was für ein Quatsch, in den kirchlichen Kitas Potsdams haben wir doch genug Platz für alle kleinen Bürger. Jetzt hat die Stiftung Garnisonkirche aufgerüstet und nutzt das Neueste vom Neuen. Gott ist schließlich nicht von gestern, Gott ist 24/7 online.

Überwachungskamera Garnisonkirche Potsdam

Doch noch muss der Mast auf dem Boden stehen und antiquierten Stadioncharme versprühen. Besonders wirkungsvoll nachts.
„Aaaachtung, aaachtung, still gestanden, Bursche! Argos sieht Dich! Weg da von Gottes Grundstück!“
– „Oh mein Gott..“, wird der fehlgeleitete Mensch mit der Spraydose denken, „… der Himmel spricht, schnell weg hier!“ – Und am nächsten Tag in die Kircheneintrittsstelle in der Nikolaikirche gehen.

So viel Funktionalität hat ihren Preis. 350 € pro Woche. Kein Problem, das sind ja nur ein paar Steinchen weniger für den Kirchturm. Dafür verschönert der Mast mit Lautsprecher und Kameras nun wirklich das Stadtbild. Die Jüngsten bleiben verzückt stehen und versuchen im Sand der Kirchbrache die Teletubbies zu entdecken, die sonst immer kommen, nachdem ein Lautsprecher herauskam. Ältere denken nostalgisch an Leni Riefenstahl, wünschen sich Rammsteins Depeche Mode Coversong aus den Lautsprecherboxen und sehen schon Diskuswurf oder Bodenturnen auf der Brache.

Überwachungskamera Garnisonkirche Potsdam

„Let me see you stripped“ sangen die Mecklenburger Rocker zur archaischen Stadionästhetik und ziemlich nackt bleibt auch der Kirchgrund. Ein ordentlicher Zaun wäre zu kleidsam für das Aufbauvorhaben. Gott mag keinen Stacheldraht und keine hohen Grenzen, Gott will freie Sicht!

1400 € kostet der gemietete Kameramast im Monat. Mit Zubehör, Fernzugriff und Alarm, sobald die Software einen Menschen im festgelegten Radius erkennt. Dafür hätte man auch einen gut aussehenden Wachmann in ein Häuschen stellen können. Wie bei der Queen. Ein Touristenmagnet wäre das gewesen. Doch für den Niedriglohnsektor ist die Stiftung Garnisonkirche nicht zu haben. Sie probiert lieber Orwellsche Produktneuheiten aus.

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