„Kein Geld für die Garnisonkirche“ – Wiederholt Spitzenreiter im Bürgerhaushalt

Bei der Abstimmung zum Potsdamer Bürgerhaushalt ist zum wiederholten Mal die Forderung „Kein städtisches Geld für den Wiederaufbau der Garnisonkirche“ mit Abstand Spitzenreiter vor allen anderen Forderungen.

Noch bis zum 8. Oktober 2017 können alle Potsdamer*innen abstimmen:

https://buergerbeteiligung.potsdam.de/content/buergerhaushalt-201819/votierung

Offener Brief des EKBO-Mitglieds Gunnar Albers

Kürzlich erreichte auch uns folgender

Offener Brief an den Vorstand und die Mitglieder des Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche Potsdam und den Vorstand der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e. V.

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Als „Kirche der Schande“ bezeichnet die Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde in einer Erklärung das Gotteshaus, dessen Wiederaufbau seit Jahren von der Garnisonkirchenstiftung vorangetrieben wird: „Schon allein das Vorhaben des Wiederaufbaus schadet dem nationalen und internationalen Ansehen der Stadt Potsdam und sorgt für tiefste Enttäuschung bei weiten Teilen der jüdischen Bevölkerung“, schreibt der Vorstand rund um Shimon Nebrat.“ 1)

Was soll der Kern dieses Projektes sein: „Versöhnung“ oder „Historischer Wiederaufbau der Garnisonkirche“?

Zu Versöhnung gehört auch das Eingeständnis der eigenen Schuld. Angesichts der historischen Schuld auch der evangelischen Kirche ist die Frage zu stellen, welche Erinnerungskultur von Stiftung und Fördergesellschaft gepflegt wird. Einen Anhaltspunkt gibt der Internetauftritt. Unter der Adresse http://wissen.garnisonkirche.de/ bietet die Stiftung eine Online-Ausstellung zur Geschichte der Garnisonkirche an. Informationen zur Geschichte der Kirche aus der Zeit des Nationalsozialismus sucht der Besucher dort leider vergeblich, mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte der evangelischen Kirche in Deutschland will sich die Stiftung online anscheinend nur sehr begrenzt auseinandersetzen.

„Das von brauner Asche besudelte Gebäude kann durch den Neubau nicht reingewaschen werden.“ Friedrich Schorlemmer 2)

Der berühmte Handschlag von Hitler und Hindenburg fand in der Garnisonkirche unter den wohlwollenden Blicken des damaligen Generalsuperintendenten Otto Dibelius statt, dem Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche in Deutschland von 1949 bis 1961. Als am 1. April 1933 der „Judenboykott“ der SA gegen jüdische Geschäfte erfolgte, stellte Dibelius sich hinter den Hitlerstaat und erklärte: „Schließlich hat sich die Regierung genötigt gesehen, den Boykott jüdischer Geschäfte zu organisieren – in der richtigen Erkenntnis, daß durch die internationalen Verbindungen des Judentums die Auslandshetze dann am ehesten aufhören wird, wenn sie dem deutschen Judentum wirtschaftlich gefährlich wird. Das Ergebnis dieser ganzen Vorgänge wird ohne Zweifel eine Zurückdämmung des jüdischen Einflusses im öffentlichen Leben Deutschlands sein. Dagegen wird niemand im Ernst etwas einwenden können.“ 3)

Wenn zum Zeitraum 1933 bis 1945 sowenig Informationen auf den Internetseiten der Stiftung zu finden sind, so stellt sich die Frage, aus welchem Geschichtsverständnis heraus agiert wird, wenn der Wiederaufbau auch gegen die ausdrückliche Kritik einer jüdischen Gemeinde durchgedrückt werden soll. „Also: Auch wir (…) wollen nicht, daß an der Garnisonkirche ein Schuldkult betrieben wird!“ 4) Mit diesen Worten bringt Burkhart Franck, ehemaliger Vorsitzender des Vorstandes der Fördergesellschaft (2012–2015), die dort akzeptierte Haltung auf den Punkt. Diese Wortwahl ist nicht zufällig, und es finden sich entsprechende Äußerungen im parteipolitischen Spektrum: „Schuldkult – nein danke!“ 5), diese Meinung wird auch bei der NPD vertreten.

Mit einem solchen Geschichtsverständnis ausgestattet, lässt es sich dann auch gut über die Menschen, die einen Wiederaufbau ablehnen, pöbeln: „Nach meinem Eindruck sind die Gegner des Wiederaufbaus nicht nur kirchenhassende Kommunisten. Es sind auch andere Menschen mit geringen Geschichtskenntnissen oder verzerrtem Weltbild darunter, die noch heute der Propaganda von Goebbels und der SED zum „Tag von Potsdam“ aufsitzen.“ 6) – so die auf der Internetseite der Stiftung verkündete Einschätzung. Eine auf Versöhnung bedachte Haltung sieht anders aus. Diese unversöhnliche Haltung findet ihre Entsprechung ebenfalls in parteipolitischen Äußerungen: „Es ist immer wieder unfassbar, wie das linke Lager mit ideologischen Beißreflexen versucht, die Garnisonkirche zu diskreditieren, die eine beinahe 300-jährigen Geschichte hat.“ 7), heißt es in einer Meldung aus der AfD-Fraktion Brandenburg.

Entsprechend unterstellt auch Wolfgang Huber den Menschen, die einen Wiederaufbau ablehnen, eine irrationale Rachsucht: „Vehement wird vorgeschlagen, sich an der Geschichte zu rächen, indem man ihre Orte auslöscht und den Geist der Vergangenheit versenkt.“ 8) Das eine Ablehnung des Wiederaufbaus einem Auslöschen gleich kommt, ist doch sehr weit hergeholt. Bei dem „Auslöschen“ der jüdischen Mitmenschen war die evangelische Kirche durch das Ausstellen der sogenannten „arischen Nachweise“ ganz konkret beteiligt. Vor diesem Hintergrund ist das von dem Vorgehen der Stiftung ausgehende politische Signal für die Zukunft besonders fatal – welchen Umgang mit ihren andersgläubigen Mitmenschen will die evangelische Kirche hier für die Zukunft propagieren? „Machtdemonstration gegen alle Widersprüche“ oder „versöhnliche Rücksichtnahme“?

Liebe Befürworter eines Versöhnungsortes, von dem Gedanken der Versöhnung hat sich das Projekt immer mehr in Richtung historischer Wiederaufbau verschoben, bis zuletzt sogar das Kreuz vom Kirchturm verbannt wurde. Bereits jetzt besteht mit der Nagelkreuzkapelle ein Ort der Versöhnung. Viele architektonische Lösungen sind denkbar, wenn alle Seiten Kompromiss- und Versöhnungsbereitschaft zeigen. Ein historischer Wiederaufbau der Garnisonkirche gegen den Willen einer jüdischen Gemeinde vor Ort ist mit der Idee der Versöhnung nicht zu vereinbaren. Als evangelischer Christ schäme ich mich persönlich für das geschichtsvergessene Vorgehen der evangelischen Kirche in dieser Frage. Daher möchte ich Sie hiermit nochmals nachdrücklich bitten, auf eine bauliche Rekonstruktion der Garnisonkirche bzw. des Turms zu verzichten.

Mit versöhnlichen Grüßen
Gunnar Albers
Mitglied der EKBO

1) http://www.maz-online.de/Themen/G/Garnisonkirche-in-Potsdam/Juden-gegen-die-Kirche-der-Schande
2) https://ohnegarnisonkirche.wordpress.com/tag/schorlemmer/
3) Zitiert bei Wolfgang Gerlach: Als die Zeugen schwiegen. Bekennende Kirche und die Juden. (= Studien zu Kirche und Israel, Bd. 10). Institut Kirche und Judentum, Berlin 1993², ISBN 3-923095-69-4, S. 41f.
4) http://garnisonkirche-potsdam.de/kontakt/gaestebuch/ 30. März 2009 | 13:49 (ca. S. 27, zuletzt abgerufen am 28.08.2017)
5) https://npd-brandenburg.de/schuldkult-nein-danke-ja-zu-einem-wuerdigen-gedenken/
6) http://garnisonkirche-potsdam.de/kontakt/gaestebuch/ 08. April 2014 | 11:57 (ca. S. 10, zuletzt abgerufen am 28.08.2017)
7) http://afd-fraktion-brandenburg.de/afd-fraktion-wiederaufbau-der-potsdamer-garnisonkirche-muss-gesichert-werden/
8) https://predigten.evangelisch.de/predigt/frieden-lernen-wolfgang-hubers-predigt-zur-garnisonkirche

Neues Spendenziel der Stiftung Garnisonkirche widerlegt bisherige Kostenplanung

Wie den Artikeln der Lokalzeitungen MAZ und PNN am 24.6.2017 zu entnehmen war, stellte Ex-Landesbischof Wolfgang Huber am 23.6. den neuen Spendenkatalog für den Wiederaufbau des Garnisonkirchenturms an der Breiten Straße in Potsdam vor. Er bezifferte die mithilfe des neuen Katalogs anvisierten Spendeneinnahmen auf 18,5 Mio. €.

Einnahmen in dieser Größenordnung sind offenbar die Voraussetzung dafür, dass der barocke Turm nun doch in einem Bauabschnitt und ohne Abstriche bei der Fassade entstehen könnte.
Zusammen mit den schon eingenommenen bzw. zugesagten 27 Mio. € sieht die Stiftung Garnisonkirche also Baukosten von voraussichtlich rund 45,5 Mio. € als realistisch an.
Bislang bezifferte die Stiftung die Baukosten ihres Projekts auf 38 Mio. €, jetzt korrigiert sie ihre Planung um 7,5 Mio. € und plant künftig mit Baukosten von 45,5 Mio. €. Sie widerlegt damit die bisherige Bauplanung für den Wiederaufbau des barocken Turms.

Ein unabhängiger Baucontroller prognostizierte der Stiftung schon vor einiger Zeit Turmbaukosten von etwa 51 Mio. € zum Zeitpunkt der Fertigstellung.

Die Veröffentlichung der differierenden Zahlen kommt für die Kirchenbauer möglicherweise zur Unzeit, liegt doch der Fördermittelantrag zur Prüfung im Kulturministerium vor. Eine bereits vor Baubeginn geänderte Planung der Baukosten zeugt nicht gerade von langfristig korrekter und seriöser Planung.

Erste Ausschreibungen für Bauleistungen wurden gestartet. Es wird sich zeigen, ob Firmen zu den von der SGP geplanten Preisen arbeiten. Die Zukunft wird zudem zeigen, ob etwaige Spender*innen vom zweifelhaften Versöhnungskonzept und dem Risiko einer Bauruine bei gleichzeitig mittel- bis langfristigem Abriss des Rechenzentrums abgeschreckt werden.

Ungeliebt und gern zerstört?!

Unter diesem Titel erinnerte vor 5 Jahren eine Ausstellung in Hannover an die ehemalige Garnisonkirche dieser Stadt.

Offensichtlich wirkten Garnisonkirchen im Nachkriegsdeutschland wie ungeliebte Fremdkörper, egal ob in Hannover oder in Potsdam. In Hannover wurde die Garnisonkirche am Goetheplatz am 15. August 1960 gesprengt, wenige Tage später waren die Abrissarbeiten beendet und dieser Bau Geschichte. Den 2. Weltkrieg hatte diese Kirche vergleichsweise unbeschadet überstanden, die laut ‚Hannoversche Allgemeine Zeitung‘ als eine der schönsten Kirchenbauten Deutschlands galt.

Erst acht Jahre später, im Juni 1968, erfolgten in Potsdam die Sprengung des Turms der Garnisonkirche und der Abriss der Reste des ausgebrannten Kirchenschiffs. Mit dem Abtransport der baulichen Überreste verschwand ein architektonischer Schandfleck aus dem Stadtbild Potsdams. Da von der Turmruine immer wieder lose Steine und Sandsteinelemente fielen, war der Abriss auch unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit für Passanten und Fahrzeuge alternativlos.

Die Zerstörung und Entsorgung der Garnisonkirche in Hannover stieß damals überregional kaum auf Medienresonanz. Verglichen mit dem Propagandaaufwand, den Aufbaufans der etablierten Parteien bzw. der Evangelischen Kirche um die Sprengung der Potsdamer Garnisonkirche betreiben, tendiert der Informationsaufwand bezüglich der Kirchensprengung in Hannover gegen null.

Verständlich, denn sonst könnten ja Christen anno 2017 in Potsdam bemerken, dass auch in den alten Bundesländern, dem Zeitgeist bis Mitte der 70er-Jahre in Gesamtdeutschland entsprechend, Sakralbauten zerstört wurden, durch Sprengung bzw. Abriss. In dieser Zeit dominierten damals städtebauliche und architektonische Ideen der Nachkriegsmoderne, geprägt von optimistischen Zukunftsvisionen und einer geringen Wertschätzung für das bauliche Erbe der Vergangenheit. Wie zum Beispiel auch in Bremen, wo in den 50er-Jahren mehrere zerstörte Großkirchen aus der Zeit vor 1945 verschwanden, darunter die St. Ansgarii Kirche mit ihrem über 100 Meter hohen Turm.

Können Steine schuldig sein?

Unter der irreführenden Überschrift „Können Steine schuldig sein?“ erschien kürzlich ein Beitrag von Herrn Matthias Schulz im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, Ausgabe 22 vom 27.05.2017, Ressort Wissenschaft/Rubrik Geschichte.
Diesen Beitrag gilt es aus mehreren Gründen kritisch zu hinterfragen. Offensichtlich zielt die Frage der Überschrift auf die Formulierung der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche (FWG) ab, die in ihrem „Ruf aus Potsdam“ demagogisch von der Hinrichtung dieses Gebäudes spricht. Die vom Autor aufgeworfene Schuldfrage und die von der FWG thematisierte Hinrichtung sind allerdings Hirngespinste, es sei denn, man billigt dem einstigen Kriegstempel eigene Persönlichkeitsmerkmale, wie etwa Bewusstsein, zu.

Für das Ressort „Wissenschaft“ diskreditiert sich der Autor auch mit dem Versuch, von den 23.694 Pro-Klicks für das GK-Projekt auf der Internetseite von FWG/SGP, eine Zustimmung durch die Bevölkerung abzuleiten. Diese Anzahl von Zustimmungen resultiert aus Nutzern des weltweiten Internets, die an einer nicht repräsentativen Befragung teilnahmen. Bezogen auf die deutsche Wahlbevölkerung von ca. 61 Mio. (Wahlberechtigte zur Bundestagswahl 2017), relativiert sich die bundesweite Zustimmung für das umstrittene Projekt auf 0,04 %.
Dass das Wiederaufbauprojekt auch in der Evangelischen Kirche umstritten ist, zeigt die Tatsache, dass 2016 auf der Frühjahrssynode der EKBO nur 64,1 % der Synodalen der Vergabe eines Darlehens für das GK-Projekt zustimmten, 35,9 % Synodale votierten dagegen oder enthielten sich. Ein Darlehen aus dem Kirchenkreis Potsdam für dieses Wiederaufbauprojekt wurde nur von 55,6 % der Synodalen befürwortet, 44,4 % lehnten eine finanzielle Unterstützung ab oder enthielten sich.

Nicht erwähnt hat Herr Schulz, dass 2014 durch uns ein Bürgerbegehren in Potsdam erfolgreich durchgeführt wurde. In nur dreieinhalb Monaten erhielten wir von der Bevölkerung über 14.000 Unterschriften, die vom Wahlleiter geprüft und anerkannt wurden und somit ein nachprüfbares Votum gegen das Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche darstellen.
Die Brandenburger Landtagswahl 2014 bot die Chance, die Meinung der Potsdamer Bevölkerung zum umstrittenen Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche mit minimalem Aufwand zu erfragen. Dazu hätte man entweder einen Bürgerentscheid oder eine repräsentative Bürgerbefragung zeitgleich mit der Landtagswahl durchführen müssen. Wir als Bürgerinitiative haben uns dafür leider erfolglos eingesetzt. Die Eliten aus Politik und Kirche glaubten vermutlich selbst nicht recht daran, dass ihr umstrittenes Projekt in Potsdam mehrheitsfähig ist, und blockierten das Vorhaben einer Bürgerbefragung.

Fürchtet euch nicht, ihr Lämmer, ArgosGuard ist da!


Überwachungskamera Garnisonkirche Potsdam

Gott sieht alles. Neuerdings auch mit Argusaugen. Popelt da etwa jemand beim Betrachten der Kirchbrache? Ist das vielleicht Oralsex, gegenüber im zweiten Stock? Und ohne korrekt zugezogene Vorhänge, pfui Teufel! Gott beobachtet euch, Tag und Nacht. Integriertes Infrarotlicht!

Früher kamen vaterlandslose Sozialstaatsfanatiker und sprühten Slogans an die Balustrade. Kitas statt Kirchen. Was für ein Quatsch, in den kirchlichen Kitas Potsdams haben wir doch genug Platz für alle kleinen Bürger. Jetzt hat die Stiftung Garnisonkirche aufgerüstet und nutzt das Neueste vom Neuen. Gott ist schließlich nicht von gestern, Gott ist 24/7 online.

Überwachungskamera Garnisonkirche Potsdam

Doch noch muss der Mast auf dem Boden stehen und antiquierten Stadioncharme versprühen. Besonders wirkungsvoll nachts.
„Aaaachtung, aaachtung, still gestanden, Bursche! Argos sieht Dich! Weg da von Gottes Grundstück!“
– „Oh mein Gott..“, wird der fehlgeleitete Mensch mit der Spraydose denken, „… der Himmel spricht, schnell weg hier!“ – Und am nächsten Tag in die Kircheneintrittsstelle in der Nikolaikirche gehen.

So viel Funktionalität hat ihren Preis. 350 € pro Woche. Kein Problem, das sind ja nur ein paar Steinchen weniger für den Kirchturm. Dafür verschönert der Mast mit Lautsprecher und Kameras nun wirklich das Stadtbild. Die Jüngsten bleiben verzückt stehen und versuchen im Sand der Kirchbrache die Teletubbies zu entdecken, die sonst immer kommen, nachdem ein Lautsprecher herauskam. Ältere denken nostalgisch an Leni Riefenstahl, wünschen sich Rammsteins Depeche Mode Coversong aus den Lautsprecherboxen und sehen schon Diskuswurf oder Bodenturnen auf der Brache.

Überwachungskamera Garnisonkirche Potsdam

„Let me see you stripped“ sangen die Mecklenburger Rocker zur archaischen Stadionästhetik und ziemlich nackt bleibt auch der Kirchgrund. Ein ordentlicher Zaun wäre zu kleidsam für das Aufbauvorhaben. Gott mag keinen Stacheldraht und keine hohen Grenzen, Gott will freie Sicht!

1400 € kostet der gemietete Kameramast im Monat. Mit Zubehör, Fernzugriff und Alarm, sobald die Software einen Menschen im festgelegten Radius erkennt. Dafür hätte man auch einen gut aussehenden Wachmann in ein Häuschen stellen können. Wie bei der Queen. Ein Touristenmagnet wäre das gewesen. Doch für den Niedriglohnsektor ist die Stiftung Garnisonkirche nicht zu haben. Sie probiert lieber Orwellsche Produktneuheiten aus.

Überwachungskamera Garnisonkirche Potsdam

Ein Wiederaufbau, der beweist wie weit Deutschland gekommen ist

Am 8. Mai veröffentlichten die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ die Übersetzung einer Kolumne von Richard Morrison ins Deutsche, die am 28. April in der Londoner Tageszeitung „The Times“ unter der Überschrift „Ein Blick aus London auf die Garnisonkirche“ veröffentlicht wurde. Diese Übersetzung wurde noch am gleichen Tag auf der Internetseite der Potsdamer Aufbaufans veröffentlicht und erhielt von deren Klientel erwartungsgemäß regen Zuspruch. Grund genug für uns, diesen Beitrag einer kritischen Betrachtung zu unterziehen.

Zunächst fällt auf, dass der Autor zur Begründung des umstrittenen Wiederaufbaus einige Argumente anführt, die man schon seit Jahren auf der Internetseite der Potsdamer Aufbaufans lesen kann. Beispielsweise bemüht er ebenfalls Bach, der auf Einladung Friedrichs die Orgel der Garnisonkirche ausprobierte, erwähnt die (Zwangs-) Vereinigung von Lutheranern und Reformierten und informiert darüber, dass Friedrich hier in der Gruft aufgebahrt wurde.
Interessanter erscheinen uns allerdings folgende Informationen des Autors zum umstrittenen Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche:

1. Die geplante Teilrekonstruktion im Umfang von 22 Mio. britischen Pfund, gefördert von Bundesregierung und evangelischer Kirche anlässlich des 500. Jahrestags der Reformation, steht für eines der umstrittensten Welterbeprojekte in diesem Jahr.
2. Mittlerweile sind die Kosten weit über das hinausgegangen, was geplant war.

Realitätsfern kommt Herr Morrison uns aber vor, wenn er sich zur Sprengung und zum Abriss der Überreste der Garnisonkirche äußert. Er bezeichnet diese Entscheidungen als Akt staatlichen Vandalismus und unterstellt der DDR die Absicht „jedes einzelne Monument auszuradieren, das ihr selbst vorausgegangen war“.
Folgt man dieser kruden Unterstellung des Autors, dürfte es in Potsdam eigentlich gar keine Kunst- und Baudenkmäler aus der Zeit vor 1945 mehr geben. Keine Schlösser und Gärten wie den Park von Sanssouci, den Neuen Garten oder den Babelsberger Park. Allerdings besuchen zahlreiche Touristen Potsdam und können sich von der Unversehrtheit ererbter Architektur, sowie vieler Kunst- und Kulturgüter aus vergangenen Jahrhunderten überzeugen. Bei einer Stadtführung könnten sie auch erfahren, dass die Restaurierung der im April 1945 stark zerstörten Nikolaikirche seitens der DDR erheblich gefördert wurde und 1981 abgeschlossen wurde. Die Errichtung dieser Kirche begann 1830 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel, vollendet wurde sie mit der Fertigstellung der Kuppel 1850. Nach der schlichten Logik des Aufbaufans Morrison hätte die DDR die Nikolaikirche ausradieren müssen, aber die Realität ist nun einmal das Kriterium der Wahrheit.

Für realitätsfern halten wir auch die Aussage des Autors, wenn er suggeriert, es wären Kompromisse zum Wiederaufbau ausgehandelt worden. Betrachtet man die ursprünglich geschätzten Baukosten für die Garnisonkirche, 40 Mio. € für den Turm und 60 Mio. € für das Kirchenschiff, und vergleicht sie mit den eingeworbenen Mitteln zu ihrer Finanzierung wird klar: Unter Nutzung von 12 Mio. € Fördermittel der Bundesregierung und 5 Mio. € kirchlicher Darlehen sind gerade einmal die Baukosten für eine stark reduzierte Variante des Turms – ohne Turmhaube, Glockenspiel und barocken Verzierungen – gesichert. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind also noch nicht einmal die gesamten Baukosten für den originalgetreu rekonstruierten Turm gesichert. Die Sicherung der Baukosten für das Kirchenschiff ist daher gegenwärtig nicht einmal im Ansatz gegeben, egal ob als barocke Kopie oder im modernistischen Architekturstil realisiert. Vor diesem Hintergrund suggeriert der Verzicht auf den Aufbau des Kirchenschiffs lediglich fehlende Finanzmittel für dieses Bauvorhaben. Da denkt man bestenfalls an den Spruch „Arm wie eine Kirchenmaus“, aber nicht an Kompromissbereitschaft seitens der Potsdamer Aufbaufans.

Am Ende seines Beitrags versucht Aufbaufan Morrison zu suggerieren, dass der Wiederaufbau der Garnisonkirche ein Zeichen dafür wäre, dass Deutschland bereit sei, sich mit allen Facetten seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, weil seine Bürger mittlerweile zu den tolerantesten Völkern dieses Planeten gehören.
Der Kolumnist der Times verdrängt allerdings die historische Tatsache, dass die Garnisonkirche wie kein anderes Gebäude unserer Stadt den (Un-) Geist von Potsdam symbolisiert. Wir hätten es trotzdem begrüßt, wenn sich die Verantwortlichen der Evangelischen Kirche in Deutschland kritisch mit der Vergangenheit der Garnisonkirche und den dort tätigen Pfarrern beschäftigt hätten. Denn es waren Pfarrer der Garnisonkirche, die mit ihren Kriegspredigten einen wesentlichen Beitrag der Evangelischen Kirche zur „geistlichen Mobilmachung“ leisteten, während zweier Weltkriege.
Vor diesem Hintergrund halten wir auch den Begriff „gotteslästerliche Bude“ für die Garnisonkirche für angemessen und legitim. Dass sich der ehemalige Bischof Wolfgang Huber über diese Wortwahl echauffiert, lässt wenig Konstruktives im Umgang mit der Geschichte der Garnisonkirche und den dort bis 1945 agierenden Kirchenakteuren erwarten.

Link zur Kolumne: http://www.pnn.de/potsdam/1180942/

Unsere Buchempfehlung zum Thema:

FÜR DEUTSCHTUM UND VATERLAND | Die Potsdamer Garnisonkirche im 20. Jahrhundert
Autor Matthias Grünzig
Erschienen 2017 im Metropol Verlag
ISBN: 978-3-86311-296-1

Wie ist die Stimmung in Potsdam?

Es gibt bisher keine gesamt umfassende Befragung zum Thema Garnisonkirche. Ein von uns gewollter Bürgerentscheid, bei dem die Potsdamer Bürger*innen hätten für oder gegen die Garnisonkirche abstimmen können, wurde im Jahr 2014 trickreich verhindert. Daher bleiben uns bisherige Abstimmungen:

Die offiziellen und amtlich überprüfbaren Abstimmungen zeigen ein deutliches Bild:

Die Garnisonkirchenbefürworter*innen beziehen sich dagegen auf folgende Abstimmungen, die keine offiziellen Kriterien der Überprüfung erfüllen können:

Ergänzung zu unserer PM: Zweifel an Rückzahlung der Kirchenkredite – SGP kalkuliert mit viel zu geringen Ausgaben

Die Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP) macht sich gemäß der Berichterstattung nicht mal die Mühe, auf unsere Zweifel zur Finanzplanung einzugehen. Im Gegenteil: Schon Franz Steinfest, Baucontroller mit 35 Jahren Berufserfahrung, musste feststellen, dass es keinerlei Dialogbereitschaft seitens der Stiftung gibt. Er stellte im Februar 2016 (!!) an die SGP Fragen, auf deren Antworten er bis heute vergeblich wartet.

Herr Steinfest hat uns seine Fragen freundlicherweise für die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt:p-gk-20160213-offene-fragen-zum-bau-des-turms-der-garnisonkirche_aktualisiert20170220_1

PM: Zweifel an Rückzahlung der Kirchenkredite – SGP kalkuliert mit viel zu geringen Ausgaben und ohne Instandhaltungskostenrücklage

PRESSEMITTEILUNG der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche Potsdam

Potsdam, den 20.02.2017

Zweifel an Rückzahlung der Kirchenkredite – SGP kalkuliert mit viel zu geringen Ausgaben und ohne Instandhaltungskostenrücklage – Realistische Berechnungen sehen Ausgaben bei mindestens 983.000 € statt bisher veranschlagten 610.000 Euro

Die kirchlichen Gläubiger haben ein berechtigtes Interesse daran, dass die Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP) die ausgereichten Darlehen zurückzahlen wird. Es stellt sich daher die Frage: Kann die SGP ihr Versprechen halten, die ausgereichten Darlehen fristgerecht in dreißig Jahren zurückzahlen? Zur Beantwortung dieser Frage ließen wir uns von Herrn Steinfest beraten, der als Dipl.-Kaufmann und Baucontroller über jahrelange berufliche Erfahrungen verfügt.

Auszugehen ist von folgender (fiktiven) Situation: Der Aufbau des Turms soll im Oktober 2017 beginnen, seine Fertigstellung als originalgetreue Kopie muss, unter Beachtung baurechtlicher Vorgaben, im Juni 2020 beendet sein. Herr Steinfest geht davon aus, dass die von der SGP seit 2011 veröffentlichten Baukosten, die nur eine Kostenschätzung ist, weil Ausschreibungen mit konkreten Angebotspreisen fehlen, für den kompletten Turm nicht 37,8 Mill. € betragen werden sondern durch die Baupreissteigerungen, die in den vergangenen Jahren bei durchschnittlich 3,75 Prozent lagen – im Zeitraum Mitte 2011 bis Ende 2016 waren es rund 20 Prozent – um 36 Prozent auf rund 51,4 Mill. € ansteigen werden.

Herr Steinfest kritisiert im Gespräch mit uns, dass die Kosten für den Unterhalt, den Betrieb und insbesondere die Instandhaltung des Turms bei dieser Planung um mindestens 356.400 € zu niedrig angesetzt wurden. Selbst wenn die Plankosten der SGP eingehalten werden sollten, müssen jährliche Rücklagen von einem Prozent der Baukosten, also 378.000 €, gebildet werden (nach der Prognose von Herrn Steinfest sogar 510.000 €).
Herr Steinfest, der 35 Jahre als Baucontroller tätig war, berichtete uns, dass ihm kein Gebäude – außer Lagerhallen und einfache Fabrikationsgebäude – bekannt ist, das weniger als 1,5 Prozent der indexierten (mit Preissteigerung) Baukosten an Instandhaltungskosten verursachte. Die WilhelmGalerie am Platz der Einheit, die 1998 fertiggestellt wurde, benötigte in den vergangenen 18 Jahren durchschnittlich sogar mehr als 2 Prozent.

Auch wenn in den ersten fünf Jahren nicht damit zu rechnen ist, dass größere Instandhaltungskosten anfallen werden, so ist es doch der kaufmännischen Vorsicht geboten, schon im ersten Jahr Rücklagen zu bilden für die zukünftigen Ausgaben. Der Turm soll traditionell Stein auf Stein mit viel Handarbeit gebaut werden und die SGP rechnet mit 80.000 Besuchern im Jahr (bei 7-monatiger Touristenzeit wären das 380 pro Tag). Das bedeutet, dass die baulichen Anlagen (Innenausstattung, Sanitärräume, Treppenhäuser, Fahrstuhl, Klimaanlage und Heizung) stark beansprucht werden. Einen Betrag in dieser Größe kann man bei korrekter Haushaltsplanung also nicht vernachlässigen und Herr Steinfest glaubt auch, dass mehr als die oben genannten Kosten in den nächsten 30 Jahren durchschnittlich anfallen werden. Werden diese Rücklagen nicht gebildet besteht die Gefahr, dass die evangelischen Christen diese Kosten tragen müssen, denn die Stadt Potsdam und das Land Brandenburg haben es durch Parlamentsbeschlüsse abgelehnt, für Bau- und Unterhaltskosten des Turms aufzukommen. Ob es dabei bleibt, steht in den Sternen. Wir gehen aber davon aus, dass diese Beschlüsse nicht verändert werden können, ohne dass die Bürger massiven Protest einlegen würden und für die Parteien ein massiver Vertrauensverlust entsteht.

Realistische Bewertung der Instandhaltungskosten:
Im Haushaltsplan der SGP für die Jahre ab 2020 – am 7. November 2016 veröffentlicht – werden für die lfd. Unterhaltung des Gebäudes 21.600 € ausgewiesen, für die Wartung technischer Anlagen 18.326 €. Insgesamt weist die SGP Unterhaltskosten von rund 40.000 € aus, 356.400 € für die Instandhaltung wurden bei den Ausgaben aber nicht berücksichtigt (siehe oben, 2. Absatz). Wir haben eine Einnahmen- und Ausgabenrechnung erstellt, und diese Kosten als Pos. 3 korrigierend bei den Ausgaben berücksichtigt.

Realistische Bewertung der Betriebskosten:
Die Personalkräfteplanung der SGP wurde in ihren Eckdaten auf der Frühjahrssynode 2016 der EKBO folgendermaßen skizziert:
Für die Leitung und den Betrieb des Turms werden 3 Vollzeit-Arbeitskräfte und 3 Minijobber eingeplant. Geht man davon aus, dass die Personalkosten für 2 Vollzeit-Arbeitskräfte im Haushaltsplan mit 59.000 € ausgewiesen wurden, dann hat man die jährlichen Kosten für die Minijobber von 16.200 € nicht berücksichtigt. In der von uns erstellten Einnahmen/Ausgaben Rechnung haben wir diese Kosten als Pos. 11 korrigierend bei den Ausgaben berücksichtigt.

Eine Korrektur der Ausgaben bei den Unterhalts- und Betriebskosten führt allerdings dazu, dass der Haushalt ab 2021 nicht mehr ausgeglichen ist, sondern dass mit einem jährlichen Verlust in der Größenordnung von rund  372.600 € zu rechnen ist.
Ein derartiges Betriebsergebnis lässt uns allerdings daran zweifeln, dass die SGP kirchliche Darlehen von 5 Mio. € fristgerecht zurückzahlen kann. Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, dass mit Beginn der Bewirtschaftung des Turms Gelder aus kirchlichen Darlehen im märkischen Sand versickern könnten.

Als Bürgerinitiative folgen wir der Kritik von Herrn Steinfest. Wir befürworten außerdem einen konstruktiven Dialog zwischen einem Vertreter der SGP und Herrn Steinfest. Auf dieser Grundlage ließe sich in der Öffentlichkeit Transparenz herstellen, bezüglich der Baukosten für die barocke Turmkopie und der umstrittenen Haushaltsplanung seitens der SGP für 2020 und folgende Jahre.

Anlage:
Einnahmen- und Ausgabenrechnung 2020 und Folgejahr zum Betrieb des Turms (Kopie) der ehem. Garnisonkirche:
https://ohnegarnisonkirche.files.wordpress.com/2017/02/anlage_pm200220171.pdf

PM: Bauunterlagen zeigen Widersprüche – Überprüfung von Bauausschuss gefordert

PRESSEMITTEILUNG der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche Potsdam

Potsdam, den 23.01.2017

Ein Einblick in die Baugenehmigung für den Garnisonkirchenturm aus dem Jahr 2013 offenbart einen eklatanten Widerspruch zwischen den damaligen und heutigen Angaben zur Bauzeit durch die Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP). Danach wurde im Jahr 2013 mit einer Bauzeit von mehr als 4 Jahren für den kompletten Turm gerechnet. Heute soll die Bauzeit nur noch 2 Jahre betragen. Die Baugenehmigung läuft jedoch vorher aus. Ebenfalls hat sich die SGP dazu verpflichtet, ab 2020 die kirchlichen Darlehen zu tilgen.

Weiterhin zeigen die Bauunterlagen, dass es höchst unsicher ist, ob die heutige Planung für einen reduzierten, 56 m hohen Turm die damals für eine Genehmigung gestellten Bedingungen erfüllt. Die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche fordert den Bauausschuss deshalb auf, die Bauunterlagen zur Baugenehmigung im Vergleich zu den heutigen Planungen der SGP zu überprüfen. Eine Änderung des damaligen Bauantrages und damit ein erneuter Genehmigungsprozess ist – vor dem Hintergrund der starken Abänderung und Widersprüche der Bauplanungen – vonnöten.

Nach den aktuellen Äußerungen und Verpflichtungen gegenüber den kirchlichen Darlehensgebern soll der Bau des kompletten Garnisonkirchenturms von Herbst 2017 bis Anfang 2020, also ca. 2 Jahre, dauern. Dagegen heißt es in den genehmigten Bauunterlagen aus dem Jahr 2013: „Die Baumaßnahme Wiederaufbau der Garnisonkirche- 1. Bauabschnitt Turm ist durch seine komplexe Bauform über eine Gesamtbauzeit von 4 Jahren geplant.“ Dabei wurden drei Bauabschnitte eingeplant.

Die Kalkulationen für die Turmkopie sind wohl bundesweit einmalig: Seit 2011 sanken die Baukosten für den Gesamtturm von damals 40 bis 41 Mio. Euro auf heutige 37,8 Mio. Euro. Die üblichen Baukostensteigerungen von mehreren Prozent pro Jahr bleiben völlig unberücksichtigt. Nun soll auch die ursprünglich geplante Bauzeit auf die Hälfte reduziert werden.

Das Bauvorhaben ist weiterhin von einer völligen Unterfinanzierung gekennzeichnet. Bisher hat die SGP lediglich 14 Mio. Euro zur Verfügung. Selbst wenn der Bund, entgegen den Bestimmungen der Bundeshaushaltsordnung, die 12 Mio. Euro bereitstellt, fehlen weitere 12-15 Mio. € zur Fertigstellung des kompletten Kirchturmes. Diese müssten in der verkürzten Bauzeit von 2 Jahren eingesammelt und verbaut werden.

Rätsel gibt auch die Refinanzierung der Kirchenkredite auf, wenn nach 2019 weiterhin eine Baustelle existiert. Ebenso die Fragen: Wie soll eine Fertigstellung des Turmes erfolgen, wenn 2019 die Baugenehmigung ausläuft? Bis wann soll der Turm fertiggestellt werden? Wann sollen der Zierrat und die Haube aufgesetzt werden? Wie viele Jahre sollen Baugerüste und Krananlagen das Baufeld bestimmen? Wie sollen auf einer Dauerbaustelle die geplanten Eintrittsgelder zur Kredittilgung erwirtschaftet werden?

Mit den riskanten und offensichtlich widersprüchlichen Planungen der SGP droht der Stadt Potsdam und den bisherigen Fördermittelgebern wie Land, Bund und Kirchen unweigerlich eine Förder- und Bauruine.

Kirchenaustritt dank Garnisonkirche Potsdam

Rückblende: Show mit schönem Schein

Im letzten September durfte die Stiftung Garnisonkirche einen ZDF-Fernsehgottesdienst zur Bewerbung ihres Neubauvorhabens ausrichten. Sie zog dabei alle Marketingregister für hübsche Bilder und gebefreudige Besucher*innen. Dennoch ist längst nicht jede*r Christ*in und Architekturinteressierte vom neobarocken Wiederaufbaugedanken überzeugt.

Für Professor Philipp Oswalt war besagter Gottesdienst sogar der letzte, noch fehlende Anstoß, um aus der staatlich unterstützten Struktur „Kirche“ auszutreten. Und es waren nicht nur bautheoretische Differenzen, die den ehemaligen Direktor der Stiftung Bauhaus in Dessau zu einem Schreiben an die Kirchenleitung bewegten, wie Sie hier lesen können.

Niemand hat die Absicht, eine Förderruine zu bauen?!

Der Präsident des Bundesrechnungshofs findet klare Worte, wie man Förderruinen verhindert und nimmt Bezug auf die unseriösen und unzulässigen Strategien, Projekte in Häppchen aufzuteilen, wie es bei der Garnisonkirchenkopie der Fall ist. Ein zu förderndes Gesamtprojekt muss zudem eine gesicherte Finanzierung vorweisen. Der für die Bundesförderung beantragte Kirchturmstumpf ist kein Gesamtprojekt, was einen gesicherten und ausgeglichen Wirtschaftsplan vorweisen kann. Es gibt einfach keinen Wirtschaftsplan für diese reduzierte Turmkopie. Die angestrebte Bundesförderung von 12 Mio. Euro kann nur unter Missachtung dieser klaren Regeln ausgezahlt werden.

Auszug aus „Prüfung der Vergabe und Bewirtschaftung von Zuwendungen – Typische Mängel und Fehler im Zuwendungsbereich: Aber wer hat denn schon die Absicht, eine Förder- und Bauruine entstehen zu lassen?“:

3.2.2 Sicherung der Gesamtfinanzierung

Zuwendungen dürfen nur für solche Vorhaben bewilligt werden, deren Gesamtfinanzierung gesichert ist; eine Anfinanzierung ist unzulässig (VV Nr. 1.2 Satz 3 zu § 44 BHO). Demzufolge müssen bei einer Projektförderung der Kosten- und Finanzierungsplan, bei einer institutionellen Förderung der Wirtschaftsplan in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen sein. Um der Gefahr des Entstehens von „Förderruinen“ vorzubeugen und um einem möglichen faktischen Zwang zur Nachbewilligung zu entgehen, ist die Bewilligungsbehörde im Rahmen der Antragsprüfung gehalten, die Gesamtfinanzierungsfrage zu klären und das Ergebnis zu vermerken (VV Nr. 3.3. i. V. m. 3.3.4 zu § 44 BHO). Sie hat in diesem Zusammenhang zu prüfen, ob die vom Zuwendungsempfänger angesetzten

  • Ausgabenansätze,
  • ausgewiesenen Eigen- und Drittmittel sowie die
  • in Ansatz gebrachten Zuwendungen anderer Gebietskörperschaften

realistisch und – soweit nicht belegbar – zumindest nachvollziehbar sind. Sie hat weiterhin die finanziellen Auswirkungen des Fördervorhabens auf zukünftige Haushaltsjahre zu bewerten (VV Nr. 3.3 i. V. m. Nr. 3.3.5 zu § 44 BHO). Daraus folgt, dass bei Investitionen die Finanzierung der Folgekosten ebenso gesichert sein muss. Eine unzulässige Anfinanzierung ist auch anzunehmen, wenn ein zu förderndes Vorhaben aus Finanzierungsgründen in mehrere, für sich nicht funktionsfähige Abschnitte aufgeteilt wird.

__________________________________________________________________

Quelle:
https://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/gutachten-berichte-bwv/gutachten-bwv-schriftenreihe/langfassungen/2004-bwv-band-10-pruefung-der-vergabe-und-bewirtschaftung-von-zuwendungen

Stiftung Garnisonkirche: Uneinigkeit über Bauplan nährt Sorge um Bauruine

PRESSEMITTEILUNG der Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche Potsdam

Potsdam, den 04.01.2017

Die Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP) sorgt für Verwirrung über den geplanten Bau des Garnisonkirchenturms und nährt die Sorge um eine Bauruine mitten in Potsdams Innenstadt. Manfred Stolpe, langjähriges Kuratoriumsmitglied der SGP, erklärte jüngst in einem Interview mit der BZ: „Wenn es 2017 losgeht, könnte der Sockel bis 2020 fertig werden. Danach kann man an die Barockhaube und die historische Fassade gehen.“ Das Kuratoriumsmitglied widerspricht damit bisherigen Verlautbarungen über den Bauplan, nach denen bis 2020 der gesamte Turm fertig gestellt sein soll. Die Fertigstellung des gesamten Turms ist zudem die Voraussetzung dafür, dass Eintrittsgelder eingenommen werden können. Die SGP hat sich gegenüber den kirchlichen Gremien dazu verpflichtet, ab 2020 die Darlehen von 5 Mio. Euro zurückzahlen. Würde bis 2020 – nach den Worten Stolpes – erst der 60 m hohe Turmstumpf stehen, der mehr eine Dauerbaustelle als eine Touristenattraktion darstellt, wäre der Rückzahlungsplan nicht zu erfüllen. Die Rückzahlungsverpflichtungen würden die SGP zahlungsunfähig machen und den Weiterbau der Garnisonkirche stoppen.

Die widersprüchlichen Äußerungen zeigen, dass selbst das langjährige Kuratoriumsmitglied Manfred Stolpe bezüglich der wenig glaubhaften Bau- und Finanzierungsplänen unsicher ist. Für die Fertigstellung des gesamten 88 m hohen Turms bis 2020 müsste die SGP innerhalb von zwei Jahren mindestens weitere 11,7 Mio. Euro einnehmen und diese per Ausschreibung verbauen. Dabei sind normale Baukostensteigerungen nicht einkalkuliert. Hinsichtlich des bisherigen Spendenaufkommens müsste die SGP ihre Einnahmen verdreizehnfachen. Seit dem großen Spendenaufruf im Jahr 2004 („Ruf aus Potsdam“) wurden 5,5 Mio. Euro (rund 460.000 Euro pro Jahr) private Spenden eingenommen. Die SGP müsste nun pro Jahr mindestens 6 Mio. Euro private Spenden einnehmen, um alle Pläne und Verpflichtungen einzuhalten.